Auktion bei Sotheby’s im Zuge von Privatrückgabe - Weltrekordpreis für Giacometti-Statue
Mehr als sieben Jahrzehnte mussten vergehen, bis Georges Jorisch montagnachmittags in den Ausstellungsräumlichkeiten bei Sotheby's London wieder Gustav Klimts Kirche in Cassone in Natura bewundern konnte. 1939 hatte seine Großmutter Amalie Redlich (geborene Zuckerkandl) ihre Kunstsammlung bei einer Wiener Spedition eingelagert, um sie so vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen. 1947 fand ihr Schwiegersohn dort nur mehr leere Kisten vor. Die Kunstwerke blieben verschollen.
1962 tauchte Kirche in Cassone bei einer Ausstellung in Graz auf, ein letztes Mal war das 1913 gemalte Gardasee-Motiv 2003 im Belvedere („Gustav Klimt - Landschaften") zu sehen. Beide Male als Leihgabe aus österreichischem Privatbesitz. Im Herbst 2009 kam es abseits der Öffentlichkeit und des nicht anwendbaren Kunstrückgabegesetzes zu einer Einigung zwischen dem derzeitigen Besitzer und dem 81-jährigen Enkel Amalie Redlichs.
Am Mittwochabend gelangte das Meisterwerk im Rahmen der Auktion Impressionist & Modern Art bei Sotheby's in London zur Auktion. Entgegen der erwarteten 12 - 18 Millionen Pfund bewilligte ein anonymer Bieter übers Telefon 26,92 Mio. Pfund (30,81 Mio. Euro) und damit den höchsten jemals für eine Klimt-Landschaft bezahlten Preis. Eine Giacometti-Statue kam bei dieser Auktion auf 65 Mio. Pfund (104,3
Millionen Dollar, 74,39 Mio. Euro). Dies ist laut Sotheby's der
höchste Preis, der je für ein Kunstwerk bei einer Versteigerung
erzielt wurde.
Das Auktionshaus hatte den Wert der Bronzestatue "L'homme qui marche I" auf
18 Millionen Pfund geschätzt, doch ein anonymer Käufer am Telefon
bezahlte nach einer Bieterschlacht mit mindestens zehn Beteiligten am
Ende die Rekordsumme. Das Einstiegsgebot habe bei 12 Millionen Pfund
gelegen.
Bisheriger Rekordhalter war laut Sotheby's das Bild "Junge mit
Pfeife" von Pablo Picasso, das für 104,2 Millionen Dollar den
Besitzer wechselte. Eine Sprecherin des Auktionshauses sagte, sie sei
"begeistert" von der Versteigerung. (Olga Kronsteiner aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2010)