Sozialerhebung

Mehr Arbeit, mehr Existenzängste

3. Februar 2010, 12:05
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    foto: der standard/jungwirth

    Mehr Arbeit, mehr Stress, mehr Probleme. Laut Studierendensozialerhebung 2009 stehen Studenten unter enormem Druck.

Studierendensozialerhebung 2009 liefert kein rosiges Bild über das Studentendasein - VSStÖ fordert Grundstipendium

Die Studierenden-Sozialerhebung 2009 bestätigt, was viele Studierende schon wissen. Immer mehr müssen arbeiten, immer mehr haben finanzielle Sorgen und psychische Probleme.

Aus dem Bericht, den das Institut für Höhere Studien für das Wissenschaftsministerium verfasst, geht hervor, dass die Erwerbstätigket von 58 Prozent auf 62 Prozent gestiegen ist. Auch der Anteil der Stuerenden, die während des gesamten Semesters einer Beschäftigung nachgehen, erhöhte sich von 40 auf 45 Prozent. Arbeiten müssen vor allem angehenden Akademiker aus niedrigen sozialen Schichten. Die Zahlen stammen aus dem IHS-Rohbericht, den die "Presse" zitiert. Der endgültige Bericht wird laut IHS-Studienautor Martin Unger kommende Woche fertiggstellt. Die soziale Lage der Studierenden wurde zuletzt 2006 erhoben.

No money, more problems

Drei Viertel arbeiten, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren, die selbe Zahl arbeitet, um finanziell unabhängig zu sein. Die Hälfte der arbeitenden Studierenden klagt über schwierige Vereinbarkeit von Studium und Beruf - 37 Ptrozent würden ihr Arbeitspensum gern reduzieren.

Mit dem Mangel an Geld kommen die Sorgen: Ein Viertel gibt an, mit den zur verfügung stehenden Mitteln - durchschnittlich sind das 980 Euro im Monat - nicht auszukommen. Versagensängste haben 30,4 Prozent unter den Studierenden, die mit dem Geld nicht auskommen, bei jenen ohne finanzielle Probleme machen sich 16,4 Prozent Sorgen um die Zukunft. Ungefähr jeder fünfte Student steht unter Leistungsdruck, der ihn belastet.

WG überwiegt

Einzig mit ihrer Wohnsituation sind die meisten Studierenden zufrieden. Knapp die Hälfte lebt in einer WG oder mit seinem Parnter zusammen. Bei den Eltern wohnen noch 20 Prozent, im Studentenheim wohnt jeder zehnte.

VSStÖ: Vom Stipendium kann niemand leben

Der VSStÖ (Sozialeistischer Studierendenverband) sieht in den ersten Ergebnissen seine Forderung nach einer besseren sozialen Absicherung von Studierenden bestätigt. Die Erhebung beweise auch, dass „vor allem Studierende aus sozial schwächeren Schichten zum Arbeiten gezwungen werden. Die durchschnittliche Stipendienhöhe liegt momentan bei ungefähr 280€ - davon kann niemand leben" sagt VSStÖ Bundesvorsitzende Sophie Wollner. Sie fordert von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ein Grundstipendium für alle Studierenden.

Uniko: Ohne Zusatzmittel ist berufsbegleitendes Studium nicht finanzierbar

Auch die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) bezieht zu den alarmierenden Zahlen Stellung: Man sei sich der Problematik bewusst, mit der sich viele Studierende auch angesichts der in den letzten Jahren stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und damit der Finanzierung ihres Studiums konfrontiert sehen. uniko-Präsident Hans Sünkel sagt: "Ein Parallelangebot eines Vollzeitstudiums und eines berufsbegleitenden Studiums ist ohne zusätzliche Mittel für die Universitäten nicht finanzierbar."

Darüber hinaus müsse die Frage beantwortet werden, für welche Studienrichtungen berufsbegleitend konzipierte Studienprogramme einen Sinn ergeben und für welche Curricula eine Flexibilisierung (Tages- und Wochenrandangebote, verlängerte Bibliothekszeiten) genüge. (mil, derStandard.at, 3. Feber 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2
neue techniken, neue kontrollen
01
4.10.2010, 22:10
sind denn eltern nicht verpflichtet,

ihren kindern das studium zu ermöglichen, in dem sinne, dass sie ihnen geld geben, von dem diese leben können, ohne arbeiten zu müssen?

Fivel
03
die "offizielle"

Armutsgefährdungsschwelle liegt zur Zeit bei 951€/Monat.
Die Ausgleichszulage bei 783,99€/Monat.
Das Existenzminimium bei 783€.
und 50% der Studis leben darunter...

dieDritteGeneration
01

Aufteilung der DURCHSCHNITTLICHEN 980 Euro/Monat:
Eigene Erwerbstätigkeit: 391
Unterstützung der Eltern/Familie: 235
Naturalleistungen: 159 (bei den Eltern wohnen, essen..?)
Studienförderung: 83
Sonstige Quellen: 112 (Was ist das? Plasmaspenden?)

Vochomurka
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interessante Begegnung

Habe am Wochenende eine Studentin aus Berlin kennengelernt. Um die 30 herum, hatte noch nie einen "richtigen" Job (sehr wohl allerlei Praktika, nebenjobs etc.). Studierte Germanistik, will aber nicht Deutsch unterrichten. Weiss nicht so richtig was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sagte mir den Satz mit dem man bei jedem Interview durchfaellt "Ich will mit Menschen arbeiten". Sie rauchte viel und in ihren Augen war eine stille Verzweiflung
Es war erschuetternd. Eine Personifizierung von allem was mit unserem (oe.& dt) System so falsch laeuft: Keine Zielgerichtetheit der Studenten oder der Studienplaene. Ablehnung des Konzepts, dass Studium fuer das Arbeitsleben vorbereitet. Glauben, dass sich alles eh richten wird. Hedonismus. Faulheit.

uinsel
03

eine universität ist keine ausbildungsstätte, sondern eine bildungs- und forschungseinrichtung mit schwerpunkt forschung. das darf man nicht verwechseln.

will man eine ausbildung, geht man an eine FH.

Mork vom Ork
00

lol, sorry aber zu glauben, dass man nach einem Studium für die Forschung qualifiziert ist ... fast schon süss

A. N. O'Nymus
 
02

das WAR sie vielleicht mal. jetzt gibt es auch an den unis nur noch ausbildung statt bildung und schmalspurstudium (bakk) statt dem bewährten magister

eze eze
 
04

Diese Frau arbeitet neben dem Studium, ist von niemandem abhängig und erhält sich selbst. Meine Definition von Faulheit wär eine andere. Und wenn die Darstellung so stimmt, hat das mit Hedonismus "das Leben genießen" ja gerade nicht viel zu tun.

Vochomurka
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Sie vegetiert dahin

mit ein paar Hundert Euro im Monat, lebt von Almosen der Eltern. Faul ist sie, indem sie den wichtigen Fragen aus dem Weg geht und nicht mehr aus ihrem Leben machen will. Hedonistin ist sie insofern als sie das bisschen was am Monatsende uebrigbleibt auf Parties versaeuft und verraucht.

eze eze
 
00

In Österreich vegetieren auch viele working poor dahin, und gerade die, die versuchen, sich auch noch den Luxus eines Studiums zu leisten. (Wobei die meisten davon jetzt wenigstens keine Studiengebühren mehr zahlen müssen.) Was die "wichtigen Lebensfragen" betrifft - ich find das gewagt, nach einem ersten Kennenlernen jemandem gleich so vorschreiben zu wollen, was und wie er/sie zu tun und zu denken hat. Was sind denn deine wichtigen Lebensfragen?

Vochomurka
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Die wichtigen Fragen

sind: Was will ich aus meinem Leben machen? Was will ich erreichen? Was fasziniert mich, was tue ich gerne? Wie kann ich die Welt verbessern? Was wird mein Beitrag sein? Was soll nach mir uebrigbleiben?
Einige dieser Fragen habe ich ihr gestellt und ich habe nichts als ein blankes Starren zurueckbekommen und hin und wieder ein bitteres Lachen in der Art: "Ja, ich weiss, diese Frage sollte ich mir stellen, aber ich weiche ihr aus."
Warum sollte man nach einer Stunde tiefen Gespraechs nicht in der Lage sein, ueber jemand urteilen zu koennen?

Mork vom Ork
11

haben sie zu viele 3-groschen-Romane gelesen?

Round'n'round it goes
00

Nur so als Anmerkung: Wenn sie Germanistik studiert, kann sie auch nicht Deutsch unterrichten. Dazu müsste sie Lehramt studieren. Oder DAF.

musacea
02

sie fordern das worüber sich andere aufregen.

http://www.spiegel.de/unispiege... 29,00.html

Vochomurka
00
Danke

Hervorragender Artikel. Ich kenne viele solche. Der Unterschied ist, dass die Anna-Lenas dieser Welt nach 3 Jahren in der Arbeitswelt langsam herausfinden wie der Hase laeuft, ihren Weg korrigieren koennen und langsam anfangen das Leben etwas mehr zu geniessen. Dann sind sie 24. Meine Bekanntschaft kann den anderen, karriereorientierten Weg nicht mehr gehen.
Ich fordere sicher nicht den Weg der Anna-Lenas, weil keine Leidenschaft, keine Begeisterung dahinter steht, einfach nur einfallslose Anpassung an ein als vorgegeben erachtetes Schema. Nur, von Begeisterung hab ich bei meiner Germanistikstudentin auch nix gespuert. Von da her ist Anna-Lenas Schicksal doch ein bisschen besser.

beos
01

danke interessanter Artikel. Wobei auch widersprüchlich. Einerseits wird kritisiert, dass die Bewerber, wie das beschriebene Mädel mit dem "perfekten" dieser Zepelin-Uni nicht quer denken können, andererseits würde es mich interessieren ob man mit einem durchschnittlichen Bachelor Abschluss der vielleicht 8 statt 6 Semester gedauert hat + 3 einmonatigen Praktika und Gelegenheitsjobs, Nebentätigkeiten die dem Lebenslauf nichts bringen überhaupt eine Chance hat dort aufgenommen zu werden... Bei Arbeitgebern, die sich beschweren dass die perfekten Bewerber nicht "outside the box" denken können stellt sich die selbe Frage.....

crowfoot
02
900 euro schön wärs

also ich schlag mir mit 500 euro den monat um um die ohren. auch nicht fett?? fette sorgen???

Gerhard Hofegger
11

Und nach dem Studium stehen sie vor dem nicht`s. Arbeitsuche ca 1Jahr. Keine Sozialversicherung, keine finanzielle unterstützung, Schlechte, wenn Job,
Bezahlung. Also man sollte sich genau überlegen ob sich ein Studium bezahlt macht. Den die besten Jobs sind den Promikindern vorbehalten. So ist das halt bei uns - typisch Österreich.

kernel_panic
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16.9.2010, 23:57
Blödsinn.

Kommt halt immer drauf an, was man studiert hat. In unserer Firma werden fähige Akademiker derzeit sehr gern aufgenommen, Einstiegsgehalt liegt bei ca. 3,5k br. Verlangt wird im Gegenzug allerdings auch recht viel.

Avalancha
103

Mehr Nudeln und Reis, weniger saufen

Studentenheim mit all-in (Wasser, Strom, TV etc.) statt teurer WG im Zentrum

Ggf. mehr Rad statt Auto/Öffi

Bücher nciht kaufen sondern ausleihen und wichtige Passagen selbst zusammenfassen

Statt drei Wochen Mallorca, einen Buckeljob im Sommer, der auch was einbringt.

Ich kenne genug ehemalige Studenten, die jedes Jahr nach Indien/Südamerika etc. zum trampen flogen und sich danach wunderten, dass ein Minus am Konto ist.

Alles relativ.

uinsel
01

hm. in meinem empfinden ist ein studentenwohnheim um einiges teurer und kleiner, als eine WG. von kohlehydraten wird man dick. und in urlaub fährt man, NACHDEM man einen job hinter sich hat.

ich wundere mich über ihren bekanntenkreis.

crowfoot
04
ich kenn genug typen wie dich die keine

ahnung haben wovon sie reden, studentenheime sind nicht billiger sondern sogar häufiger teurer, wie gesund ist es nur nudeln und reis zu essen bei einer bachelorstudiendauer 6 semester, studenten haben meistens zwei räder, bücher ausleihen kann teuer werden weil das ausleihsystem tücken beiinhaltet, kommt man mit einem buch in verzug zahlt man für die anderen zehn auch strafgebühren, weil man sie nicht mehr online verlängern konnte zb., mallorca war ich noch nie, im ausland nach der matura, ja, habe aber auch hackeln müssen dafür, so du alleswisser jetzt weisst du bescheid.

GrexMachine
04
Nicht alles.

Du zB. hast nicht relativ wenig Ahnung von der Situation der Studis heutzutage, sondern absolut keine.

Avalancha
20

stimmt - war nur selbst bis vor kurzem einer und bin auch ohne große Geldgeber mit obiger Anleitung problemlos durchgekommen.

GrexMachine
00
Dann hattest du wohl das Glück, einem älteren Jahrgang anzugehören, wo in den jüngeren Semestern die Bologna-Umsetzung noch kein Thema war.

Und die Verhältnisse sind von Fakultät zu Fakultät auch sehr unterschiedlich.
Du bist ja diesbezüglich zu beglückwünschen, dass bei euch die Verhältnisse noch nicht so himmelschreiend waren, daher sind natürlich die Erfahrungen anders... von den deinigen auf die Allgemeinheit zu schließen ist aber verkehrt.
Ich kann den obigen Artikel leider nur vollinhaltlich unterschreiben. Musste abbrechen, da es sich finanziell, zeitlich und nervlich absolut nicht mehr ausging, da hätt ich 30-Stunden-Tage und eine 9-Tage-Woche gebraucht...

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