Deutschland

Jahre später räumte Schröder Fehler ein

01. Februar 2010 19:07

Der damalige deutsche Kanzler war im Jahr 2000 einer der Initiatoren des Banns

Deutschen Politikern war es dann irgendwann peinlich. Doch die Österreicher vergaßen nicht so schnell. Noch lange Zeit nach dem Jahr 2000 gehörte eine Frage zum Standard-Repertoire jedes Journalisten, wenn ein deutscher Politiker auftauchte: "War das wirklich nötig, damals mit den Sanktionen?"

Ja, antworteten der deutsche Kanzler Gerhard Schröder und sein grüner Vize Joschka Fischer zunächst. Vor allem Schröder hatte sich ja innerhalb der EU sehr für die Sanktionen starkgemacht. Seine Sorge:Wenn Deutschland und die EU nicht deutlich machen, dass sie entschieden gegen Rechtspopulisten auftreten, dann könnte auch in Deutschland eine derartige Bewegung erstarken.

"Man muss die damaligen Vorgänge auch im EU-Kontext sehen" , sagt Almut Möller, EU-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, im Gespräch mit dem Standard. Kurz bevor sich die EU-Staaten auf Sanktionen einigten, hatten die Verhandlungen der EU mit mehreren osteuropäischen Ländern begonnen. Möller: "Deutschland wollte signalisieren, dass in der EU gewisse demokratische Standards gelten." Überhaupt sei die Wertedebatte innerhalb der EU damals noch viel stärker gewesen als heute. Nun beschäftige man sich hauptsächlich mit ökonomischen Fragen.

Kalte Schulter zeigen

Schröder und Fischer fühlten sich vor zehn Jahren auch unter dem Druck, Europa beweisen zu müssen, dass Deutschland aufgrund seiner geschichtlichen Verantwortung energisch gegen rechte Recken kämpft. Für die Umsetzung gab es vom damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber regelmäßig Schelte. Auch die Deutschen wollten kein Europa, "das wie wildgeworden über das kleine Österreich herfällt" , giftete er im Februar 2000.

Fischer war dann (im Jahr 2007) der Erste, der von der rot-grünen Sanktionspolitik abrückte. In seinen Memoiren schreibt er, es wäre wohl klüger gewesen, eine "Politik der kalten Schulter" gegenüber Österreich zu vertreten - also die offiziellen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Diskret und nicht öffentlich hätte man das machen sollen, meinte Fischer sieben Jahre später, die "formelle Erklärung" der EU-Staaten hält er heute für "kontraproduktiv" .

Zur gleichen Einschätzung kam etwas später Ex-Kanzler Schröder. Im November 2008 räumte er in der österreichischen Botschaft in Berlin bei einer Diskussion mit dem ehemaligen österreichischen Kanzler Franz Vranitzky ein, die Sanktionen seien "ein Fehler" und "kontraproduktiv" gewesen. Heute sind die Sanktionen im politischen Berlin kein Thema mehr. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD-Printausgabe, 2. Feber 2010)

Nestor1979
02.02.2010 18:11
Es war nicht Schröder, sondern sein Spindoktor S t e i n e r ,

ein pathologischer Österreichhasser.

Geh!danke
02.02.2010 17:11
Schröder und Joschka Fischer: "Ja, die Sanktionen waren nötig"

..und wie sie sich bei Schröders Wien-Besuch speichelleckerisch an ihn angeschmissen haben, die "Herren" Heller, Gusenbauer....

derfalke
02.02.2010 11:30
Dass Gerhard Schröder und Joschka Fischer die Sanktionen nachträglich als Fehler bezeichnen,

ist für unsere österreichischen Sozialisten und Grünen ein schwerer Schlag.

Kein Österreicher wird jemals vergessen, dass die SPÖ und die Grünen die infamen Sanktionen im März 2000 zunächst sehr begrüßt haben. Erst als die Stimmung im Land immer mehr kippte, war man dann plötzlich auch dagegen.

Die deutschen Sozialdemokraten haben deshalb bis heute keine gute Meinung von ihren rückgratlosen österreichischen Parteigenossen.

Die Ente Lippens
02.02.2010 10:23
Das interessante an solchen Artikeln ist, dass die verantwortlichen Politiker die Sanktionen mittlerweile selbst kritisch sehen, aber Oesterreicher wie Pelinka immer noch begeistert ueber diese "politologisch" abhandeln.

Hinternberg
01.02.2010 21:10
Das interessante an diesem Artikel

ist nicht der Inhalt.

Dass die Sanktionen ein Schuss ins Knie waren, und statt einer Krise der damaligen österreichischen Regierung eher eine Krise der EU verursacht hatten, ist heute fast allen klar. Auch muss klar sein, dass die damaligen europäischen Staatsmänner eher peinlich berührt sind, wenn man sie an die seinerzeitigen Vorgänge erinnert.

Erstaunlich ist vielmehr, dass knappe zwei Stunden nach Erscheinen dieses Artikles im Online-Standard ich der erste (oder fast erste?) Poster zu diesem Beitrag bin!!

Jan Kolarik
02.02.2010 19:44

Fortsetzung von meinem o.a. abgeschnittenen Posting:

Daß es heute keine offiziellen Sanktionen mehr gibt weil wir etwa einen Martin Graf(!) in einem der höchsten Staatsämter sitzen haben, wird wohl eher darauf zurückzuführen sein, daß es in Europa in der Regel niemanden groß interessiert was in Österreich so alles läuft.

Was mir aber Sorge bereitet sind etwaige inoffizielle Sanktionen im privaten oder wirtschaftlichen Bereich. Gott weiß wieviele Geschäfte ins Leere laufen, weil der eine oder andere ausländische Geschäftsmann lieber mit einem irischen/franz./... Partner Geschäfte macht als mit uns österreichischen Schmuddelkindern.

politisch verfolgt
02.02.2010 10:54
erstaunlich?

typisch.

Jan Kolarik
01.02.2010 23:35

Man lese genauer und zwischen den Zeilen:

------------------------------------------------
"es wäre wohl klüger gewesen, eine "Politik der kalten Schulter" gegenüber Österreich zu vertreten"

"formelle Erklärung" der EU-Staaten hält er heute für "kontraproduktiv"
------------------------------------------------

Aus dem Diplomatischen übersetzt: In der Art und Weise wie die sog. Sanktionen umgesetzt wurden haben sie das gesetzte Ziel zwar nicht erreicht. Inhaltlich waren sie aber gerechtfertigt.

Der europäische (etwas angewiderte) Blick auf Österrreich und dessen damaligen Tabu-Bruch dürfte wegen dieser diplomatisch aufgeweichten Erklärungen nicht viel anders aussehen wie vor 10 Jahren.

Daß wir etwa einen Martin Graf in einem der höchsten

Horst Schlemmer
02.02.2010 14:29
armer mensch

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