Steueroasenexperte

"Es ist Zeit, das Bank­geheimnis abzuschaffen"

András Szigetvari, 1. Februar 2010, 17:32

Der US-Steueroasenexperte Raymond Baker fordert umgehende Reformen in Europa

Washington/Wien - Steuerhinterziehung, Schwarzkonten, illegale Geldflüsse: Raymond Baker kennt sich bei den dunklen Kanälen der internationalen Geschäftswelt gut aus. In den 60er-Jahren kaufte er in Nigeria drei Unternehmen, 15 Jahre lebte er als Investor in dem afrikanischen Land.

Damals habe er erstmals erlebt, wie Korruption abläuft, erzählt Baker in seinem Washingtoner Büro. Er habe bestechliche Beamte ebenso kennengelernt wie Unternehmer, die riesige Gewinne ins Ausland schafften, ohne einen Cent Steuern zu bezahlen.

Während Nigeria in internationalen Korruptionsrankings bis heute weit abgeschlagen rangiert, wechselte Baker die Seiten: Er hat inzwischen mehrere Bücher über Steueroasen verfasst und in Washington eine Forschungseinrichtung, die Global Financial Integrity, gegründet. Er gilt als einer der profundesten Kenner illegaler Geldflüsse und Steueroasen.

Bakers Grundsatz:Weil inzwischen so viele Begriffe in der Debatte herumschwirren, sollte je-der klar definieren, worüber er spricht. So nennt Baker drei Quellen, aus denen sich illegale Finanzströme speisen: Beamtenkorruption, organisierte Kriminalität und Steuerhinterziehung. "Allein aus Entwicklungsländern fließt in diesen Kategorien pro Jahr eine Milliarde Dollar ab."

Den größten Brocken bilde die Steuerhinterziehung durch Unternehmen. Steueroasen seien jene Orte, in denen das Geld aus illegalen Transaktionen gehortet werde. Wichtigstes "Lockmittel" von Staaten wie Liechtenstein, Österreich und der Schweiz sei das Bankgeheimnis, "es ist Zeit, es abzuschaffen".

Enttäuscht ist Baker von den bisherigen Fortschritten im Kampf gegen Steuerhinterziehung. Der wichtigste Fall, in dem es gelang, die Geheimhaltung zu durchbrechen, sei bisher die Vereinbarung zwischen der Schweiz und den USA über die Kundendaten der UBS-Bank an Washington gewesen. Das Schweizer Bundesverwaltungsgericht hat die Datenweitergabe aber vergangene Woche vorerst untersagt.

Baker kritisiert auch die OECD. Diese habe mit ihrer "grauen Liste" der Steueroasen zwar Druck aufgebaut, es den Ländern, darunter Österreich, zu leicht gemacht wieder von der Liste herunterzukommen. Gestrichen wurde ein Land, sobald es zwölf Abkommen zum Informationsaustausch unterzeichnet hatte. "Was sind zwölf Abkommen bei rund 200 Staaten" , sagt Baker. Zweites Problem: Die meisten Steueroasen schließen Abkommen mit kleinen Ländern oder mit anderen Steueroasen.

Richtungsweisend für die Zukunft im Kampf gegen Steueroasen sei die EU-Zinsrichtlinie. Diese regelt in der Union die Weitergabe von Bankinformationen, um die Besteuerung von Zinserträgen zu ermöglichen. Belgien, Luxemburg und Österreich erteilen noch keine Auskünfte, sondern ziehen nur eine Quellensteuer ab. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.02.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
Avalancha
01
Alles schön und recht

Aber solange man in Delaware Konten eröffnen und Firmen gründen kann, ohne die daran Berechtigten überhaupt feststellen zu müssen, gehören Liechtenstein und die Schweiz zur Transparenzelite. Das ist dort nämlich nicht möglich.

also dann ...
00
ad. kriminelle fin.oligarchie - z.b. A I G : der DB erhielt 8,5 mrd $ ...für toxische papiere von 4,9 mrd ( ! )

bei goldmann sax ...
betrug der gewinne gleich 8 mrd $ ( ! )
die akteure :
b e r n a n k e + g e i t h n e r .

zur erinnerung :
AIG erhielt 182 mrd staatshilfe
- schüttete 62 mrd an banken aus (CDS)
...für eine nominale von gerade mal 29,6 mrd $.

tja... für solchen naiv-kriminellen betrug bedarf es keines staatsgeheimnisses !


http://www.ftd.de/unternehm... 68272.html

system1
03
großbetrüger können ihr geld längst legal

in stiftungen etc. vor dem fiskus unantastbar verbergen. wenn dann triffts wieder einmal die kleinen, die z.b. 10.000 euro "verstecken" wollen. aber anstatt steuern zu senken (und zwar drastisch) denkt man ständig über neue abzapfquellen nach. ich werde in zukunft einfach 99% meines gehalts ans finanzamt überweisen und meine arbeitszeit auf 80 stunden ausweiten. ists dann genug oder soll ich mir noch einen dritten arm implantieren lassen (natürlich mit versteuerung desselben)??? diese menschenquäler!!!!!!

Der Nörgler Wien
 
01
GB und die USA sind ja DIE Saubermänner

oder gehören die Kanalinseln nicht zu GB und haben die USA nicht ebenfalls ihre eigenen Steueroasen ?!?

135
 
00
Bankgeheimnis gegenüber Behörden und Gerichten

völlig abschaffen und kein Geschwafel....

t-bonesteak
00
wie soll das bankgeheimnis gegen geldwäsche helfen

wenn die mafiosi ihre kohle ganz legal anlegen können, z.b. in fußballklubs, immobilien, tv-sendern, unternehmensbeteiligungen etc.?

A. E. Neumann
00

Das Bankgeheimnis sorgt dafür, dass sie das überhaupt können. Es macht schwarzes Geld zu weißem Geld.

t-bonesteak
00
na. ich meinte die abschaffung

in europa wird jeder halbseidene scheich, oligarch aus russland oder investor aus den usa mit offenen armen empfangen und süffelt mit politikern aller coleurs champagner. woher der sein geld hat ist allen egal...

Wo-ist-das-Geld-hin?
00
Steuern vs. Bankgeheimnis 2

Hätten wir kompetente Politiker, eine funktionierende Verwaltung (Gruß an die FMA), weniger Ausgaben, treue Bürger und Unternehmen müssten wir nicht über den Steuersatz jammern - der ist sicher immer zu hoch.
Apropos Rosinen: Wo wohnen R. Schumacher und Franz Beckenbauer? Und warum wohl?

Fakt ist: Ein verurteilter Steuerhinterzieher bestiehlt den Staat und ist ein Krimineller. Damit kein bisschen schutzwürdig. Bis zur Verurteilung aber ist er ein Bürger in felix austria und hat ein Recht auf seine Bankdaten.
Also: Härtere Strafen, Auskunft bei regional abgeschlossenen Strafverfahren und natürlich ein einfacheres Steuersystem. Man muss sich nur trauen, Herr Pröll.

fyi1
00
legitimierter Geldbesitz genügt .....

Die Banken sind ja mittlerweile verpflichtet , größere Einzahlungen zu legitimieren und diese Daten dürften genügen , wenn mit dem zuständigen Finanzamt abgeglichen und deklariert . Die einzige Voraussetzung ist eine zentrale Datenhaltung und die Auskunftspflicht gegenüber dem Finanzamt . Es muß zwischen geklärter Rechtmäßigkeit und unbekannt strikt unterschieden werden .

shaki1
00
Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich


R... aymond Baker heiß!

powerpack
00

steuerhinterziehung, schwarzarbeit! da schreit das volk gleich gerne mit - vielleicht sollten die meisten aber mal vor der eigenen türe kehre - denn die meiste unversteuerte schwarzarbeit wird immernoch im privatbereich erledigt

En Sabah Nur - Apocalypse
00

Schwarzarbeit ist ja nötig weil die Steuerlast auf Kapital so niedrig ist, das alles der Arbeiter zahlen muss und sich diesen somit nicht jeder leisten kann. Wir werden vom Kapital von hinten und vorne gef...t.

Droge
00
da muss dann aber eine echt fette kest her

um die lohnstsuer auszugleichen sie phantast. am besten eine über 100%.

wenn wir uns den sozialluxus samt schmarotzern und unsern super aufgeblähten beamtenstab nicht mehr gönnen, wäre wohl mit weniger steuern auch das auslangen zu finden. aber dann wäre ja fast halb ö arbeitslos...

die höhe der steuern hat empirisch gesehen eher geringen einfluss auf die steuermoral.

tuco
47
Die Amerikaner

sollten sich primär um die von Ihnen geflissentlich übersehenen Steueroasen wie Cayman, Bermuda, Panama oder Delaware kümmern...

Im Übrigen haben zB CH und FL wesentlich strengere Geldwäschereivorschriften als sämtliche EU-Staaten. Somit beschränkt sich das Problem auf die Steuerhinterziehung.

Und hier geht die Debatte völlig am Kernproblem vorbei: Es wird IMMER Steuerhinterziehung (Schwarzarbeit, Veranlagung in Steueroasen) geben, solange Staaten wie D oder Ö mit einem realen Grenzsteuersatz von weit über 50 % ihren Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen!

Also: Besser über das Steuerregime nachdenken als bei der Symptombekämpfung den Rechtsstaat über Bord werfen!

A. E. Neumann
00
Strenge Vorschriften

Was nützt die strengste Vorschrift, wenn sie nicht exekutiert wird, weil sie nicht exekutiert werden kann?

Avalancha
00

Die im Posting genannten Vorschriften werden sehr wohl exekutiert. Es ist wesentlich schwieriger mit kriminellem Geld ein Konto in der CH oder in FL zu füllen als in den USA.

Mehrwolf
03

Bei den Steueroasen und den USA geb ich Ihnen Recht. Allerdings sehe ich nicht den Grenzsteuersatz als Problem. Hätten wir einen Grenzsteuersatz von nur 30%, würde es dennoch Steuerhinterzieher geben. Diese Leute nutzen ja nicht den geringeren Steuersatz der Schweiz (sonst könnten sie eh dorthin ihren Wohnsitz verlegen), sondern die Intransparenz im Bankwesen (die Schweiz meldet nicht, dass jemand sein Geld dorthin verschiebt und die Steuerhinterzieher "vergessen" es zu melden).
Für mich ist das so wie die Rosinen aus dem Kuchen rauspicken - Leben in Österreich (mit teuren tw. auch ineffizientem Gesundheitssystem, brauchbarer Infrastruktur...) aber Steuern bezahlen wie auf Cayman-Islands.

Avalancha
00

kann man so nicht gelten lassen. Als Arbeitnehmer kann man sowieso nichts verstecken - die paar lausigen Zinserträge auf dem EUR-Konto bei der UBS sind nicht der Rede wert.

Der Grenzsteuersatz ist sehr wohl das Problem - genau aus diesem Grund ziehe ich in ein paar Wochen in die CH. Ich bin nicht bereit 50% von jeder künftigen Gehaltserhöhung an den Wasserkopf Wien zu überweisen. Und Vorsorge treffe ich sowieso lieber selbst.

oh_rly
01

sehr interessanter (wenn auch teilweise sarkastischer und vereinfachter) Artikel zum Thema Steueroasen:

http://diepresse.com/home/wirt... ern.portal

dennoch kann man sich sehr gut vorstellen, dass es seit Jahrzehnten wohl so läuft wie im Artikel erwähnt

Wo-ist-das-Geld-hin?
21
Steuern vs. Bankgeheimnis

Wunderbar! Da erklärt uns wiedermal ein US-Bürger wie die Welt zu funktionieren hat.
Lieber R. Baker - ganz ohne Polemik - es gibt Länder auf dieser Welt, die trauen Ihren Bürgern sowas wie Staatsbürgerpflichten zu. Dazu gehört es Steuern zu zahlen, zu wählen und Staatsdienst zu leisten. Andersherum halten eben diese Bürger auch den Staat in Händen, indem sie es eben ihm NICHT erlauben, alle Daten zu bekommen - geschweige denn anderen Staaten. Dass diese Bürger keine US-Bürger sind ist irgendwie klar, sondern Österreicher, Schweizer, Luxemburger und sicher viele Deutsche und andere Europäer auch. Für die USA mag er beschließen, was er will.

europa fassen
00
Diese Diskussion gibt es doch nur deshalb,

weil es Staatsbürger gibt, die nicht so edel sind, wie Sie es beschreiben, und ihren Pflichten als Steuerzahler nicht nach kommen.

Nach Ihrem Kommentar zu schließen, soll das einfach so bleiben.

Und normale Arbeitnehmer, die gar keine Chance haben, die Steuer zu hinterziehen, müssen für diese Ausfälle dann aufkommen, was Ihnen offenbar ganz recht ist.

Die Rotzfrechheit Ihrer Ansicht scheint Ihnen gar nicht bewusst zu sein.

Wo-ist-das-Geld-hin?
00
Re:

aber wo kommen die ihrer Steuerpflicht nicht nach? In den USA oder sonst wo. Ist es dann an uns, unsere Gesetze zu ändern? Nein.

Ihrer Meinung nach also: Steuerhinterziehung für alle!?
Interessant. Machen sie sich doch mit der Ansicht selbständig.

europa fassen
00

bei uns kommen sie ihrer steuerpflich nicht nach.

Wo-ist-das-Geld-hin?
00

sehr unwahrscheinlich, dass bspw die USA an der Sicherung unseres Steueraufkommen interessiert sind.
Warum sollten sie sich also um unsere Steuerpflichtigen sorgen?
Die Menge "Schwarzgeld" die von AT nach US fließt, ist sicher nicht des Pudels Kern.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.