Graz

"Spritzen auf Spielplatz kein Thema mehr"

1. Februar 2010, 18:05
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    foto: dpa/polizei münster

    Grazer Grüne wollen einen Konsumationsraum für Drogenkranke.

Eine drogentherapeutische Anlaufstelle samt Konsumations-
raum ist ein Wunsch der Grazer Grünen - Überzeugungsarbeit muss noch beim Regierungs-
partner ÖVP geleistet werden

Graz - "Fixen in öffentlichen Bereichen oder herumliegende Spritzen in Grünanlagen und auf dem Spielplatz sind in Münster kein Thema mehr" , erzählt Hubert Wimber, seit zwölf Jahren Polizeipräsident von Münster, im Gespräch mit dem STANDARD.

Wimber war am Montag bei der Enquete "Standards in der Arbeit mit Drogenkranken" vom Gemeinderatsklub der Grazer Grünen zu Gast, um über die Erfahrungen zu referieren, die Münster seit 2001 in Fragen der Drogenpolitik gemacht hat. Denn damals wurde in einem gemeinschaftlichen Akt von Stadt, Drogenhilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft ein Konsumationsraum (der dort "Kontakt- und Anlaufstelle" heißt) für Drogenkranke eröffnet

Im Jahr 2000 bekam das deutsche Betäubungsmittelgesetz nämlich im Paragraf 10a den Zusatz, dass das Einrichten von Konsumationsräumen trotz des Straftatbestands "Verschaffen von Gelegenheit zum Verbrauch von Betäubungsmitteln" - den es in Österreich nicht gibt - straffrei ist, sofern die zuständigen Behörden ihre Erlaubnis geben. "Wichtig ist, dass hier Behörden und Kommune nach außen mit gleicher Zunge reden" , weiß Wimber.

Wunsch Konsumationsraum

Die Grazer Grünen traten 2008 als Koalitionspartner des VP-Bürgermeisters Siegfried Nagl mit dem Ziel an, einen Konsumationsraum zu schaffen, wo Drogenkranke straffrei und unter hygienischen Bedingungen Drogen konsumieren, aber auch Beratung in Anspruch nehmen können. Ein Konzept für die drogentherapeutische Anlaufstelle des Drogenkoordinators der Stadt Graz, Ulf Zeder, liegt beim Bundes-Drogenkoordinator, Franz Pietsch - der STANDARD berichtete. Zu überzeugen wäre da noch der schwarze Regierungspartner, der sich defensiv bis ablehnend verhält, während SPÖ und KPÖ leichter zu gewinnen wären.

Wimber betont, dass man in der Bevölkerung durchaus punkten kann: "Die ordnungspolitischen und gesundheitspolitischen Erwartungen wurden erfüllt. Bei den Anrainern gibt es einen relativ gelassenen Umgang mit dem Drogenkonsumationsraum, und erst vor wenigen Jahren wurde in einer Entfernung von 150 Metern in voller Kenntnis der Situation ein integrativer Montessori-Kindergarten eröffnet" . Die Stadt Münster, die mit rund 270.000 Einwohnern größenmäßig gut mit Graz vergleichbar ist, hat in ihrer Kontaktstelle vier Konsumationsplätze, die man sich optisch vorstellen könne "wie Behandlungsstühle beim Friseur" , so Wimber, außerdem Beratungszentren, ein Café und ein Raucherzimmer.

"Wie ein Stuhl beim Friseur"

Dass Drogenkriminalität durch solche Einrichtungen eingedämmt wird oder es weniger oder mehr Drogentote gebe, will Wimber nicht behaupten: "Das war auch nicht das Ziel. Aber wir haben natürlich einen Einfluss auf die Drogenszene und machen auch gelegentlich Personalfeststellungen, um zu verhindern, dass eine Sogwirkung entsteht und Suchtkranke von außerhalb kommen."

Was sich Wimber noch wünschen würde? "Dass der Besitz von Drogen zum Eigenverbrauch straffrei oder zumindest so herabgestuft wird, dass die Polizei ein Ermessen hat. Da hängen wir auch in Deutschland noch am Fliegenfänger der Staatsanwaltschaft. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 2.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 45
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Hosh Bert
00
30.8.2010, 10:05
Darf ich mich auch in so einen Raum setzten...

...und straffrei einen durchziehen? ^^

Luke-Skywalker
00

MhhM das sieht aus wie Miesosuppe mit Tofustückchen drinnen :-)

wwelv folig
01
Drogen Legalisieren und statt geld in die drogenkriminalität

zu stecken, was ohnehin nie enden wird, geld in aufklärung stecken und geld mit legalen erwerb aus der apotheke noch dazu verdienen...

Doch drogen sollen anscheinend nur reiche und mächtige haben dürfen und deshalb gibt es leider sogar in der heutigen zeit noch alles illegal beim dealer anstatt reguliert und nichtgestreckt bei der apotheke wo das ganze dann leicht unter kontrolle wäre...

Wenn man dann noch bedenkt das die USA bereits längst keinen US dollar mehr hätten, würden sie die drogen entkriminalisieren, ist wieder eine andere geschichte...

Super-Zyniker
00

@wwelv folig

> Drogen Legalisieren

Richtig erkannt.
Wer unbedingt "Selbstmord auf Raten" begehen will, den kann man sowieso nicht daran hindern.
Durch die Illegalität verdient sich die Drogenmafia nur eine goldene Nase.
Wenn das Zeug legal z.B. in Apotheken, von mir aus aber auch beim Billa, erhältlich wäre, würden einerseits die horrenden Gewinnspannen, andererseits auch der Reiz des Verbotenen (samt der Fehleinschätzung, daß nur die anderen süchtig werden, man selbst aber nicht) wegfallen.

below the line
00

wenn der konsum von harten drogen legal ist dann gibts aber bitte auch keine therapie auf krankenschein. den stoff beim billa abgeben: auch ne tolle idee, wenns jetz schon jedem egal ist (bzw. null kontrolliert wird) das 10jährige vodka kaufen dann ist es sicher auch kein problem wenn sie dazu gleich 1gramm weißes mitnehmen...

M L3
00
Es gibt es ja auch Alkoholentzug auf Krankenschein

Ist auch gut so. Es wird ja auch nicht jeder süchtig. Sowohl von Alk als auch Koks, Ecstasy o.ä.

syclone
00

dann müssen die kinder nicht mehr am spielplatz fixen? super!!

hotzenplotz1001
114
Österreich ist in vielerlei Beziehung hinten.

Es ist geradezu ein Aushängeschild für das Hintensein. Die reaktionäre, von der Kronenzeitung gesteuerte Drogenpolitik ist nur ein Teil davon. Anderswo entscheiden fachlich versierte Leute, hier das „gesunde Volksempfinden“. Na denn prost!

Der Huber
144
Mit den Dealern und Giflern müssen ja...

...nicht die "versierten Leuten" leben, sondern die Menschen, die hier leben und ihre Kinder in die Schule gehen lassen müssen.
Komisch dass dort, wo man auszuckt, wenn irgendwo ein paar Deppen mit Schmissen herumsitzen, es als völlig normal gilt, wenn Dealer und Gifler den öffentlichen Raum versauen und Kinder gefährden.

Wie wärs mit dem Konzept:
Konsumhütten mit staatlichen Drogenspendern AUF EINER ALM, wo sich jeder zu Tode spritzen darf, wie er will. Meinetwegen auch mit 15 Sozialarbeitern pro Giftler. Aber abseits der Bevölkerung! Die möchte nämlich sicher, ohne Spritzen im Park und ohne Angst um Kinder am Schulweg leben!

chilli p.
110

"0hne spritzen im park" - dann müssten sie ja für das konzept einer betreuten konsumstation sein.

ich habe beruflich des öfteren mit süchtigen zu tun - sie wären überrascht, wie wenig die meisten sich von "der bevölkerung" unterscheiden.

wer weiss, vielleicht ist ihre nachbarin tablettensüchtig? oder ihr nachbar ein spiegeltrinker? oder ein kollege auf opiaten?

Der Huber
72
Mir ist es völlig wurscht...

...ob irgendeiner nach irgendwas süchtig ist.

Mir ist aber nicht wurscht, wenn der Weg durch eine U-Bahn Station ein Spießrutenlauf durch Dealer und Giftler und ihre Piss-Lacken ist.
Mir ist es auch nicht wurscht, wenn im Hauseingang gedealt wird und in Parks die Reste einer Drogenmahlzeit herumliegen. Und das alles passiert überall dort, wo Giftler herumlungern, und das tun sie in der Umgebung ihrer "Konsumräume", Beratungsstellen etc.

Ich hab kein Problem damit, wenn man Giftler als Kranke begreift, die Hilfe brauchen. Aber solange sie die Gesellschaft mit ihrer Krankheit nicht in Ruhe lassen bin ich dafür, sie irgendwo auf einer Alm mit ihrem Gift abzufüttern.

belgarion666
 
03
widerspürchlich

der nachbar auf opiaten ist nicht auf einen öffentlichen konsumationsraum angewiesen.
so etwas nehmen nicht gelegenheitskonsumenten, oder arbeitsfähige süchtige in anspruch, sondern echte "junkies".

matthias_87
14
warum haben sie Angst vor Dealer?

oder glauben sie noch immer dass die bösen Dealer die Kinder zu Drogen verführen?
Schuld ist die scheinheilige staatliche Aufklärungs- bzw. Prohibitionspolitik.

Ja alles wegsperren was einem daran erinnern könnte, dass es Menschen schlecht geht in Österreich.

8uddh48r0t
01
aber mit dem Beisl und der Trafik an der Ecke

und den Kotzhaufen und Pisslacken in der nähe von Discos und Kneipen haben diese Leute offenbar keine Probleme...

da sind die Prioroitäten wirklich völlig falsch ausgerichtiet

Michail Bakunin
16

Es ist schon erstaunlich, wie völlig erkenntnisresistent der rechte Rand ist. Da berichtet ein Polizeipräsident davon, dass durch einen Konsumraum "Spritzen in Grünanlagen und auf dem Spielplatz kein Thema mehr sind", dass "Drogenkriminalität eingedämmt wird" etc. Und es dauert ein paar Minuten, da beschwert sich schon der erste FPÖ-Anti-Konsumraumposter darüber, dass er gerne ohne Spritzen im Park leben würde. Klar, sie glauben mit "Einsperren aller Dealer" hat sich das Problem gelöst. Blöderweise klappt das nichtmal in den Ländern, in denen auf Dealer die Todesstrafe wartet oder in den USA mit ihren jahrzehntelangen Haftstrafen. Die Kriminalisierungspolitik der letzten Jahrzehnte ist kläglich gescheitert.

www.leap.cc

karl nowottny
00
aha, ...

haben sich also in Graz die winter'schen Schafe gegen unsere Kinder durchgesetzt, hoffentlich macht das nicht anderswo Vorbild!

suboptimal
 
26
der Polizeipräsident von Münster

sollte auch unsere Polizei vom Konzept Drogenraum überzeugen. Das Wiener Drogenkonzept besteht so wie in anderen österreichischen Städten hauptsächlich aus dem täglichen Nachrennen der Polizisten hinter den Kleindealern. Sonst kann man kein wirkliches Konzept erkennen. Einen Drogenraum halten alle miteinander für überflüssig. Die Spritzen am Kinderspielplatz sind unseren verantwortlichen "Experten" wurscht.

GreyPaladin
01

?
Also wen das was du sagst war wäre warum werden die dann nie festgenommen?
Also am Schwedenplatz sind sie ungestört (da könnt man mitm Sammelbus fahren um sie einzukassieren) und am Karlsplatz kann man nichtmal durchgehen ohne das irgendwer einem was anbietet.

belgarion666
 
00
die kleinen

kann man zum reden bringen. was die nicht alles erzählen für einen milderungsgrund.

Der Huber
116
Die Menschen haben ein Recht...

...auf eine Umgebung OHNE Dealer.
Wie immer ein Konzept aussieht: Dealer gehoeren hinter Gitter. Die Polizei ist da in Wien noch viel zu nett!

sir osis of liver
 
00

trafiken und beisln stören sie nicht?

wwelv folig
02
ich finde auch man sollte sich die drogen in bestimmten mengen

aus der apotheke kaufen dürfen was dann nicht gestreckt ist und somit viel ungefährlicher, der staat nimmt viel geld damit ein, das pensionssystem ist gerettet und die dealer verschwinden...was will man mehr?

mad as hell
17
Recht auf Umgebung ohne Dealer

Ja, ich bin auch völlig dafür, dass die Leute sich ihr Gras selbst anbauen dürfen!

sir osis of liver
 
00

wür würden auch keine EU-subventionen in anspruch nehmen ;-))

a ad - das kann man auch anders sehen
87

Absolut. Was sich in der U4 vor allem bei Karlsplatz und Landstraße täglich abspielt ist schon nicht mehr lustig.

Ich hab fast jeden Tag diese Typen im Waggon, inklusive dem armen Gestalten, die an der Nadel hängen.

Es kann doch nicht so schwer sein, diese Kriminellen hinter Gitter zu bringen oder abzuschieben (Oder meintwegen in eine weniger belebte Zone zu verdrängen, wo man sie weiter überblicken kann.)

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