Studierendensozialerhebung 2009 liefert kein rosiges Bild über das Studentendasein - VSStÖ fordert Grundstipendium
Die Studierenden-Sozialerhebung 2009 bestätigt, was viele Studierende schon wissen. Immer mehr müssen arbeiten, immer mehr haben finanzielle Sorgen und psychische Probleme.
Aus dem Bericht, den das Institut für Höhere Studien für das Wissenschaftsministerium verfasst, geht hervor, dass die Erwerbstätigket von 58 Prozent auf 62 Prozent gestiegen ist. Auch der Anteil der Stuerenden, die während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen, erhöhte sich von 40 auf 45 Prozent. Arbeiten müssen vor allem angehenden Akademiker aus niedrigen sozialen Schichten. Die Zahlen stammen aus dem IHS-Rohbericht, den die "Presse" zitiert.
Der endgültige Bericht wird laut IHS-Studienautor Martin Unger kommende
Woche fertiggstellt. Die soziale Lage der Studierenden wurde zuletzt 2006 erhoben.
No money, more problems
Drei Viertel arbeiten, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren, die selbe Zahl arbeitet, um finanziell unabhängig zu sein. Die Hälfte der arbeitenden Studierenden klagt über schwierige Vereinbarkeit von Studium und Beruf - 37 Ptrozent würden ihr Arbeitspensum gern reduzieren.
Mit dem Mangel an Geld kommen die Sorgen: Ein Viertel gibt an, mit den zur verfügung stehenden Mitteln - durchschnittlich sind das 980 Euro im Monat - nicht auszukommen. Versagensängste haben 30,4 Prozent unter den Studierenden, die mit dem Geld nicht auskommen, bei jenen ohne finanzielle Probleme machen sich 16,4 Prozent Sorgen um die Zukunft. Ungefähr jeder fünfte Student steht unter Leistungsdruck, der ihn belastet.
WG überwiegt
Einzig mit ihrer Wohnsituation sind die meisten Studierenden zufrieden. Knapp die Hälfte lebt in einer WG oder mit seinem Parnter zusammen. Bei den Eltern wohnen noch 20 Prozent, im Studentenheim wohnt jeder zehnte.
VSStÖ: Vom Stipendium kann niemand leben
Der VSStÖ (Sozialeistischer Studierendenverband) sieht in den ersten Ergebnissen seine Forderung nach einer besseren sozialen Absicherung von Studierenden bestätigt. Die Erhebung beweise auch, dass „vor allem Studierende aus sozial schwächeren Schichten zum Arbeiten gezwungen werden. Die durchschnittliche Stipendienhöhe liegt momentan bei ungefähr 280€ - davon kann niemand leben" sagt VSStÖ Bundesvorsitzende Sophie Wollner. Sie fordert von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ein Grundstipendium für alle Studierenden.
Uniko: Ohne Zusatzmittel ist berufsbegleitendes Studium nicht finanzierbar
Auch die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) bezieht zu den alarmierenden Zahlen Stellung: Man sei sich der Problematik bewusst, mit der sich viele Studierende auch angesichts der in den letzten Jahren stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und damit der Finanzierung ihres Studiums konfrontiert sehen. uniko-Präsident Hans Sünkel sagt: "Ein Parallelangebot eines Vollzeitstudiums und eines berufsbegleitenden Studiums ist ohne zusätzliche Mittel für die Universitäten nicht finanzierbar."
Darüber hinaus müsse die Frage beantwortet werden, für welche Studienrichtungen berufsbegleitend konzipierte Studienprogramme einen Sinn ergeben und für welche Curricula eine Flexibilisierung (Tages- und Wochenrandangebote, verlängerte Bibliothekszeiten) genüge. (mil, derStandard.at, 3. Feber 2010)