Tödlicher Leichtsinn

Zahlreiche Tote bei Lawinenunglücken

05. Februar 2010 16:32
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    Foto: apa

    Bergretter bei der Suche nach der verschütteten Frau im Bezirk Gmunden

Tourengeher am Freitag im Ötschergebiet umgekommen - Allein am Donnerstag fünf Lawinentote

Scheibbs/Salzburg/Innsbruck/Bregenz - Die Serie mit Lawinentoten geht weiter: Ein Lawinenunglück im Gebiet des Kleinen Ötschers in Niederösterreich hat ein Todesopfer gefordert. Ein seit Donnerstagnachmittag vermisster 40 Jahre alter Tourengeher ist am frühen Freitagnachmittag tot geborgen worden. Das hat die Bergrettung Niederösterreich-Wien bestätigt.

Nach dem Mann hatte es zuvor im sogenannten Grünloch im Gemeindegebiet von Lackenhof am Ötscher (Bezirk Scheibbs) eine groß angelegte Suchaktion gegeben. Im Einsatz standen 73 Bergretter, fünf Mitglieder der alpinen Einsatzgruppe der Polizei, zwei Hundeführer sowie ein Mitglied des Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes. Auch ein Black Hawk des Bundesheeres war angefordert worden. Mit dem Hubschrauber wurden laut Bergrettung Such- und Orientierungsflüge durchgeführt.

Fünf Lawinentote am Donnerstag

Allein am Donnerstag haben Lawinen fünf Todesopfer in Österreich gefordert: Zwei Snowboarder kamen in Werfenweng im Salzburger Pongau abseits der Piste ums Leben. Ein 22-jähriger Deutscher starb am Abend im LKH Feldkirch, nachdem er am Nachmittag 45 Minuten lang unter Schneemassen begraben war. Eine 29-jährige Oberösterreicherin kam bei einem Abgang auf dem Kasberg im Bezirk Gmunden um. Am Sonntagsköpfl oberhalb von Hochfügen im Tiroler Zillertal war eine Tourengeherin aus Bayern das Opfer.

Die beiden getöteten Männer in Werfenweng waren Variantenfahrer, die unterhalb der Bergstation die Piste durch den Wald abfuhren und sich dann ins freie Gelände begaben, in dem am Nachmittag mehrere kleinere Lawinen niedergegangen waren, schilderte Maria Riedler von der Bergrettung. Die Snowboarder waren zu dritt unterwegs gewesen, doch einer verabschiedete sich zu Mittag. Als die beiden anderen Snowboarder am Abend nicht zurückkamen, schlug er Alarm. Die Bergrettung fand die beiden Männer tot in einer Tiefe von circa 30 Zentimetern, doch hatten sie keine Luft zum Atmen.

Der junge Deutsche aus Baden-Württemberg, der in Vorarlberg verstarb, war ebenfalls ein Snowboarder. Er hatte das Schneebrett gemeinsam mit drei Begleitern im freien Skiraum des grenzüberschreitenden Skigebiets Kanzelwand-Fellhorn (Kleinwalsertal) ausgelöst. Bei seiner Bergung hatte der 22-Jährige das Bewusstsein bereits verloren. Er war von der Lawine 600 Meter weit mitgerissen worden und eineinhalb Meter tief verschüttet. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber ins LKH geflogen.

"Sie mussten sogar über den Lawinenabriss drüberfahren", konnte Bürgermeister Werner Strohmaier das Verhalten der Gruppe nicht nachvollziehen. "Es war mehr als gefährlich für die Einsatzkräfte." Seinen Angaben zufolge fuhren die vier im Bereich der Gehrenspitze in einen Hang ein, in dem kurze Zeit zuvor bereits eine Lawine losgetreten worden war. Es handelte sich um den dritten Lawinentoten in Vorarlberg innerhalb von zwei Tagen.

Fünf Lawinen in Vorarlbergs Skigebieten

In Vorarlbergs Skigebieten gingen am Donnerstag insgesamt fünf Lawinen nieder. Bei den anderen Lawinenabgängen im Kleinwalsertal wurden insgesamt fünf Wintersportler zum Teil verschüttet, blieben aber unverletzt. Im Skigebiet Lech am Arlberg gab es keine Verschütteten. Dutzende Rettungskräfte waren im Einsatz.

Bei der Lawine im Zillertal konnte der Begleiter der getöteten Frau nach ersten Informationen der Bergretter erst Stunden nach dem Unglück einen Notruf über Handy absetzen. Erst in den Abendstunden wurde der ebenfalls aus Bayern stammende Skitourengeher, der sich erst nach Einbruch der Dunkelheit aus den Schneemassen befreien konnte, lebend geborgen und ins Krankenhaus geflogen. Die Leiche seiner Freundin wurde erst nach 21.00 Uhr geborgen.

Die Frau auf dem Kasberg in Oberösterreich hatte keinen Lawinenpiepser bei sich. Sie wurde nach einer Stunde geborgen. Reanimationsversuche blieben erfolglos. 50 Einsatzkräfte waren hier im Einsatz. Ihre beiden Begleiter hatten sich vor den herannahenden Schneemassen in Sicherheit gebracht.

Weiterhin Lawinengefahr

In Österreichs Bergen herrscht derzeit in vielen Gebieten Lawinenwarnstufe 3. Bei dieser "erheblichen" Gefahrenlage passieren 45 Prozent der tödlichen Unfälle, hieß am Freitag seitens der Vorarlberger Landeswarnzentrale.

In Vorarlberg waren Schneebrettauslösungen bereits durch einzelne Wintersportler möglich. Mit der Erwärmung im Tagesverlauf und durch die Föhnverwehungen sollte sich die Gefahr noch erhöhen. Unterhalb von 1.700 Metern waren spontane Nass- und Gleitschneelawinen möglich. In weiten Teilen Tirols wurde die Lawinensituation als "unverändert heikel" bezeichnet.

Auch in Oberösterreich mahnten Experten zur Vorsicht: Bereits bei geringer Belastung könne man ein Schneebrett lostreten. In manchen Lagen war auch die Selbstauslösung von kleineren und mittleren Lawinen noch möglich. Im Bundesland Salzburg blieb die Lawinengefahr erheblich (Stufe 3), ausgenommen war der Lungau, wo sie mäßig (Stufe 2) war. Schneebretter konnten bereits bei geringer Belastung brechen.

In der Obersteiermark wurde das Risiko von "groß" auf "erheblich" zurückgestuft, auch hier wurde von Touren abseits der gesicherten Pisten abgeraten. In den westlichen Gebirgsgruppen in Niederösterreich bestand ebenfalls erhebliche Lawinengefahr. Das galt für die Ybbstaler und Türnitzer Alpen, aber auch für das Gebiet Rax-Schneeberg. Die Situation bleibe am Wochenende angespannt.

"Mäßig" (Stufe 2 von fünf) war die Einschätzung des Lawinenwarndienstes für den Großteil der Kärntner Berge. Eine Ausnahme waren die Hochlagen, dort war die Gefahr doch erheblich.

Ruderbewegungen

Völlig unverletzt hat ein 36-jähriger Deutscher einen Lawinenabgang in Reith bei Seefeld (Bezirk Innsbruck-Land) am Freitag überlebt. Der Skifahrer wurde im Bereich der sogenannten "Härmelekopf-Rinne" 100 Meter von den Schneemassen mitgerissen. Mit Ruderbewegungen konnte er sich an der Oberfläche halten und kam schließlich unversehrt auf dem Lawinenkegel zu liegen. (APA)

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Überwachungskamera1
06.02.2010 09:26
die anderen sind schuld....!

zoe20
05.02.2010 17:47
wen schockieren jetzt noch Lawinenforschung mit Tierversuchen??

Ich hoffe, dass spätestens jetz klar ist, dass Humanismus die Geisteshaltung sein sollte und nicht Animalismus. Ich will alles ausloten um lebensverlängernde Lösungen für solche Extremsituationen entwickeln zu können. Wenn meine Tochter oder Sohn als halbstarke Snowboarder betroffen wären, würde ich gerne jede sau für Forschungszwecke geopfert haben um auch nur eine Minute länger Zeit für Rettungsmaßnahmen zu schaffen. Dafür würde ich sogar ein Leben lang auf Schnitzel verzichte. Als Wiedergutmachung sozusagen

Maria Lacina
05.02.2010 19:22
Simnvoller..

wäre es, die Kinder zu einem respektvollen Umgang mit der Natur zu erziehen. Dann müsste man keine sinnlosen Schweine-Experimente machen UND die Kinder wüssten um die Gefahr und würden nicht bei gefährlicher Witterung auf den Bergrn herumrutschen.

Beliar
05.02.2010 18:24
aber die kinder vorher zu eigenverantwortlichkeit,

nachdenken, geringer risikobereitschaft erziehen würden sie nicht. das ist für sie humanismus

zoe20
05.02.2010 18:58
ich bin für beides zu haben

Softskills und Forschung

Beliar
05.02.2010 19:51

laut radio (auswertung der lawinentoten der letzten vier jahre) überleben 60% nicht. die schifahrer sterben auch an ihren verletzungen die sie sich durch mitgerissen werden zufügen, nicht nur an ersticken. die bergrettung kann frühestens nach einer halben stunde die unglück(?)sstelle erreichen. glauben sie auch nur eine sau ändert daran irgendetwas? gegen du_mmheit, gnadenlose selbstüberschätzung, kontraproduktiven sportlerstolz naivität usw ist kein kraut gewachsen

W. Schaffenrath
05.02.2010 17:26
Zuerst einmal unfassbare Tragik, wenn meist junge Menschen,

be ider Ausübung ihres faszinierenden und gefährlichen Hobbys ihr Leben lassen müssen.

Zugegeben, oft mag Leichtsinn, Gedanken- oder sogar Verantwortungslosigkeit mitspielen gegenüber denjenigen, die ihr Leben bei Rettungseinsätzen riskieren. Denjenigen, die hier jedoch diese bedauernswerten, meist jungen Menschen verurteilen, möchte ich zu bedenken geben, dass jährlich hunderte Tote im Straßenverkehr, ein Drittel davon durch Alkolenker, nicht einen Bruchteil der Aufregung verursachen.

Übrigens wichtig! Wer an Schulungen des Österr. Alpenvereins in Lawinenkunde teilgenommen hat, setzt sich nur einem Zehntel des Risikos aus!

aaaaaa7
05.02.2010 16:35
abseits der gesicherten Pisten unterwegs

ist die Standardformel der Medien, wenn ein Schitourengeher verschuettet wird. Viele glauben, dies alleine ist schon gefaehrlich oder leichtsinnig. Leider verstaerkt die uebliche Berichterstattung oft diesen Eindruck.

Die bei dieser (fuer mich persoenlich) schoensten Schisportart notwendige Eigenverantwortung ueberfordert offenbar jedes Jahr viele. Leichtsinn bedeutet nicht, die gesicherten Pisten zu verlassen, sondern den Lawinenbericht zu ignorieren, keinen Pieps dabeizuhaben, oder ohne alle Kenntnisse in einem Schigebiet die Warntafeln zu ignorieren und aus der Piste hinauszufahren. Leider haben die alljaehrlich wiederkehrenden Todesmeldungen auch die heurigen z.T. haarstraeubenden Verhaltensweisen nicht verhindert.

altbürgermeister
05.02.2010 16:03
Schitouren zu gehen....

... ist - die nötige Kenntnis, Kondition und Ausrüstung vorausgesetzt - noch immer ungefährlicher als das Befahren der Radwege in Wien.

Als begeisterter Bergsportler, Mountainbiker etc. blieben mir im Gelände schwere Verletzungen und Krankenhausaufenthalte bis lang immer erspart. Als Radfahrer in Wien durfte ich schon 2x das AKH aufsuchen.

helmholtz
05.02.2010 16:38
hatscherter Vergleich…

…denn auch als begeisterter Bergsportler wirst Du kaum so oft Berggehen wie Alltagsradeln.

(das ist keine Verharmlosung des gefährlich-fahrradphobischen Verhaltens vieler Wiener AutofahrerInnen)

Robert04
05.02.2010 15:38
An alle "die sind ja selber schuld"-Schreier

Variantenfahren und Tourengehen sind faszinierende, sehr anspruchsvolle und schöne Sportarten.
Ich persönlich ziehe das Variantenfahren der gesicherten Piste jederzeit vor. Im übrigen passieren auf der Piste ebenfalls sehr viele gefährliche Unfälle, von denen einige tödlich enden.
Wenn man abseits der Pisten unterwegs ist muß man sich allerdings des Risikos bewußt sein (so wie bei allen Risikosportarten: Tauchen, Klettern, etc...) und alles tun, um es zu minimieren.
Dazu gehört auch die entsprechende Ausrüstung: Schaufel, Sonde, Piepser und gegebenenfalls ABS- oder Snowpulse Rucksack, das entsprechende Wissen um die Gefahren und die Information über das Gelände und die Lawinensituation. So kann man das Risiko minimieren.

Michl52
05.02.2010 22:50

Information über das Gelände und die Lawinensituation ist nicht genug: man muss auch sein Verhalten danach richten und eine geplante Tour trotz der manchmal langen Anreise entsprechend anpassen oder ganz sein lassen. Das ist das Harte, dass Viele - vor allem von weither Angereiste nicht schaffen.

Beliar
05.02.2010 17:12
na deshalb auch: selber schuld

jumpcut
05.02.2010 14:58
und ein weniger objektiver

diese mischung aus unwissen,zynismus und selbstgefälligkeit, mit der hier der unfalltod von mehreren menschen (die aus unwissen der harmlos aussehenden weissen schneedecke das risiko nicht angesehen haben und von einem schönen skitag nicht mehr nach hause kommen) kommentiert wird, macht mich sprachlos.

Beliar
05.02.2010 17:14
und ebenso:

harmlos, hab nix gewusst, hab keine ausrüstung mitgehabt, war so schön. unfalltod? tod durch heillose blö*dheit, kandidaten für den darwin award

Barry aus DC
05.02.2010 17:06
wenn ich mir einen schönen Schitag machen will

fahr ich auf den gesicherten Pisten. Wenn eh in allen Medien gewarnt wird setz ich mich nicht so einem Risiko aus. Punkt.

Michl52
05.02.2010 22:51

Sie leben auch noch.

Dreistein
 
05.02.2010 15:41

Tut mir leid, aber auch mir fehlt bei diesen Lawinentoten das Mitleid. Denn schon seit Tagen wird in allen Medien getrommelt, wie gefährlich es momentan ist, die gesicherten Pisten zu verlassen.
Ich glaube, das hat auch etwas mit dem Zeitgeist zu tun. Ich bin ich und ich mache was mir gefällt und lasse mir von Niemandem vorschreiben was gut und richtig ist.

Esme Weatherwax
05.02.2010 15:26
Danke...

... für den politisch korrekten Ordnungsruf, Herr/Frau Tugendwächter.

Zum verantwortungslosen Verhalten der denkbefreiten Spaßgesellschaft und Experten für eh alles gehören auch Leute wie sie, die jede Verantwortungslosigkeit zu einem unvorhersehbaren Schicksalsschlag zerreden und am liebsten aus lauter falsch verstandener Rücksicht Denk- und Redeverbot zum Thema Eigenverantwortung erteilen würden.

jumpcut
05.02.2010 17:00
die lawinenwarnstufe

lag im ostalpenraum je nach geographischer- und höhenlage zwischen 2 und 4. gemäß den mittlerw. allgemein anerkannten risikoreduktionsmethoden bedeutet das verzicht auf gewisse hangneigungen, geländeformationen (lawineneinzugsgebiete, der berücksichtigung von fern- und spontanauslösungen,..)
je größer die gefahrenstufe, umso komplexer die gefahrenbeurteilung, heißt großer, aber nicht grundsätzlicher verzicht. eigenverantwortung ist ein kernbestandteil beim ausüben einer risikosportart, darauf soll immer, besonders von kompetenten stellen , hingewiesen werden, aber mit einem mindestmaß an anstand und der situation angepasst.
seiner verantwortung und seinem (un)wissen sollte sich auch jeder bewusst sein, der hier öffentlich stellung nimmt

dekorhippe
05.02.2010 16:34
leseschwäche?

jumpcut schreibt nicht von schicksalsschlägen sondern von unfällen aufgrund von unwissenheit.

dass es idioten gibt, die von eigenverantwortung nichts wissen wollen ist eh unbestritten. aber jedem toten dieses zu unterstellen ist letztklassig.

Dr. Seltsam
 
05.02.2010 15:24

Natürlich ist jeder der Toten tragisch. Doch war die Lawinengefahr in den letzten Tagen bekannt. Jeder, der sich trotz eingehender Warnungen dann trotzdem in den gefährdeten Raum begibt, handelt grob gemeingefährlich. Er bringt ja nicht nur sich, sondern vor allem die Retter in große Gefahr.

Ich glaube auch, dass niemand behaupten kann, dass die Warnungen nicht eindrücklich genug sind.

dekorhippe
05.02.2010 15:31
"Jeder, der sich trotz eingehender Warnungen dann trotzdem in den gefährdeten Raum begibt...."

Das stimmt schon, aber was ist der gefährdete Raum?

Viele wissen es einfach nicht bzw. glauben es zu wissen und begehen dann fehler. vorsätzlich wird das ja niemand machen oder?

Dr. Seltsam
 
05.02.2010 18:31

Wenn jemand an einer Lawinenwarnung vorbei ins frei Gelände fährt, ist das vorsätzlich.

Ich stimme Ihnen aber zu, dass die Informationspolitik der Schigebiete nicht ausreichend ist. Das Problem ist, dass Sicherheit überhaupt kein Thema sein soll. Man verkauft ja unbeschwerten Urlaub.

Ende der 70er Anfang der 80er liefen im Fernsehen immer wieder Spots des KfV, die auf die Lawinengefahren hinwiesen. Heute passiert hinsichtlich Bewusstseinsbildung viel zu wenig. 5 Lawinentote an einem Tag - das ist der absolute Horror!

Michl52
05.02.2010 22:57
Dafür gibt es Youtube

und dort werden zu Hauf unglaubliche Abfahrten in Lawinenhängen gezeigt, und etliche (vor allem Junge) glauben, das können sie auch. Ich halte diese Präsentationen für tödliches Gift.

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