Tourengeher am Freitag im Ötschergebiet umgekommen - Allein am Donnerstag fünf Lawinentote
Scheibbs/Salzburg/Innsbruck/Bregenz - Die Serie mit Lawinentoten geht weiter: Ein Lawinenunglück im Gebiet des Kleinen Ötschers in Niederösterreich hat ein Todesopfer gefordert. Ein seit Donnerstagnachmittag vermisster 40 Jahre alter Tourengeher ist am frühen Freitagnachmittag tot geborgen worden. Das hat die Bergrettung Niederösterreich-Wien bestätigt.
Nach dem Mann hatte es zuvor im sogenannten Grünloch im Gemeindegebiet von Lackenhof am Ötscher (Bezirk Scheibbs) eine groß angelegte Suchaktion gegeben. Im Einsatz standen 73 Bergretter, fünf Mitglieder der alpinen Einsatzgruppe der Polizei, zwei Hundeführer sowie ein Mitglied des Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes. Auch ein Black Hawk des Bundesheeres war angefordert worden. Mit dem Hubschrauber wurden laut Bergrettung Such- und Orientierungsflüge durchgeführt.
Fünf Lawinentote am Donnerstag
Allein am Donnerstag haben Lawinen fünf Todesopfer in Österreich gefordert: Zwei Snowboarder kamen in Werfenweng im Salzburger Pongau abseits der Piste ums Leben. Ein 22-jähriger Deutscher starb am Abend im LKH Feldkirch, nachdem er am Nachmittag 45 Minuten lang unter Schneemassen begraben war. Eine 29-jährige Oberösterreicherin kam bei einem Abgang auf dem Kasberg im Bezirk Gmunden um. Am Sonntagsköpfl oberhalb von Hochfügen im Tiroler Zillertal war eine Tourengeherin aus Bayern das Opfer.
Die beiden getöteten Männer in Werfenweng waren Variantenfahrer, die unterhalb der Bergstation die Piste durch den Wald abfuhren und sich dann ins freie Gelände begaben, in dem am Nachmittag mehrere kleinere Lawinen niedergegangen waren, schilderte Maria Riedler von der Bergrettung. Die Snowboarder waren zu dritt unterwegs gewesen, doch einer verabschiedete sich zu Mittag. Als die beiden anderen Snowboarder am Abend nicht zurückkamen, schlug er Alarm. Die Bergrettung fand die beiden Männer tot in einer Tiefe von circa 30 Zentimetern, doch hatten sie keine Luft zum Atmen.
Der junge Deutsche aus Baden-Württemberg, der in Vorarlberg verstarb, war ebenfalls ein Snowboarder. Er hatte das Schneebrett gemeinsam mit drei Begleitern im freien Skiraum des grenzüberschreitenden Skigebiets Kanzelwand-Fellhorn (Kleinwalsertal) ausgelöst. Bei seiner Bergung hatte der 22-Jährige das Bewusstsein bereits verloren. Er war von der Lawine 600 Meter weit mitgerissen worden und eineinhalb Meter tief verschüttet. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber ins LKH geflogen.
"Sie mussten sogar über den Lawinenabriss drüberfahren", konnte Bürgermeister Werner Strohmaier das Verhalten der Gruppe nicht nachvollziehen. "Es war mehr als gefährlich für die Einsatzkräfte." Seinen Angaben zufolge fuhren die vier im Bereich der Gehrenspitze in einen Hang ein, in dem kurze Zeit zuvor bereits eine Lawine losgetreten worden war. Es handelte sich um den dritten Lawinentoten in Vorarlberg innerhalb von zwei Tagen.
Fünf Lawinen in Vorarlbergs Skigebieten
In Vorarlbergs Skigebieten gingen am Donnerstag insgesamt fünf Lawinen nieder. Bei den anderen Lawinenabgängen im Kleinwalsertal wurden insgesamt fünf Wintersportler zum Teil verschüttet, blieben aber unverletzt. Im Skigebiet Lech am Arlberg gab es keine Verschütteten. Dutzende Rettungskräfte waren im Einsatz.
Bei der Lawine im Zillertal konnte der Begleiter der getöteten Frau nach ersten Informationen der Bergretter erst Stunden nach dem Unglück einen Notruf über Handy absetzen. Erst in den Abendstunden wurde der ebenfalls aus Bayern stammende Skitourengeher, der sich erst nach Einbruch der Dunkelheit aus den Schneemassen befreien konnte, lebend geborgen und ins Krankenhaus geflogen. Die Leiche seiner Freundin wurde erst nach 21.00 Uhr geborgen.
Die Frau auf dem Kasberg in Oberösterreich hatte keinen Lawinenpiepser bei sich. Sie wurde nach einer Stunde geborgen. Reanimationsversuche blieben erfolglos. 50 Einsatzkräfte waren hier im Einsatz. Ihre beiden Begleiter hatten sich vor den herannahenden Schneemassen in Sicherheit gebracht.
Weiterhin Lawinengefahr
In Österreichs Bergen herrscht derzeit in vielen Gebieten Lawinenwarnstufe 3. Bei dieser "erheblichen" Gefahrenlage passieren 45 Prozent der tödlichen Unfälle, hieß am Freitag seitens der Vorarlberger Landeswarnzentrale.
In Vorarlberg waren Schneebrettauslösungen bereits durch einzelne Wintersportler möglich. Mit der Erwärmung im Tagesverlauf und durch die Föhnverwehungen sollte sich die Gefahr noch erhöhen. Unterhalb von 1.700 Metern waren spontane Nass- und Gleitschneelawinen möglich. In weiten Teilen Tirols wurde die Lawinensituation als "unverändert heikel" bezeichnet.
Auch in Oberösterreich mahnten Experten zur Vorsicht: Bereits bei geringer Belastung könne man ein Schneebrett lostreten. In manchen Lagen war auch die Selbstauslösung von kleineren und mittleren Lawinen noch möglich. Im Bundesland Salzburg blieb die Lawinengefahr erheblich (Stufe 3), ausgenommen war der Lungau, wo sie mäßig (Stufe 2) war. Schneebretter konnten bereits bei geringer Belastung brechen.
In der Obersteiermark wurde das Risiko von "groß" auf "erheblich" zurückgestuft, auch hier wurde von Touren abseits der gesicherten Pisten abgeraten. In den westlichen Gebirgsgruppen in Niederösterreich bestand ebenfalls erhebliche Lawinengefahr. Das galt für die Ybbstaler und Türnitzer Alpen, aber auch für das Gebiet Rax-Schneeberg. Die Situation bleibe am Wochenende angespannt.
"Mäßig" (Stufe 2 von fünf) war die Einschätzung des Lawinenwarndienstes für den Großteil der Kärntner Berge. Eine Ausnahme waren die Hochlagen, dort war die Gefahr doch erheblich.
Ruderbewegungen
Völlig unverletzt hat ein 36-jähriger Deutscher
einen Lawinenabgang in Reith bei Seefeld (Bezirk
Innsbruck-Land) am Freitag überlebt. Der Skifahrer wurde im Bereich der
sogenannten "Härmelekopf-Rinne" 100 Meter von den Schneemassen
mitgerissen. Mit Ruderbewegungen konnte er sich an der Oberfläche
halten und kam schließlich unversehrt auf dem Lawinenkegel zu liegen. (APA)