Alles Rechtswalzer!

01. Februar 2010 14:23

Die schlagenden Burschenschafter tanzen in der Hofburg, die Demo dagegen wird niedergeschlagen - Ursache und Wirkung werden wie üblich vertauscht

Glaubt man an einen demokratischen Konsens, der - allen Differenzen zum Trotz - in jedem Fall eingehalten wird, so war man nach diesem Wochenende etwas weniger blauäugig. Und etwas mehr verstört. Albia, Brixia, Olympia: Schlagende Burschenschaften. Eingestuft als deutschnational bis rechtsextrem. Gefühlsmäßig also am (Ab)Grund der Gesellschaft, faktisch aber mitten drinnen. Und gut zu sehen. Denn getanzt haben sie dieses Jahr, wie jedes Jahr, nicht irgendwo. Sondern in der Hofburg, auf dem Ballhausplatz, im innersten Kreis der Republik.

Die übliche Gegen-Demonstration wurde von der Bundespolizeidirektion wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" untersagt. Man hätte statt der Wirkung, auch etwas gegen den Ball als Ursache unternehmen können, doch das ist in diesem Land nicht üblich. Hier hält man es mit schönen Worten. Warnungen des DÖW werden verbreitet, von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer abwärts gibt es Mahnungen gegen "Kräfte, die in der Politik nichts verloren haben."

Doch es ist genug der Worte. Wenn keine Taten folgen, wo ist die Grenze? Und wer zieht sie?

Linke Protestierende, denen das Recht auf eine geordnete Demo untersagt wurde, gelten als das sicherheitspolitische Problem. Für rechte Burschenschafter werden die Hofburg und die darum liegenden Flächen gesperrt. Eine öffentliche Stellungnahme des Bundespräsidenten bleibt aus. Er hat zwar keine Verfügungsgewalt über den Ballhausplatz, darf also auch nicht entscheiden, wer dort feiert. Fakt ist aber: Der Rechtswalzer findet in dem Haus statt, in dem sich auch die Präsidentschaftskanzlei befindet. Eine öffentliche Distanzierung bzw. ein deutliches Ablehnen der dortigen Balls durch das Staatsoberhaupt würde viel wiegen. Anstatt weiterhin in einem der kulturell wichtigsten Gebäude zu tanzen, könnte so Druck ausgeübt werden, dass der Ball zumindest an einen anderen Ort verlegt wird. 

Und das könnte Vorbildwirkung für andere Aktionen haben: Anstatt ein bekennend "stolzes" Mitglied der Olympia zum Dritten Nationalratspräsidenten zu wählen, sollten die Parteien des Landes Martin Graf seine Funktionen aberkennen.

Nun steht statt des mehr als hinterfragenswerten Balls die Polizei und deren Umgang mit den Gegendemonstranten im Mittelpunkt der Diskussion. Der öffentliche Scheinwerfer hat sich gedreht. Und er beleuchtet nicht mehr das eigentliche Problem, sondern dessen Konsequenz. Null Toleranz gegenüber Rechtsextremen und allen Gruppierungen, die an diesem Gedankengut anstreifen. Das muss Linie sein. Und die Politik müsste sie exekutieren. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 1.2.2010)

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roy carvana
 
06.03.2010 19:47

Alle Jahre wieder demonstriert gewaltbereiter linksextremer Mob gegem die Corporierten, zeigen ihre aggressive Fratze und denen machen Sie die Mauer Frau Jungnikl? Würde rechtsextremer Mob das selbe gegen einen "linken" Ball initiieren würde wahrscheinlich in Wien der Notstand ausgerufen, das ist halt der große Unterschied - man darf alles nur nicht rechtslastig sein.

G e o r g
30.06.2010 18:07

Wie naiv kann man sein?

belgma
 
09.02.2010 20:14
auch wenn die ...

teilnehmer des balles offenbar aus dem delirium wieder erwacht sind und im standard-forum stricherln verteilen:

sie haben den nagel auf den kopf getroffen!

bahnsteig4
08.02.2010 19:07

danke. DANKE!!!

Foldinger
06.02.2010 09:00
Denken macht frei!

Warum denken Sie nicht bevor Sie schreiben, Frau Jungnikl?

Sanitätsgefreiter Faymann
06.02.2010 02:07
A propos niederschlagen

Wurden nicht ein paar Polizisten niedergeschlagen? Ich nehme aber an, dass das eh Ausdruck eines demokratischen Grundkonsens der Zivilgesellschaft ist und daher wird's auch nicht so schlimm sein.

ThePeanut
26.04.2010 16:51
wahrscheinlich...

...meinen sie die angeblich 15 "leicht verletzten" polizist_innen... wie sollten denn die verletzt worden sein? von welchen waffen? ist ihnen schon mal aufgefallen wie dick polizist_innen in einsatzuniform wirken? das liegt an einem mehrere centimeter dicken "schlagschutz", zusätzlich sind noch solide plexiglasschilder teil der ausrüstung...
und wir demonstrant_innen sollen sie mit bloßen fäusten niedergeprügelt haben?

Herr und Frau Österreicher
 
08.02.2010 11:33

Nein, es wurden KEINE Polizisten niedergeschlagen!

Buxo_1871
05.02.2010 00:16

nicht schlecht für einen volksschulaufsatz!

LeMik
03.02.2010 11:47

was wohl in deutschland los wäre, wenn es dort rechtsextremen burschenschaften erlaubt wäre im schloß bellevue zu feiern?

Clear Mind
03.02.2010 01:13
Wen interessiert's?

Wen würde denn so ein Maskenball überhaupt interessieren, wenn es nicht die linken, leider meist gewalttätigen Demos gegen solche Veranstaltungen gäbe? Verhindert werden sie durch solche "AntiFa"-Demos ganz sicher nicht, sondern für potentielle Sympathisanten nur interessanter. Auch die Aufregung der Medien trägt noch Einiges dazu bei.

Wötmasta
02.02.2010 18:31
Danke - trifft den nagel auf den Kopf

Christian Eder
02.02.2010 18:11
Rote Strichler

Na, heute ist aber wieder Hochbetrieb in den diversen Buden! Mir scheint, da haben einige ziemlich wenig Vertrauen in ihre Fähigkeit, sich in deutscher Sprache auszudrücken.

raymond a
02.02.2010 18:00

mir sind Burschenschaftler auch extrem unsympathisch.

aber solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegen, kann man ihren Ball nicht einfach verbieten - auch Unsympathlern steht das Recht auf Versammlungsfreiheit zu.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/05/1... ach-kolle/

dagegen zu demonstrieren ist zwar legitim - allerdings gehört es nicht zum Recht auf Demonstrationsfreiheit eine nicht gewollte Veranstaltung durch Hooligan gewalt-Exzesse zu verhindern

und genau deswegen und nicht wegen der inhaltlichen Ausrichtung wurde die Demo verboten

Whisker
09.02.2010 23:52

Das Problem bei uns in Österreich ist, daß es keinen cordon sanitaire gegen rechte Ideologie gibt.
Österreich konnte sich nach dem Dritten Reich als armes Hascherl, daß eh nur gegen seinen Willen irgendwie a bisserl mitmachte, aber eigentlich ein armes Opfer war, verkaufen.
Dadurch konnte sich nie ein Bewußtsein entwickeln, wie verwerflich rechte Ideologien sind und daß sie in einem demokratischen Staat keinen Platz haben.

Und so darf man hierzulande ungestraft Rechte und deren Unsäglichkeiten hofieren, wie ja die Tagespolitik nur zu deutlich zeigt.

Fakt ist:
Rechte sind die ideologischen Schmuddelkinder, mit denen hat man nicht zu spielen und die hat man nirgends spielen zu lassen.

Das einzig Richtige ist: die konsequente Ausgrenzung.

t-bonesteak
02.02.2010 23:06
es geht nicht darum ihren ball zu verbieten

aber der muss ja nicht in der hofburg stattfinden. ich finde es nicht gut, dass in jenem gebäude, in dem der bp sitzt die feinde der republik ihre party feiern.

genauso wie ich es nicht einsehe, dass diese jungs jedes jahr am heldenplatz den verlust des 2. wk beweinen.

msm
05.02.2010 14:12
Die Feinde der Republik?

Links-Linkes Gezock bezeichnen Sie somit also als Freunde der Republik?

Whisker
09.02.2010 23:41
Ja, wen denn sonst?

Die Rechten sinds ja nicht, die würden sie mit Freude abschaffen...

msm
11.02.2010 13:21
Vice versa

...liegt wohl in der Natur der Sache, extrem-Links wie Extrem Rechts würden sich wirklich am liebsten gegenseitig verbieten.

Misik nervt
15.03.2010 14:20

niemand hat behauptet man solle demokratie-feinlichen linksextremen gruppen feste in der hofburg erlauben. was da die öv und die fp jammern würden?
die demokratie hat die aufgabe sich selbst zu erhalten, sich damit also öffentlich von solchen gruppierungen zu distanzieren!

msm
16.03.2010 15:38
Aha...

...und wo sehen Sie von mir einen diesbezüglichen Vorwurf?
Ob Rechts- oder Linkswalzer, soll Jeder nach seiner Meinung seelig werden.
Demokratie bedeutet nicht, sich vor irgendetwas zu distanzieren. Demokratie muß gelebt, nicht durch Verbote eingeschränkt werden.

power-cat
02.02.2010 17:42
12. Februar

Weiss jemand ob es am 12. Februar eine Demo gibt?
Ich glaub es ist höchste Zeit.

FSK
02.02.2010 17:23
"...wo ist die Grenze? Und wer zieht sie?"

in einem demokratischen Rechtsstaat ist die Grenze durch die (Straf)gesetze vorgegeben.
Wenn etwas Verbotenes gemacht wurde, dann bitte anzeigen!
Eine Demokratie kann und muß auch Dodeln(die sich seltsam verkleiden) aushalten.

Erschreckend dass die Autorin anscheinend für eine Gesinnungdiktatur plädiert.

Christoph Baumgarten
02.02.2010 16:48
Danke für diesen Kommentar

Es tut gut, so etwas zu lesen, nachdem seit Tagen die meist jungen Menschen, die gegen diese Umtriebe auf die Straße gegangen sind, diffamiert werden. Bei aller Distanz zu den wenigen, die auf der Demo gewalttätig wurden - das Problem lag wo anders.
Siehe auch meine Berichte auf http://www.politwatch.at

luftgselchter haderlump
02.02.2010 18:05

deine "berichte" interessieren nicht die bohne ...

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