Detailergebnisse zum Studenten-Sozialbericht 2009

61 Prozent haben psychische Probleme

03. Februar 2010 13:54

Die Unis sind weiter sozial selektiv - Ein Viertel kommt nicht mit Budget aus

Die vorläufigen Detailergebnisse aus dem Rohbericht der "Studierenden-Sozialerhebung 2009":

  • ARBEIT: Der Anteil der erwerbstätigen Studenten ist zwischen 2006 und 2009 von 58 auf 62 Prozent gestiegen, mittlerweile arbeiten 45 Prozent während des ganzen Semesters (2006: 40 Prozent). Insgesamt arbeiten erwerbstätige Studenten durchschnittlich 19,7 Stunden pro Woche, das sind um 0,6 Stunden mehr als 2006.
  • FINANZEN: Studenten haben ein durchschnittliches Monatsbudget von 980 Euro, davon stammen 391 Euro aus Erwerbstätigkeit, 235 Euro kommen von der Familie, 159 aus Naturalleistungen, 83 aus Studienförderung und 112 aus sonstigen Quellen. Etwas mehr als ein Viertel der Studenten gibt an, mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln nicht auszukommen. Mit 35 Prozent am stärksten betroffen ist die Altersgruppe zwischen 26 und 30 Jahren, da in diesem Alter der Bezug der Familienbeihilfe endet und die Eltern weniger zuschießen. Bei Studenten aus bildungsfernen Haushalten kommen 30 Prozent nicht mit ihrem Geld aus, unter Akademikerkindern sind es 19 Prozent.
  • FÖRDERUNG: 55 Prozent der Studenten erhalten Familienbeihilfe (2006 waren es knapp 59 Prozent), 18 Prozent beziehen Studienbeihilfe, sieben Prozent ein Selbsterhalterstipendium und drei Prozent ein Leistungsstipendium. 41 Prozent der Studenten bekommen keinerlei Förderung.
  • BILDUNGSBETEILIGUNG: Insgesamt studierten 2008/09 rund 213.000 Inländer an einer Hochschule, davon knapp 14 Prozent an einer FH, 1,9 Prozent an einer Kunstuni, 3,5 Prozent an einer Pädagogischen Hochschule (PH) und 80,5 Prozent an einer wissenschaftlichen Uni.
  • SOZIALE HERKUNFT: Knapp 45 Prozent der inländischen Studienanfänger kommen aus einem Haushalt, in dem der Vater zumindest über Matura verfügt. Jeder fünfte Student kommt aus einem Akademikerhaushalt, ein weiteres Viertel hat einen Vater mit Matura. Bei einem Viertel haben die Väter eine Lehre abgeschlossen, zehn Prozent haben eine Meisterprüfung absolviert, neun Prozent eine Fachschule und zehn Prozent nur eine Pflichtschule abgeschlossen. Wesentlich stärker als an den Unis sind Studenten aus bildungsfernen Schichten an den Fachhochschulen (FH) vertreten: Während an den Unis Akademikerkinder zweieinhalb mal öfter vertreten sind als solche aus bildungsfernen Schichten, sind es an den FH "nur" eineinhalb mal so viele.
  • REGIONALE HERKUNFT: Studenten aus Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg sind an heimischen Hochschulen unterrepräsentiert: In Vorarlberg nehmen nur 25 Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium auf, in Tirol sind es 27 und in Oberösterreich und Salzburg jeweils 33 Prozent. Am höchsten liegt die Quote mit 52 Prozent in Wien, gefolgt von Kärnten mit 42 Prozent dem Burgenland mit 41, Niederösterreich mit 37 und der Steiermark mit 36 Prozent.
  • WOHNSITUATION: Mehr als die Hälfte der Studenten lebt "typisch studentisch": 19 Prozent wohnen noch im elterlichen Haushalt, 22 Prozent in einer Wohngemeinschaft und knapp zehn Prozent in einem Studentenwohnheim. 21 Prozent leben allein. Gegenüber 2006 hat der Anteil der Studierenden mit eigenem Haushalt um rund zwei Prozentpunkte zugenommen, während der Anteil der Studenten im elterlichen Haushalt gesunken ist (von rund 23 Prozent auf 19). Im Durchschnitt fallen für Wohnen monatlich Kosten von 280 Euro (inkl. Studenten, die bei Eltern wohnen, Anm.) an. Ohne jene, die im elterlichen Haushalt wohnen, betragen die durchschnittlichen Wohnkosten 318 Euro.
  • STUDIEREN MIT KIND: Acht Prozent der Studenten haben zumindest ein Kind, das ist mehr als noch 2006 (6,7 Prozent). Fünf Prozent der Studenten haben Kinder "mit Betreuungsbedarf" (unter sieben Jahre alt), am stärksten sind sie an den PH (elf Prozent) und den Kunstunis (acht Prozent) vertreten.
  • GESUNDHEIT: 61 Prozent der Studenten leiden unter Stress und psychischen Belastungen: 30 Prozent geben an, dass sie durch Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten in ihrem bisherigen Studienfortschritt behindert wurden. 16 Prozent berichten von stressbedingten gesundheitlichen Beschwerden (Magen- oder Kopfschmerzen, Schlafstörungen). 15 Prozent werden durch psychische Problemen und Ängste am Studienfortschritt gehindert; dabei klagen 86 Prozent über Leistungsdruck und Versagensängste, 78 Prozent über depressive Stimmungen, 77 Prozent mangelndes Selbstwertgefühl und 72 Prozent leiden unter Prüfungsangst. Frauen sind bei allen psychischen Beschwerden und Ängsten häufiger betroffen.
  • EINTRITTSALTER: Das durchschnittliche Eintrittsalter inländischer Studienanfänger liegt an wissenschaftlichen Universitäten bei Männern bei 20,7 Jahren, bei Frauen bei 19,8 Jahren. An Fachhochschulen (FH) sind männliche Studienanfänger durchschnittlich 25,2 Jahre und Frauen 23,2 Jahre alt. An den Pädagogischen Hochschulen beginnen Männer ihr Studium durchschnittlich im Alter von 31,4 Jahren, Frauen mit 24,6 Jahren. (APA)
Doppelkeks
01.03.2010 12:42
Soziale Herkunft

Seit wann ist bei der Frage der sozialen Herkunft nur der Beruf des Vaters relevant? Wenn jemand keinen Vater hat, hat er dann keine Herkunft? Meine Mutter ist zweifache Akademikerin, mein Vater hat keinen Titel. Mir im Prinzip egal, aber deshalb komm ich aus keiner "Hackler"-Familie.

Rastl
05.02.2010 14:37
Und wieviele sind Alkoholiker?

Dante Alighieri
03.02.2010 21:30

Die durchschnittliche Höhe der Förderung war wohl so niedrig dass es einem zu peinlich war sie im Bericht zu erwähnen ^^

Ansonsten frage ich mich warum das Pädak-Eintrittsalter so enorm hoch ist. Gibts da Erklärungen?

sy
04.02.2010 13:01

72 Prozent mit Prüfungsangst...hätte ich nicht gedacht. wäre noch interessant wieviele deswegen unter "Prüfungs-Aufschieberitis" leiden.

GrexMachine
03.02.2010 21:29
Warum ist der Artikel nicht ganz oben im ersten Teil?

War heut sogar in den Radionachrichten.
Das sind alarmierende, desaströse Zahlen!

schäfin
03.02.2010 16:50
61 prozent HABEN psychische probleme

es kann einem ab und zu ein fehler unterlaufen, aber wenigstens die überschrift des artikels sollte grammatikalisch richtig sein!

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