402.000 ohne Job: Höchster Wert in Zweiter Republik

Günther Oswald, 1. Februar 2010, 17:40

Anstieg der Arbeitslosenrate um 7,3 Prozent - Bereits 79.000 Menschen in AMS-Schulung

Die Wirtschaftskrise beschert dem heimischen Arbeitsmarkt einen traurigen Negativrekord. Die Zahl der Jobsuchenden stieg im Jänner um 7,3 Prozent und war damit so hoch wie nie zuvor in der Zweiten Republik. 323.651 Menschen waren offiziell als arbeitslos gemeldet. Dazu kommen weitere 79.041 Personen, die einen AMS-Kurs besucht haben. In Summe waren 402.692 Menschen ohne Job. Den bisherigen Rekordwert gab es im Jänner 2006 mit 380.379 Arbeitsuchenden.

Die prozentuelle Arbeitslosigkeit war aber bereits einige Male noch höher als derzeit. Zur Erklärung: Die Quote ergibt sich aus dem Verhältnis von Arbeitslosen zu verfügbaren Arbeitskräften. Da es vor einigen Jahren noch weniger unselbstständig Beschäftigte gab, hat eine etwas niedrigere absolute Zahl an Arbeitslosen einen höheren Prozentsatz ergeben.

***

Wien - Der frostige Jänner, der Temperaturen von bis zu minus 27 Grad brachte, hat auch am Arbeitsmarkt seine Spuren hinterlassen. Fast 71.000 Bauarbeiter waren Ende Jänner arbeitslos. Insgesamt befanden sich 402.692 Menschen auf Jobsuche. Das ist nicht nur der höchste Jännerwert, den das Arbeitsmarktservice (AMS) jemals gemessen hat, sondern auch der absolute Negativrekord in der Zweiten Republik.

Offiziell als arbeitslos gemeldet waren im Jänner 323.651 Menschen - um 22.122 oder 7,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dazu kommen aber noch einmal 79.041 Jobsuchende, die gerade eine AMS-Schulung gemacht haben.

Starke Steigerungen bei AMS-Kursen haben sich schon die letzten Monate abgezeichnet. Im gesamten Jahr 2009 haben 216.981 Personen eine Schulung absolviert. Dabei geht es aber keineswegs nur um Bewerbungstrainings oder Kurse zum Verfassen von Lebensläufen. Auch wenn über 37.000 Personen im Vorjahr einen solchen Kurs absolviert haben, waren diese Zahlen in den Jahren 2003 oder 2004 wesentlich höher.

Der Großteil, nämlich 122.000 Personen, hat einen klassischen Aus- und Weiterbildungskurs besucht. Dazu kommen noch einmal 37.000 Berufsorientierungskurse, die vor allem von Jugendlichen besucht werden. In Summe wurden im Vorjahr 444 Mio. Euro für AMS-Schulungen ausgegeben. Rund die Hälfte der Absolventen findet laut AMS innerhalb von drei Monaten auch einen Job.

Weiter anhaltend ist auch der Trend zum Abbau von Kurzarbeit, der in der Folge zum Teil zu Kündigungen führt. Bei Böhler Edelstahl in Kapfenberg wurde die Kurzarbeit mit Ende Jänner eingestellt, Ende April sollen nun 120 Mitarbeiter abgebaut werden, gab das Unternehmen am Montag bekannt. Es gibt aber auch andere Beispiele:Der Autozulieferer Miba AG in Laakirchen beendet die Kurzarbeit von 400 Mitarbeitern ebenfalls. Dort erklärt man den Schritt aber mit verbesserter Auftragslage.

Büroberufe gefährdet

Die krisengebeutelte Autoindustrie zählt aber bei weitem nicht zu den einzigen Problembereichen. Den höchsten Anstieg an Arbeitslosen gab es im Jänner bei den Dienstleistungsberufen (plus 10,1 Prozent). Im AMS wird das darauf zurückgeführt, dass in den BereichenHandel, Reinigung oder Büroberufe niedrig qualifizierte Personen tätig sind, die von Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind.

Wirklich Sicherheit bietet aber auch ein akademischer Abschluss nicht mehr. Die absolute Zahl von arbeitslosen Akademikern ist zwar noch vergleichsweise niedrig, prozentuell gab es aber mit 21 Prozent einen enormen Anstieg. Besonders stark (plus 9,9 Prozent) nahm die Arbeitslosigkeit auch bei Personen über 50 zu.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hofft nun auf die wärmeren Monate. Da rund 94.000 Personen eine Wiedereinstellungszusage hätten, sei in wenigen Monaten wieder mit sinkenden Absolutzahlen an Arbeitslosen zu rechnen. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.02.2010)

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Posting 1 bis 25 von 912
Überwachungskamera1
00
14.2.2010, 20:04
79.000 Menschen in AMS-Schulung

zählen nicht stärke vom ams...
was ist mit arbetsstiftungen u. andere schmähs

so leise war ams-chef-kopf schon lang nicht mehr

Mostbluzer
00
10.2.2010, 09:55
ein kleiner vorgeschmack ... aus den usa

http://www.denverpost.com/news/ci_14303473

in vielen us städten ist es bereits realität, das ende der sozialen spassetln. es ist auch bei uns unvermeidbar.

in denver werden polizisten, feuerwehrleute entlassen, hubschrauber verkauft, die strassenbeleuchtung eingestellt, bäder geschlossen usw.

da kippt die stimmung dann sehr schnell, der ärger wächst und niemand hat etwas zu verlieren.

die spirale dreht sich nach unten, und sollten wir bei den staatsfinanzierungen davonkommen, erwischt uns die wirtschaftliche welle oder die folgende bankenkrise oder ... oder wir hängen einfach mit, mit dem euro und der globalisierung.
wir hatten die vorteile?, jetzt kommt die rechnung.
deutschland überweist bald runter in den süden, und wir in den osten?

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
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Derzeit hätten wir noch die Kapazität, um ein bedingungslsoses Grundeinkommen einzuführen.

Der sehr erfolgreiche dm-Gründer Götz-Werner ist sicher kein Dummkopf, wenn auch er diese zeitgemäße Forderung stellt, um dem vom überbordenden Kommerz zusammengepressten Menschen wieder einen gesunden Atemraum und Hoffnung (und Lust zum Kinderkriegen) zu geben.

Die Milliarden wären da, sie werden aber lieber für die Casino-Rechnungen der Banken, für ein sinnloses Bürgerüberwachungsnetzwerk, für Verschrottungsprämien u. nicht zuletzt für eher nutzlose AMS-Beschäftigungstherapien vergeudet.

Lässt man all diesen Wahnsinn weg, wäre ein GEK leicht finanzierbar.

Mostbluzer
00
10.2.2010, 10:08
vorsicht

in brd ist ja mit dem hartz urteil nun alles anders. vom theoretischen aspekt her.

es müssen vor allem die randbedingungen definiert werden und v.a. ideologische scheuklappen entfernt werden:

zuwenig arbeit für alle (welt/öst) ist schwachfug!
mindestlöhne müssen unbedingt erhalten bleiben
negativsteuer ausbauen wegen leistungsanreiz
kinderbetreuung gratis und jederzeit möglich
mindestsicherung muss bleiben
eine erhöhung auf grundeinkommen bzw. die chance darauf muss möglich sein (kindererziehung) u n d mit gegenleistung abgegolten werden. soziale und andere arbeiten gibt es genug: schülerlotsen, parkwächter, nachhilfe, ökolog., usw. insb. für pensionisten, alleinerziehende.
für einen 18j hackenstaden gibts AL Geld, kein GEK.
denk ich mir

Bluestone
00

Ist ja verständlich, daß einige hier im Forum aus ein "bedingungsloses Grundeinkommen" so abfahren-aber wer soll und will das finanzieren?

Die, die für den Staat noch nichts geleistet haben, sollen auch vom Staat nichts bekommen!

Wer eingezahlt hat, muß dann aber auch was bekommen.

newworld2511
00
15.2.2010, 17:57

Von der derzeit sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit hast aber schon gehört oder?!
Wie sollen die denn bitte was einzahlen, wenn Sie noch nicht die Chance bekommen einer Arbeit nachzugehen?
Also mit solchen daher geschleuderten Phrasen ein wenig aufpassen, denn in einer Krise, wie wir sie jetzt erleben, ist es zu einfach der Meinung zu sein, dass nur die was bekommen sollten, die auch schon was eingezahlt haben! Daher mal nachdenken, danach posten! In diesem Sinne lg aus Hong Kong

Finn McCool
00
Genau das ist das Problem mit der Grundversorgung

Ich meine, ich selbst würde natürlich weiterarbeiten, schließlich arbeite ich gerne und sehe meinen Beruf als Berufung,

aber alle anderen würden es sich natürlich sofort in der sozialen Hängematte bequem machen.

Und dann müßte ich als einziger Arbeitender 8 Mio Transferempfänger durchfüttern. Drum kann sich das nie ausgehen.

europa fassen
02
Das Problem ist doch,

dass immer weniger Menschen nicht mehr die Möglichkeit bekommen "etwas für den Staat zu leisten", weil sie keinen Job bekommen, der soviel bringt, dass man "etwas für den Staat leisten" kann.

Und zum Grundeinkommen:
Sobald eine bestimmte kritische Masse an Arbeitslosen und prekär Beschäftigten überschritten ist, dann würde das Grundeinkommen aufgrund der einfacheren Verwaltung billiger kommen, als die getrennte Auszahlung diverser Zulagen und Unterstützungen.

Bluestone
00

Sie übersehen dabei lediglich, daß, wenn es einmal so eine "kritische Masse" an arbeitslosen geben wird, kein Geld mehr da sein wird, um es der "kritischen Masse" zukommen zu lassen.
Also besser für Vollbeschäftigung sorgen.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß einige damit spekulieren, mehr Migranten ins Land zu lassen, die dann jeden Job annehmen und mit deren eingezahlten Sozialleistungen sich dann selber in die Hängematte legen.......

jo eh
00

die migranten würden genauso ein anrecht auf ein grundeinkommen haben

LinksSchreiber
211
Die SOZIAL-ÖKONOMISCHE FRAGE wird die ÖKONLOGISCHE bald abgelöst haben! Das Kardinalsproblem dieses Jahrtausends wird

nicht die Umweltverschmutzung, sondern die soziale Katastrophe sein, die aktuell auf uns zukommt. Es gibt keine Arbeit mehr für alle, weil die Industrialisierung schon zu weit fortgeschritten ist. Es müssen und können auf diesem Planeten nicht mehr alle Menschen arbeiten. Diese Tatsache wird total totgeschwiegen. Warum? Weil die Menschheit das im Überfluss Vorhandene wirklich gerecht verteilen müsste, wenn allgemein anerkannt werden würde, dass der Hunger im Globalen keine Natur-, sondern eine Kultur-Katastrophe darstellt. Der korrupten Elite ist es vollkommen egal, was mit der Menschheit geschieht. Der ganze Ökoboom ist eine einzige Abwehrstrategie, die vom eigentlichen Problem einer ideologisch verfassten Welt-Ökonomie ablenken soll.

Arno Niesner
 
00
25.2.2010, 19:37
Die "Umweltverschmutzung" war ja auch nicht

DAS Thema des vorigen Jahrtausends - siehe ölverseuchte Flüsse in der Po-Ebene.

Und wenn wir knapp hundert Jahre zurück blicken führte das sozial-ökonomische Problem bereits zum x-ten Mal zu einer Revolution.

Die Zukunft ist viel komplizierter, als dass hier ein Problem das andere ablöst und nie wieder kehrt.

Vielmehr werden sowohl ökologische als auch sozial-ökonomische Probleme immer wieder und zunehmend zu integrativen Lösungen führen. Eine davon könnte Ökosozialmarkt genannt werden, jedenfalls wird daran bereits fleißig gearbeitet. Glück auf!

Glasperlenspieler
03
Bereinigte Arbeitlosenzahlen (selber berechnet)

Was ich dem Artikel und AMS entnehmen kann:

3.297.000 unselbstständig Erwerbstätige
324.000 arbeitslos gemeldete Personen
79.000 in Schulungen
ca. 550.000 Selbstständige und Mithelfende

Arbeitskräftepotential: 4.250.000

Arbeitslosenquote (exkl. Schulungen): 7.6%
Arbeitslosenquote (inkl. Schulungen): 9.5%

Nach Bundesländern (inkl. Schulungen):

Burgenland: 12.8%
Kärnten: 12.6%
Wien: 11.1%
Steiermark: 10.4%
NÖ: 10.2%
Vorarlberg: 7.7%
OÖ: 7.6%
Tirol: 6.3%
Salzburg: 6.1%

Söbaschuid
00
Einbahnstraße ohne Besserungspotential ?

Das ist wohl eine Einbahnstraße ohne Besserungspotential und aber auch nur eine Zwischenaufnahme - die Talsohle ist noch nicht erreicht. Die Wirtschaftskrise war eigentlich nur ein Warnsignal.
Geld wird für immer mehr Leute immer weniger verfügbar.
Wie lange wird’s noch dauern, bis das ganze Geld nur mehr bei den obersten Superreichen ist, die dann für alle anderen „Verlierer“ nur mehr Zynismus oder Dumpingaufträge überhaben ?

SPÖ - Am Abgrund
15
Sozialdemokratie besteht darin

dass Arbeitslose beim AMS von SP Protektionskindern genötigt und drangsaliert werden. Dabei halten die SP Protektionskinder beim AMS selber am wenigsten von leistungsgerechter Arbeit

Aurelia Biedermann
00
Man kann über das AMS viel Schlechtes sagen, keine Frage.

Aber SP-Protektionskinder ...? Die sitzen mit Sicherheit anderswo.

http://www.sozialplattform.at/fileadmin... stgehälter

Michael B
00
Wirklich?

Buchinger? Buchinger?

jo eh
00

wäre ein interessantes feld (oder soll man "sumpf" sagen?) für investigativen journalismus.

leider herrscht hierzulande die mentalität vor, ja niemanden auf die füße zu steigen (siehe auch ORF-berichterstattung)

derfalke
00
Dieser traurige Negativrekord zeigt das Versagen der rot-schwarzen Bundesregierung.

Die Bürger werden sich das aber nicht gefallen lassen und diese rot-schwarzen Dilettanten bei nächste Gelegenheit abwählen.

Österreich ist nun reif für einen freiheitlichen Bundeskanzler.

franz tabei
00
...wußte gar nicht, daß andere parteien da andere vorschläge haben...

vielleicht ist es wegen der populistischen präsentation der parteien nicht so aufgefallen, aber in den parteiprogrammen gibt es (fast) KEINE UNTERSCHIEDE. spart Euch das wählen, schreibt lieber an die politiker, wenn etwas nicht passt (da gibt genug), startet eigene projekte und UNTERSTÜTZT sie auch, wenn es tatsächlich unser interesse ist, dann sind wir dabei, siehe UNSEREUNI. wo waren die studentInnen? wenige waren sehr engagiert, aber vielen war es egal.

die dunkle seite der nacht
00
Dörfler ist dir fad?

Michael B
00
Es ist der Jörgl!

Der ist stinksauer, daß er nicht mehr erleben kann, daß Kärnten die höchste Arbeitslosigkeit aller Bundesländer hat.
Und die höchsten Schulden.

salmonelle
71
EU Vergleich

Vielleicht sollte eine objektive Darstellung auch den Vergleich mit den EU Ländern beinhaltet. Trotz der hohen Quote hat Österreich den zweitniedriegsten Wert in der EU.

jo eh
01

genau. und im globalen ranking liegt österreich weit vor bangla desh und uganda

clearlake
02
spät aber doch

kommen die schönredner aus ihren löchern....

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