Wolfgang Benz: Das sind "die persönlichen Hasstiraden eines Besessenen ohne weiteren Erkenntniswert"
Berlin - Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in
Berlin, Wolfgang Benz, lehnt die geplante Veröffentlichung von Adolf Hitlers
Buch "Mein Kampf" entschieden ab. Es handle sich bei dem Buch nicht um eine
"Blaupause des Dritten Reiches", sondern um "die persönlichen Hasstiraden eines
Besessenen ohne weiteren Erkenntniswert", sagte der Historiker am Donnerstag in
einem Interview von SWR 2.
Es sei nicht so, dass man - wie es oft propagiert werde - nach der Lektüre
des Buches das Dritte Reich verstehe. "Das ist ein endloser ermüdender,
beleidigender Monolog über Rasse, Reinheit und über die Überlegenheit des
deutschen Menschen", sagte Benz. "Deshalb sehe ich keine Notwendigkeit, dieses
Buch jetzt neu zu veröffentlichen." Es gebe auch bereits genug Ausgaben davon,
zudem könne man es aus dem Internet herunterladen. "Also wer sich mit dem
Wortlaut vertraut machen will, hat alle Möglichkeiten dazu."
Das Buch wird seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr aufgelegt. Das
Land Bayern hält die Rechte und hat jeden Nachdruck verboten. Wenn 2015 die
Urheberrechte ablaufen, darf jedoch jeder den Text veröffentlichen. Das Münchner
Institut für Zeitgeschichte (ifz) will das Buch 2015 als wissenschaftlich
kommentierte Ausgabe herausbringen. "Wir wollen rechtsradikalen
Neupublikationen, die nach Auslaufen der Urheberrecht erscheinen könnten, den
Weg verbauen", erklärte Historikerin Edith Raim vom ifz. (APA)