Mailath: Protestnote gegen Kunstforum-Schließung

31. Jänner 2010 17:59

Programm lediglich bis zum Jahresende gesichert

Wien - Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Bürgermeister Michael Häupl haben eine Protestnote an die Bank Austria und die UniCredit gegen die - laut Magazin Profil - "zu befürchtende Schließung" des Kunstforums gesandt. Das Gebäude an der Freyung, in dem das Kunstforum untergebracht ist, wurde, wie berichtet, an die Signa Holding von René Benko verkauft. Das Programm, bis in den Sommer 2012 erstellt, ist lediglich bis zum Jahresende gesichert, so Direktorin Ingried Brugger. Am 9. Februar wird Augenschmaus eröffnet. Brugger gilt als eine Favoritin für die Leitung des Mumok. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 1. 2. 2010)

das poppende lottchen
31.01.2010 23:57
was in den nachwehen der krise zu erwarten (und zu erhoffen) ist:

die großen museen und sammlungen gewinnen an autorität zurück.
bloße ausstellungsflächen, auf denen sich kuratoren austoben, verlieren an bedeutung - in den mittelpunkt rückt wieder die kunst selbst, während die (selbst-)inszenierungen der kuratoren an relevanz verlieren.
die gehypte kunst der letzten jahre, die vor allem als geistig seichte wand- und wohnungsbehübschung von milliardären und investoren diente und teils superteures kunstgewerbe war, wird ob ihrer mangelnden kunstgeschichtlichen bedeutung zusehends als irrelevant enttarnt.
vor allem ist zu hoffen, dass die aufgeblasene, von ihrer eigenen bedeutung berauschte kuratorenprosa, die in katalogen abgedruckt und neben arbeiten "erklärend" hingeklebt wurde, endlich verschwindet.

Morpheus
05.02.2010 13:39

Lottchen, zwischendurch auch mal nachdenken! ;-)

Die freien Kuratoren und temporär bespielte Orte sind das einzige Gegenmittel gegen die Dominanz der alten, vernetzt und verhaberten Direktoren der großen Museen und Sammlungen, die sie verherrlichen.

Wo ich aber ganz bei ihnen bin ist "die aufgeblasene, von ihrer eigenen bedeutung berauschte kuratorenprosa". Eine sehr gelungene Fomulierung! Würde mir wünschen es gäbe hier irgendwo eine Rubrik, wo man die gekünstelsten, sinnleersten Formulierungen veröffentlichen könnte.

Wollkönigin
02.02.2010 13:37
Mit Verlaub,

viel mehr als Klischees bringen Sie zu diesem Thema auch nicht, obwohl Sie tendenziell recht haben. Leider kommt die gehypte und nicht weniger uninteressante Kunst mittlerweile aus China und Indien und das wird wohl noch lange so weitergehen.

wuzi buzi
31.01.2010 19:39
sorry, aber

in Wien gibt es viel zu viele Ausstellungen - und viel zu wenige Besucher. Dass der Kunst/Ausstellungsmarkt schrumpfen wird, war im Jahr 1 nach der Krise vorauszusehen. Es wird noch wenigerAusstellungen in Wien geben, die "Ausstellungsflächen" sind schon jetzt länger leer als bespielt.

Thomas Rothschild
 
31.01.2010 18:33
Da haben wir den Salat

Und dennoch werden uns die Herrschaften weiterhin den Vogel zeigen, wenn wir genau diese Entwicklung voraussagen, wo die öffentliche Hand die Kunstförderung an die Wirtschaft delegiert und auf Sponsoring setzt. Wenn Banken noch nicht einmal ihr eigenes Geschäft beherrschen - wie sollen sie den Künsten nützen?

KunstkommtvonKunst
31.01.2010 18:12

An Scheinheiligkeit nicht zu überbieten:

Zuerst verscherbelt die SP Wien die BA ans Ausland (damals HVB) und gibt damit die Möglichkeit der Einflussnahme ab, und dann beschwert sie sich, dass den (jetzt italienischen) Eigentümer eine Kunstinstitution in Wien wenig interessiert.

Michael B
01.02.2010 02:10
Aber von dem Geld für die Bank Austria (respektive den davon abgefallenen Prozenten)

haben Heerscharen von Parteisoldaten lang gelebt.
Und jetzt protestiert man halt ein bisserl.
Die SPÖ hat ja das Glück, daß das Wahlvolk mindestens so blöd (oder vergesslich) ist, wie es die SPÖ einschätzt.
Wer kann sich noch erinnern: "Internationale Beteiligung ist unbedingt notwendig, weil BA sonst ein Übernahmekandidat ist!"
"Internationale Beteiligung stärkt den österreichischen Einfluß auf den Hoffnungsmärkten in Osteuropa!"
Bla bla bla....

MondXicht
31.01.2010 19:15

In Wirklichkeit interessiert das die Herren natürlich einen Dreck. Aber Protestnoten austeilen, das ist unverbindlich und kommt immer gut.
Schade, dass die Wähler doch oft so ein schlechtes Gedächtnis besitzen und auf billige Witze mehr als nur einmal hereinfallen.

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