Mehr Beratung und weniger Selektion mindern Schulabbruch

01. Februar 2010 10:42

Studie sieht starke Selektion, Lehrstellenmangel und zu wenig Berufsberatung als Hauptgründe für Drop-Out

Wien - Zu viel Selektion und gleichzeitig zu wenig individuelle Förderung und Berufsberatung - das sind die gröbsten Mängel im österreichischen Schulsystem, aufgrund derer jedes Jahr fast 10.000 Jugendliche aus dem Bildungssystem fallen. So heißt es in einem im Auftrag des Unterrichtsministeriums erstellten Bericht des Instituts für Höhere Studien (IHS), der als Grundlage für eine Strategie zur Verringerung der Zahl früher Schulabgänger dienen soll. Insgesamt liegt die Quote an 18- bis 24-Jährigen, die maximal die Pflichtschule abgeschlossen haben ("Dropouts"), bei 9,6 Prozent (2006).

Laut Studienautor Mario Steiner ist etwa Sitzenbleiben ein Faktor im Bildungssystem, der das Selbstvertrauen untergräbt und damit Abbruch fördert. Frühe Selektion nach der Volksschule führt zwar nicht direkt zu mehr Dropouts, aber sie verstärkt die soziale Ungleichheit. Dabei sind Jugendliche mit nachteiligem sozioökonomischem Hintergrund ohnehin stärker gefährdet, zu Schulabbrechern zu werden. Auch Leistungs- und Konkurrenzdenken in der Erstausbildung, "das Stress bei Kindern und Jugendlichen verursacht", sollte laut der Studie hinterfragt werden. Der Mangel an Lehrstellen ist laut Steiner ein weiterer Mitgrund für Schulabbruch.

Steiner: "Partnerschaftliche Beziehung" zwischen Schüler und Lehrer notwendig

Steiner plädiert dafür, die "partnerschaftliche Beziehung" von Schülern und Lehrern zu verstärken und alternative Ausbildungsmodelle und Lernformen auch an öffentlichen Schulen auszubauen. Außerdem sollten die Lerninhalte überprüft und Schulfächer mit praktischem Sinn aufgewertet werden. Möglich sei all das allerdings nur, wenn Lehrer eine dementsprechende Ausbildung mit Schwerpunkt auf sozialen Kompetenzen sowie professionelle Unterstützung durch Sozialarbeiter erhalten.

Eine zentrale Rolle spielt laut Studie auch die Verbesserung der Berufsorientierung, denn die Entscheidung für eine unpassende Ausbildung begünstige den Bildungsabbruch und zu geringer Informationsstand über andere Möglichkeiten die Tendenz, die Ausbildung nicht nur zu wechseln, sondern überhaupt abzubrechen. Steiner fordert die Einführung eines eigenen Fachs Berufsorientierung durch eigens ausgebildete Trainer.

Dropout-Meldesystem

Um Schulabbrecher möglichst rasch wieder ins Bildungssystem zurückzuholen, soll ein Dropout-Meldesystem geschaffen werden, in dessen Rahmen Jugendliche sofort nach Meldung des Schulabgangs von individuellen Betreuern aufgesucht werden, die mit ihnen nach Alternativen suchen. Derzeit wird in Österreich nicht einmal dokumentiert, wie viele Jugendliche das Schulsystem ohne Abschluss verlassen.

Für Schüler, die bereits aus dem Bildungssystem ausgestiegen sind, sollen unbürokratischere Rückkehrmöglichkeiten geschaffen werden. So sollen etwa auch informell erworbene Kompetenzen (bei ehrenamtlicher Arbeit, Praktika etc.) leichter anerkannt und Möglichkeiten geschaffen werden, die Schulpflicht außerhalb der Schule (z.B. in Jugendwerkstätten) zu erfüllen. Über Fernunterricht könnte man Schulverweigerer besser erreichen.

In der AHS-Oberstufe bricht gut jeder Zehnte (10,8 Prozent) vom ersten auf das zweite Jahr ab, an den Handelsakademien (HAK) 15 Prozent, an den Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) 19,5 Prozent und an den Handelsschulen (HAS) 34 Prozent. Diese hohen Anteile werden als Indiz dafür gewertet, dass Schüler versuchen, die einjährige Polytechnische Schule zu umgehen. Ähnlich sieht es bei den Lehrverhältnissen aus, wo 30,3 Prozent innerhalb des ersten Jahres mit der Ausbildung aufgehört haben. Mangels Daten kann aber nicht gesagt werden, wie viele der Jugendlichen nicht nur die Ausbildung wechseln, sondern tatsächlich aus den System fallen. Die Studienautoren gehen allerdings davon aus, dass "ein nicht unbeträchtlicher Anteil" zu Dropouts wird. (APA)

 

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22 Postings
Alfred Moosbrugger
04.02.2010 08:30

heute werden ohnehin schon alle durchgewunken, die lehrer sind froh, wenn sie nach vier jahren gewisse schüler los sind, die andauernd gestört und die moral der ganzen klasse untergraben haben.

mein matheprofessor hat immer gesagt: was es wiegt, das hat es.
man kann nicht leute ohne jede leistung immer nur durchwinken, das ist eine ungerechtigkeit gegenüber all jenen, die sich angestrengt haben und deren abschlusszeugnis dadurch entwertet wird.
die, die heute noch sitzenbleiben, bleiben ohnehin nicht mehr wegen der fehlenden leistung, sondern wegen ihres asozialen verhaltens und ihrer weitgehenden nichtanwesenheit im unterricht sitzen.

Ferdinand Franz
04.02.2010 12:11

Viele Schüler sind deshalb verhaltensauffällig, weil sie in einem Schultyp sitzen, für den sie nicht geeignet sind. Natürlich rebellieren sie dann, weil sie mit den Anforderungen, die an sie gestellt werden, überlastet sind.
Da aber viele Eltern aus reinen Prestigegründen ihre Kinder lieber in die AHS geben, werden dort die Probleme immer ärger.

ride my pimp
04.02.2010 08:27

viele bleiben heute alleine schon deshalb nicht sitzen, weil die lehrer froh sind, wenn sie den betreffenden schüler, der in der regel nur stört und die moral aller untergräbt, endlich los sind.
deshalb und wegen der fehlenden sanktionsmöglichkeiten inadäquaten schülerverhaltens werden viele einfach durchgewunken und bekommen ein positives abschlusszeugnis, im übrigen eine ungerechtigkeit gegenüber jenen, die sich angestrengt haben. den lehrherren wundert dann in der regel, welche leute heute schon einen pflichtschulabschluss haben...

Functio Laesa
02.02.2010 11:28
Wie haben wir das blos damals geschafft

bin damals in die Hauptschule gegangen. Da gabs halt einen A und B Zug. Wir waren nicht verhaberert mit unseren Lehrern. Wir hatten keine Psychologen in der Schule. Und für besonders goscherte Zeitgenossen gabs vom Physiklehrer eine normalerweise redlich verdiente Kopfnuss. Damals wollte niemand das der Lehrer sich bei den eigenen Eltern beschwert. Heute gibts das alles nicht mehr und alles IST JETZT VIEL VIEL BESSER. Es werden anscheinend eine Menge Dodeln herangezüchtet die, mangels Führung in Leben nun sich selbst überlassen sind und damit nicht klarkommen. Dafür haben sie ganz viele Haberer in Form von Lehrern - nur nützen die leider nicht viel.

ride my pimp
04.02.2010 08:20
schule ist keine dienstleistung, bildung ist eine holschuld und keine bringschuld!!!

man sollte wieder einmal betonen, dass schule keine dienstleistung ist, sondern dass die pflichten der schüler, eltern und lehrer explizit im schulunterrichts- und schulorganisationsgesetz festgelegt sind. das steht etwas von erzieherischen pflichten der eltern, von fleiß und disziplin der schüler usw., die von vornherein vom staat eingefordert werden können und NICHT von dienstleistung und over-the-counter-berieselung.
schule ist ungleich dienstleistung, auch wenn sie einige elemente hat, die daran erinnern.

Doper
03.02.2010 08:38
Nachdem jetzt die Mindestsicherung beschlossen wurde,

muss das Schulsystem auch genügend Dodeln produzieren, um diese zu nützen.
Die NHS (Neue Hauptschule) wird diesen Auftrag erfüllen.

grgr grn
02.02.2010 17:30
Damals war auch Scheiße.

Du konntest zwar einiger Maßen sicher in den A-Zug gehen, aber: Wenn du gemeinsam mit denen aus dem B-Zug Stunden hattest, frage nicht!
In Turnen wurden die A-Zügler tüchtig geholzt, aus lauter Hass oder weil einige vom B-Zug nicht anders kommunizieren konnten; pädagogische Interventionen bestanden selbstverständlich aus Wegschauen und Lieber-nicht-Wahrnemen. Und die gelungenen Werkstücke der A-Zug-Kreativen mussten selbstverständlich auch mit Hammer und Raspel vernichtet werden.
So viel zur Guten alten Zeit.

ML85
02.02.2010 08:32
Einen Installateur für mein Auto!

Wenn es um Fussball, Schi fahren oder Schule geht, gibt es in Österreich rund 8 Millionen "Experten".
Ich habe ein bisschen gegoogelt. Der Studienautor Mario Steiner ist Politikwissenschaftler.
Ich frage auch immer meinen Installateur, wenn mein Auto nicht anspringt ;-)

vandermonde
02.02.2010 11:46
Round'n'round it goes
02.02.2010 09:25

Wer soll denn bitte dann zu bildungspolitischen Themen forschen, wenn nicht ein Sozial- bzw. Politikwissenschafter?

lastenträger
02.02.2010 17:04

Ein Politikwissenschafter kann kraft seiner Ausbildung gesicherte Aussagen zum Beziehungsgefüge zwischen Lehrern und Schülern geben?

Feles
13.04.2010 14:36
Leut, informierts euch a bissl genauer

Erstens hat dieser Hr. Steiner mehr als nur Politikwissenschaft studiert und zweitens macht er seine Aussagen nicht "kraft seiner Ausbildung" sondern auf Basis mehrerer Studien, die er "kraft seiner Ausbildung" zum Thema Dropout durchführte.

grgr grn
01.02.2010 23:16
Schulbücher sind komprimierte Anhäufung von nutzlosem Wissen; für das Nachlernen von versäumtem komplett ungeeignet!

Mit den besten Vorsätzen zum Scheitern veerurteilt: Keine Chance, das Wichtigste rasch und übersichtlich aufzuholen. Manchmal fragt man sich wirklich, für wen die Schulbücher eigentlich von Nutzen sind!

Ferdinand Franz
02.02.2010 00:11

Für die Autoren!

xerxes
01.02.2010 11:00
Kaffesud...

Sehr gut recherchiert - ich sehe ähnliche Resultate in meinem Kaffeesud.

Naja, solange man jede Menge Geld für Banken, Sozialgießkannen, egomanischen Politikern und deren versorgungsbedürftigen Freunderln hat und - wie jahrelang praktiziert - bei der Bildung spart, wird sich auch nichts ändern...

Es lebe unsre Erdäpfelrepublik !

Ferdinand Franz
01.02.2010 14:14
AHS versus KMS

Jahrelang hat man den Eltern eingeredet, dass nur die AHS der beste Schultyp für ihre Sprösslinge sei und die HS bzw. KMS aushungern lassen! Für viele SchülerInnen, die dem Leistungdruck ( weil fast ausschließlich Lehrervortrag!) in der Unterstufe der AHS nicht gewachsen sind, mussten und müssen die Eltern teure Nachhilfestunden bezahlen.
Dabei bietet gerade die KMS mit ihrem differenzierten Leistungsbeurteilungssystem (3 Leistungsgruppen in den Hauptgegenständen) sowohl für Begabte als auch Lernschwächere eine ausgezeichnete Möglichkeit sich zu orientieren, ob Kinder mehr praktische Fähigkeiten haben (Ziel: Lehrer) oder eine weiterführende Ausbildung (HTL, HAK, BHS u.a.)anstreben wollen!

Ferdinand Franz
01.02.2010 15:04

Ziel sollte natürlich LEHRE heißen! Sorry!

Zinnmo
 
01.02.2010 14:00
Das Problem ist nicht die Finanzierung.

Wir geben genug Geld für die Schulen aus. Wir sind da im internationalen Spitzenfeld.

Unsere Probleme liegen in der falschen Organisation, der überbordenden Verwaltung und der fehlenden Selektion in der Lehrerausbildung bzw. danach. Erfolgreiche Staaten haben regelmässige Evaluierungen. Nicht nur, um die Lehrer zu überprüfen, sondern auch dafür, um Resourcen dorthin verschieben zu können, wo sie gebraucht werden.

Bei uns herrscht die Giesskanne und eine Negativauswahl im Personal. Das kann einfach nicht gut gehen. Wir brauchen gute Lehrer an der richtigen Stelle und mit ausreichender Versorgung. Wir haben nicht davon. Dafür haben wir die teuerste und ineffektivste Schulbürokratie der Welt.

Ferdinand Franz
01.02.2010 15:20

Richtig! Es wird eine Unmenge Geld für Schulversuche ausgegeben, anstatt die Kinder von 6 bis 15 in EINE Schule zu schicken. Es sollte jeweils an EINEM Schulstandort VS und Unterstufe geben. Die LehrerInnen könnten sich miteinander vernetzen und wüssten über die Kinder wesentlich besser Bescheid.
Gerade im Alter von 10-15 Jahren ist die Entwicklung der Kinder unterschiedlich schnell. Daher ist die Einteilung in Leistungsgruppen eine wirklich ideale Lösung: die Kinder werden nur in den Hauptgegenständen nach ihrem Leistungsniveau getrennt unterrichtet- von AHS- und Hs-LehrerInnen.
Aber: genau das ist der Knackpunkt!

GoodieGoodie
01.02.2010 15:58

"die Kinder werden in den Hauptgegenständen nach ihrem Leistungsniveau getrennt unterrichtet" -

genau das findet in der NMS leider NICHT statt!

Ferdinand Franz
01.02.2010 19:40

Leistungsgruppen gibt es aber in den KMS! Daher wäre der Ausbau (mehr AHS-LehrerInnen auch an KMS) dieses Schultyps sehr sinnvoll.
Leider gibt es aber von Seiten der AHS-LehrerInnen große Berührungsängste, da die pädagogischen Anforderungen um einiges höher sind. Dort ist reiner Frontalunterricht schon seit Jahren nicht mehr angesagt, sondern: Differenzierung, individuelle Betreuung der SchülerInnen, Anschaulichkeit des Unterrichts (vor allem durch die höhere Quote an Kindern mit nicht -deutscher Muttersprache),mehr Praxisbezug, verpflichtende Berufsorientierung, fächerübergreifender Unterricht, intensive Teamarbeit zwischen den LehrerInnen- insgesamt mehr Herausforderungen für die LehrerInnen!

sam duke
02.02.2010 13:06
blabla

in der präambel zum schulunterrichtsgesetz steht in etwa der gleiche käse.

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