Buchinger

"Arbeitslosigkeit wird 2011 noch nicht sinken"

Günther Oswald, 31. Jänner 2010, 19:01
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    foto: standard/urban

    Herbert Buchinger: "Die meisten Österreicher sind so realistisch, dass sie sagen: Die Krot müssen wir jetzt schlucken."

Mit der Öffnung des Arbeitsmarktes 2011 werden 25.000 zusätzliche Arbeitskräfte kommen, erwartet AMS-Chef Herbert Buchinger

Mit der Öffnung des Arbeitsmarktes 2011 werden 25.000 zusätzliche Arbeitskräfte kommen, erwartet AMS-Chef Herbert Buchinger. Lohndumping sei trotzdem keine große Gefahr, sagte er Günther Oswald.

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STANDARD: Ab Mai 2011 haben die neuen EU-Mitglieder im Osten freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Mit welchen Folgen rechnen Sie?

Buchinger: 2009 ist die Nachfrage nach Arbeitskräften wegen des Konjunktureinbruchs ins Stocken geraten, 2010 wird es nicht viel besser werden. 2011 wird das Wirtschaftswachstum zwar voraussichtlich wieder bei zwei Prozent liegen, was normalerweise reicht, um Arbeitslosigkeit abzubauen. Wegen der Ostöffnung rechnen wir aber mit einer leichten Angebotswelle. Darum glauben wir nicht, dass die Arbeitslosigkeit schon 2011 sinken wird.

STANDARD: Wie viele Arbeitskräfte aus dem Osten erwarten Sie?

Buchinger: Gut 25.000 für die Jahre 2011 und 2012.

STANDARD: Erwarten Sie öffentlichen Protest, weil es bereits viele Arbeitslose bei uns gibt und jetzt neue Ost-Arbeitskräfte kommen?

Buchinger: Vielleicht gibt es da und dort Zähneknirschen. Aber die meisten Österreicher sind so realistisch, dass sie sagen: Die Krot müssen wir jetzt schlucken. Wir könnten dem nur bei einem Notstand entgehen. Den haben wir aber Gott sei Dank nicht. Die andere Möglichkeit wäre noch absurder: Austritt aus der EU.

STANDARD: Hat die Mobilität der Menschen in den neuen EU-Ländern durch die Krise zugenommen?

Buchinger: Eher im Gegenteil, niemand geht auf gut Glück in ein anderes Land. Und in den westlichen Ländern wurde zuletzt nicht um Arbeitskräfte geworben.

STANDARD: Müssten wir noch gezielter um qualifizierte Arbeitskräfte werben? Als Vorbild wird immer wieder Kanada genannt.

Buchinger: Wir sind nicht mit Kanada vergleichbar. Wenn man dort arbeiten will, muss man mit Sack und Pack hinfliegen. Wenn jemand, der in Bratislava wohnt, hier arbeiten will, setzt er sich ins Auto und fährt abends heim.

STANDARD: Also ist Kanada doch nicht das große Vorbild?

Buchinger: Bei uns stehen Flüchtlinge, Schlüsselkräfte und Familiennachzug im Fokus der Ausländerdebatte. Diese Gruppen machen nicht einmal ein Viertel aus. Die meisten Ausländer, die zu uns kommen, werden vom Arbeitsmarkt gesteuert: Wo es hier einen Arbeitgeber gibt, der keine inländische Arbeitskraft findet.

STANDARD: Aus welchen Ländern kommen künftig Zuwanderer?

Buchinger: Der Zuzug aus klassischen Herkunftsländern wie Ex-Jugoslawien oder Türkei nimmt ab. Es steigt der Zuzug aus EU-Ländern, der höchste Zuzug kommt aus Deutschland. Das ist sozial verträgliche Zuwanderung, die ökonomischen Nutzen stiftet und kaum etwas kostet. Das gilt auch für die neuen EU-Mitglieder.

STANDARD: Erwarten Sie Druck auf die heimischen Löhne?

Buchinger: Auf die Grundlöhne kaum, auf Nebenbedingungen schon. Etwa sind ausländische Arbeitskräfte eher bereit, auf Überstundengeld zu verzichten.

STANDARD: Wo muss sich die Politik noch vorbereiten?

Buchinger: Man wird die Kontrollen bei Schwarzarbeit verschärfen müssen. Das wichtigste Mittel gegen Schwarzarbeit wäre jedoch ein Verbandsklagerecht für die Interessenvertretungen, damit nicht der Einzelne zum Gericht gehen muss.

STANDARD: Das AMS beklagt die mangelnde Mobilität von Arbeitslosen. Für den Tourismus wurden Programme entwickelt. Zufrieden?

Buchinger: Weitgehend ja. Im Tourismus haben wir fast 13.000 Arbeitskräfte in ein anderes Bundesland vermittelt.

STANDARD: Sind Verschärfungen nötig, dass Arbeitslose noch weiter entfernte Jobs annehmen müssen?

Buchinger: Aus unserer Sicht reichen die Mobilitätsbestimmungen aus. Schwierigkeiten haben wir allenfalls bei Teilzeitarbeitskräften. Bei Vollzeitjobs gilt eine Stunde Anfahrtszeit als zumutbar. Bei Teilzeitjobs verringert sich das, hier könnte man sagen: Eine halbe Stunde ist auf alle Fälle zumutbar. Es ist kein gutes Signal zu sagen: Wenn du im Grätzel keinen Job findest, brauchst du nicht zu arbeiten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.2.2010)

Zur Person

Herbert Buchinger (53) ist seit 1994 AMS-Vorstandschef. Der Oberösterreicher ist Ex-Sozialminister Erwin Buchingers Bruder.

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Posting 1 bis 25 von 28
1 2
Überwachungskamera1
00
14.2.2010, 20:05
schlechte zahlen muß

buchinger kommentieren

ge...schöne zahlen locken kopf ans mikro

franz tabei
01
der chef vom ams muß wissen, daß es 10x mehr arbeitslose als gemeldete stellen gibt!!!

...und damit ist die ganze diskussion nichts als irreführung und verschleierung - möglicherweise selbsttäuschung.

ein angestellter - der noch dazu den job freiwillig übernommen hat - soll aber seine chefs, die staatsbürgerInnen NICHT täuschen!!!
---wann wird das endlich abgestellt? wenn sich die beamten übernommen haben mit ihrer arbeit, dann sollen sie bitteschön in arbeitslose gehen, oder was anderes suchen.

Pete AMBER
20
Das ist klar, denn ab September kostet jeder Dienstnehmer den Dienstnehmer nämlich mindestens € 17.000 pro Jahr.

Das ergibt nämlich den monatlichen Nettobetrag, der der Mindest-/Grundsicherung entspricht. Daher wird keiner mehr für weniger arbeiten und daher haben werden wir noch mehr Arbeitslose haben. Denn 90% der Jobs sind (noch) in den KMU. Und die können sich das schlicht nicht leisten. Mit allen den für die betroffenen Arbeitslosen und Unternehmer verheerenden persönlichen und nationalökonomischen Folgen.

Happels Erben
10
Kann mir nicht ernsthaft vorstellen

wo diese Arbeitskräfte unterkommen sollen. Um hier eine halbwegs qualifzierte Arbeit zu bekommen, muss man Deutsch können. Die Hilfsarbeiterjobs sind ja eh schon durch Migranten oder Leute mit Migrantenhintergrund zum Großteil besetzt. Es wird sicher einige qualifzierte Leute aus dem Osten geben, aber die große Schwemme wird es kaum sein.

Aber dann kann der Herr Buchinger ja wenigstens Ausreden präsentieren warum soviele Arbeitslos sind und muss nicht erklären, warum die Hanseln in seiner Behörde nicht fähig sind, punktgenau zu vermitteln.

leser 4712
00
für harz4-empfänger

ist österreich ein sich lohnender arbeitsplatz!

beim Heurigen
00
Gute Einschätzung Herr Buchinger !!! Toll !!


Artikel im Standard vor 5 Monaten

Diesen Winter sind wir weit von den 500.000 entfernt. Wir werden sogar - wenn wir die Schulungsteilnehmer nicht hinzurechnen - deutlich unter den 400.000 bleiben. .

SPÖ - Am Abgrund
110
Seht Sie Euch an. Die asozialen Sozibonzen

Die Krot ist zu schlucken. Soviel zur Arbeiterverräterpartei SP. Jagt sie davon !

supidupi
10
10 Stricherl tät i da geben

wenns ginge weil treffender kann mans nicht bezeichnen.

Veles
02
Wenn jemand aus Bratislava bei uns arbeiten will......

(zb Bauarbeiter) wohnt er die ganze Woche in Firmenquartieren(in denen damals Burgenländer od Steirer wohnten) und fährt am Wochenende heim nicht jeden Tag.Für wie blöd hält der die Leute?
Zu behaupten Lohndumping wäre kein Problem ist schlicht u einfach eine Frechheit.

randolf
01
Ja ja

„Herbert Buchinger (53) ist seit 1994 AMS-Vorstandschef. Der Oberösterreicher ist Ex-Sozialminister Erwin Buchingers Bruder.“ Jetzt wissen wir, welche Kompetenzen der gute Mann vor zu weisen hat, denn wenn jemand von „keine Gefahr von Lohndumping“ und „sie sind eher bereit auf Überstunden Entgelt zu verzichten“ im gleichen Absatz redet muss man ihm seine Zurechnungsfähigkeit absprechen. Gut dass so Kompetente Leute die Zügeln in der Hand haben und nicht irgendwelche Freunderl auf die Posten geschachert wurden. Dass die Arbeitslosen zahlen sinken werden bleicht nicht zu hoffen. Nie wieder, denn wenn etwas begrenzt ist, kann es nicht unendlich wachsen…

desillusionierend
01
schafmeister
02

Arbeitslosigkeit steigt und die Inflation auf 12%.

Marquis de Sade
 
00

Wenn man sich an die Wirtschaftsprognosen 2008 für 2009 erinnert (aus oh Gott, die Welt geht unter wurde ein naja, doch viel besser als gedacht) und sich das 2010 vermutlich so fortsetzt, müßte auch 2011 die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Die hinkt zwar immer hinterher aber es wäre ja sonst die erste richtige Prognose!

Man bedenke 2007 und 2008... da lauteten die Prognosen zumindest bis Sommer 2008 auch "klar, windstill, bis zu 32° C" und es zeichneten sich überm Nachbarshügel schon schlimmste Gewitterwolken ab.

Walter Bimini
00
wegen der wirtschaftskrise geht die welt sicher nicht unter. in all den vielen schweren wirtschaftskrisen bisher ist die welt nicht untergegangen.

aber wirtschaftlich wird es weiter nach unten gehen. es war übrigens wirklich schon sehr knapp am zusammenbruch. es liegt wohl daran, daß die politiker und zentralbanker solcher wichtigtuer sind. aber von zeit zu zeit erzählen sie immer wieder einmal wie knapp das system schon am zusammenbrechen war, obwohl es der üblichen beruhigungspropaganda den wind aus den segeln nimmt.
die nächsten bankenkrisen stehen uns bald wieder bevor. denn in den usa bricht gerade der commercial realestate markt ein und gleichzeitig kommt die nächsten welle mit residential realestate defaults.
in den usa beginnt man mittlerweile sogar schon polizisten, lehrer, feuerwehrleute und andere bürokraten zu entlassen.
und danach kommen die staatsbankrotte.

roßmann
010

was wurde eigentlich aus den verschwundenen AMS-Millionen in der Bundesbuchhaltungsaffäre? sind die wieder aufgetaucht? war am Ende jemand schuldig?

Michael B
05
Vermutlich hat die Staatsamwaltschaft den Akt "verlegt".

und wird ihn zufällig in 4-5 Jahren wieder "finden".
Wenn die Sache dann zufällig knapp verjährt ist.
Und Buchinger in der "wohlverdienten" Pension...

roßmann
03

aber ernsthaft: ist das nicht seltsam, dass man davon ÜBERHAUPT nichts mehr hört? das ist ja keine kleine Sache, da gings um enorme Summen, brisante Verstrickungen...

Buchinger selbst war offiziell nicht beteiligt/beschuldigt - obwohl er hier im Forum mal auffallend unruhig wurde:
http://derstandard.at/123450706... te=2&sap=2

(zugehöriger Artikel leider gelöscht, aber das Kreuzverhör ist doch nach wie vor lesenswert...)

Ava Tar
00

die Staatsanwaltschaft verjährt das grad ;o)

sir osis of liver
 
02

ich hab so raunen gehört, die bandion-o sucht nach einem geeigneten lager für zu vergessende akten.
man hat ihr die lagerräume nächst der grippemasken angeboten, die sie aber ablehnen musste, weil der platz nicht ausreicht.
die kärnter blau-orangen-whatever haben angeboten, das fussballstadion von celovec zu überdachen, unter der bedingung, dass auch sämtliche hypoalpeadria akten dort verwahrt und ihrer verjährung entgegendämmern dürfen.

Walter Bimini
01
31.1.2010, 23:25
nach dem staatsbankrott werden sogar bürokraten wie jene vom ams nicht mehr benötigt werden.

Peter_23
02
31.1.2010, 22:07
Das Wort "noch" kann man aus der Überschrift streichen

Denn real weiss keiner wie diese Krise noch weitergehen wird. Und es weiss auch keiner wann und wie sie mal vorbei sein wird. So man das überhaupt an bestimmten Zeitpunkten aufhängen kann, denn das sind fliessende Übergänge.

Alles andere wie implizite Prognosen, dass 2012 die Arbeitslosigkeit doch zurück gehen wird, ist ohne jede Grundlagen und naiv bzw. dumm. Wenn man etwas nicht weiss bzw. vorhersagen kann, muss man sich das auch eingestehen können.

Gegenflieger
117
31.1.2010, 19:46

Okay,der Typ hat weniger Ahnung als von nichts.

1.Lohndumping ist sehr wohl eine gefahr

2.Das die Arbeitslosenzahlen überhaupt sinken davon wird er nur Träumen.


irgendein/e posterIn
 
01
zu punkt 1

er hat eh recht für ihn ist das lohndumping ja tatsächlich keine gefahr - so what?

Walter Bimini
07
31.1.2010, 23:23
das ist ein politscher posten, die übliche österreichische korruption eben.

Keyser
06
31.1.2010, 21:22

Lohndumping ist eine Gefahr - die aber NICHT von Ausländern ausgeht. Aber es passt gut in die Debatte - die Ausländer leben auf unsere Kosten, und sorgen dafür, dass die Reallöhne fallen. (Was natürlich totaler unsinn ist...)

Die Ausländer arbeiten zwar für einen geringeren Lohn, eigentlich zu beinah jedem Lohn, aber die Gehälter legen immernoch die Unternehmen fest, die die Ausländer anstellen.

Und die Unternehmen sind es letztlich auch, die Lohndumping vorantreiben. Da mischt sich die Politik nicht ein - tunlichst vermieden wird - diese Tatsache überhaupt zu erwähnen. Es scheint, als müsste es so sein, damit einige wenige an den billigen Lohnsklaven noch mehr verdienen.

Damit sollte er sich mal befassen - der gutste.

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