"Die FPÖ war nicht vorbereitet"

02. Februar 2010 18:15
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    Foto: apa/eggenberger

    Der Mann hinter Jörg Haider: Andreas Mölzer als neu gewählter EU-Abgeordneter 2004 - kurz vor dem endgültigen Bruch zwischen den beiden, der zur Gründung des BZÖ führte.

Der freiheitliche Publizist Andreas Mölzer wirft seiner Partei vor, im Jahr 1999 zu sehr auf Stimmenmaximierung gesetzt zu haben - Heute sieht er ähnliche Fehler

STANDARD: In den Neunzigerjahren hatte man den Eindruck, die FPÖ denke gar nicht ernsthaft darüber nach, in eine Regierung zu gehen. War sie dann von der Möglichkeit überrascht?

Mölzer: Haider hat das verdrängt. Als intelligenter Mensch hat er wohl gewusst, dass seine Politik der Stimmenmaximierung, allen alles, auch Widersprüchliches, zu versprechen, ein Scheitern geradezu zwangsläufig impliziert.

STANDARD: Um das nicht selber ausbaden zu müssen, hat er sich aus der Parteiführung verabschiedet?

Mölzer: Dass er im Frühjahr 1999, ein halbes Jahr vor der Nationalratswahl, Landeshauptmann geworden ist, hat ihm die Brücke gebaut, sich als Kaiser in die Provinz zurückzuziehen - und dem großen Wahlverlierer Schüssel den Vortritt zu lassen.

STANDARD: War die FPÖ vorbereitet, in die Regierung zu gehen?

Mölzer: Das ist eine Frage, die sich ja auch jetzt wieder stellen kann. Und die Antwort ist: Die FPÖ war damals nicht vorbereitet und sie ist es heute nicht. Nicht, weil sie schlechtere Leute hätte oder schlechtere Programme - im Gegenteil, die sind besser. Aber sie hat die Struktur nicht gehabt: Keinen "vorpolitischen Raum" in Kammern und Organisationen, keine Unterstützung in den Medien - wenn man absieht von persönlichen Kontakten zur "Krone".

STANDARD: Aber da gab es schon auch ein personelles Defizit: Die meisten Minister hatten keinerlei Regierungserfahrung. Sie hatten doch keine Ahnung, wie Bürokratie funktioniert?

Mölzer: So ist es: Regieren ist bis zu einem gewissen Grad auch Handwerk. Da hatte die ÖVP die Profis - und konnte die FPÖ über den Tisch ziehen. Andreas Khol hat sich im Parlament den Peter Westenthaler geholt, ihn nach außen hin gehätschelt und in Wirklichkeit geführt - Wolfgang Schüssel hat sich genauso die Susanne Riess domestiziert. Das war der Weg, der Haider nach Knittelfeld geführt hat: Weil er gesehen hat, dass die ÖVP seine eigenen Leute am Gängelband hatte.

STANDARD: Was hätte die FPÖ in dieser Konstellation überhaupt besser machen können?

Mölzer: Man hat damals ernstlich diskutiert, ob man nicht noch eine Periode, noch eine Wahl abwarten sollte, um dann als stärkste Partei dominant in eine Regierung zu gehen. Auch heute ist die Diskussion: Wie stark muss man sein, um in eine Regierung zu gehen. Und die Lehre aus dem Jahr 2000 ist wohl, dass man stärkste Partei sein muss, um das zu tun.

STANDARD: Immerhin ist die FPÖ als Reformpartei angetreten und hat doch etliche Reformen erzwungen?

Mölzer: Die Reformen, die gemacht wurden, haben den Wirtschaftsstandort betroffen und eher der ÖVP genützt. FPÖ-Vorstöße waren zu schlecht durchdacht und so unterschiedlich zur Zeit der Fundamentalopposition, so dass sie nur mit massiven Wählerverlusten durchsetzbar waren. Mit den ersten Reformen hat die FPÖ ein Drittel ihrer Wähler verloren.

STANDARD: War die FPÖ vorher zu populistisch?

Mölzer: Populismus ist die Versuchung für jeden demokratischen Politiker, dem Wähler nach dem Mund zu reden. Das ist nichts Illegitimes. Die Frage ist: Wo ist die intellektuelle Lauterkeit, dass man nicht Dinge verspricht, die man nie halten kann? Wenn man es nicht hält, bezahlt man dafür, wenn man Regierungsverantwortung übernommen hat. Das ist der Fehler. Und diesen Fehler gibt es heute auch.

STANDARD: Wie haben die Sanktionen auf die FPÖ gewirkt?

Mölzer: Das war unsere beste Zeit. Zynisch müsste man sagen: Die Sanktionen hätte die FPÖ selbst bestellen müssen, um Solidarität in der Bevölkerung zu erhalten. Hat sie natürlich nicht. Haider hat vielleicht bei seinem Fünfziger auf der Gerlitzen, wo er illuminiert war, provoziert - mit dem "Westentaschen-Napoleon". International hat es das Bild einer rechtspopulistischen Rabaukenpartei verfestigt. Bis heute spüre ich das. Wenn ich auf europäischer Ebene Gespräche suche, werde ich mit Haider konfrontiert, nicht mit Strache. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 3.2.2010)

Zur Person:

Andreas Mölzer (57) war im Jahr 2000 Kulturbeauftragter Haiders. Seit 2004 ist er EU-Mandatar.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 152
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Roter Baron
08.04.2010 10:02
kann man mölzer nicht ausvolken ?

einfach nimmer einreisen lassen


roter baron

Schwargeschützter brauner Sauhaufen!
10.02.2010 08:08
Populist pur!

Die Kärntner sind selbst Schuld an ihrem Dilemma, was wählen sie auch solche Leute!
Rechtsextremismus gehört nicht einmal mit einer Stimme gefördert!
Die Regierung ist nun erst 1 jahr und ein Monat im Amt und hat die Verantwortung nach schwarz/blau übernommen und auch die schwerste Wirtschaftskrise seit den 1920ern gemeistert - noch etwas gefällig?
Kopfstände und Einladungen für die Jugend zur Arbeit?
Wir hatten gar nichts und haben auch alles schaffen müssen und konnte sogar Kinder groß ziehen und deren Kinder beschenken!
Da sollen Sie einmal Danke sagen!
Ich bin mit einen unbehandelten gebrochenen Fuß noch weiter arbeiten gegangen und konnte dann erst am Abend im Spital mir den Liegegips holen, so etwas würden die nie machen!

die elster
 
04.02.2010 08:21
die aussage zu den sanktionen ...

... ist interessant, aber nicht ganz richtig. genutzt haben sie in letzter instanz nämlich anderen, für deren prestigegewinn sie in ihrer hoppertatschigkeit wie gerufen kamen, und die zufällig auch alle relevanten schlüsselpositionen besetzten.

aber das würde ich einem so ehrlichen, geradlinigen politiker wie schüssel natürlich nie zutrauen ...

Christoph Baumgarten
04.02.2010 09:48
Den Aspekt sollte ich

vielleicht auch auf meinem Blog behandeln ;-). Einerseits haben sie Schwarz-Blau immens genützt, andererseits haben sie Schüssel auch gestört. So konnte er sich nicht "Europapolitiker " positionieren. Etwas, das in seiner Welt ganz wichtig war. Den Aspekt hab ich in meinen persönlichen Erinnerungen an die "Wende" angesprochen:
http://www.politwatch.at/stories/guten-tag/

per verser
03.02.2010 18:34

ad photo: offenbar ist der mölzer unfähig, in der nase zu bohren - sieht so aus, als habe er vor lauter jörgifizierung das nasenloch verfehlt.

Mirstetta Toni
13.04.2010 12:39

oder er steckt das herausgefischte gerade in den mund.

*QED*
04.02.2010 13:36

Nun mit Mölzers deutschnationaler Gesinnung kann
ich nichts anfangen. Aber vom Intellekt her, ist Mölzer den meisten Roten turmhoch überlegen.

1116er
04.02.2010 10:49
jörgifizierung per nasenloch

bedeutet das: nehmen wir zum gedenken an unser großes vorbild noch eine line...?

per verser
04.02.2010 13:00

ich bin überzeugt, daß der strache längst kein gedenken mahr als anlaß für seine lines braucht.

hoecst young
03.02.2010 18:08
warum?

warum bekommen solche leute im standard immer wieder ein forum? der mölzer tut jetzt auf analytiker, dabei ist er selbst ein rechter rabauke und mitverantwortlich für das politische klima im land, jahrelang zusammen mit höbelt die parteiintelligenz geben und dann gscheit daherreden dass es damals zu früh war, für die fpö ist es immer zu früh in eine regierung zu gehen, sobald sie in den niederungen der tagespolitik angekommen ist und nicht mehr allen alles versprechen kann brechen immer wähler weg! auch wenn es momentan schwierig ist, aber die hoffnung, dass sich die rechten wieder selber anpinkeln, stirbt zuletzt!

STIHL 026
05.02.2010 12:37

jaja, toleranz predigen und das mediale mundtotmachen des politischen gegners fordern.

hoecst young
05.02.2010 13:20
noch mehr?

also von medialem mundtotmachen kann keine rede sein, bei so viel öffentlichkeit wie bzö/fpk/fpö derzeit haben!!!

*QED*
04.02.2010 13:39

Damit steht Mölzer und die FPÖ nicht alleine. Auch
Gusenbauer hat 2006 einen Lügenwahlkampf geführt,
das Blaue vom Himmel versprochen und ist dann elend
gescheitert.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
04.02.2010 10:01
für die fpö ist es immer zu früh in eine regierung zu gehen, sobald sie in den niederungen der tagespolitik angekommen ist

Vorsicht! Diesen Vorwurf könnte man auch den Grünen machen...

3.märz-oder 4.
03.02.2010 16:45
mich interessiert nicht eine (UN) lautere vergangenheit

sondern eine lautere zukunft.könnens dazu auch was zum besten geben?-bei so vielen gespaltenen fs.

witherabbitt
 
03.02.2010 16:39


Wenn die FPÖ das Bild einer rechtspopulistischen Rabaukenpartei bietet, dann ist das schon eine Beschönigung.

monoton
03.02.2010 16:38
"interlektuelle lauterkeit"

so etwas im zusammenhang mit der fpö zu erwähnen deutet auf ein verstecktes komödiantisches talent hin, denn nichts ist der fpö ferner als lauterkeit und intellektualität

angus1
03.02.2010 18:50

das arge ist : sie merken es nicht. Die lügen den ganzen tag (wie die krone) und glauben es ist wahr...

monoton
04.02.2010 09:52

nein, sie verwechseln mich, ich bin die die fpö/bzö was auch immer braunes.
aber darauf sollten sie ja eh stehen

Lazarsfeld
03.02.2010 16:10

Sehr analytisch und richtig, was Mölzer da zur FPÖ sagt.

Luky Pozzo
03.02.2010 16:26

Von nahezu übermenschlicher Intellektualität und Weitsicht.

Knochenmann
03.02.2010 15:49
"Die FPÖ war nicht vorbereitet"

"Unfassbar! Die haben uns tatsächlich gewählt! Alles Deppen, haha!"

zkk
 
03.02.2010 14:53
"Auch heute ist die Diskussion: Wie stark muss man sein, um in eine Regierung zu gehen. Und die Lehre aus dem Jahr 2000 ist wohl, dass man stärkste Partei sein muss, um das zu tun."

hm, diese lehre mag für die fpö gelten, aber seit jänner 2007 sieht man, dass man auch als juniorpartner die regierungsrichtung vorgen kann.

vor allem deswegen:

"Die Frage ist: Wo ist die intellektuelle Lauterkeit, dass man nicht Dinge verspricht, die man nie halten kann? Wenn man es nicht hält, bezahlt man dafür, wenn man Regierungsverantwortung übernommen hat."

diese lügnerei bzw. unredlichkeit hat herrn gusenbauer das genick gebrochen und wird voraussichtlich seinem nachfolger auch das pol. überleben nicht sichern ...

perau1
 
03.02.2010 17:47

d.schwarze brille wohl zusätzlich von allen seiten abgedichtet, d.man ja nicht die wirklichkeit sehen muss?
was das lügen vor wahlen anbelangt:
als 3. gehen wir in opposition (w.s. vor d.nr-wahl 99)
wir werden nicht mit d.fpö koalieren (w.s. zur eu)
d.ef wird von einer wirtschaftsplattform finanziert u. kostet den steuerzahlern nichts (w.s. v.nr-w 02)
d.pensionen sind sicher, pensionsreform wird
nicht kommen (w.s. vor der nr-wahl 2002 via tv)
es gibt keinen pflegenotstand (w.s. vor d.nr-w 2006)
usw. usf.

diese lügen stammen v.dr.wolfgang schüssel.
d.wählerInnen haben sich 2006 bei ihm und seiner övp mit MINUS 8% bedankt.
für d.weiteren MINUS 8% hat w.molterer gesorgt.

wer im glashaus sitzt, sollte nicht mit steinen werfen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
04.02.2010 10:05
Ist doch Quatsch!

Gusenbauer hat zwecks Stimmenmaximierung, in der festen Überzeugung, eh die Wahl nicht gewinnen zu können (nicht unähnlich Schüssel mit seinem Sager vom Dritten in Opposition, aber eben auch ähnlich der FPÖ unterm Haider), Slogans trommeln lassen, die bar jeder Realität und politischen Redlichkeit waren - bis hin zum absurden Bild von Eurofighter "hier fliegt ihre Pension" etc.
Als er dann wider Erwarten die Regierung bilden mußte, stand er da mit dem gewaschenen Gesicht, weil er seine Wahlansagen absolut nicht einlösen konnte.
The rest is history.

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