Im Nobel-Kindergarten lernt man Chinesisch und Karate

Birgit Baumann, 31. Jänner 2010 18:09
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    Foto: villa ritz

    Im Speisesaal können bereits neun Monate alte Kinder zu Klavierklängen tafeln. Im hauseigenen Schwimm-bad wird geplanscht: Die Villa Ritz hält, was ihr Name verspricht.

Deutschlands einziger "Nobel-Kindergarten" hat seinen Preis

Attacke! Voller Schwung wirft sich Robin* auf einen großen Polster. Dass er von königlichem Geblüt ist, sieht man sofort: Der Vierjährige trägt eine Krone aus knallbuntem Papier. Etwas später, beim Vollwert-Mittagessen, ist dann auch das Ambiente angemessen. Robin und seine Freunde speisen in einem wunderschönen Saal der klassizistischen Villa. Manchmal erklingt vom Flügel in der Ecke Musik.

"Villa Ritz" heißt jener Kindergarten in Potsdam, dem seit seiner Gründung im Jahr 2006 vor allem ein Attribut anhaftet: "Luxus-Kindergarten" . Sagenhafte Geschichten machen die Runde: Die Kinder der Reichen und Schönen, unweit von Berlin, werden mit dem Butler zur Betreuung gefahren und müssen sämtliche Benimmregeln nach Knigge schon beherrschen, bevor sie mit ihrem Fahrrad ohne Stützräder klarkommen.

"Das ist wirklich Unsinn. Bei uns gibt es weder Leibwächter, noch wird den Kindern Benehmen eingetrichtert", sagt Christina Viering, die Leiterin des privaten Kindergartens, "wir wollen einfach die frühkindliche Bildung bestmöglich fördern." Dazu hat man sich einiges einfallen lassen, etwa einen Betreuungsschlüssel, der sich deutlich von städtischen Kindergärten unterscheidet.

Dort nämlich kümmert sich im Schnitt eine Pädagogin um 13 Kinder. In der Villa Ritz kommt auf sieben Kinder eine Betreuungsperson. Und dann gibt es allerlei Annehmlichkeiten, die Kindern wie Eltern gleichermaßen zugute kommen: Geigenunterricht wird angeboten, Chinesisch spielerisch erlernt, Karate und Physik gehören auch zum Programm.

"Hier bei uns haben Eltern das gleich alles in einer Hand und müssen die Aktivitäten am Nachmittag nicht noch zusätzlich organisieren" , sagt Viering. Ab der neunten Woche werden Kinder betreut, geöffnet ist von sieben bis 18 Uhr, Ferienzeiten gibt es nicht. Und, ja, sicher, Kinder können auch abgeholt werden. Aber in einem normalen Shuttle-Bus, nicht in der Limousine. Dennoch: Derlei Angebot hat seinen Preis. Je nach "Stundenplan" und Einkommen müssen Eltern 800 bis 1000 Euro monatlich für den Aufenthalt des Nachwuchses in der gemütlichen und bunten Villa hinblättern. "Das ist viel Geld", weiß auch Viering.

Elisabeth* bezahlt die Summe trotzdem gerne. "Nirgendwo sonst habe ich eine derart flexible und auf die Kinder abgestimmte Betreuung" , sagt die Steuerberaterin. Sie steht in Socken auf dem Gang und linst immer wieder nervös in die Gruppe für die Kleinen. Ihre einjährige Tochter wird gerade eingewöhnt. Das Mädchen ist unruhig, die Kindergärtnerin jedoch die Ausgeglichenheit in Person.

Am Schluss würde man natürlich gerne wissen, welche "Promis" ihre Kinder hier betreuen lassen. Frau Viering lächelt diskret und entkräftet ein weiteres Vorurteil: "Nicht alle unserer Eltern sind reich. Die meisten kommen aus der Mittelschicht. Beide verdienen und finden es ganz normal, dass ein Gehalt zur Gänze für die Kinderbetreuung verwendet wird. (Birgit Baumann aus Potsdam/DER STANDARD, Printausgabe, 01.02.2010)

*Name geändert

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immofuchs
30.03.2010 12:12
Superschwammi!

"Ganz normal, dass ein Gehalt für die Kindererziehung aufgeht" - und das zweite für die Miete, sofern man nicht ohnedies alleine erzieht.
Warum kann ein Redakteur nicht ein bisschen kritisch hinterfragen? zB:Ist die Betreuung wirklich sinnvoll (chinesisch mit 12 Wochen, Essen im Prunksaal) und werden die sinnvollen Dinge (Vollwertessen, sinnvolle frühkindliche Förderung, organisierte Nami Aktivitäten..) nicht auch anderswo billiger angeboten.
Aber das wäre dann Infoqualität und nicht nur Meinungsmache nach dem Motto:"Gratiskindergarten ist Mist, gute Betreuung erst ab EUR 1.000"

lizz polzer
15.02.2010 19:58

Ich finde es nicht richtig, dass Kinder in diesem Alter schon so beansprucht werden. Man sollt sie ihre Kindheit richtig ausleben lassen. Was ist das denn für Kind das schon Chinesisch oder Karate kann?? Ich kann die eltern nicht verstehen die ihren Kinder so etwas antuen. Auch wenn ihnen dadurch viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen ist es für ein Kind sicher besser wenn es eine normale Kindheit hat.

Coconana
14.02.2010 19:13

Man sollte Kinder nicht schon mit vier Jahren mit solchen Aufgaben belassten sondern ihnen spielend wichtiges erklären und beibringen. Ebenfalls finde ich die Preise übertrieben. 4 jährige Kinder sollten auch mehr zeit zu Hause verbringen als im Kindergarten.

loco13
14.02.2010 17:14
Wie schlimm ist das den !?

BastiGross
04.02.2010 16:29
Hauptsache die

lieben Kleinen können Chinesisch! Sollen sie einmal richtig Deutsch lernen. Das bringt ihnen wesentlich mehr (es sei denn ihre Eltern planen für sie schon mit 2-3 Jahren eine China-Karriere). Was soll diese frühkindliche Selektion?

BK W. Shoyssel
01.02.2010 18:09
Frau Baumann wird immer besser

das nächste Mal schafft sie es vielleicht sogar noch, zu recherchieren. Z.B. was im Ritz die Kindergärtnerinnen so verdienen.

Quim Barreiros
01.02.2010 13:39
Hab grad den Web-Auftritt angeschaut

und das Logo dieses Kindergartens erinnert an das Wappen der VR China.

Lukas Chen
02.02.2010 15:35
Es ist ja dem Wappen VR Chinas Aehnlich

Nur anstatt das Himmlische-Ruhe-Tor (Ten An Men) wird es von einem deutschen Schulgebaeude ersetzt.

Geraldines_Tante
01.02.2010 23:05

überhaupt nicht wahr!

Das Wappen von Rotchina schmücken 5 gelbe Sterne auf rotem Feld.

Das Ritzwappen nur 4 weiße Sterne auf rotem Feld.

Das kreisrunde Wappen von Rotchina ist von einem Ährenkranz umrahmt, in der Mitte ein Zahnrad.

Das kreisrunde Ritzwappen ist von einem chinesischen Ethno-ornament umrahmt, in der Mitte ein Spruchband "Hortus Liberorum" (also: "Parkanlage der Ausschweifenden")

BK W. Shoyssel
01.02.2010 22:24

das IST das Wappen der VR-China. Nur auf Nordeutsch übersetzt.

http://www.villa-ritz.de/konzept_p... gogik.html

Und das Pädagogikkonzept ist, naja, ein bisserl simpel. Da schreiben die Bakip-Schülerinnen schon im 2. Jahr schönere Konzepte.

dísa
01.02.2010 13:24
Soooo toll?

hmmm... in unserem Kindergarten geht es ziemlich ähnlich zu mit nur 6 Kindern pro Betreuer und ich zahle nur € 150. Nur ist der Kiga halt nicht in Deutschland sondern in Skandinavien.

Jim Kirk
01.02.2010 14:12

Ist aber bedenklich wenn sie nicht wissen in welchem land ihr kind in den kindergarten geht oder schreibens statt österreich auch mitteleuropa?

kerling
04.02.2010 13:58
also, dísa...

Mein Kind geht in einen Kindergarten im hohen Norden, wo genau geht niemanden etwas an. Es ist aber allgemein bekannt, dass das Bildungssystem in Nordeuropa anders organisiert ist.

Gerhard Eigner
01.02.2010 12:18
mandarin, wann dann.

liegt auch voll im trend.


suche dringend einen kindergarten wo nahuatl gesprochen wird.

Andrew Jones
01.02.2010 12:14
Karate - kommt aus Japan, Chinesich - aus China.

Penne all'arrabbiata1
01.02.2010 05:14
In Wien gibt es ein vergleichbares Angebot in (zumindest einigen) städtischen Kindergärten

Wir hatten unsere Kinder ab dem Alter von einem Jahr im Montessori Kindergarten am Rudolfsplatz. Tolle Anlage, offen zum abgetrennten Teil des Parks und perfekte Betreuung. Die sind auch ganzjährig und ganztägig offen. Gefehlt hat nur der Chinesisch Unterricht.

A. N. O'Nymus
 
01.02.2010 03:52
Wie üblich...

Daran zeigt sich, wie sehr der Bereich der Bildung (zu dem zweifellos auch Kindergärten gehören) schon zu einem Zweiklassensystem degeneriert ist. Was hier vorgestellt wird, ist nichts anderes als Privatisierung durch die Hintertür. Weil die staatlichen Kindergärten ein geradezu erbärmliches Bild abgeben (überforderte, chronisch unterbezahlte PädagogInnen - zur Situation in Österreich siehe auch: http://www.kindergartenaufstand.at), müssen Private in die Bresche springen - freilich nur für diejenigen, die es sich auch leisten können.

Wer es sich nicht leisten kann, bleibt eben auf der Strecke: Lang lebe der Kapitalismus!

pinky21
05.02.2010 12:17

das zweiklassensystem hats schon immer gegeben. wer geld hatte, hat sein geld immer in eliteschulen oder unis geschickt. also ned weinen, gell. hat nix mit kapitalismus zu tun.

Jim Kirk
01.02.2010 10:58

Das hat nichts mit kaptitalismus zu tun, private bildungseinrichtungen gibts in jedem wirtschaftsystem.

a ad - das kann man auch anders sehen
31.01.2010 20:16

Wunderbarer Text. Jetzt nur noch "bezahlte Anzeige" dazu und das Teil kann ab in den Druck!

Ava Tar
01.02.2010 02:24

Ja doch. Viele österreichische Kinder werden nun in Potsdam in den Kindergarten gehen.

Fisch^^Fisch
31.01.2010 21:57

Ich sehe es schon vor mir wie in den nächsten Wochen von Feldkirch bis Deutsch Jahrndorf Eltern ihre Kinder um Mitternacht in Shuttle-Busse packen um sie 8 Stunden lang zum Elitekindergarten fahren zu lassen.

Volksfront von Judäa
01.02.2010 11:40
In diesen Kreisen wird doch bitte der Privatjet angeworfen... ;-)

Pannonia Jack
31.01.2010 20:57

Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung ist so was von "Old School"!

Round'n'round it goes
31.01.2010 23:31

Ach bitte... Die Leserschaft des Standard ist wohl nicht die Zielgruppe dieses Potsdamer Kindergartens. Nicht alles, worüber geschrieben wird, ist Werbung. Oder ist ein Artikel über Obama Werbung? Ist ein Artikel über Faymann Werbung? Ist eine Theaterkritik Werbung? Ist der Spielbericht eines Fußballspiels Werbung?

Es ist lächerlich, bei jedem auch nur irgendwie positiven Artikel sofort "Werbung!" zu rufen. Niemand wird wegen dieses Artikels sofort nach Potsdam ziehen um seinen Sprössling dort in den Kindergarten zu schicken, oder?

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