Anwältin strebt in den Präsidentenpalast

8. Februar 2010, 15:18

Bei der Wahl in der "Schweiz Mittelamerikas" deutet alles auf einen Sieg Laura Chinchillas hin

San José/Puebla - Wenn die Umfragen zutreffen, wird Costa Rica bald von einer Frau geführt werden. Laura Chinchilla von der regierenden Partei der Nationalen Befreiung (PLN) dürfte demnach am Sonntag bei der Präsidentschaftswahl in dem mittelamerikanischen Land auf 45 Prozent kommen. Damit wäre nicht einmal eine Stichwahl nötig, denn mit mehr als 40 Prozent gewinnt man bereits im ersten Wahlgang.

Die 50-jährige Politologin und Anwältin, die sich in der parteiinternen Vorwahl gegen zwei männliche Mitbewerber durchgesetzt hatte, gilt als enge Vertraute des amtierenden Staatschefs und Friedensnobelpreisträgers Oscar Arias. Sie steht für die Kontinuität der bisherigen, liberal-sozialdemokratischen Politik.

Auch ihre beiden Herausforderer sind dem Zentrum zuzuordnen: Otto Guevara ist eher rechts von der Mitte und dürfte auf 30 Prozent der Stimmen kommen, Otton Solis - ein bisschen mehr links - wird Umfragen zufolge 20 Prozent erhalten. Chinchilla wird von vielen Wählern bevorzugt, weil sie in ihren Augen unverbrauchter und frischer wirkt.

Costa Rica, die gefestigste Demokratie Mittelamerikas, die seit 1948 ohne Armee, Putsche und Bürgerkriege auskommt, ist weitgehend frei von ideologischen Grabenkämpfen. Die Regierungen waren stärker auf sozialen Ausgleich bedacht als in den Nachbarländern, es gibt eine größere Mittelschicht, eine starke Kleinbauernbewegung und ein soziales Netz.

Stabilität, Wohlstand und hohes Bildungsniveau haben Investoren angezogen und das geflügelte Wort von der "Schweiz Mittelamerikas" geprägt. Zu den größten Herausforderungen des neuen Staatschefs wird neben der gestiegenen Kriminalität auch die Bewältigung der Wirtschaftskrise gehören, die 2009 zu Nullwachstum sowie zunehmender Arbeitslosigkeit und Armut geführt hat. Dennoch liegt Costa Rica im lateinamerikanischen Vergleich weit vorne: Nur jeder fünfte Costaricaner lebt in Armut, sonst ist es in Lateinamerika fast jeder Zweite. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2010)

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11 Postings
Yamann
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Gemischte Gefühle

Laura ist eine musische Frau und auch ehemalige Polizeipräsidentin. Ich bin gespannt was kommt. Auch hat sie in ihrer Ansprache und Wahl gesagt, dass CR das erste "klimaneutrale" Land der Welt werden soll.
Leider weiss ich auch nicht wo Laura, das Geld für die Drogenbekämpfung und die vielen versprochenen Sozialprojekte her nehmen will. Ein weiterer Ausverkauf des Landes? Mal sehen. Pura Vida.

byron sully
11
schade,

solis hätte vor vier jahren die chance gehabt und hat leider knapp verloren. diesmal kommt er in umfragen eher auf ca. 10% (woher der standard die 20% hat, weiß ich nicht). bei einer wahl zwischen chinchilla und guevara bin ich natürlich klar für erstere, keine frage. aber die frau ist z.b. recht homophob, was ich so gehört hab. klar, das land steht im lateinamerikanischen vergleich ziemlich gut da, aber armut gibt es trotzdem. und eine fortsetzung vom bisherigen kurs find ich insofern einigermaßen unbefriedigend.

diamant
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Habe Freunde in dem Land und war auch schon dort,

und gebe ihnen recht. Ein Machtwechsel waere wuenschenswert gewesen.
Neben seiner hervorragenden internationalen Kompentenz hatte Arias nicht mehr allzu viel zu bieten.

byron sully
00
das stimmt,

arias' stärke liegt sicher im außenpolitischen bereich. er ist fast das einzige lateinamerikanische staatsoberhaupt, mit dem die usa UND venezuela gut leben können.

Philipp Valenta
 
00
Costa Rica - Reiche Küste

Ist super das eine Frau in Mittelamerika an die Macht kommen wird! Außerdem nicht zu vergessen: Der Regenwald der Österreicher(Innen)

jinglebells
01
hoffentlich bleibt costa rica, wie es ist.

im ökologischen bereich allerdings haben sie in den letzten jahren einige fehler begangen. im tourismus beginnt gerade ein ausverkauf. sie sollten das tun, was sie in den letzten jahrzehnten so erfolgreich gemacht hat. schönes land, nette menschen.

Parkaboy
00
Wenn das Goldförderungsprojekt südlich des Río San Juan

wie von allen Seiten erwartet wirklich genehmigt wird, dann ist es endgültig aus mit der ökologischen Glaubwürdigkeit Costa Ricas.
Die Folgen für den Fluss und das größte intakte Regenwaldgebiet Mittelamerikas, die Reserva Indio Maíz in NI, wären katastrophal.

diamant
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Das Land braucht mehr Arbeitsplaetze, und der Tourismus

ist der Bereich wo diese am Schnellsten geschaffen werden koennen.
Auswuechse muessen natuerlich bekaemft werden, aber ansonsten wird man diese Entwicklung nicht aufhalten.

jinglebells
00
die auswüchse gibt es leider schon.

an der pazifikküste hat sich sehr viel - leider zum negativen - verändert.

Girgl Galgenstein
01
Und Österreich erst

Ganze Bergen wurden mit Skiliften und Restaurants, Feriendörfern und Kitsch überzogen.
Da muss sich Costa Rica schon sehr viel Mühe geben um auch nur im Ansatz mithalten zu können.

jinglebells
02
ich stimme ihnen zu.

costa rica hat aber kulturell nichts zu bieten (im gegensatz zu österreich). daher muss es das oberste gebot sein, die küste nicht durch hotelburgen longtermstay-wolkenkratzer zu verschandeln. und das hat leider schon begonnen. und dann kann es ganz schnell aus sein mit dem pura-vida feeling. einige extranjeros (auch aus österreich), die viel für die erhaltung der natur in costa rica getan haben, ziehen weiter nach panama.

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