Dewitte schwer beschuldigt

Der Salzburger Spesenritter

Thomas Trenkler, 2. Februar 2010, 21:51
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    foto: apa

    Auch jetzt wird viel konferiert, die Beteiligten aber sind nicht so guter Laune: Kuratoriumssitzung im Jänner 2009 mit Jürgen Flimm, Helga Rabl-Stadler, Heinz Schaden und Gabi Burgstaller.

Die Oster- und die Sommerfestspiele übermittelten der Staatsanwaltschaft Sachverhaltsdarstellungen.

Die Vorwürfe gegen Ex-Geschäftsführer Michael Dewitte sind massiv: Horrende Zahlungen an sich und andere.

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Salzburg - Am Dienstag übergaben die Prüfer der Mitte Dezember beauftragten Audit Services Austria Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) ihren Endbericht über die Gebarung der Osterfestspiele. Auf Basis der Ergebnisse erstellte der Anwalt Peter Raue, interimistischer Geschäftsführer des Festivals, eine Sachverhaltsdarstellung, die bereits der Staatsanwaltschaft übermittelt wurde.

Diese Anzeige umfasst mehrere Punkte. Der Mitte Dezember gefeuerte Geschäftsführer Michael Dewitte hätte sich Gehaltssteigerungen genehmigt, "ohne dass dafür eine vertragliche Grundlage ersichtlich ist" . Zudem hätte er Sponsorgelder einbehalten (wiederum ohne Rechtsgrundlage) sowie Reise- und Bewirtungskosten verrechnet, die gegen das Gebot "sparsamer Haushaltswirtschaft" und gegen den Vertrag des Geschäftsführers verstoßen würden.

Im Gespräch mit der APA meinte Raue, Anwalt der Berliner Philharmoniker, dass die Ergebnisse "erschreckend" seien. Sicher scheine, dass sich Dewitte "rund 650.000 Euro in die eigene Tasche gezahlt hat. Dazu kommt eine lange Reihe von nicht nachvollziehbaren Ausgaben wie Reisespesen aus dem Jahr 2009 von 90.000 Euro. (...) Da gibt es Hotelrechnungen von 650 Euro pro Nacht oder Taxirechnungen zum Salzburger Flughafen in der Höhe von 585 Euro. Und das bei einem Jahresgehalt von 117.000 Euro plus dem Gehalt für seine Frau in der Höhe von 45.000 Euro - kein Mensch weiß, für welche Leistung diese Frau bezahlt wurde."

An Klaus Kretschmer, den fristlos entlassenen Technik-Direktor der Sommerfestspiele, seien "direkt ungefähr 550.000 Euro gegangen. In die Firmen in Freilassing und Hallein, sie heißen TDC und Move, in denen Kretschmer offizieller oder stiller Teilhaber ist, sind weitere 650.000 Euro gegangen. Und das, obwohl die Osterfestspiele die Leistungen, die die Festspiele für die Opern der Osterfestspiele geleistet haben, gesondert abgerechnet haben."

"Unsägliches Spiel"

Die Zahlungen könnten keine "normalen Beraterhonorare" sein, wie Kretschmer gegenüber den SN beteuert hatte. Denn, so Anwalt Peter Raue: "Da sind zum Beispiel zum Thema Rheingold 192 Stunden Beratung à 100 Euro angegeben. Das wären fast fünf Arbeitswochen durchgehende Beratungszeit. Und das in Intensivzeiten der Salzburger Festspiele. Das kann so gar nicht stimmen."

Laut Raue sei Christoph Aigner, Anwalt und Zwei-Prozent-Eigentümer der Osterfestspiel-GmbH, die "Schlüsselfigur in diesem unsäglichen Spiel" : Er habe die Zahlungen "permanent gedeckt und gegengezeichnet. Da ist ein geschlossenes System der Scheinkontrolle entstanden."

Raue beschuldigt zudem eine Rechnungsprüferin, die für beide Festivals arbeitet. Sie habe einen "merkwürdigen Vertrag und ebenso merkwürdig hohe Gagen. Ich habe ein ungutes Gefühl bei dieser Dame und einen konkreten Verdacht." Und auch zwei Wirtschaftsprüfungskanzleien (Deloitte und Ernst & Young) hätten versagt: "Die eine hat einen Bericht vorgelegt, ohne überhaupt geprüft zu haben, und die andere hat alle Geldflüsse für unbedenklich befunden. Bei diesen beiden Firmen sowie bei Aigner sehe ich die einzigen realistischen Chancen für Schadensersatz. Von Kretschmer und Dewitte werden wir vermutlich kein Geld bekommen."

Kretschmer beging Montagfrüh, wie berichtet, einen Selbstmordversuch. Beim Sprung von einer Brücke in der Nähe seines Wohnortes Anthering zog er sich Wirbelbrüche zu, er befindet sich aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Bei den Sommerfestspielen ist man der Meinung, dass es "nur ein schwarzes Schaf" gegeben habe. Um aber vollständige Klarheit zu haben, beauftragte Präsidentin Helga Rabl-Stadler die Audit Services Austria mit einer Prüfung. Das dreiköpfige Team nahm seine Tätigkeit am Montag auf;ein umfassender Bericht soll rechtzeitig zur Sondersitzung des Kuratoriums am 23. Februar vorliegen. Außerdem übergab man der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung zum Fall Kretschmer. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 03.02.2010)

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20 Postings
und ewig hirschet dem troll
00
Es

mag ja sein, dass Wirtschaftsprüfer (wie die 2 involvierten) hin und wieder was finden und nicht schweigen dazu, aber in diesem Fall haben sie ganz einfach mitgemacht in dieser KulturSchickeria-Abzocke.
Abgezeichnet, und Karten für Aufführungen entgegengenommen.

Es erinnert an den Hund vom Ex-Finanzminister, der auf die Wurscht aufpasst.

und ewig hirschet dem troll
00
also

heute gibt es ab Mittag einen Bericht: - Wirftschaftsprüfer wehren sich.

eine Fa. hatte kein Mandat zur Prüfungen, nur Buchhaltung, und die andere äußerte im Herbst 2007 ... und somit die Voraussetzungen für die Vermutung eines Reorganisationsbedarfes gemäß Paragraf 22 Abs 1 Z1 URG vorliegen.

(Der Ursprüngliche Artikel brachte mich zur Ansicht, dass da nicht so genau geprüft wurde.)

Mike Webman
01
Wer den Schaden hat ...

... braucht für den Spott nicht zu sorgen !
Salzburg scheint überhaupt ziemlich korrupt zu sein.
Über den Filz der missglückten Olympiabewerbung wurde der Mantel des Schweigens gebreitet.

Gerardo 63
04
Is dös a Wunder?

Österreich du bist überall. Kunst, Politik, Sport, Gesellschaft. In Drittweltländern würde man dies Korruption nennen.
Gruss aus dem Ausland, Gerardo 63

Dante Alighieri
01

Die sollten sich mal an Unis ein Beispiel nehmen (Ausnahme: Medizin, dort sind Unmengen an Spesenrittern unterwegs)... Da wird man als Prof schon schief angeschaut wenn man 80 Euro für ein Hotel ausgibt ^^ Schade dass da bei den Salzburger Festspielen so schlecht gewirtschaftet wurde.

jimmydean
01
grade an den kunst-unis soll es auch nicht zimperlich zugehen

wenn es um den umgang mit steuergeld geht...

3ch0
04

wann fühlt man Rabl-Stadler, der Chef-Korruptions-Lobbyistin, auf den Zahn?

nocomment1
01
das frage ich mich auch…

…aber die hat die größere lobby als die beiden entlassenen herren.
das kuratorium hat jedenfalls jahrelang den GF entlastet, ohne rechnungen anzusehen wie mir scheint. fahrlässigkeit? wenn ich mir das kretschmer-interview durchlese muss ich sagen, er klingt nicht gerade weniger glaubwürdig als die honorigen damen und herren.

heri byrd
02

"Da gibt es Hotelrechnungen von 650 Euro pro Nacht oder Taxirechnungen zum Salzburger Flughafen in der Höhe von 585 Euro."

Das sind natürlich die Kosten inkl. "Begleitung".

Susanne Peschina2
10

Also, entweder sind Sie ein Wichtigmacher und die Details sind erfunden oder aber Sie sind ein Entscheidungsträger, der in die Unterlagen Einsicht hat?

heri byrd
00

wichtig gemachter entscheidungsträger.
es gilt NATÜRLICH die unschuldsvermutung,
ziehens den beträgen je 500 euro ab, und rauskommen werden durchaus mögliche ergebnisse.
150€ für ein hotelzimmer
85€ für eine fahrt zum flughafen

mulligan1
05
und der herr (zweite person von rechts)

sitzt da ganz unschuldig schauend und hat offensichtlich ganz darauf vergessen, dass es rund um die olympia-bewerbungen weit mehr aufzuklären gibt......

Jimmy Hpunkt
03
Typisch für Wirtschaftsprüfer

Da behaupten diese Stümper, dass ein Kontrollsystem und ein sauberes Vier-Augen-Prinzip sowas verhindern könnte und dann sind sie aber unfähig (oder unwillig), sowas auch wirklich zu prüfen. Wahrscheinlich war da wieder die Salzburger lokal-Mafia der Prüfung, allen voran die Wimmer'sche Gelddruckmaschine, im Einsatz.

der wahre Hagen von Tronje
00
Dass ein 4-Augen Prinzip....

.. und ein angemessenes IKS Malversationen verhindern können, behauptet niemand. Im Gegenteil ist der vorliegende Sachverhalt ein gutes Beispiel für das Management Override of Control Risiko. Sie sollten sich schon ein bisschen intensiver mit der Materie auseinandersetzen, bevor sie hier Beleidigungen und Verleumdungen lostreten.

?und
01
sie gehen also davon aus, das die" internal control" stattgefunden hat

wenn ich mir meine internal revisoren anschau, bekomm ich allerdings einen lachkrampf, sie entschuldigen schon, hier waren chefs am werk.

der wahre Hagen von Tronje
00
Nein davon gehe ich nicht aus.

Wie Sie richtig erkannt haben, waren hier "Chefs am Werk". Genau das beschreibt ja den Sachverhalt eines "Managemnt Override", dass ein internes Konrollsystem durch Handlungen des Managements wirkungslos gemacht werden kann. Daher ist hier die Frage nach der Einrichtung eines funktionierenden internen Kontrollsystems falsch gestellt. Das hat Herr Hpunkt weiter oben nicht verstanden. Zeigen Sie mit doch bitte einmal Ihre internen Revisoren, vielleicht muss ich ja dann auch lachen !

das poppende lottchen
08
wieder einmal sitzen politiker in gremien herum und besetzen posten.

verantwortlich sind sie aber letztlich für gar nichts.
die konsequenz müsste sein: raus aus den gremien mit diesen unfähigen funktionären und apparatschiks - die von (gutem) management und (korrektem) wirtschaftsgebaren keine ahnung haben, sich aber in parteiapparaten hochgebuckelt haben.
das ist wirklich typisch österreich - etliche vergleichsbeispiele ließen sich nennen, am prominentesten wohl das skylink-desaster am flughafen wien-schwechat.
eine lobenswerte ausnahme sind hier die bregenzer festspiele.
ich vermute zudem, dass in österreich deutlich mehr geld für politische postenbesetzungen, freunderlwirtschaft und beratungsaufträge verschwendet wird, als jemals durch noch so viele schweizer steuer-cds zurückgeholt werden kann.

0815-Kommentar
01

naja, diesmal haben die politiker ihre aufgabe wahrgenommen und kontrolliert. die vebrechen (so es denn welche waren) wurden von den tollen managern aus der privatwirtschaft begangen.

?und
01
einspruch, es bestand vollbrand und die feuerwehr mußte wohl oder über gerufen werden

von wegen kontrolliert - wer denn?

franz gruen
01
auch hier gilt....

....selbstverständlich die allgemeine unschuldsvermutung

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