Bildungsmarkt boomt

Das gute Krisengeschäft mit der Weiterbildung

02. Februar 2010 18:24
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    Foto: christian fischer

    2009 haben in Österreich 216.000 arbeitssuchende Menschen an Weiterbildungskursen des AMS teilgenommen. Ein gutes Geschäft für die Schulungsanbieter, doch die Trainer werden knapp.

Schulungseinrichtungen und private Bildungsinstitute werden vom AMS mit Millionenaufträgen bedacht. Es herrscht aber akuter Mangel an qualifizierten Trainern

Wien/Graz/Linz - Sie zählen zu den heimlichen "Gewinnern" der Krise: Österreichs Schulungseinrichtungen werden derzeit vom Arbeitsmarktservice (AMS) mit Millionenaufträgen für Schulungen und Weiterbildungskursen von Arbeitslosen zugedeckt. Sie verzeichnen zweistellige Umsatzsteigerungen. Den Markt beherrschen einerseits die sozialpartnerschaftlich organisierten, gemeinnützigen Institutionen wie BFI oder WIFI, zum anderen eine Handvoll privater Unternehmen wie das BIT, "Die Berater", Mentor, Ibis Acam oder best training.

Im Wiener Raum ist die private Schulungsszene bereits größer als BFI und Wifo zusammen. Der Markt ist beachtlich: 2009 haben insgesamt rund 216.000 "AMS-Kunden" - um 40.500 mehr als 2008 - an Schulungsmaßnahmen teilgenommen. 1,22 Milliarden Euro stehen für diesen Bereich zur Verfügung.

Stephan Sticher, Eigentümer der von Graz aus international agierenden BIT-(best in training)-Gruppe etwa , beziffert seinen Zuwachs im Arbeitslosentrainingsbereich mit rund 20 Prozent. Die AMS-Aufträge machten allerdings nur ein Drittel seines 36 -Mio. Euro-Umsatzes aus. BIT sei auch im Managementtraining tätig, was sich wiederum bei gefestigter Konjunktur mit besseren Aufträgen auswirke. Gleich die Situation bei "Die Berater". Auch hier boomt das AMS-Geschäft im Gegensatz zum Bildungs- und Beratungsgeschäft im privaten Firmenbereich. "Wir sind aber sehr zufrieden", sagt "Die Berater"-Ko-geschäftsführer Konrad Fankhauser. Sticher ortet jedenfalls bereits einen ordentlichen Preiskampf in der Schulungsbranche, wobei die sozialpartnerschaftlichen Einrichtungen wie das BFI oder WIFI einen Konkurrenzvorteil hätten. Hier spiele der Preis keine so große Rolle.

Etats

Welche Etats hier im Umlauf sind zeigt allein die von der Krise besonders betroffene Steiermark. Das AMS schüttet 2010 hier insgesamt 175 Mio. Euro an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen aus. Ein Gutteil davon fließt in die Schulung von Arbeitslosen.

Die größten Aufträge fängt auch hier das BFI ab, was sich in Umsatzzuwächsen von gut 30 Prozent niederschlägt. "Die Mehreinnahmen fließen direkt in den Ausbau unsere Einrichtungen, in Anmietungen von Flächen und neue Trainer", sagt BFI-Chef Wilhelm Techt.

Mentor, ein Schulungsunternehmen, das von Oberösterreich aus agiert, hat sich auf Langzeitarbeitslose, Migranten, Jugendliche und Behinderte spezialisiert. "Wir können nicht so stark expandieren, weil uns die Trainer fehlen", sagt Mentor-Geschäftsführer Werner Kampichler. Mentor hat 550 Angestellte und macht rund 34 Mio. Euro Umsatz.

Dass der Run auf die Trainingsjobs ausbleibt, könnte allerdings auch an der Entlohnung liegen. Zwar gibt es seit dem Vorjahr für freiberufliche Trainer ein Mindesthonorar von 30,90 Euro pro Stunde. Auch müssen Trainer, die mehr als 15 Stunden bei einem AMS-Schulungsanbieter tätig sind, angestellt werden.

Die Anfangsgehälter der meist akademisch ausgebildeten Trainer liegen laut Maximilian Jäger von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) zwischen 1792 Euro und 1993 Euro monatlich - brutto. (Walter Müller, Karin Tzschentke, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2010)

Kommentar posten
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kakophobikerin
08.02.2010 09:03
arbeitslose sind längst ein handelsprodukt

diese deppenkurse bringen niemandem irgendetwas (ausnahme: die veranstalter) , kostn massig geld und die leute die quer durch die stadt täglich sinnlos dorthin gescheucht werden nehmen dann letztlich auch noch arbeitenden den platz in der ubahn weg.
grundsicherung plus weiterbildung nach interessenlage wäre die effizientere lösung.

statt exarbeitslosen mit ams-trainer-ausbildung, die die seite des ams-tisches gewechslet haben und fürderhin gemeinsam mit windigen weiterbildungsagenturen sinnlos menschen schikanieren.

serotonin
03.02.2010 14:26
pervers

in Deutschland wird die Zwangsbehandlung Arbeitsloser bereits zum Milliardengeschäft. ZB. verdient Thyssenkrupp doppelt an der Arbeitslosigkeit: zuerst Millioneneinsparung durch Freissetzungen und in der Folge als Miteigentümer der Transfergesellschaft, in der die Arbeitslosen dann "umgeschult" werden. In Ö sind wir am besten Weg in die selbe Richtung. Quelle:
http://www.wiwo.de/politik-w... -419926/4/

Kapitalismus Luege
03.02.2010 15:36
Armut erschaffen und privatisiseren


ja wenn sich's die Leute gefallen lassen ...

Das System schiebt sich so aber eine Granate in den eigenen Ar$ch.

Keyser
05.02.2010 07:40

Die Leute lassen es sich gefallen, weil sie keine Chance haben, aus eingenem Antrieb heraus etwas am bestehenden System zu ändern. Die Alternative hieße - sich nichts mehr gefallen zu lassen, dafür in Armut abzurutschen- und durch alle gesellschaftlichen Raster zu fallen.

In diesem System gibt es keine Schutzzone für Menschen, die ohnehin von Existenznot bedroht sind, ganz im Gegenteil. Es wird noch darauf eingedroschen.

Sie haben nicht die Wahl - wie sie sie hätten, stünden sie in Lohn und Brot. Und selbst diese Gruppe rutscht immer mehr in das Präkariat ab. Armut Fördern und erhalten, lautet wohl das gängige Motto. Es gibt zwar Lichtgestalten, die dieses System entlarven, aber dagegen unternehmen können sie allein auch nicht viel.

Gramurcki
03.02.2010 12:48
Also

ich bin Typograph (mit Meister). Seid 20 Jahren. Mein Beruf besteht aus 90% Computerarbeit (Retouschieren, Computergrafik, Layout, etc). Nachdem immer weniger Betriebe Computergrafiker anstellten sondern lieber Freelancer beschäftigten (kein 13 + 14 Gehalt) und im Anschluss auch die Stundensätze unter 20 Euro gingen (davon zahlt man dann noch Kranken- und Sozialversicherung, Steuern und Büroaufwand) bin ich seid Mitte 2009 arbeitslos (Das erste Mal in 20 Jahren Berufstätigkeit).
Ich bemühe mich seid damals um eine Umschulung zu einem anderen Handwerksberuf (Sparte Holz).
Bekommen habe ich einen Grundkurs für EDV und Bewerbung intensiv (für Jobs die es nicht gibt oder mies bezahlt sind). Manchmal fragt man sich schon ...

sir osis of liver
 
03.02.2010 14:07

sie müssen sich wehren - in jedem ams gibt es einen frei zugänglichen pc, an dem man seine möglichkeiten testen kann (recht gutes program) mit den resultaten nicht mehr zur verwaltungtussy (männl. oder weibl) sondern zum berufsberater.
holz bringt absolut nichts, da enden sie als zuschneider beim baumarkt. mit ihren fähigkeiten, versuchen sie eine technische berufsausbildung zu machen. meiner tochter hat man nageldesign und kosmetik beim spar vorgeschlagen . sie hat sich bis zur elektrik durchgebissen. mit erfolg: elektrik, mechatronik mit lauter einsern. ist, neben ihrem beruf auf dem weg zur meisteprüfung. und arbeitet als freier mitarbeiter bei einem bfi. festanstellung nach der meisterprüfung in zwei jahren.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
03.02.2010 13:11

Wollen Sie Ihre Grafiker-Qualifikation wirklich an den Nagel hängeln?
Die klingt ja vergleichsweise richtig kreativ gegen die Hühnerbatterie-Jobs in der EDV-Branche.

Gramurcki
03.02.2010 13:43
nein, will ich nicht...

... aber ich muss mit meiner Arbeit mein Leben bezahlen können. Wenn die Menge des Geldes unter einen gewissen Level fällt, hat man irgendwann keine Wahl mehr. Abgesehen davon ist Computer-Grafiker inzwischen ebenfalls ein Hühnerbatterie-Job inklusive jede Menge unbezahlte Überstunden (falls man "Angestellter" ist). Das mit der Kreativität mildert meine Alltagsprobleme (fehlendes Geld, fehlendes Geld und fehlendes Geld) schon lange nicht mehr.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
03.02.2010 18:04

Ich hätte jedenfalls gerne eine Grafiker-Ausbildung. Hätte jede menge ideen, was ich damit tun würde (darf ja auch ruhig etwas künstlerisch sein u. muss nicht nur industriegrafik sein.

Arthur Schnitzl
03.02.2010 12:13
Trainermangel wegen mieser Bezahlung

1. Freiberufler verdienen in der Praxis unter 20 Euro pro Stunde (brutto). Und seit sich die Bedingungen für freie Dienstnehmer verbessert haben, wird wieder angestellt.
2. Angestellte werden nach dem BABE-KV (Kollektivvertrag für Erwachsenenbildung) entlohnt. Und dieser KV ist eine Katastrophe:
a) Der BABE-KV berücksichtigt die Ausbildung nicht; ein Doktor bekommt das gleiche Gehalt wie Nicht-Akademiker.
b) Nach dem BABE-KV wird nur die reine Unterrichtszeit entlohnt. Oben genannte Gehälter beziehen sich auf 38,5 Stunden Unterricht. AHS-Lehrer sind mit 20 Stunden Unterricht vollbeschäftigt.

Kapitalismus Luege
03.02.2010 12:10
Der Arbeitslose ist totes Humankapital, ohne Rendite

so Josef Ackermann, Chef der Deutsche-Bank.

Zur Bewirtschaftung dieser Gruppe taugt Zwangsarbeit, (wie Hartz IV, der 1 EUR Job), oder Zwangsbeschulung durch Bfi (SPOE nahe) und Wifi (OEVP nahe), sowie einige gut verhaberte Institute bei denen Parteienfinanzierung im Raum steht.

Ausschreibungskriterien sind natürlich auf die im Artikel genannten Institute "angepasst".

Der Trainer hat bei wenig Lohn volles Risiko; sind die Leute im Kurs unzufrieden wird er entlassen - vielleicht erklärt sich ja so der Trainermangel.

bahrforpresident
03.02.2010 11:41
Kurse

Solange Arbeitsmarktpolitik auch darin besteht Statistiken mit Kursen zu schönen, werden weiter demotivierte Arbeitslose in den Kursen ihre Zeit versitzen. Bin selbst gerade in einem Kurs.
Ich eknne beide Seiten und ich muß sagen für das angesprochene Problem gibt es nur eine Lösung, wenn wir davon wegkommen Qualifikation als Vermittlungskriterium für den 1. Arbeitsmarkt zu sehen.
Ich denke, daß bedingungslose Grundeinkommen bietet beiden Seiten klare Vorteile. Trainer können ohen ökonmoischen Driuck anbieten, ARbeitslose können sich ohen ökonomishcen Driuck qualifizeien. Keiner muß machen, was er oft gar nicht will und oft gar nicht braucht. Das jetzige System ist extrem teuer und ineffizient.
www.bahrforpresident.net

Sonilla
03.02.2010 13:41
bahrforpresident

inhaltlich ganz passabel - als bundespräsident in spe sollten sie sich dann aber schon von einer tipphilfe unter die arme greifen lassen, bzw einen tippkurs des ams besuchen;-)

Walter Bimini
03.02.2010 11:19
beim abzocken sind sich rot und schwarz wieder einmal einig.

Waldschrat
 
03.02.2010 09:57

"Zwar gibt es seit dem Vorjahr für freiberufliche Trainer ein Mindesthonorar von 30,90 Euro pro Stunde."

Das ist wohl nur ein Gerücht und wenn überhaupt nur die Kalkulationsgrundlage für die Anbieter. Was tatsächlich an die Trainer bezahlt wird ist selbstverständlich mindestens um ein Drittel weniger. Die Differenz ist als "Körberlgeld" für die ( zu einem hohen Anteil AK-und gewerkschafts/WK-nahe ) Bildungsindustrie zu verstehen, die, wenn mildtätig organisiert, selbstverständlich auch dem Privileg der Steuerfreiheit unterliegt. Eine schlaue Sache also.

Waldschrat
 
03.02.2010 09:32
Zu den oben genannten Anfangsgehältern

für Trainer muss man allerdings dazu sagen, dass
diese auf Basis einer Lehrverpflichtung von 38,5 Std/Wo sind, also 38,5 Std/Wo in der Klasse!

Vergleicht man das mit den Gehältern/Bezügen von Bundeslehrern in Relation zu den gehaltenen Unterrichtsstunden ergibt sich das seltsame Bild, dass ein AK/gewerkschaftseigener Lehrer als junger die Hälfte und als älterer ein Viertel eines Bundeslehrers verdient.

Ein Bundeslehrer könnte aber dort mangels Qualifiaktion nicht unterrichten, womit sich diese Frage nicht stellt.

haraxoli
03.02.2010 09:57
trainergehalte:

780 € nettogehalt für 20 wochenstunden unterricht
(der neu angestellte trainer unterrichtet täglich 4 bezahlte stunden, dazu kommen unbezahlte ams-bürokratie, vor- und nachbereitungen)
oder
1330 € netto bei 40 trainings(!-)wochenstunden

das bekommen angestellte trainerInnen bei bfi, ibis acam usw.;
"abgesichert" durch den kollektivvertrag babe:
http://www.gpa-djp.at/servlet/C... 9801068614

Waldschrat
 
03.02.2010 10:07
Ja, da gibt es immer ein beinhartes Ringen

der alle am Dallingerplatz 1 lozierten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter.

"I oda I, wer is da stärkere!"

Eine leicht schizophrene Ader wird man schon brauchen, wenn man mit sich selber verhandelt.

Dass da die armen Hackler immer über den Tisch gezogen werden, fällt aber komischerweise nicht einmal diesen armen Hascherln selber auf. Lehrer eben!

in aller Freundschaft
 
03.02.2010 08:34
Wie es wirklich aussieht

qualifizierte TrainerInnenausbildung gibt es nicht unter 6000 €, dann entspricht es pro Forma auch den Anforderungen des AMS. Mit einer Ausnahme und die macht es dann für viele unmöglich als TrainerIn zu arbeiten.
Das AMS schreibt meistens hohe Vorpraxis vor (AMS Bereich) und das ist in der Ausbildung nicht inkludiert und auch nicht mit mehrwöchtigen Praktikas möglich. Heißt viele "JungtrainerInnen" dürfen dann gratis und kostenlos in AMS-Maßnahmen arbeiten, vollwertige Arbeit für Lau!
Nebenbei, gute intensive TrainerInnenausbildungen werden vom AMS nicht gerne finanziert, weil zu teuer und zweitens TeilnehmerInnen während dieser Zeit nicht vermittelbar, da schicken wir Arbeitssuchende doch lieber in SÖB und ähnliches

Don Flamenco
03.02.2010 07:09

Deckel FP1

TL1972
03.02.2010 12:43
die hatten wir auch an der HTBL ;-) Monster aber funktioniert...

Schnapphahn
03.02.2010 08:55
Ja, aus dem Museum ;)

> /dev/null
 
03.02.2010 05:20
ja das stimmt,

die gehaelter der trainer sind eine frechheit. wenn man qualitaet will, dann muss man auch qualitaet bezahlen. und frustrierte trainer, ja die gibt es, liegt es aber meist bei den beschulten selbst. unwillig, einfach nur anwesend (falls ueberhaupt puenktlich) um ja etwas mehr geld zu bekommen bzw. ueberhaupt geld zu bekommen. an wirklicher aus-, weiterbildung nicht wirklich interessiert.

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
03.02.2010 08:49
könnte dran liegen

dass die beschulten gar nicht freiwillig da sind. in die meisten kurse wird man quasi zwangsweise geschickt...

sir osis of liver
 
03.02.2010 14:10

wer will schon gerne luftballons aufblasen, und karterln daran hängen, auf die die wüsche an die zukunft aufgeschrieben sind?

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