STANDARD-Interview

"Dann könnte man das Geld aufessen"

Verena Kainrath, 30. Jänner 2010, 16:56

Götz Werner hält nichts von Dividenden und Boni. Lieber kämpft der deutsche Milliardär für ein Grundeinkommen für alle

Götz Werner hält nichts von Dividenden und Boni. Lieber kämpft der Gründer der Drogeriekette DM und deutsche Milliardär für ein Grundeinkommen für alle. Warum er Arbeit für unterbezahlt hält, erzählte er Verena Kainrath.

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STANDARD: Sie gelten als Vordenker der Ethik in der Wirtschaft. Und Sie sind Milliardär. Ethik und Profit - wie passt das zusammen?

Werner: Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Entscheidend ist, was macht man mit dem Vermögen? Mein Geld liegt im Unternehmen. DM konnte stark wachsen, weil ich das Kapital im Unternehmen gelassen habe. Ich besitze keine Aktien, Immobilien oder Ferienwohnungen in den Alpen.

STANDARD: Sind Sie nie der Versuchung der Spekulation erlegen?

Werner: Nein. Aber nicht jede Spekulation ist unethisch. Die Frage ist auch hier: Was bewirke ich mit meiner Handlung? Fördere ich andere damit, oder behindere ich sie?

STANDARD: Haben Sie sich oder Ihren Managern je Boni gegönnt?

Werner: Noch nie. Was will ich damit erzielen? Durch sie bringt einer eine Leistung nur für sich. Viele Handelsketten etwa gingen an schlechten teuren Standorten zugrunde. Das liegt an jenen, die für ihre Akquisitionen Boni bekamen. Ich sage, es gibt keine Filiale, die ich unbedingt haben muss.

STANDARD: In der Praxis ist im Handel für Ethik kein Platz. Der Druck ist enorm, Einkommen sind gering, Überstunden vermehrt unbezahlt.

Werner: Es ist falsch, was hier passiert. Der Hang dazu rührt daher, dass die Einkommen der Mitarbeiter oft als variable Kostengröße gesehen werden. Sinkt der Umsatz, spart man bei ihnen, bedroht sie. Unter Druck erreicht man jedoch keine Initiative. Was unsere Läden charmant macht, das ist die Sache der Mitarbeiter. Wir müssen dafür sorgen, dass sie unbedroht arbeiten können. Der Mensch ist nicht für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für den Menschen.

STANDARD: Ihr Rivale Schlecker lebt hier anderes vor, nicht ohne Erfolg.

Werner: Es führen viele Wege nach oben. Welcher ist der nachhaltigere? Die Krone hat andere Leser als der STANDARD, DM hat andere Kunden und Mitarbeiter als Schlecker.

STANDARD: Sie treten für ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1500 Euro ein. Wenn Einkommen von Arbeit entkoppelt ist: Wer will dann noch für 900 Euro Windeln, Zahnpasta und Müsli verkaufen?

Werner: Wir sind darauf angewiesen, dass andere etwas für uns tun. Und dafür muss man eben attraktive Arbeitsplätze stiften. Die Arbeit wird derzeit nicht genügend bezahlt. Es ist im Übrigen eine Frage des Menschenbildes: Weckt das Grundeinkommen mehr Initiative oder unterbindet es diese? Dazu gibt es viele Untersuchungen.

STANDARD: Sie würden Arbeit steuerlich entlasten und im Gegenzug die Mehrwertsteuer auf 50 Prozent erhöhen. Das nützt Gutverdienern.

Werner: Die Preise würden damit nicht steigen. Menschliche Arbeit wird bei uns heute steuerlich diskriminiert, Maschinenarbeit und Importe werden hingegen subventioniert. Mit Konsumsteuern würde man beides gleich behandeln.

STANDARD: DM ist trotz Krise kräftig gewachsen. Die Umsatzrendite ist aber mit unter zwei Prozent geringer als bei anderen Handelsketten. Was, wenn das Geld ausgeht?

Werner: Unsere Rendite ist ausreichend. Die Erträge müssen so sein, dass sich mit ihnen die Zukunft bewältigen lässt. Mehr braucht es nicht. Man beteiligt sich nicht an Unternehmen wegen der Dividende, sondern damit es diese Firmen gibt. Und das ist Dividende genug. Geht es nur um sie, könnte man das Geld gleich aufessen. Es ist wie beim Atmen: Entnehme ich zu viel Gewinn, wird mir schwindlig.

STANDARD: Dem Handel steht ein hartes Jahr bevor, auch DM?

Werner: Schwierig ist es immer. Die Märkte brechen immer an den Rändern ab, und die Schwächeren verlieren als Erste. Wir müssen darauf schauen, die Besten zu sein.

STANDARD: Sie werden als Guru bezeichnet, als Mutmacher und Menschenveredler. Sind Sie der Popstar unter den Unternehmern?

Werner: Ich drücke es schillerisch aus: Das, was man tut, soll man ästhetisieren. Erstens muss es notwendig sein und zweitens schön. Und es muss dem Ganzen dienen. Das gilt für alles im Leben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.1.2010)

Zur Person

Götz Werner (65) machte DM mit seinem antiautoritären Führungsstil groß. Heute setzt er in 2200 Filialen mit 33.600 Mitarbeitern in Europa fünf Mrd. Euro um. Der siebenfache Vater zog sich 2008 in den Aufsichtsrat zurück.

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derEismann
00

Mich würde interessieren, ob er auch seinen Mitarbeitern alle mindestens 1.500 Euro bezahlt.

Spielverderber1
00
31.1.2010, 18:44
Wo ist mein Posting?

Bitte nicht zensieren, das ist gegen den Geist des Internet.

fprands
01
31.1.2010, 12:56
Für jene, die keine Vorstellung vom bedingungslosen Grundeinkommen haben


http://nuoviso.tv/wirtschaf... ommen.html

Ansehen, nüchtern die Entwicklung der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes, der Umwelt, usw. der letzten 10, 20 Jahre betrachten, hochrechnen auf die nächsten 10, 20 Jahre und dann eine Meinung bilden.

Mr.Tsukagoshi
01
Danke für den fantastischen Link, fprands!

Es würde sich wirklich lohnen, hierfür zu kämpfen.

m_h
03
31.1.2010, 17:53

Ich nahm im letzten Quartal 1 kg zu. Im Quartal davor praktisch nichts (10^(-100) kg). Die Steierung entspricht einem Googol.
Man muss sich nur nüchtern die Entwicklung des letzten Semesters ansehen, hochrechnen auf das nächste Semester und wird wissen:
In kurzer Zeit wird die gesamte Masse des (beobachtbaren) Universums in meinem Körper gebunden sein.

Mein Ratschlag:
do panic

fprands
02
31.1.2010, 19:31

Einfach einmal die Branchenanalysen bei zB FTD nachlesen. Da werden wir in den produktiven Bereichen mittelfristig noch weiter Arbeitsplätze verlieren (Bsp. Maschinenbau -25% bis 2014).
Siemens exerziert es gerade wieder einmal vor, wo Arbeitskräfte abgebaut werden - in den, bis vor 2 Jahren boomenden Bereichen Antriebstechnik und Anlagenbau.
Einzig im Bereich Gesundheit/Bildung rechnet man mit Steigerungen von wenigen %.

Das hat mit Panik nichts zu tun, nur haben wir einen gewissen Sättigungsgrad erreicht.

Jeder der Kinder hat, sollte zumindest an deren Zukunft denken.

Dr. Wo
 
32
30.1.2010, 18:17
Das bedingungslose Grundeinkommen nach Götz Werner fördert den Meudalismus

Das bedingungslose, konsumsteuer-finanzierte Grundeinkommen, wie es u. a. Götz W. Werner mit viel finanzieller Macht voran treibt (s. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stun... e2005.htm, Rang 65), ist eine heimtückische Falle für unsere Volkswirtschaft. Es lockt die breite, seit Jahrzehnten der Armut verfallenden Bevölkerung wie der Gesang der Sirenen. In Wirklichkeit dient es der Festigung des modernen Feudalismus in Deutschland und fördert die weitere Vermögenskonzentration bei unseren zehntausend Meudalherren.

Mehr dazu unter http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/werner.htm

J.Iber
01
Die wirklich großen Einkommen...

...aus Kapitalgewinnen sind in Österreich praktisch Steuerfrei, daher würde das umlegen aller Steuern auf die Mehrwertsteuer nicht nur administrative Vorteile bringen sondern auch ein Mehr an Steuereinnahmen in Summe.
Des Weiteren ist nach Werner das Grundeinkommen, ein Einkommen für Jedermann, ein Mensch dem beim Arbeitseinkommen die Grundsicherung abgezogen wird, wird nicht arbeiten wollen.

mfg

clearlake
00
31.1.2010, 14:47
womöglich ist dieser das geringere übel...

eine rückkehr der zölle (die für einen fairen welthandel mit gleichen wettbewerbsbedingungen nötig sind) ist wohl nur über den umweg von verbrauchssteuern machbar.....

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