Aufdecken von Kriegsgräueln bringt kein Asyl

03. Februar 2010 10:28

Ein Serbe hat bei der Überführung von Kriegsverbrechern geholfen - Sein Asylantrag in Österreich wurde aber abgelehnt

Jovan Mirilo, Träger des Bruno Kreisky-Preises 2007, wehrt sich gegen seine Abschiebung aus Österreich. Im Ö1-"Morgenjournal" befürchtet er bei seiner Außerlandesbringung nach Serbien seinen Tod: "Eigentlich bin ich sicher, ich habe keine Chance zu überleben.Mirilo hatte 2007 den Bruno-Kreisky-Preis erhalten, nachdem er bei der Aufdeckung des Massakers von Srebrenica eine führende Rolle gespielt haben soll. Der Mann aus Sid in der Vojvodina hat nach eigenen Angaben ein Video kopiert, in dem serbische Soldaten den Mord an rund 8.000 bosnischen Moslems in Srebrenica dokumentierten, und es über Umwege an das Kriegsverbrecher-Tribunal von Den Haag weitergeleitet. Im Anschluss sah sich Mirilo nach eigener Darstellung mit Morddrohungen konfrontiert und flüchtete nach Österreich. 

***

Wien - Beim UN-Kriegsverbrechertribunal zu den Verbrechen im Bosnienkrieg soll er einen wichtigen Beweis zukommen haben lassen - Asyl bekommt der Serbe Jovan Mirilo in Österreich trotz Morddrohungen allerdings nicht, berichtet der Falter in seiner aktuellen Ausgabe.

Der heute 44-Jährige war es, der im Jahr 2005 ein Video über das Massaker in der bosnischen Stadt Srebrenica, bei dem eine serbische Spezialeinheit bis zu 8000 Bosniaken erschossen hat, über eine serbische Menschenrechtsaktivistin an das Tribunal in Den Haag weitergeleitet hat. Im Jahr 2007 erhielt er den Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis.

Zunächst blieb die Familie in ihrer serbischen Heimatstadt Sid. Doch bereits wenige Wochen danach, berichtete die Familie der ARD im Jahr 2005, seien Morddrohungen eingegangen. Ein Unbekannter habe versucht, die Lebensgefährtin mit dem Auto zu überfahren, der Bruder eines Angeklagten habe Mirilo gedroht: "Deine Zeit ist abgelaufen."

Im April 2007 stellte der Mann dann in Österreich einen Asylantrag - der nun abgelehnt worden ist. Im Bescheid des Bundesasylamtes, der dem Falter vorliegt, werde die Geschichte des Mannes angezweifelt. So soll er selbst eine Tätowierung der in Srebrenica verwickelten Spezialeinheit haben, auch Dokumentenfälschung wird ihm vorgeworfen.

Gutachter fürchtet sich

Das Problem dabei: Der Bescheid beruht auf einem anonymen Gutachten. Und der Grund für die Geheimhaltung sei, dass der Asylwerber möglicherweise ein Naheverhältnis zur rechten Szene habe und der Gutachter daher um sein Leben fürchte. Warum diese Lebensgefahr nicht für Mirilio gilt, wird nicht erklärt.

Laut Amnesty-Generalsekretär Heinz Patzelt beziehen sich die Vorwürfe auch auf einen angeblichen Ladendiebstahl, den Mirilo bei einem früheren Aufenthalt begangen haben soll. Es kam damals zu einem Verfahren, das mit einer Diversion endete. Bei der Dokumentenfälschung handle es sich um eine Visum, das Mirilo in Serbien über eine Reiseagentur erhalten hatte und das er, als er Zweifel an dessen Echtheit bekam, selbst aus dem Pass entfernt hat. Patzelt: "Jovan Mirilo hat damit, dass er das Video dem Gerichtshof in Den Haag zukommen hat lassen, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt gemacht."

Er, so Patzelt weiter, warne davor, Menschen in Extremsituationen "aus der bürgerlichen Vierzimmerwohnung" heraus zu beurteilen. Mirilo sei ein politischer Flüchtling im engsten Sinne.

Angst vor Rückkehr

Dass sich das Bundesasylamt in seinem Bescheid auf ein anonymes Gutachten stützt, sei aus rechtsstaatlicher Sicht eine Absurdität, betont der Amnesty-Generalsekretär im Gespräch mit dem Standard. Die aktuelle Situation werde dadurch noch verschärft, dass für Serbien seit Ende Dezember 2009 Visumfreiheit und der Balkanstaat als sicheres Drittland gilt. Patzelt: "Das könnte bedeuten, dass Jovan Mirilo abgeschoben wird, während sein Verfahren noch läuft."

Die Angst vor tödlichem Risiko bei einer Rückkehr ist möglicherweise nicht ganz unbegründet: Im Vorjahr wurde in Sid ein Mann ermordet, dessen Bruder ebenfalls in einem Bezug zum Video stehen soll. Der tatsächliche Hintergrund ist aber unklar, der Prozess soll heuer stattfinden. (APA/Bettina Fernsebner-Kokert, Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2. 2010)

Kommentar posten
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Lucky Luke 1988
03.02.2010 21:33
LOL

Der Asylwerber hat möglicherweise Verbindungen zur rechtsextremen Szene...

Na klar doch... er bringt die Verbrecher von Srebrenica vor Gericht und genießt die Unterstützung der Rechtsextremen ...

Nachtsonne
03.02.2010 20:51
Beitrag mit Zitaten aus Bescheid und Gutachten

http://oe1.orf.at/inforadio... 18607.html

Bumo1
03.02.2010 19:40
Tja Pech ... selbst schuld, wenn er keine Rehäuglein hat

bei einer Arigona, deren Familie ja wirklich ohne jegliche Rechtfertigung eingereist ist und sich hier nicht legal aufgehalten hat gehen die Mengen auf die Barrikaden.

Aber einem Mann, dessen Todesangst mal zumindest nicht ganz abwegig ist, kann man ja schnell mal abschieben.

Ich sage nicht, das man Arigona abschieben sollte, aber ich finde es als Hohn, wenn Arigona bleiben darf und dieser Mann abgeschoben wird!

Tschuri Cazzino
 
05.02.2010 10:08
Ein Unterschied zw. Arigona und Mirilo ist, dass

Arigona in Ö. nie kriminell wurde und weiters keine Schuld an ihrem Aufenthalt in Ö. trägt. Sie wurde von verantwortungslosen Eltern ohne ihr Zutun hier her verfrachtet. Weiters behauptet Arigona nicht wahrheitswidrig politisch verfolgt zu werden, sondern fordert humanitärer Bleiberecht.
Dass ein Mann um sein Leben fürchtet, ist mitnichten ein Asylgrund, dazu bedarf es noch einiger anderer Dinge. Die Privatfehden des Herrn Mirilo interessieren mich und glücklicherweise auch das Bundesasylamt nicht.

foxdevilswild
03.05.2010 11:18

dass jemand BERECHTIGT um sein leben (und das seiner familie) bangt ist KEIN asylgrund???
was denn bitte dann??

Kommissar Derisch
 
03.02.2010 18:36
Wer schreibt solche Bescheide?

Ich frage mich, was sind das für Personen, die für solche Bescheide die Begründungen sich an den Haaren herbeiziehen und aus den Fingern saugen müssen. Können die eigentlich noch ruhig schlafen? Kann ich mir nicht so recht vorstellen. Und Morgens der Blick in den Spiegel muß grauenerregend sein. Sind die so hohl und abgestumpft oder tatsächlich so menschenverachtend? So oder so, es ist zum weinen, wie unsere Staatsverwaltung und unsere Staatsdiener mit der Menschlichkeit umgehen...

Tschuri Cazzino
 
05.02.2010 10:15
Damit niemand erfährt, wer solch hanebüchenen Bescheide

erstellt, wird das nun anonym gemacht.
ABER Herr Mirilo ist unabnhängig von dem Bescheid KEIN politischer Flüchtling, da er nicht politisch verfolgt wird, sondern in einem Millieu verkehrt und sich dort unbeliebt gemacht hat, in dem Rachemorde dazugehören.
Ich halte es für eine gute Idee, dass nicht jeder, der sich vor kriminellen Organisationen fürchtet Asyl bekommt, denn diesfalls wäre Ö. bald Zuflucht zigtausender Mafiosi.
Für die Sicherheit von durch serbische Kriminelle Bedrohte ist der serbische Staat veranwortlich, der diese wohl kaum schlechter als der österreichische gewährleisten kann (siehe Umar Israilov)

Daniil Charms
10.02.2010 10:41

ach, sie wissens wieder einmal ganz genau. offenbar haben sie genauso "sorgfältig" ermittelt wie der beauftragte des innenministeriums.

NELGA
04.02.2010 13:01
Vielleicht sind's Strache-Wähler?

Tschuri Cazzino
 
06.02.2010 08:28
Unwahrscheinlich. Strache sponsort kriminell gewordene

Serben mit guten Kontakten zur Unterwelt.

jaja, er mal wieder
03.02.2010 18:34
Sehr traurig, aber passt ins Bild...

Wenn man sich die Asyl-Monatsstatistik Dezember (siehe Website des BMI) ansieht und feststellt, wieviele Anträge aus solch sicheren Herkunftsländern wie Afghanistan (40%), Irak (53%) oder Nigeria (1%) positiv entschieden werden, macht auch diese Entscheidung wieder Sinn.

Wer die Lage in diesen Ländern so einschätzt, dass nur derart wenige Anträge durchkommen, den kann auch der aktuelle Fall kaltlassen.
Denn wenn ich Menschen selbst nach Afghanistan zurückschicken kann, dann ist Serbien allemal drin.

O tempora, o mores!

Tschuri Cazzino
 
05.02.2010 10:17
Sie können jederzeit Gäste aus Afghanistan bei sich

zu Hause aufnehmen, wenn Sie eine Verpflichtungserklärung unterschreiben und für sie sorgen. Ein Blick in den Spiegel würde möglicherweise offenbaren, dass die "Unmenschen" nicht nur um Sie herum sind!

schlechter Gutmensch
03.02.2010 18:20
Naja.... die "Logik" der Schottermizzi

Strache ist ein Freund der ultranationalen Serben.

Die Schottermizzi versucht sich rechts von St. Rache zu positionieren....

Daher werden so "suspekte" Menschen, die die serbischen Kriegsverbrecher zur Anklage gebracht haben, zur Strafe dem rechten Mob zur Treibjagd ausgeliefert .....

AB_Wien4
03.02.2010 18:04
Hier sind wirklich nur menschliche

*** an der Regierung! Pfui Teufel, dieses christliche Pakt!

Kommissar Derisch
 
03.02.2010 18:46

Achtung! Wenn dieses Pack wirklich christlichen Werten folgte, dann hätten wir diese Probleme nicht.
Hinter dem Synonym "christlich sozial" steht wie die Realität tagtäglich zeigt nur:

1. Machterhalt um jeden Preis (=Lug&Betrug)

2. Egoistische Bereicherung (durch frechste Freunderlwirtschaft & Korruption)

3. Pseudo-Elitenförderung (=Ausgrenzung der Mittellosen, Förderung der mit allen Mittel ausgestatteten Dummen und Willfährigen)

greenberetta
03.02.2010 17:56

Für was braucht man sowas wie ein Herz, wenn's eh Gesetze gibt, was?

Kaffe und Kuchen
03.02.2010 17:54
Früher hätte der gute Mann

samt Familie bleiben dürfen, heute brauchen wir unser geld, für riesige finanzgräber in der karibik, ein paar yachten und weitere supersaubere gschäftln mit waffen, medikamenten etc. Für unis, gesundheit und die menschen bleibt da leider nur wenig. Und um davon abzulenken spielt rotblauschwarz den rambo - nicht nur in der innenpolitik.
http://www.agenda2020.at/a20_migulist/

Hagra
03.02.2010 17:11
Serbien will 2010 EU-Beitrittsantrag stellen ...

und 2014 in die EU aufgenommen werden - ein unsicheres Drittland ist das wohl nicht mehr!

jaja, er mal wieder
03.02.2010 18:42
Genau!

Lassen wir doch alle Länder, aus denen Menschen wegen nackter Angst um ihr Leben fliehen, Aufnahmenanträge stellen und dann schicken wir ihnen die Querulanten und Dissidenten gleich wieder retour.
Dann sparen die sich gleich die Killerkommandos und deren Reisekosten. Und wir uns diese langwierigen Verfahren.

<<<Ironiemascherl>>>

noxund klachl
03.02.2010 18:01
Das hat aber mit der Asylfrage wenig zu tun..

.. ankommen tut es auf die (verpflichtende) Einzelprüfung des Falles, deshalb werden komische Asylentscheide, die sich zum Beispiel pauschal darauf berufen, dass ein Staat eh die GFK ratifiziert hat oder bestimmte Handlungen gesetzlich verboten sind immer wieder im Instanzenzug aufgehoben.

gigngogn
03.02.2010 17:28
LOL, ich will auch so einiges, vielleicht sollten die mal versuchen einen Brief ans Christkind zu schreiben

rundblicker
03.02.2010 16:33

Wenn es genau so ist wie hier beschrieben, dann steht ihm mMn Asyl zu.

Es würde mich aber nicht wundern, wenn da noch einige Tatsachen existieren von denen ich nichts weiß.

Cloon
 
03.02.2010 17:16
sehe ich auch so..

aber, wie man vor einigen Monaten im 21. Bez. gesehen hat, bietet auch Asyl keinen Schutz gg. "Aufdecker"

lg cLoon

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
03.02.2010 16:23
ich würd mal in die US-botschaft gehen und dort nach asyl fragen

ist zwar peinlich für uns, aber immer noch besser als eine abschiebung...

Bernd Kinschner
03.02.2010 16:20
Geistige Nackerpatzerl im Bundesasylamt

Dass im im Bundesasylamt moralische Nackerpatzerl sitzen, davon war ich bislang überzeugt. Dass sie sich nun auch so deutlich als geistige Nackerpatzerl outen, überrascht mich aber sehr. Bislang hat man zumindest versucht, eine schlüssige Begründung für Ablehnungen zu finden. Wenn man sich aber wie im aktuellen Bescheid selbst mehrmals widerspricht, macht man sich wirklich lächerlich.
Da wundert es auch nicht mehr, wenn ein dubioser, angeblicher Gutachter anonym bleibt und Dinge behauptet, die von betroffenen Zeugen als falsch bestätigt werden. Kurzum, das Verhalten des Bundesasylamtes erinnert eher an die Stasi oder die Gestapo. Aber, nein, ich nehme das lieber zurück, denn zusammengeprügelt haben Sie ihn ja (noch) nicht.

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