Grüne wollen Ziffernnoten abschaffen

Marijana Miljkovic, 4. Februar 2010, 12:25
  • Artikelbild
    foto: apa/schneider

    Vourteile haben ebenfalls in der Note Platz: ist man brav oder schlimm, angeblich technisch begabter oder nicht, Mädchen oder Bub.

Vor dem Wechsel ins Gymnasium beginnt der Notendruck auf Schüler und Lehrer - Bildungsexperte Haider sieht Bildungskarrieren durch Ziffernnoten gefährdet

"Am Ende steht immer eine Zahl von eins bis fünf. Und die entscheidet über das spätere Leben" sagt Günter Haider. Unschwer zu Erraten, dass der Leiter des Bifie (Institut für Bildungsforschung) kein großer Fan von Ziffernnoten in der Schule ist. Auch der Grüne Bildungssprecher Harald Walser ist für Alternativen: "Ziffernnoten sollen, zumindest am Anfang, durch schriftliche Beurteilung in der Volksschule ersetzt werden. Ein Wunsch wäre, sie ganz abzuschaffen."

Früher Notendruck

Der Notendruck beginnt schon in der Volksschule. Bezirksschulinspektoren beobachten, dass Eltern nicht nur ihre Kinder, sondern auch Lehrer wegen Noten unter Druck setzen, vor allem, wenn es um den Wechsel von der Volksschule ins Gymnasium geht. Kein Wunder, meint Bildungsexperte Haider: "Aufgrund dieses Systems werden Schulkarrieren und Bildungskarrieren, das Einkommen bestimmt, die Kriminalitätsrate im weiteren Leben, die Scheidungsrate beeinflusst. Alles, was die Schüler im weiteren Leben machen, wird von ihren Bildungsabschlüssen bestimmt."

Kompetenz nicht benotet

Dass die Schulnoten teilweise nicht die Kompetenzen der Schüler bewerten, sondern eher ein Glücksspiel sind, beweisen auch internationale Bildungstests wie Pisa (Programme for International Student Assessment - Programm zur internationalen Schülerbewertung) oder Pirls (Progress in International Reading Literacy Study - Studie zu Lesekompetenzen).

Pisa-Spektrum

Beispiel Mathe in der AHS: Bei 14 Prozent der Schüler, die in Mathematik einen Einser im Zeugnis hatten, hätten laut der Pisa-Mathematik-Kompetenzstufen nur 28 Prozent diese Note. Ein Prozent hätte ein "Nicht Genügend". Bei 31 Prozent der "Befriedigend"-Schüler hätten sechs Prozent einen Einser, neun Prozent einen Fünfer und immerhin 38 Prozent tatsächlich ein "Befriedigend".

Akademikerkinder bevorzugt

Auch in den Untersuchungen von Pirls kommt Erstaunliches zutage: So haben Kinder aus Akademikerfamilien bei gleicher Kompetenz eher die Chance einen Einser in Deutsch und Lesen zu bekommen als Kinder aus bildungsfernen Schichten und sozioökonomisch benachteiligten Familien. Schaffen die Benachteiligten dann doch einen Einser, ist die Chance, die Bildungskarriere im Gymnasium forzusetzen, nicht einmal halb so groß (22 Prozent) wie für Kinder aus Akademikerfamilien (67 Prozent).

Alternativen erprobt

Dabei sind Noten nicht die einzige Methode, um eine Leistung zu beurteilen. Drei Alternativen werden an österreichischen Schulen erprobt.

Bei der "verbalen Beurteilung" beispielsweise werden der Lernzuwachs, die Arbeitsmethoden und die Art der Leistungserbringung dokumentiert und beschrieben. 

Bei der "lernzielorientierten Beurteilung" wird geschaut, ob das vorgegebene Lernziel erreicht wurde. Schüler, Lehrer und Eltern haben Kontrolle über das Geschehen. Das fördert die Selbsteinschätzung der Schüler und hilft bei der Arbeitseinteilung.

Leistungsmappen und Portfolios sind ebenfalls eine Option, die Leistung zu beurteilen. Hier sammeln Schüler ihre Abreiten, und sie können dadurch ihre Fähigkeiten konkret nachweisen.

Grüne: Zuerst Gesamtschule, dann Noten abschaffen

"Noten sind ungerecht und auch nicht aussagekräftig", sagt Harald Walser. Er will Bewegung in das starre Ziffernsystem bringen. "Benoten Lehrer auch fair, so orientieren sie sich nicht an den Leistungen der gesamten Schulstufe, sondern an der Klasse", sagt der Grünen-Politiker. Seine Hoffnung ist die Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, auch als Neue Mittelschule bekannt.  Bis diese flächendeckend komme, solle die Ziffernnote bis zur AHS-Unterstufe abgeschafft werden, fordert er. Thema der Regierung ist das Abschaffen der Noten derzeit nicht. (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 4. Februar 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 316
1 2 3 4 5 6 7
Miracle
00
28.4.2010, 18:55

ich kann nur allen raten mal was über das schwedische schulsystem zu lesen, die sind da sehr viel weiter als wir. Noten, finde ich, sagen weder durch Zahlen noch durch Text irgendetwas über die Fähigkeiten des Schülers aus, diese werden ja nur vom subjektiven Lehrer bestimmt. Die Abschaffung wäre trotzdem nicht besonders relevant, es würde ja doch alles beim selben bleiben. Da müsste sich doch die Einstellung der Gesellschaft ein wenig ändern.

JWH
01

Ich bin selbst Schüler, und mir is das sowas von blunzen... i man hat Österreich keine anderen Sorgen als ob mein klanen Franzi jetzt eine Ziffer, ein Buchstabe oder ein kleiner Roman über sein Befinden dort steht?

Klar ist die Benotung nicht immer das gelbe vom Ei, aber das Leben ist auch nicht fair.

Man interpretiert einfach zuviel in sowas hinein... solche Schüler die davon unter Druck geraten hilft der Kuschelkurs in der Schule dann auch nix. Spätestens in der Wirtschaft lernen sie dann mal wie stressig manche Bewertungen sein können.

spekulant_in
00
27.3.2010, 16:44
ein guter aufsatz vom pädagogen findeisen zum thema


Wie bitte wird man eine erfolgreiche (Ware) Arbeitskraft? Teil II

http://www.magazin-auswege.de/2009/11/w... tskraft-2/

f.j.neffe
 
00
27.3.2010, 14:29
Lagerkämpfe lösen keine Probleme

Es sind keinesweg die Zahlen 1 bis 6, die drücken. Notendruck ist eine übernommene SUGGESTION, also eine AUTOSUGGESTION.
Die Schande sind nicht die 6 Zahlen sondern der schändliche GEISTIGE Umgang mit ihnen. Als Ich-kann-Schule-Lehrer vermag ich keinen Sinn darin zu sehen, die Zahlen abzuschaffen, nur um den üblichen pädagogischen Unsinn dann verdeckt und vernebelt weiterzutreiben.
Man löst keine Probleme, indem man sich in zwei Lager aufspaltet und gegenseitig bekämpft. Die Niederlage der "Gegner" ist alles andere als eine Lösung. Sie ist schlicht Dummheit und Energieverschwendung. Letztlich geht es immer noch darum, den Weg zu gehen, den die IKS bereits vorgegangen ist: vom Druck zur Sogwirkung. Guten Erfolg dazu!
Franz Josef Neffe

JWH
00

In Österreich hama dennoch 1-5.

Ich gebs zu
00
29.3.2010, 13:35
Als "Ich-kann-Schule-Lehrer"

kann ich Sie mir nicht vorstellen, eher als "Ich-kann-keine-Grammatik-Poster".

f.j.neffe
 
00
29.3.2010, 15:07
Das ist doch wunderbar, ....

dann kann schon mal jeder etwas! So schnell gewinnt man mit dem ICH-KANN eine gemeinsame Basis, schneller manchmal, als es einem bewusst ist.
Danke für den Hinweis und weiterhin ein starkes ICH-KANN!
Franz Josef Neffe

Tutor80
03
Persönliche Erfahrungen (Volksschule)

1. und 2. Klasse: verbale Beurteilung (klar, verständlich, motivierend); am Ende der 2. Klasse freuten sich Eltern wie Schüler auf das "richtige" Zeugnis in der 3. Klasse; 3. und 4. Klasse endlich "richtiges" Zeugnis mit Ziffernnoten und KEIN Gejammere, weil:Noten transparent, sprich den Eltern wurde gezeigt, aus welchen Teilnoten (Hausübung, Mitarbeit in der Schule, soziales Verhalten,...) sich die Gesamtnote zusammensetzt. Druck machten vor allem "Akademikereltern", weil das Kind um jeden Preis ins Gym muss!
Die Jammerer (=diejenigen die alle anderen für das eigene Versagen verantwortlich machen) werden sich bei JEDEM Zeugnis (in Worten oder Zahlen) über die dargebrachte Ungerechtigkeit und Willkür der LehrerInnen aufregen!

eva lindt
 
11
ja

kuschelschulen, jeder ist lieb und toll, egal, wie man sich auffuehrt und was man leistet.

mit 18 dann an die massenuni und in konkurrenz mit 6999 anderen studienanfaengern aus aller herren laender. geht sicher alles gut!

pepitant
00
26.3.2010, 09:27
Sie werdens nicht glauben, es geht sogar besser !

Aus der Notenschule bekommt die Uni 18 Jaährige Duckmäuser, denen die Dressur Kritik zu einem großen Teil ausgetrieben hat, schön für einpaar Machthaber in Politik und Wirtschaft aber eine Katastrofe für die Entwicklung einer selbstbewussten Bürgergesellschaft. Was machens mit lauter Nachwuchs, der im Wesentlichen gelernt hat, wie er Unannehmlichkeiten ausweicht, ohne anzuecken und ohne sie zu benennen oder gar etwas zu ändern ? Dieser Nachwuchs wird das nächste halbe Jahrhundert bestimmen, welche Politik im Staat umgesetzt wird.
Fragen Sie jugendliche Erstwähler mal nach irgendwas aus Politik oder Wirtschaft. "Geht mich nichts an, brauch ich nicht, interessiert nicht" liegen bei gut 95%, aber wählen mit 16, ja bitte. Wozu, bei der Quote ?

eva lindt
 
00
14.4.2010, 01:09
wie soll wissensaneignung

ohne disziplin funktionieren? die prinzipien der 68er haben laengst ihre unschuld verloren, heute weiss man, dass auch das nicht der weisheit letzter schluss war. jugendliche werden apathisch, wenn sie das gefuehl haben, ohnehin nichts beeinflussen zu koennen. beeinflussen kann in einer informationsgesellschaft aber nur jemand etwas, der selbst topinformiert ist.

ride my pimp
00
So müssen billige Polemik und Populismus in Reinkultur aussehen.

Schade, dass an und für sich kluge Köpfe dieses verbreiten.

ride my pimp
01

Die Ziffernnote ist der komprimierte Sukkus einer und zugleich Verbalbeurteilung, die während des Schuljahres mehrmals verpflichtend in verschiedener Form zu erfolgen hat. Walser und Haider sollten einmal im Schulunterrichtsgesetz nachlesen.

So zu tun, als wäre die Ziffernnote am Ende des Schuljahres die einzige Beurteilung, ist billige Polemik.

sam duke
02
die wähler

sollten die grünen abschaffen.

asinus
02
16.2.2010, 18:37

Hr. Haider kaut nur immer wieder seine eigenen Vorurteile wieder (das mit dem Schlechter-Benoten von Arbeiterkindern ist ein solches und nichts anderes). Man kann die Ziffern durch eine kurze Bemerkung ergänzen, das würde genügen. Das Abschaffen würde nur der Subjektivität und der Herumrederei Tür und Tor öffnen.

sam duke
02
16.2.2010, 05:15
schriftliche beurteilungen gibt es ja jetzt schon

1 = sehr gut usw. im gesetz werden diese noten sogar noch genau definiert, was ein einser bedeutet.

nina yankow
00

letzteres stimmt aber sowas von überhaupt nicht! ein lehrer hat dem gesetz nach drei komplett verschiedene möglichkeiten für die gestaltung seines individuellen notenschlüssels: er kann entweder nach der seiner meinung nach insgesamt möglichen leistung beurteilen (er hat dabei - im rahmen des lehrplans - große gestaltungsfreiheit, was genau er verlangt), oder nach dem individuellen lernfortschritt, oder nach der gesamtleistung der klasse (klassendurchschnitt=3, egal wie gut die klasse im vergleich zu anderen klassen ist). weiters sollen nicht nur schriftliche tests für die benotung herangezogen werden, sondern auch mitarbeit (HÜ, referate, beteiligung am unterricht), was wieder bei jedem lehrer anders aussieht.

ride my pimp
00

Sie meinen offenbar die individuelle, curriculare und soziale Norm? So what und was hat das mit der Frage der Ziffernbeurteilung zu tun?

wunderbar1
02
15.2.2010, 21:19
Schriftliche Beurteilungen

ja, diese wären wohl wirklich aussagekräftiger und würden auch den Schülern/Eltern eher helfen um Stärken/Schwächen auch schwarz-auf-weiß zu sehen.

ABER: wer wird wann/wie/wo in höheren Schulen schriftliche Beurteilungen schreiben, wenn Lehrer Klassen z.B. in manchen Fächer nur 1 Stunde pro Woche sieht und so auch locker 200+ Schüler hat?
Aber auch, wenn man ein Hauptfach mit 3 Wochenstunden hernimmt hat man 6-7 Klassen mit 20-30 Schülern.

Viel Spass - dann ist die Schule mal 1-2 Wochen zugesperrt und alle schreiben Beurteilungen.

Josef Binder4
11
15.2.2010, 11:15
Die Positionen der Grünen sind irrelevant

Diese Partei hat sich seit dem Abgang Alexander van der Bellens selbst marginalisiert.
Eine Regierungsbeteiligung ist völlig außer Reichweite. Selbst wenn die Bienenzüchterpartie an der 4-Prozent-Marke scheitern sollte, kommt schwarz-blau locker zusammen auf mehr als 50 Prozent der Stimmen, rot-grün auf knapp mehr als 40 Prozent.
Und dafür kann man wahrlich nicht die "bösen" Wähler verantwortlich machen -
Schuld daran tragen einzig und allein die Grünen selbst.

Guteluft
40
14.2.2010, 20:47
Tataler kas die Ziffernnoten

Noten Tod für die Schüler!
Die Noten sind nur Probleme, da diese nur soziale Probleme in der Familie hervor rufen. Es wäre sinnvoll einen schriftlichen Text über die Leistungen der Schüler zuverfassen.

GoodieGoodie
00
16.2.2010, 12:28

Und der ruft dann keine "soziale Probleme in der Familie" hervor?

ride my pimp
00
11.2.2010, 22:24

als ob eine verbale beurteilung etwas anderes wäre als eine ziffernnotenbeurteilung. die ziffer steht ja auch für ein wort, insofern hat sie nur einen unterschied und vorteil: sie ist kürzer und bedeutet daher weniger schreibarbeit.
immer soll die schule einen kuschelkurs fahren, während draußen die totale härte herrscht.
was erwarten sich die gesellschaftsgestalter denn davon?
wenn die welt da draußen auch so lieb wäre, dann wäre es nur logisch, auch die schule lieb zu führen.
so ist es zynisch. die jugend wird nicht mehr vorbereitet und das wird dann als fortschritt verkauft. zuerst muss sich die gesellschaft ändern, dann kann die schule nachziehen.

nina yankow
10

nicht kuschelkurs, sondern objektivierung ist das ziel einer verbalen beurteilung. was kann der schüler gut, was kann der schüler halbwegs, womit hat er probleme, was kann er gar nicht, worin hat er sich verbessert, worin hat er sich verschlechtert.
eine note sagt darüber GAR NIX aus (siehe PISA), weil sie sämtliche kompetenzen, die zu einem fach gehören, in einen topf schmeißt, und noch dazu gewaltig vom lehrer abhängig ist (wie der seine schularbeiten/tests gestaltet, wie er seinen notenschlüssel gestaltet).

moody 100
 
01
11.2.2010, 22:04
na, sicher.

"Heinzi ist ein emotions- und phantasiebegabtes Kind, dessen offenkundige, konfabulatorische Kompetenzen der besonderen Förderung in einer Integrationsklasse bedürfen."

D´Mama hot si damals g´freit´s, d´Oma aaa, dass da Heinzi so guat is.
Oba da Bäck´ um d´Eckn hot im Internet g´lesn, dass da Heinzi mit zehn net nur bled oda faul woa, sondan eigentli a klana, depperta G´schlichtldrucka, der in´d Sonderschul´ g´heat het.
An solchern nimmt a nimma. Neamd aundana aaa net.







Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 316
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.