Nikotin-Taliban

Strenge Schüler

Die Taliban haben in unseren Breiten definitiv keine gute Nachred‘ und rangieren in der öffentlichen Wertschätzung irgendwo in der Gegend von Nazis, Faschisten und Sexualverbrechern. Dieses üble Taliban-Renommee macht sich der Wiener "Raucheranwalt" Manfred Ainedter zu Nutzen, wenn er, im Profil (2/2010), wettert, ein flächendeckendes Rauchverbot in den österreichischen Gastlokalen wollten "nur die Nikotin-Taliban". Gut, ein Hauch von Übertreibung schwingt in dieser Wortschöpfung mit, weil nicht einmal die hartgesottensten Nikotin-Gegner fordern würden, uneinsichtige Tschick-Brüder und Tschick-Schwestern mit dem Knüttel zu traktieren oder zu steinigen.

Aber man versteht, was gemeint ist. Selbstverständlich ließen sich nicht nur militante Nichtrauch-Befürworter als Talibane bezeichnen, sondern auch sonstige Aktivisten aller Art, welche massiv gegen von ihren als störend empfundene Phänomene vorgehen, also zum Beispiel Kampfhund-Taliban, Alkohol-am-Steuer-Taliban und so weiter und so fort. Womöglich findet sich ja auch unter den p.t. Lesern der eine oder andere Hobby-Taliban. 

Wenn dem so sein sollte, bitte ich freundlich um Mitteilung.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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