Nachlese

Missbrauchs-Skandal an Berliner Elitegymnasium weitet sich aus

01. Februar 2010 22:26
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    Foto: apn/knosowski

    Am Elitegymnasium Canisius-Kolleg wusste die Ordensleitung angeblich schon seit 1991 von den Missbräuchen.

Ordenschef entschuldigte sich bei Opfern - Ordensführung und Vatikan angeblich schon vor Jahren informiert

Berlin - Der Missbrauchs-Skandal am Berliner Elitegymnasium Canisius-Kolleg ist weitaus größer als bisher angenommen. Während die Berliner Justizbehörden bisher von sieben sexuell missbrauchten Buben ausgingen, meldeten sich übers Wochenende Medienberichten zufolge mehr als 20 Opfer. Zudem war die Ordensleitung offenbar seit 1991 über die Vorfälle informiert. Einer der beiden beschuldigten Lehrer gab die Taten inzwischen zu. In einem anderen Fall räumte das Erzbistum Berlin Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen Priester ein. Es habe auch Fälle in Hamburg, St. Blasien, Göttingen, Hildesheim, Chile und Spanien gegeben. Das sagte der Ordenschef in Deutschland, Provinzial Stefan Dartmann, am Montag. Zugleich entschuldigte er sich bei Opfern, Lehrern und Eltern für das jahrelange Schweigen. "Ich bitte um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals an notwendigem und genauen Hinschauen und angemessenem Reagieren unterlassen wurde."

An dem Berliner Gymnasium wurden von 1975 bis 1983 mindestens 22 Kinder und Jugendliche missbraucht. Täter waren nach Angaben des Ordens zwei Patres, die als Lehrer arbeiteten. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft die Missbrauchsfälle. "Es spricht aber vieles dafür, dass die Taten verjährt sind", sagte Behördensprecher Martin Steltner. Das betreffe auch etwaige Vorwürfe an den Jesuiten-Orden wie Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung. 

Dartmann schloss nicht aus, dass noch weitere Missbrauchsfälle bekanntwerden. "Ich bin sicher, wenn Sie nur weit genug zurückgehen in den Akten, würden Sie etwas finden." Der Ordenschef und Canisius-Rektor Klaus Mertes kritisierten den rein internen Umgang des Ordens mit den Fällen. Heute würde er auch Polizei und Staatsanwaltschaft informieren, sagte Dartmann. Damals zeigten weder die Jesuiten noch der Vatikan die Täter an. Sie wurden nach den Vorwürfen meist nur an andere Orte versetzt.

Sportlehrer

Laut "Spiegel" handelt es sich bei einem der mutmaßlichen Täter am Canisius-Kolleg um den früheren Sportlehrer und Jesuitenpater Wolfgang S., der die Missbrauchsvorwürfe bereits einräumte. Der Mann trat demnach 1992 aus dem Orden aus. Zuvor soll er laut "Spiegel" auch an anderen Jesuitenschulen in Deutschland Buben missbraucht haben. Wolfgang S. arbeitete als Deutsch-, Religions- und Sportlehrer von 1975 bis 1984 an Jesuiten-Schulen in Berlin, Hamburg und St. Blasien im Schwarzwald. Danach ging er für den Orden nach Spanien und Chile.

1991 gestand er der Kirchenleitung seine Taten gegen "Zusicherung der Diskretion", weil er aus dem Orden ausscheiden wollte. Laut diesem Geständnis kam es auch zu Missbrauchsfällen in Hamburg und St. Blasien. Dartmann sagte zudem: "Es gibt klare Hinweise in den Akten, dass er bis 1990 auch in Chile und Spanien übergriffig geworden ist." Es habe sich um "exzessive körperliche Bestrafungsrituale" gehandelt.

Stefan Dartmann bestätigte auch im "Spiegel", dass der Orden 1991 Kenntnis von den Straftaten hatte. Man habe jetzt eine Anwältin mit einer Prüfung der Akten beauftragt, "um festzustellen, was genau die Jesuiten damals wussten und welche Konsequenzen erfolgten". Auch der Vatikan war über die Verfehlungen im Bilde, wie der "Spiegel" weiter berichtet. Lehrer S. habe dort "Zeugnis von meiner nichts beschönigenden Ehrlichkeit" abgelegt.

Mehrere Schüler meldeten sich bereits

Bei dem zweiten Beschuldigten handelt es sich laut "Spiegel" um den 69-jährigen ehemaligen Religionslehrer Peter R. aus Berlin. Im Gegensatz zu S. habe dieser sämtliche Vorwürfe bestritten. Laut "Spiegel" meldeten sich bereits rund 20 ehemalige Schüler, die von sexuellen Übergriffen berichteten. Der "Tagesspiegel am Sonntag" meldete gar 22 Opfer.

Peter R., arbeitete von 1972 bis 1981 als Religionslehrer und Jugendseelsorger an dem Berliner Gymnasium, später in Göttingen in der Jugendarbeit, als Seelsorger in Hildesheim (beides Niedersachsen) und beim dortigen Bischof. "Wann der Missbrauch anfing, wissen wir nicht", sagte Dartmann. 1981 suchten Berliner Schüler in einem offenen Brief an die Schule und die Kirche indirekt Hilfe und kritisierten besonders eine verfehlte Sexualpädagogik. Ende der 80er Jahre gab es laut Dartmann Hinweise auf zurückliegende Übergriffe auf Mädchen in Göttingen. Als er in Hildesheim arbeitete, beschwerte sich eine Mutter über die Belästigung ihrer Tochter.

Gymnasiumsrektor kritisiert Kirche

Der amtierende Rektor des Gymnasiums, Pater Klaus Mertes, kritisiert seine Kirche im "Tagesspiegel am Sonntag" scharf. "Homosexualität wird verschwiegen. Kleriker mit dieser Neigung sind unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert werden." Der Beauftragte der Bischofskonferenz bei der deutschen Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, lobte Mertes ausdrücklich dafür, "dass er sich offensiv um Aufklärung der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg bemüht und sogar riskiert, den Ruf des Gymnasiums zu beschädigen".

Das Erzbistum Berlin teilte mit, dass dem Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky Anfang Juli 2009 Beschuldigungen und Verdächtigungen gegen einen Priester vorgetragen worden seien. Diese bezögen sich auf das Jahr 2001. Dem Gemeindepfarrer seien daraufhin umgehend alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Jugendlichen untersagt worden. Das Verfahren sei in Rom anhängig und noch nicht abgeschlossen. Der Priester sei derzeit nicht seelsorgerisch tätig. Das Opfer wurde demnach aufgefordert, die Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Weitere Opfer wurden gebeten, sich zu melden.

"Das, was viele befürchtet haben, hat sich bewahrheitet", sagte der Hamburger Bistums-Sprecher Manfred Nielen am Montag. Dort hätten sich zwei ehemalige Schüler der Sankt-Ansgar-Schule gemeldet, die Opfer des Jesuitenpaters wurden. Schüler des Kollegs in St. Blasien wurden am Montag auf einer kurzfristig einberufenen Schülerversammlung über die Vorgänge informiert.

Untersuchungsbericht

Bis Mitte Februar soll ein Untersuchungsbericht erstellt werden. Der Jesuitenorden beauftragte Ursula Raue, lange Jahre Vorsitzende der Kinderschutzorganisation "Innocence in Danger" (Unschuld in Gefahr), mit Ermittlungen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte ihre Prüfungen selbst eingeleitet. Strafanzeigen habe es nicht gegeben, sagte Steltner. Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann forderte in der "Welt" (Dienstag), die Verjährungsfrist für Sexualdelikte an Kindern zu verlängern. (APA/apn)

Kommentar posten
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Martina77
02.02.2010 17:42
Windischgarstner Pfarrer

Und was sagt da der Pfarrer aus Windischgarsten dazu?

di`Luca
02.02.2010 15:55
selbst schuld liebe kirche!

hättest vor lauter geldgier das zölibat nicht eingeführt, hätt mer nicht das schlamasel!

di`Luca
02.02.2010 15:53
das waren noch zeiten,

wie ich in den 90ern im internat bei den schulbrüdern in strebersdorf war!

bête noir
10.07.2010 17:55
Siehe bitte gleich unterhalb!

andresa1
10.03.2010 07:29
ich war

auch, allerdings in den 80er jahren in strebersdorf und zeuge von missbrauch. ich versuche soeben andere opfer und zeugen zu suchen und bitte sie um kontaktaufnahme falls sie dies wünschen. meine e.mail adresse: andreas_anders@gmx.net

johann potakowskyj
 
10.07.2010 21:12
na klar, jetzt werden sich die opfer melden

ein anonymer Forenschreiber mit einer anonymen gmx Mailadresse.

bête noir
10.07.2010 17:54
@ 'di`Luca' (wenn ich Sie nicht völlig falsch verstanden habe) und 'andresa1'

Sie sind beide sehr wichtige Auskunftspersonen und könnten Manuel N. und anderen Beschwerdeführern ungemein helfen.

Bitte Mut fassen und sich an die richtige Stelle (ob das die Klasnic-Kommission wäre?) melden!

Bona fides bitte irgendwie belegen und weitere ehemalige Schulkollegen zu Aussagen ermuntern.

Eure Heiligkeit
02.02.2010 14:22

Austreten aus dem Verein!

klingsor
02.02.2010 11:34

hab ich im benediktinerinternat kremsmünster auch erlebt. ist nett für pubertierende und gibt einem die rechte einstellung zu sex. ist natürlich verjährt, der täter ein geachteter mann und die therapie zahlst eh selbst. wird zensuriert, gell?

schreiberling3
18.02.2010 19:37

In diesem Internat gibt es nach wie vor einen Priester der den Schülern des Internates gerne beim Duschen zusieht!

Fred Fusel
02.02.2010 11:00
Ein Denkanstoß!


In den Mißbrauchsfällen innerhalb der Kirche bzw. deren Institutionen sind es eigentlich immer Männer die Knaben mißbrauchen!
Sowohl der Mißbraucher als auch der Mißbrauchte sind männlichen Geschlechts. Man könnte also zum dem Schluß kommen, daß es sich um Homosexualität mit päderastischen Ausprägungen handelt!

di`Luca
02.02.2010 15:54
ah geh

das hätt sich jetzt keiner gedacht!

Majestix
 
01.02.2010 22:00
2 "Vater unser" und alles ist wieder gut....

AllesWieImmer
01.02.2010 17:05
Lesetipp

Peter Wensierski, Schläge im Namen des Herrn. Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik, Goldmann 2007

wahre Lüge
 
01.02.2010 16:32
Wo ist die gute alte Köchin?

mitrovic dejan
01.02.2010 16:17
Wein trinken Wasser predigen.

Laut einige Obergescheiten in Katolischen Kirche ist Homosexualitet eine Krankheit die heilber ist.Ich warte noch immer das endlich Papa Ratzi par eigenen Pädophilen Priester zu Doktor schickt um das öffentlich nahzuweisen diese Diskriminirende Wunder Predigt an eigenen Kirchen Leib.

Nick Tameer
01.02.2010 23:57

Auf Heilbarkeit kann die Kirche verzchten, das ist irgendwie protestantisch. Eine Heilung des Patres, von was auch immer, hätte nur bedingt beseitigt. Der Pontifex kann aber einfach verkünden: U r gay? No probs, dös is koa Sünd, aber, liebe Mitbrüder, liebe Gläubige, nur von dieser dieser sakrischen Sexualität (soweit nicht im Rahmen der Ehe etc. etc.) lasst's ab. Gebt's halt a Ruh, auch wenn der Deifi noch so unbandig zwackt.

Du bist der Teufel
01.02.2010 16:09
"Der Abt, der Abt hat alle schon gehabt."

Nick Tameer
02.02.2010 00:02

Allerdings blieb der Kirche das Schlimmste, nämlich eine Abt-Reibung erspart. Aber bei den Jesuiten gibt es ohne hin nur den General-Angriff.

Lorelei Sonnenschein
01.02.2010 15:58
...katholische Kirche und Kindesmissbrauch...

...wie oft müssen wir noch, über solche grauslichen Geschichten lesen, bis die kath. Kirche endlich Ihren Kurs bzgl. Priester u. Sexualität ändert???

di`Luca
02.02.2010 15:57

zölibat abschaffen = problem gelöst

gucky
01.02.2010 17:08
Wird sie nicht

Die Kirche beherrscht - mit mehr oder minder großem Erfolg - nun schon seit 2000 Jahren die Menschen über ihren Sexualtrieb; ich glaub' nicht, dass die aus ihrer "Haut" kann.

säbTig
01.02.2010 18:09
noch nicht ganz so lange

Das Zöllibat ist erst später eingeführt worden, wo die Kirche mit unerträglich viel Unterhaltsverpflichtungen belastet wurde.

just my two cent
02.02.2010 14:26

Es geht hier eher darum, dass kein Kirchenbesitz an etwaige Nachkommen verbt werden soll, sondern nach dem Tod des Priesters wieder an die Kirche zurück fließt.

hanslblasta
17.07.2010 18:56
das ist die Vulgärerklärung

hier wirds ein bissl genauer dargestellt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Clun... che_Reform

und da noch genauer:

http://books.google.at/books?id=... &q&f=false

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