Nordautobahn

Der lange Weg zur schnellen Straße in den Norden

31. Jänner 2010 21:14

Das südliche Teilstück der A5 nach Brünn ist nach Jahrzehnten der Planung nun fertiggestellt

Anrainer und Frächter sind erleichtert, es gibt aber auch Kritik.

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Wien - "Na Gott sei Dank", entfährt es Rudolf Bauer von der Frächterlobby, wenn er auf den Bau der Nordautobahn (A5) angesprochen wird. "Die Brünner Straße fährt sich ja wie die Rallye Paris-Dakar." Seit 1. Februar ist das erste Teilstück der A5 vollständig für den Verkehr freigegeben - vom Knoten Eibesbrunn bis Schrick im Weinviertel. Eines Tages soll die A5 von Wien bis nach Brünn in Tschechien führen. Derzeit ist die Brünner Straße die direkte Verbindung. 46.000 Fahrzeuge rollen auf ihr täglich durch die Dörfer, etwa ein Fünftel davon Lkw.

Der neue Abschnitt ist die erste Entlastung für die Anrainer - und die erste Autobahn in Österreich, die von einer privaten Firma betreut wird. Public Private Partnership (PPP) nennt sich das Modell, Bonaventura das Konsortium, das die Autobahn gebaut und finanziert hat und sie betreuen wird. Die Asfinag zahlt Bonaventura ein jährliches Fixum, das "Verfügungsentgelt", plus eine bestimmte Summe pro Fahrzeug und Kilometer, die "Schattenmaut". Der Vertrag läuft 30 Jahre, dann wird die Asfinag die Autobahn übernehmen. "Als wir den Bau ausgeschrieben haben, war das für uns die billigste Lösung", erklärt Asfinag-Chef Schierhackl.

Bis 2040 muss sich Bonaventura um alles kümmern: Sie bessert Schlaglöcher aus, putzt Tunnel und räumt Schnee. Für letzteres sind 36 Mitarbeiter zuständig, ausgerüstet mit sieben Räumfahrzeugen. Vergangene Woche übten sie bereits für den winterlichen Ernstfall. Gemeinsam mit Feuerwehr und Polizei wurde auch ein Brand im Tunnel simuliert und für Rettungseinsätze trainiert.

Kein Geld für Baustellen

Baustellen soll es selten geben: "Wir bekommen nur Geld, wenn die A5 vollständig befahrbar ist", erklärt Bonaventura-Sprecherin Karin Keglevich. "Daher haben wir statt Asphalt Beton verwendet. Der ist haltbarer, und es gibt seltener Schäden." Sollte das Konsortium in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sei die Betreuung nicht gefährdet. "Die wird aus den Einnahmen durch den Betrieb finanziert", sagt Keglevich. International ist das Modell weit verbreitet. 2008 erhielt beispielsweise die Strabag den Zuschlag für 432 Kilometer Autobahn im PPP-Verfahren in der Republika Srpska.

"Wir sind sehr skeptisch gegenüber PPP", sagt Lydia Ninz vom ARBÖ, "uns hat noch keiner bewiesen, dass es billiger ist." Bei einem Autobahnbau sei Sicherheit besonders wichtig, "private Unternehmen wollen Gewinn machen", sagt Ninz. Das sei mitunter ein Widerspruch. Manche Sicherheitsinvestitionen, zum Beispiel Section Control oder neue Leitplanken, würden Privaten nichts bringen. "Ich bin nicht sicher, dass sie sie dann trotzdem tätigen." Als in Großbritannien die Autobahnen privatisiert wurden, sei die Anzahl der Unfälle stark gestiegen.

Planung begann 1999

Erste Ideen für die A5 gab es bereits 1971. Aber erst 1999, zehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, begann die Planung. Bis 2014 sollen die beiden weiteren Abschnitte bis an die tschechische Grenze fertig werden - allerdings nicht als PPP-Projekte. Die Asfinag wird sie finanzieren und betreuen. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der momentanen Lage der Finanzmärkte sei das billiger, sagt Schierhackl.

Wann die Autobahn auf der tschechischen Seite fertig wird, ist unklar. Derzeit fehlen noch 20 Kilometer zwischen Pohoøelice und der Grenze. 2010 wird aus Geldmangel nicht weiter gebaut werden. Allerdings, versichert der tschechische Verkehrsminister Gustav Slamecka, das Projekt werde auf jeden Fall fertiggestellt. (Tobias Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 1.2.2010)

Kommentar posten
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Proconsul
07.02.2010 18:14
Warum wird man

eigentlich auf der S2 nordwärts fahrend durch die Überkopfwegweiser penetrant auf St. Pölten verwiesen?? Wäre nicht Praha, Brno oder gar Krems naheliegender als Zielrichtung????

jubilee.
15.02.2010 00:41

weil man den verkehr richtung westautobahn auf diese strecke bringen will und anscheinend nocht nicht mitbekommen hat dass routenplaner und navis längst eine wahnsinnsmacht haben und zumindest im überregionalen verkehr niemand mehr auf diese schilder achtet...
die kärntner sind ja auch zu blöd um zu kapieren dass ein ausbau der s37 schlagartig dazu führen würde dass beinahe alle planer und navis diese strecke + semmering anstelle der a2 empfehlen würden...derzeit beträgt der unterschied nämlich ca. 15 minuten...

beethovenfries
05.02.2010 19:33

Ich wohne direkt an der Brünner Strasse. In Wien. Ich spüre eine sehr deutliche Entlastung, und zwar von den Paris-Dakar-LKWs die bisher vor meiner Haustüre Rallye gefahren sind. Danke Verkehrsplaner, gut gemacht!!!

Mir wäre es tatsächlich auch lieber, die Pendler hätten gute, brauchbare Zug- oder Busverbindungen und es würde mehr Gütertransport auf der Schiene abgewickelt. Die Zahlenspielereien, die auch hier im Forum betrieben werden, finde ich allerding zynisch: viele tausend Menschen in Floridsdorf und in den Ortschaften in NÖ haben unter der bisherigen Situation gelitten: Abgase, Lärm und massive Gefährdungen bei der alltäglichen Benutzung der Strasse.

Heinz Anderle
 
01.02.2010 21:21
So erfreulich auch der erste Abschnitt der A5 zunächst scheint,...

... in Wirklichkeit handelt es sich bei dem Umstand, daß die Autobahn nach Schrick quasi in einem besseren Feldweg endet, um ein Armutszeugnis, denn in den 1970er Jahren hätte man schon längst an der Fortsetzung der Strecke gebaut, wenn der erste Abschnitt fertiggestellt worden war.

Aber auch bei der Westautobahn ist von dem für 2010 angekündigten durchgehend sechsspurigen Ausbau noch immer nichts zu sehen. Dafür feiert bei der jetzt mautpflichtigen B303 nach Hollabrunn der Pfusch der Sparautobahnen frühliche Urständ'.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

cleptomanicx
02.02.2010 09:14

Ich hoffe als Weinviertler ja noch immer, dass ab Schrick nur eine 3 spurige Schnellstraße a la B303/S3 kommt, weil bis dort eh schon mehr als die Hälfte des Verkehrsaufkommens aus den Bezirken Mistelbach und Gänserndorf stammt. Denn wenn sich sämtliche größenwahnsinnige Provinzbürgermeister wirklich durchsetzen und jedes bessere Nest seinen eigenen großzügigen A5 Zubringer erhält (Umfahrungsring Mistelbach, B46 oder B219 nach Laa, B47 nach Reinthal, wobei letztere aufgrund der Anbindung am tschechischen/slowakischen Autobahnnetz den intelligentesten Verlauf für eine A5 darstellen würde) wird das schöne Weinviertel bald zubetoniert sein und die A5 nach Drasenhofen ab Wilfersdorf oder Walterskirchen massive Überkapazitäten haben.

BraS
02.02.2010 11:43

die A5 hat jetzt schon massive Überkapazitäten.
Auf der B7 (Stadtgrenze Wien) fahren nicht mal 25.000 Kfz/24h.
Das mag für eine Ortsdurchfahrt zwar relativ viel sein, für eine Autobahn aber verdammt wenig.

meine güte1
02.02.2010 20:03
"Auf der B7 (Stadtgrenze Wien) fahren nicht mal 25.000 Kfz/24h. "

Wissen Sie eigentlich, was diese Zahl bedeutet? Wollen Sie neben so einer Straße wohnen?

Überlegen Sie: der Tag hat 86400 Sekunden.
25.000 KFZs/Tag bedeuten ein KFZ innerhalb weniger Sekunden, das Tag und Nacht, ohne Unterlaß.

Dann zu schwadronieren, für eine Ortsdurchfahrt sei das "relativ viel" (also nicht wirklich viel, sondern relativ viel halt), zeugt davon, dass man von Zahlen überhaupt kein Vorstellungsvermögen hat.

Und warten Sie, bis die Semesterferien vorbei sind. Dann können Sie zu ihren 25.000 noch einiges dazulegen.

beethovenfries
05.02.2010 19:42

Die Semesterferien! Die muss ich nicht abwarten. Ich wohne direkt an der Brünner Strasse und kann Ihnen jetzt schon sagen, dass der Stau ausgeblieben ist, der bisher zu jeder polnischen und tschechischen Urlaubssaison an meiner Haustüre vorbeigestunken ist. Zu meinem Glück fahren die Skiurlauber jetzt auf der Autobahn. Und die Sommerurlauber werden hoffentlich das gleiche tun.

BraS
03.02.2010 10:51

ich wohne sogar an einer Straße mit 84.000 Kfz/24h (Neubaugürtel). In Wien gibts nebenbei unzählige Straßen mit 25.000 Kfz/24h und mehr.
Das hat übrigens nichts mit Semesterferien zu tun, die Zahlen beziehen sich auf jährlich durchschnittlichen werktäglichen Verkehr.

Das ändert nichts am Umstand, dass lokale Umfahrungen schon vor Jahren und weitaus biliger gebaut werden hätten können.



meine güte1
03.02.2010 17:26
Sie können nicht allen Ernstes

die Verkehrsprobleme in einer Großstadt mit den Verkehrsproblemen über Land vergleichen. In einer Stadt haben Sie schon einmal wegen der viel höheren Bevölkerungsichte einen wesentlich höheren Quell- und Zielverkehr.

Es stimmt schon, dass entlang der 2-er Linie in Wien mehr Autos verkehren als auf der ehemaligen B7. Aber erstens einmal sind diese viel befahrenen urbanen Straßen durchwegs mehrspurig und zweitens wälzen sich da nur ausnahmsweise 30 t schwere LKWs durch, ganz zum Unterschied von der B7, wo oft der Schwerverkehr dominierte.

BraS
04.02.2010 11:04
bitte lesen, dann antworten

ich habe nciht mehr und nicht weniger behauptet, als dass eine Verkehrsbelastung von 25.000 Kfz/24h wenig ist, um eine Autobahn zu rechtfertigen.

Genauso, wie man nicht für jede gut ausgelastete Buslinie gleich eine U-Bahn bauen kann, brauchts auch nicht für jede etwas sträker befahrene Straße eine Autobahn.
Dafür gibts Zwischenlösungen, die dem Bedarf entsprechen.

meine güte1
04.02.2010 21:45
Dazu ist nur zu sagen, dass auf der A2 der Südautobahn

der tägliche Durchsatz streckenweise auch "nur" zwischen 20.000 bis 30.000 Fahrzeugen liegt. Wollen Sie jetzt die A2 wieder abreißen und den Verkehr auf Forstwege umleiten?

Eine 4-spurige Autobahn hat eine Kapazität von ca. 70000 KFZ/Tag. Wird diese Grenze überschritten, kommt es zu Staus.

Und ja, dass man innerhalb der Stadt keine Autobahnen baut, auch wenn dort die Verkehrsbelastung höher ist, hat wohl einleuchtende Gründe, abgesehen davon, dass der Platz dafür in den allermeisten Fällen nicht einmal vorhanden ist.


cleptomanicx
02.02.2010 23:07

Ich glaube kaum, dass die Semesterferien einen Unterschied machen. Bei den Planungen zur A5 lag die Zahl um die 20.000-25.000 Kfz/24h im Raum Wolkersdorf. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass der Verkehr nach Tschechien sogar abnimmt, da die mautfreie D2-Ersatzstrecke B7 dank A5 jetzt auch Geschichte ist.

Übrigens: Kernaussage des Vorposters war ja, dass Ortsumfahrungen gereicht hätten um diese Bewohner zu entlasten. Niemand wünscht den Anrainern die Transithölle vor der Haustür.

meine güte1
03.02.2010 07:20
Ortsumfahrungen wäre sicher auch ein Lösungsansatz gewesen

Der Flächenverbrauch ist aber fast derselbe wie durch die jetzige Lösung. Umfahrungen sind ja durch die A5 gebaut worden und der Rest der Strecke verläuft auf der alten B7, die jetzt etwas breiter, dafür aber gegenverkehrsfrei ist.
Auch ist der Verkehr jetzt deutlich sicherer geworden.
Die alte B7 hatte das Problem, dass es viele Verkehrteilnehmer mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten gab, was nicht selten zu gefährlichen Situationen führte. LKWs, PKWs, Traktoren, Microcars, mitunter auch Radfahrer. Das ist jetzt gottseidank Geschichte.

BraS
03.02.2010 10:56

Ortsumfahrungen brauchen keine 30m Kronenbreite, keine 800m Mindestradien, keine niveaufreien Anschlussstellen usw.

Die Verkehrssicherheit ließ sich erstaunlicherweise während der Bauzeit dank Geschwindigkeitslimits und Überholverboten (samt effizienter Überwachung) ebenfalls deutlich erhöhen.

meine güte1
03.02.2010 17:40
Was spielt es für eine Rolle, dass eine Straße breiter ist?

Als Erholungsgebiet wäre der verbaute Streifen mit Sicherheit nicht genutzt worden, so what?

Die vorgeschriebenen Mindestradien von Autobahnen spielen wohl bei so einer Trassenführung, wo es fast nur geradeaus geht, wirklich nur eine untergeordnete Rolle.

Ob es wirklich weniger Unfälle während der Bauzeit gegeben hat, weiß ich nicht, da mir keine Statistiken vorliegen. Ich weiß jedenfalls von einigen tödlichen Unfällen.

BraS
04.02.2010 11:07
Was spielt es für eine Rolle, dass eine Straße breiter ist?

Es wirkt sich in den Kosten aus, und zwar gewaltig.

meine güte1
04.02.2010 21:54
Autobahnen werden mit Mauteinnahmen finanziert,

insofern kein Problem.

Dr. Nick Rivieras
16.02.2010 00:42
Erzählen sie das der ASFINAG...

...mit ihren aktuell etwa 11 Mrd. € Schulden.

cleptomanicx
02.02.2010 12:36

Das stimmt in der Tat, aber es gibt auch richtige Geisterautobahnen wie die S31 im südlichen Burgenland. Sicherlich hätte man auch die B7 komplett auf S3 Level mit Ortsumfahrungen umbauen können und es hätte gereicht. Die lokalen Politiker haben diese Vorschläge damals aber abgelehnt und gewartet bis die Situation in den letzten 10 Jahren eskalierte. Man trichterte der Bevölkerung ein, dass nur eine Autobahn die Lösung aller wirtschaftlichen und infrastrukturiellen Probleme des Weinviertels sein könnte und schließlich war dann jeder einzelne B7-Verkehrstote weiteres Wasser auf den Mühlen der Autobahnbefürworter. Dass es noch andere Möglichkeiten gegeben hätte hat die Bevölkerung im Bezirk Mistelbach leider verdrängt.

Gerhard Polak
03.02.2010 15:09
Die S31 ist eine Geisterautobahn aus Unverständnis

und sollte eigentlich Teil des europäischen Hochleistungsstrassenkonzepts sein.

In Ungarn wird Szombathely zum Verkehrsknoten. Die M9 (via Budapest mit Anbindung nach NO-Europa), der TINA Korridor (eine West-Ost - Verbindung über Szombatheley mit Einbindung über Szentgotthard in das österrreichische Autobahnnetz auf der A2 im Raum Fürstenfeld). Die S31 wäre damit eine NW-SO Verbindung um Verkehr nicht über Pyhrn oder Winerwaldautobahn zu schleusen. Und einer M6 als Nord Süd Verbindung, parallel zur österreichischen Staatsgrenze mit Anbindung an das slowenische bzw. kroatische Autobahnnetz.

BraS
02.02.2010 17:14

das ist eine oft und gern verwendete Taktik, lokale Lösungen zu verhindern und verschleppen, um dem Volk ein unnötige Großprojekt reinzudrücken.

di`Luca
02.02.2010 09:02

anfang der 40er jahren gings sogar noch schneller

Tadej Brezina
01.02.2010 17:16

Wieder Milliarden in der fruchtbaren Weinviertler Erde vergraben, die uns noch abgehen werden, wenn Öl für's verbrennen zu kostbar werden wird und alternative Mobilitätsenergien zwecks mangelnder Enrrgiedichte zu mehr Personen pro Fahrzeug und somit zu weniger Fahrzeugen auf den Straßen führen werden.
Schau ma mal wieviel an Geld fehlen wird, um in NÖ die neulich paktierten Regionalbahnübernahmen aufrecht zu erhalten oder gar zu attraktivieren.

jake & elwood
01.02.2010 17:40

Sie wissen aber schon, dass die "Regionalbahnen", die da uebernommen werden zum Teil nur mehr im Grundbuch existieren und seit 25 Jahren stillgelegt sind?

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