Aneta Grzeszykowska in einer Einzelausstellung in der Galerie nächst St. Stephan in Wien
Nur weil der jüngste Film der polnischen Künstlerin Aneta Grzeszykowska "Birthday" heißt, darf man sich in ihrer Einzelausstellung in der Galerie nächst St. Stephan keine bunten Luftballons erwarten. Vielmehr wird mit lebensgroßen Kinderfiguren, skulpturalen Objekten und Frauenporträts ein Szenario vorgeführt, in dem stachelige Kletten und schwarze Wolle für eine beklemmende Atmosphäre sorgen.
Kleine, stachelige Kletten, die sich nur noch stärker verkrallen, je vehementer man sie loswerden will, tauchen in der Ausstellung der 1974 in Warschau geborenen Künstlerin an den unterschiedlichsten Stellen auf: So formen sie etwa ein Hundeherz, das Aneta Grzeszykowska wie ein abstraktes Objekt auf einem Podest präsentiert, oder sie füllen einen riesigen Holzrahmen und geben darin den Anschein eines Gobelins, zu dem man besser Distanz bewahrt.
Gänzlich aufgelöst wird diese Distanz jedoch auf zwei Fotografien, auf denen die unliebsamen Anhängsel eine zusätzliche Schutzfunktion erhalten. An die Stelle von Scham- und Achselhaaren zweier Frauen gesetzt, wird - trotz oder gerade wegen ihrer lasziven Posen - gleichzeitig eine aggressive Haltung gegenüber (voyeuristischen) Annäherungen demonstriert.
Dass Aneta Grzeszykowska mit der Klette eine Pflanze gefunden hat, die ihr künstlerisches Interesse sehr schön symbolisiert, zeigt sich auch im zweiten Raum. Dort konzentriert sich die Künstlerin stärker auf ihre Biografie und die ambivalente Funktion von Familien.
Zu sehen sind lebensgroße, schwarze Kinderfiguren, die das Unheimliche eher auf klassischem Weg vermitteln, während eine Katze namens Devil zum Thema Verletzlichkeit noch einmal eine ganz andere Geschichte erzählt: Devil ist die Rekonstruktion einer Puppe, die Grzeszykowska als Teenager herstellte, wobei sie in einer unbedachten Bewegung das Auge ihres Bruders verletzte. In der Ausstellung wird das erblindete Auge, dessen Pupille unnatürlich mit der Iris verschwimmt, ín Großaufnahme vor einer Leuchtbox präsentiert.
Nachdem familiäre Abgründe grundsätzlich kein so großes Geheimnis mehr sind, lässt Grzeszykowskas Umgang mit der eigenen (Un-)Schuld den Betrachter um einiges irritierter zurück als etwa das Video Birthday, für das die Künstlerin Archivmaterial eines Kindergeburtstags in einen nicht ganz so aufregenden Thriller verwandelt hat. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2010)