Krokodilstränen der Banken

1. Februar 2010, 18:14

Warum die Vorbehalte von Geldinstituten und deren Interessenvertreter gegen eine Solidarabgabe ins Leere gehen - Von Christoph Matznetter

Warum die Vorbehalte von Geldinstituten und deren Interessenvertreter gegen eine Solidarabgabe ins Leere gehen: eine Replik auf Josef Christls Warnung "Bankensteuern schaden nur" (DER STANDARD, 23. 1.). 

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In seinem Kommentar spricht sich Josef Christl vehement gegen eine Solidarabgabe der Banken aus. Seine Hauptkritikpunkte: die Banken würden ohnehin eine Dividende von 8 % für die beanspruchte Staatshilfe bezahlen; die Steuer würde die Kreditkosten für Kunden erhöhen; der Bankenstandort Österreich sei gefährdet. Und überhaupt, die Politik hätte die Banken ja geradezu "gedrängt" , das Partizipationskapital anzunehmen. - Das Argument der "Verzinsung" des Partizipationskapitals als ausreichenden Beitrag der Banken finde ich besonders interessant. Denn was bedeutet das? Dass die Zahlung von Zinsen ein Geschenk für den Kapitalgeber darstellt? Das dürfen die Bankkunden dann wohl nicht erfahren, weil sie womöglich auch auf die Idee kämen, Zinsen als Gnadenakt zu sehen und alle weiteren Gebühren für die Dienstleistung der Banken abzulehnen. Das kann also doch kein ernsthaftes Argument sein: Kein Mensch mit ausreichender Bonität hatte um 8 % Fixdividende (nur in Gewinnjahren) und ohne Recht auf Mitsprache und Wandlung in Aktienkapital Anfang 2009 einer Bank die damals garantierten Summen geliehen, geschweige denn für 0,5 % Haftentgelt die Garantie übernommen. Der Vorteil war hier jedenfalls aufseiten der Banken und nicht der öffentlichen Hand.

Letztere hat übrigens nicht, wie Christl schreibt, "in möglichst hohem Maße zur Inanspruchnahme geraten" - vielmehr war es ein Gebot der Stunde, in einem international kollabierenden Bankensektor die notwendigen Zeichen der Stabilisierung zu setzen. Auch die von den heimischen Banken in unterschiedlicher Geschwindigkeit angenommenen Pakete belegen: Hier musste und wollte der Staat nicht "drängen" - die scheinbar schon vergessene Lage der Banken hat vielmehr den Staat gedrängt, rasch zu agieren.

Die Weiterverrechnung der Sonderabgabe der Banken an die Kunden ist im Lichte der Strafzahlungen im Zusammenhang mit dem früheren "Lombard-Klub" weder wahrscheinlich noch vernünftig. Sie fiele den Instituten wegen der Konkurrenzsituation auf den Märkten auch deshalb schwer, da Banken bereits heute Probleme haben, die verschlechterte Refinanzierungssituation auf die Kreditkunden (mit Bonität) abzuwälzen. Und auch den Sparkunden kann beim derzeitigen Zinsniveau wohl kaum ein verringertes Angebot gemacht werden.

Das Argument der Banken-Abwanderung ist genauso wenig haltbar. Ich wünsche jedem Institut viel Glück, wenn es sich im Falle weiterer Hilfe an z.B. den slowakischen statt den österreichischen Staat wenden muss. Dies den Rating-Agenturen bei der Prüfung der Ausfallswahrscheinlichkeit so zu erklären, dass es zu keiner Herabstufung des Instituts kommt, hielte ich für eine bravouröse Leistung. Tatsächlich wären die Opportunitätskosten einer Abwanderung deutlich höher als der Nutzen einer partiellen Ersparnis der Sonderabgabe.

Banken und Finanzinstitute haben in den vergangenen Jahren eine rauschende Party gefeiert - man betrachte nur die Entwicklung der Bilanzsummen. Immerhin sind diese seit 1995 von 390,883 Mrd. auf 1.047,332 Mrd. Euro im Jahre 2008 angestiegen.

Dieser durchaus erfreulichen Entwicklung steht eine weniger erfreuliche, was den steuerlichen Beitrag der Banken betrifft, entgegen. Wurden vom akkumulierten EGT 1995 noch 17% Steuer vom Einkommen und Ertrag bezahlt (271,4 Mio. Euro), so fiel dieser Betrag stetig auf gerade einmal 6,3 % (324,65 Mio. Euro). Im Jahr 2007, dem letzten Jahr vor der Krise.

Banken waren Profiteure eines hypertroph gewachsenen Finanzsektors, zu dessen Deregulierung sie in großem Maße beigetragen haben. Dass nun ein Beitrag zum Wiederaufbau jenes Sektors geleistet werden soll, ist nur fair. Eigentümer sollten daher nicht allzu viele Krokodilstränen verdrücken und die Abgabe zulasten ihrer Dividenden zahlen. Der Bankensektor sollte sich an einer sachlichen Diskussion beteiligen und gemeinsam mit der Regierung Vorschläge erarbeiten, wie die Sonderabgabe vernünftig aufgebracht werden kann. (Christoph Matznetter, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.02.2010)

Zur Person

Christoph Matznetter, SPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat, war 2007-08 Finanzsstaatssekretär.

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    Posting 1 bis 25 von 37
    1 2
    okami
    00
    damit sie die Banken keine zusätzlichen Steuern zahlen müssen ...

    ... sollen sie halt gemeinsam einen Fonds speisen, der das nächste mal statt dem Staat die Ausfallshaftung übernimmt. Sozusagen den Insolvenzausgleichsfonds der Banken.

    Und welche Bank darf das viele Geld dann verwalten?

    Dingsbums1
    01
    Es ist längst überfällig, dass die Banken nach dem Verursacherprizip ...

    wenigstens einen Teil der immensen Schuld, die sie auf sich geladen haben, auch wieder abtragen.

    worry1
    00
    Eine Steuer wird an den Kunden weitergegeben

    Man müßte sie zwingen so lange ihre Gewinne beim Staat abzuliefern und keine Dividenden an die Aktionäre auszubezahlen, bis alle zusätzlichen Staatsschulden getilgt sind.

    der.Geheimrat
    06
    Endlich

    ein Politiker der die Glückspielzocker in die Schranken weist.

    Mit dem Argument das Abgaben auf die Kunden umgewältz werden müsste man alle Unternehmen von Steuern und Abgaben befreien. Denn auch Hofer, Lidl und Spar wälzen Steuern und Abgaben im Wege der Preise auf die Konsumment um.

    Der Staat soll sich dort Geld holen wo es ist. Die Banker haben in diesem Casino die letzten Jahre Millionen verdient. Als es bergab ging musste der Steuerzahler (als auch ich) einspringen.

    Der Staat ist doch kein Selbsbedienungsladen für eine Hand voll Zocker.!!!

    Till Ulenspygel
     
    51
    Der Matznetter

    ist das Gesicht der SPÖ Wirtschaftskompetenz, wobei, ohne Frage, dasselbe, nicht an seinem gewohnten Platz zu finden ist.

    Alkolix
    00
    wieso nur

    für eine echt und sinnvolle reform des finanzsektors gibt es genug ideen

    z.b.
    http://www.monetative.org/

    oder
    http://www.freimark-t.de/

    Entropix
    32
    Krokodilstränen von Matznetter:

    Er weiß genau, dass diese "Abgaben" als Betriebsausgaben verbucht werden und damit a priori nicht aus der Dividende gezahlt werden. Aber so klingt's halt besser und man kann später nochmals auf die Abzocker schimpfen, wenn die Gebühren erhöht werden.

    Toni Meister
    00
    "Abgaben" als Betriebsausgaben

    Auch das ist kein Naturgesetz und zumindest in diesem Spezialfall einer Hinterfragung zu unterziehen.

    Schnapphahn
    13
    Also von mir aus können die Banken

    gerne abwandern. Meinen Segen haben sie.

    Entropix
    00
    ja,

    und die paar Tausend Arbeitsplätz' sollen's gleich mitnehmen. Die Leut' beschäftigen wir dann in der SPÖ Parteizentrale oder bei der ÖBB oder in ähnlichen hoch produktiven Stellen.

    Schnapphahn
    03
    Aber beim nächsten Crash

    brauchen wir sie auch nicht mehr zu retten. Dann sollen sie sich von Singapur oder sonst wen retten lassen.
    Bei uns ist Kassa blanka.

    Black Adder
    30

    Bei allem Verständnis für sinnentleertes Bashen (das haben sich die Banken verdient), aber ich möchte mal eine Aufstellung was Banken an Steuern, Abgaben, Gehältern und Wachstum einbringen und die Gegenüberstellung was sie kosten.

    Wahrscheinlich bleibt dem geneigten Stammtischproleten da das Würstl beim raunzen im Hals stecken.

    Schnapphahn
    00
    Geschätzte vier Billionen US$ Schaden weltweit.

    Ich kann nur für meine Firma reden. Im Februar 2009 Steuernachzahlung von knapp 30000€ für 07 und auch gleich noch für 08 bei weniger als 10 Mitarbeitern. Zahlbar binnen 14 Tagen. Wenn nicht, Insolvenz. So wird bei uns mit kleinen Firmen umgesprungen. Das Geld wurde dann zusammen mit vielen weiteren Milliarden für die Rettung von ein paar Großbanken verpulvert, die jetzt schon wieder groß das Maul aufreißen. So sieht es für mich aus.
    Die nächste Blase baut sich schon wieder auf. Nochmal wird es eh keine Bankenrettung geben.

    Black Adder
    11

    "Eigentümer sollten daher nicht allzu viele Krokodilstränen verdrücken und die Abgabe zulasten ihrer Dividenden zahlen."

    Der Satz sagt alles aus. Wer tatsächlich glaubt das die Banken das von der Dividende abzweigen und nicht an den Kunden weiterleiten, ist für mich nicht ernst zu nehmen.

    Mika Eskimo
     
    02

    Gut gesprochen Matznetter, er hat sich sein Kaiserliches e verdient.

    Bin nur gespannt wie lange es dauern wird bis man wieder umfällt und den Cap vorschickt um zu erklären das alles eh nicht so gemeint war und man eigentlich eh alles erreicht hat.

    William Edgar Allen Wallace
    31

    Dabei ist Österreich ohnedies bereits das einzige mir bekannte Land wo der Staat Gebühren für die Errichtung von Kreditverträgen einhebt.

    Wenn es dann noch eine zusätzliche (Straf-)Steuer gibt, darf sich wirklich keiner mehr wundern, wenn die Banken die Zinsen aufs Partizpationskapital nicht mehr leisten können.

    Egal, diese Zusatzkosten werden die Banken versuchen durch neue Einnahmen zu kompensieren. Somit zahlt es am Schluß erst recht wieder der Kunde. Aber immerhin hat es der Staat elegant gelöst, weil nicht er die Steuern vom kleinen Mann einhebt, sondern mittelbar die (ohnedies bösen) Banken.

    Robert Ruzitschka
    11
    Bin mir nicht sicher, daß das funktioniert...

    Eine zusätzliche Abgabe stellt Kosten für die Bank dar und die werden - wie alle Kosten - im Prinzip dem Kunden weiterverrechnet.

    Diese Abgabe ist keine Lösung des Problems. Notwendig sind strukturelle Reformen, die Rahmenbedingungen gehören verändert (so in Richtung Paul Volcker-Plan, der allerdings auch niemals durchgehen wird).

    Eine kleine Zusatzabgabe, die Faymann will, werden die Banken mit Handkuss nehmen und werden sich freuen, daß sie so billig davongekommen sind.
    Faymann hat seinen kleinen politischen Erfolg, alles bleibt wie es war und die Dummen sind wieder einmal die Steuerzahler.

    Das sollte Matznetter eigentlich auch verstehen...

    Dreistein
     
    01

    Das Gebühenwirrwar der Geldinstitute sollte ohnehin transparenter gestaltet werden. Die Gebühren müssten daher vereinheitlicht und kontrolliert werden. Damit würde die Überwälzung einer allfälligen Bankensteuer auf die Kunden ziemlich erschwert werden. Die Zinsen sind - wie schon bisher - besser vergleichbar und hier würde der Markt eine ungerechtfertigte Anpassung der Zinsen verhindern.

    schafmeister
    00

    Die Banken sind Krokodile und solche vergießen eben Krokodilstränen.

    marksu
    020
    einfach nur frech

    ich zahle auf meinem firmenkonto, das ich nicht überziehen darf, für jede noch so nichtige transaktion spesen = BAWAG

    Die nächste filiale meiner sparbank hat das Kleingeldzählgerät abgeschafft und man kann Kleingeld dort nicht mehr aufs sparbuch einzahlen = BANK AUSTRIA

    das wirkliche kundengeschäft ist den banken in österreich doch längst egal. seit sie bei anderen banken wieder groß geld für spekulationen ausborgen können, ist das große casino wieder im gange.

    millionen werden ausgeborgt und in papier investiert, die dan hochgejubelt werden, dann wieder verkauft, das geld zurückgezahlt und der gewinn eingestrichen.

    die notwendigen gewinne gibt es aber nur bei immer riskanteren geschäften ……… willkommen neue blase!

    ?und
    00
    und ich zahl bei meinem wirt für ein glas wasser, also was solls

    Therimon
    00
    Dann verrechnet Ihr Wirt ...

    ... etwas, was er nicht sollte/dürfte ...

    Großer Böser
     
    00
    "und ich zahl bei meinem wirt für ein glas wasser, also was solls"

    Gastronomiebetriebe dürfen für (Leitungs-)wasser - sofern anderes konsumiert wird - nichts verrechnen. 10% des durch meine Hilfe Ersparten bitte an die KPÖ.
    Danke

    Bissig
    31
    Wofür steht BAWAG - Bank mit Wagnis?

    Ist dort nicht der ganze Streikfond verschwunden?

    Es gilt die Unschuldsvermutung.

    Anyuser
     
    00

    Nachdem der Streikfond aus Bawag Anteilen bestand ist er nicht direkt 'verschwunden'...

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    Posting 1 bis 25 von 37
    1 2

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