Deutschland kauft Daten

Auch Österreich will Steuer­sünder-CD auswerten

2. Februar 2010, 18:14

Laut Experten ist die Rechtslage eindeutig, die Republik würde sich nicht der Hehlerei schuldig machen

Berlin/Zürich/Wien - Die Debatte rund um den Ankauf der Steuersünder-CD durch Deutschland hat auch Österreich erreicht. "Sollte es Hinweise darauf geben, dass sich auf der CD auch Informationen über Steuerflüchtlige aus Österreich, befinden hätten wir natürlich großes Interesse an einer Auswertung", sagt ein Sprecher von Finanzminister Josef Pröll zum Standard. Juristisch gesehen besteht bei der Datenauswertung in Österreich kein Problem, selbst der Ankauf wäre legal, meinen die Strafrechtler Robert Kert und Helmut Fuchs.

Die CD soll Informationen über 1500 Steuerhinterzieher enthalten, die Daten könnten von der HSBC oder Credit Suisse stammen. Sie wurde für 2,5 Millionen Euro angeboten. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble hat bereits angekündigt, die Daten zu kaufen. Sollten auf der CD Österreicher erwähnt werden, müssen diese Daten an Wien weitergegeben werden. Der Fall sei ähnlich gelagert, wie der Erwerb einer CD im Zuge der Liechtensteinaffäre, "wir konnten deshalb gar nicht anders entscheiden", sagte Schäuble. Die Karlsruher Höchstrichter prüfen derzeit, ob der Ankauf damals legal war.

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Wien - Darf der Staat rechtswidrig heruntergeladene Informationen über Steuerflüchtige kaufen? Die zum Teil heftig geführte Auseinandersetzung ist inzwischen auf Österreich übergesprungen. Aus juristischer Sicht fällt die Antwort der Experten eindeutig aus:Ja, Österreich dürfte kaufen und die Informationen in allfälligen Strafverfahren verwenden.

Denn die Republik würde dabei nicht als Hehler auftreten und laut Strafrechtlern auch sonst kein Verbrechen begehen.

Hehlerei begeht laut Strafgesetzbuch, "wer den Täter einer mit Strafe bedrohten Handlung gegen fremdes Vermögen" unterstützt, dieses zu verbergen oder zu verwerten. Daten gelten allerdings nicht als Vermögen, sagen die beiden Wiener Strafrechtler Helmut Fuchs und Robert Kert übereinstimmend. Datenklau ist juristisch gesehen auch kein Diebstahl. Denn in Österreich wie in Deutschland gilt, dass nur körperliche Gegenstände gestohlen werden können.

Welches Delikt kommt sonst infrage? Laut Kert keines. Das illegale Herunterladen von Daten selbst sei natürlich strafbar (etwa widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem, Auskundschaften von Geschäftsgeheimnissen). Wer die Informationen aber nach der Tat kauft, begehe kein Verbrechen. Aber sogar wenn der Staat rechtswidrig handeln würde, könnte er die Daten nutzen. Dem österreichischen Recht sind nämlich so genannte Beweisverwertungsverbote fremd.

Verwendung von Beweisen

Bei dem sperrigen juristischen Begriff geht es um die Frage, ob rechtswidrig erlangte Beweismittel vor Gericht benutzt werden können. In den USA gilt der strenger Grundsatz des "Fruit of the poisonous tree" (Früchte des vergifteten Baumes): Wurde ein Beweis von der Polizei in rechtswidriger Weise gewonnen, könne dieser vor Gericht nicht verwendet werden. Bekanntes Beispiel war der Fall von O. J. Simpson. In Österreich dagegen ist die Verwertung von Beweisen nur dort verboten, wo das Gesetz dies ausdrücklich verlangt, etwa bei widerrechtlichen Untersuchungen am Körper.

Dass der Kauf der Daten nicht rechtswidrig wäre, glaubt man auch im Finanzministerium. Die konkrete Frage, ob Österreich geklaute Bankdaten kaufen solle, habe sich noch nie gestellt, heißt es.

Im Zuge der Liechtensteinaffäre, tauchten auf der von den deutschenBehörden erworbenen CD auch die Namen von rund 170 Österreichern auf. Die Deutschen gaben die Daten weiter. Die anschließenden Finanzstrafverfahren vor Gericht waren gänzlich unproblematisch, weil Österreich die Infos von Deutschland bekam.

Im Wiener Finanzministerium heißt es auch diesmal, es bestehe Interesse an der CD, sollten sich Hinweise ergeben, dass es auch Informationen über österreichische Steuerflüchtige gibt. Sollte dies der Fall sein, müsse Deutschland Amtshilfe leisten, heißt es auch aus dem Büro von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ). Das muss Deutschland übrigens sowieso: Laut EU-Amtshilferichtlinie sind alle Unionsländer zum Informationsaustausch über Steuerflüchtige verpflichtet. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2010)

Kommentar posten
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carbonara
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13.2.2010, 00:05
ist ja nett....

.....demnächst werden sämtliche Firmen-unterlagen/Kundendateien/Geschäftsgeheimnisse/Produktionsprozesse....kopiert (=gestohlen) und verkauft - und es gibt keine Konsequenzen ?!

der tortenfreak
03
es gäbe keine bzw. weniger Steuerhinterziehung

sofern der parasitäre Staat seine Bürger nicht so extrem 'aussackeln' würde.

Beispiel Selbständiger EPU.

Bei einem Umsatz von 61k entfallen bereits folgende Steuern und Abgaben:

- 25% GSVG = ~ 15,2k
- EKST = ~ 14,1k

entspricht ca. 48,1% Steuern/Abgaben.

Eine Frechheit sondergleichen ...

unterwegs in Österreich
00
Bei 61K gibts keinen Umsatz mehr

da ist alles erfroren.
Was ist EPU

Ich halte das für ein wirres Posting, dessen Inhalt sich nicht erschließen knan.

A. E. Neumann
02
"Datenklau ist juristisch gesehen auch kein Diebstahl."

Das ist ein interessanter Satz. Jedenfalls in Zusammenhang mit dem Begriff "Raubkopie". Denn bei einer Datenkopie handelt es sich -den beiden Anwälten zufolge- offenbar nicht um Raub. Nicht einmal um Diebstahl.

Aber das ist natürlich nur bei Daten CDs so, auf denen Steuersünder verzeichnet sind. Wenn sich darauf unlizenzierte Musikstücke befinden ist es natürlich schwerer Raub, der mit hundertausenden Euros bestraft werden muss...

Mathias
 
00
Auch Österreich will Steuer­sünder-CD auswerten

Da lauert dann eine Menge Arbeit auf unsere Ämter! :-)

Thomas Bayer
00
Notwendige Beschaffungen

zuerst müssen noch tausende Ablagen eingekauft werden, damit die Unterlagen in Frieden der Verjähungsfrist entgegendämmern.

GENDERLOS
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Was ist eigentlich mit der letzten Steuersünder-CD passiert? Von dem hat man ja überhaupt nichts mehr gehört, seit sie beim Finanzamt entgegengenommen und zur Verschlußsache erklärt wurde!

Besser: die CD gleich an (möglichst viele unterschiedliche) Zeitungen verkaufen!
Die zahlen mehr und tragen auch eher was zur Verbrechungsbekämpfung bei als die Hawerer im Finanzministerium!

manu zinner
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an die krone oder heute?

no prack, da wird ja was rauskommen, dann steht in der zeitung vielleicht auch weiter, dass diese steuersünder kinderschänder oder mörder sein könnten........nee danke das ist m. e. ein doofer einfall, dann kann man ja gleich den pranger einführen (auf die moderne art - veröffentlichun gvon verbrecherfotos im indernett)

Gregor2702
00
Daten gelten nicht

als Vermögen?
Warum zahlen die dann 2,5 Mille dafür?

Anonym Anonymus
11
Rechtsauffassung???

also "schickt" ein Staatsanwalt einen Einbrecher in ein Rechtsanwaltsbüro, der kopiert Daten und Akten, nimmt gar nix mit und verkauft sie dann dem Staatsanwalt ..... bin für amerik. Auffassung, illegal erworbene Beweismittel gelten als nicht existent.

Atlas Shrugged
 
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oder man entführt einen Verdächtigen, bringt ihn in ein Lager und foltert ihn dort .....

ja ja ja tja
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Wäre ja für Mitteleuropäische ehemalige Rechtsstaaten auch so,

nur pfeifen die MinisterInnen halt aufs Recht...

Elmar Bartowitsch
12
söldner 2.0?

so gern ich es sehen würde, dass die bösen reichen steuerhinterzieher zur kasse gebeten werden...

... ist mir nicht ganz wohl bei dem gedanken, dass ein staat auf der einen seite gesetze beschließt und auf deren einhaltung pocht, aber auf der anderen seite - wenn's dem eigeninteresse dient - das brechen dieser gesetze durch dritte belohnt.

<paranoia>
wenn ein gesetz dem staat bei der kontrolle der bürger also im weg steht, kann er ja einen tolerierten gesetzesbruch an moderne söldner outsourcen.
</paranoia>

daher hinkt IMO auch der vergleich mit den geschwindigkeitskontrollen durch privatfirmen: das feststellen der geschwindigkeit eines autos ist ja nicht illegal!

herbertbergzwerg
01
Gläserner Bürger, opaker Staat

«Im Rechtsstaat sind die Behörden öffentlich und die Bürger privat. Im Unrechtsstaat ist es umgekehrt.»
Charles Beat Blankart

Dreistein
 
00
Die anschließenden Finanzstrafverfahren vor Gericht waren gänzlich unproblematisch

Wenn ich diesen Satz lese, schwant mir Übles. Es wurde nämlich ziemlich still in dieser Angelegenheit. Soll der Hinweis "unproblematisch" etwa heissen, dass es zu keinen Urteilen gekommen ist, weil man die Akten einfach verlegt oder bis zum St.Nimmerleinstag, jedenfalls aber bis zum Ablauf der Verjährungsfrist, irgendwo abgelegt hat?

Ich traue der österr. Justiz inzwischen alles zu, was man mit Unrecht grob umschreiben könnte.

the lawyer
10

Liebe Standard-Redaktion,

könnte Ihr zu diesem Thema vielleicht auch einige Staatsrechtler interviewen. Was die beiden Herren vom Strafrechtsinstitut mE gröblich mißachten bei Ihrer Theorie ist das sog. Legalitätsprinzip in Art 18 B-VG. Der Staat mit seiner Hoheitsgewalt darf nicht nur nichts Verbotenes tun, er darf nur Gebotenes (!) tun! Die Staatsgewalt hier mit einem Privaten strafrechtlich zu vergleichen ist mE kompletter nonsens!

The Heckler
03
so ein schwachsinn

Daten gelten allerdings nicht als Vermögen

also ist die ganze Raubkopierer-Hetze Schwachsinn

Echt, die drehen sichs wie sie es brauchen

Anonym Anonymus
00
Na super -

nach dieser Rechtsauffassung, klaut jemand Daten bwps. Software, der macht sich schuldig aber wenn man dann von dem Dieb die Daten kauft, ist das ok!
Steuerhinterziehung ist eine Sache und im Sinne der allgemeinheit nicht entschuldbar, auch wenn es viele im großen oder kleinen Stil machen - trotzdem bin ich aber dafür, dass jede Art von Beweismittel, das illegal beschafft wurde, im Rechtsverkehr nicht mehr zugelassen wird und als nicht existent gilt. Sonst laufen wir Gefahr, total "erpressbar" zu sein. Der Kauf von illegal beschafften Daten ist die Verwertung von Diebesgut, wie immer man das beurteilen mag.

leprakranker
01
schickts die CD

den Engländern oder den Bayern, da hat man wenigstens noch Hoffnung auf rechtsstaatliche Arbeit

der typ
01
wenn sie die cd den engländern schicken

ist sie binnen einer woche weg :)

siehe datenverluste des letzten jahres

01052004
00
das ist ein toller neuer geschäftszweig!!!!

leute, daten klauen, was geht, diese verscherbeln und ordentlich abkassieren. und alles straffrei!!!

urheberrechtsschutz, datenschutz - was für ein schmarrn!!! ran ans hacken, ran an die daten...und endlich den lebensstandard führen, den man schon immer wollte...

und die chinesen wirds besonders freuen: können doch daten klauen ende nie, um dann bei ihnen daheim das geklaute billigst nachzubauen und dem westen zu verscherbeln...

daten sind daten. nichtmateriell also ohne wert...
ich geh jetzt mal ein paar kinofilm-daten klauen, jetzt wo es wurscht ist...und ein bisserl neue software...just for fun...

GENDERLOS
00

Ja warum soll nur die Stasi ein Monopol für dieses Business haben? Der freie Markt regelt das schon! ALLE sollen die Möglichkeit haben, miteinander in Wettbewerb zu treten!

vermieter2
00
Abstimmung auf der Seite der ÖENB

BITTE MITMACHEN!

einfach abstimmen !!!!

am besten auch noch selber auf min. ein oder 2 seiten weiterverbreiten!

http://www.direktzu.at/oenb/messages/24828

DANKE!

Boots Mann
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die Ausbeute für Österreich wird gering sein

Die CD hat für uns sicher nicht so eine Relevanz wie für den deutschen Staat, denn die hatten ja nie ein Bankgeheimnis, und somit ist die Tradition des Geldflusses zur Steuerumgehung in die Schweiz, eine schon eine viel intensivere.

devianz
017
Im Zuge der Liechtensteinaffäre, tauchten auf der von den deutschenBehörden erworbenen CD auch die Namen von rund 170 Österreichern auf

und wie wir es in österreich gewohnt sind, es ist nichts dabei rausgekommen, hat nie mehr etwas darüber gehört oder gelesen, ich nehme an es handelte sich dabei um die üblichen verdächtigen aus der politik und der finanziellen spitze österreichs.

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