"Kaufhaus Tyrol"

Innenstadt-Flair beim zweiten Anlauf

Wojciech Czaja, 17. März 2010 12:41
  • Artikelbild
    vergrößern 800x500

    Kaufhaus Tyrol: Hauptmall mit Glasdach und Ausblick ins Freie.

  • Artikelbild
    vergrößern 800x532

    Innenstadtkompatible Architektur: Auslage über fünf Geschoße.

    (Visualisierungen: Dieter Mathoi Architekten)

Am 4. März wird in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße das Kaufhaus Tyrol eröffnet. Die frühzeitige Übergabe der Shopping-Flächen an die Mieter hat so manch baulogistischen Trick erfordert

Am 4. März wird in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße das Kaufhaus Tyrol eröffnet. Die frühzeitige Übergabe der Shopping-Flächen an die Mieter hat so manch baulogistischen Trick erfordert. 

***

Innsbruck - Das alte Kaufhaus Tyrol in der Maria-Theresien-Straße war ein Stückwerk aus acht Gebäudeparzellen. Die Kleinteiligkeit der Räume und die vielen Niveauunterschiede machten den Betrieb der Verkaufsflächen unwirtschaftlich. Als die Signa Holding im Jahr 2006 einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Areals ausschrieb, ging ein Raunen durch die Stadt. Der futuristische Entwurf des Wiener Architekturbüros BEHF gefiel den Innsbruckern nicht. Laut einer Umfrage äußerten sich zwei Drittel der Bevölkerung kritisch bis abfällig. René Benko, Geschäftsführer der Signa Holding GmbH, ging zurück an den Start und rollte den Wettbewerb neu auf.

Als Gewinner ging diesmal der Londoner Architekt David Chipperfield hervor. Der Rohbau des neuen Kaufhauses Tyrol ist längst abgeschlossen, am 4. März wird eröffnet. "Die größte Schwierigkeit bei einer solchen innerstädtischen Parzelle ist die Logistik", erklärt Axel Birnbaum, Projektleiter im Innsbrucker Partnerbüro Dieter Mathoi Architekten. Um die Anlieferung an der Rückseite des Hauses zu ermöglichen, musste im Erdgeschoß eigens eine Lkw-Drehbühne installiert werden. Die Baukosten für den 14 Meter breiten Drehteller belaufen sich auf 180.000 Euro. In Relation zu den Gesamtbaukosten - nach Auskunft der nunmehrigen Grundstückseigentümerin Maria-Theresien-Straße Grundverwertungs GmbH liegen diese bei 155 Millionen Euro - ist das ein vernachlässigbarer Faktor.

Rigorose Gestaltungsvorgaben

Die gestalterische Konsequenz von Chipperfield und Mathoi geht sehr weit: Um in der Mall einen bunten Schilderwald zu vermeiden, werden die Mieter gezwungen, sich an die Vorgaben der Architekten zu halten. Die Werbefläche ist damit auf einen rund 40 Zentimeter hohen Streifen aus bronzefarbenem Blech reduziert. Schriftzüge und Logos werden in Form von Ausstanzungen angebracht, Farbe ist gänzlich untersagt.

Die Reaktionen der Mieter seien durchwegs positiv, versichert Benko. "Aber ganz ehrlich, das liegt in diesem Fall weniger an der Architektur als am exklusiven Innenstadt-Flair." Wenn Image und Lage stimmen, könne man derartige Vorgaben ohne weiteres machen. In einem herkömmlichen EKZ auf der grünen Wiese mache man sich damit keine Freunde.

Damit bei der Eröffnung alle Geschäfte fertig sind, fällt die letzte Bauphase des Kaufhauses mit der Einrichtung der Shops zeitgleich zusammen. Noch bevor die letzten Fensteröffnungen verglast sind, müssen die Mietflächen zu den vertraglich festgehaltenen Bedingungen übergeben werden. Diese beinhalten nicht nur eine Innenraumtemperatur von 18 Grad, sondern auch eine Bauteiltemperatur von 12 Grad Celsius.

Diese Maßnahme soll eine spannungsfreie Verkleidung von Wänden und Böden ermöglichen - ein schwieriges Unterfangen im kältesten Winter seit zehn Jahren. Zwei Monate lang werden die Innenräume mit einer Kompressorpumpe angeheizt. Die dadurch entstandenen Heizkosten fallen zulasten der Mieter. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.1.2010)

Kommentar posten
16 Postings
heinz feichtinger
18.02.2010 21:11
Für die Restitution des neuen Kaufhauses Tyrol

Wenn schon die "Goldene Adele" von Klimt restituiert werden musste als Raubkunst, dann ist das Kaufhaus Tyrol auch zu restituieren. In einem unglaublich klingenden Brutalakt wurde der eine Besitzer Schwarz in der Progromnacht 1938 am Sillufer erschlagen wie ein Hund am Sillufer durch Polizeikräfte in Zivil auf Geheiß des Gauleiters Hofer und die Bauers, deren man in dieser Nacht nicht habhaft wurde, wurde danach die "Ausreise" genehmigt nach England. Jetzt ist es Zeit das Kaufhaus in seiner neuen traurigen Gestalt wieder zurückzugeben an die Erben. Es reicht nicht aus um in einer versteckten Nische nur eine Gedenktafel vorzusehen, die im Jahr 2018 fertiggestellt sein wird.
Die zweite Zerstörung Innsbrucks und hat eben stattgefunden.

David-Lauritz
02.02.2010 17:45
Abreissen

Wann kann man den Bau frühestens wieder abreissen?

Warum darf man in der Musik alte Musik (Mozart, Beethoven) aufführen, in der Architektur aber kein Barockhaus bauen? Wer kann mir dieses sinnlose Archiktekturdogma erklären?

Mae Day
04.02.2010 14:44
wer komponiert heute eine barockoper?

die musik ist für die aufführung geschrieben, das haus hingegen zum benutzen gebaut. insofern dürfen Sie ja auch in einem barockhaus wohnen (und sogar einen geschirrspüler hineinstellen).

David-Lauritz
05.02.2010 04:21
Verlgleich hinkt

Das Bewohnen eines Hauses ist mit dem Anhören einer CD vergleichbar. Man sollte sich, so wie in der Wissenschaft, das Bese aus mehreren Jahrhunderten herausnehmen und nicht sinnlosen, protestantischen Dogmen (Ornament ist Verbrechen) folgen. Ich wünschte mir eine Renaissance etablierter Baustile in der Architektur.

Kayjay _
03.02.2010 09:17

sie können gerne Barock bauen, wenn sie
a: das Geld dazu
B: den überflüssigen platz (fällt schliesslich auch unter a)
und C: die handwerker haben.
wobei a und b durchaus machbar wäre, c nicht wirklich.
Ich denke auch, dass der Vergleich mit der Musik auch ein wenig hinkt, denn die Musik wird sicherlich nicht gleich gespielt, wie damals.

tutti frutti
01.02.2010 19:51
dass man 2010 noch so schlechte holzhackerrenderings präsentieren kann!

lässt übles erwarten für eine aufwertende baudurchführung des langweiligen chipperfieldentwurfes

Datum, Uhrzeit:
02.02.2010 13:13
finde das rendering nicht schlecht ...

sokra
31.01.2010 19:37

Schön dass das Kaufhaus Tyrol eine Aufwertung erfahren hat, aber dass man dafür eine der wenigen Häuser der Innsbrucker "Prachtstraße" abreißt, die die Weltkriege heil überstanden haben, ist schwer verzeihlich.

Nun steht dort ein weiterer Glaskasten, wie man ihn überall auf der Welt finden könnte. Moderne allerwelts Architektur ok, aber bitte doch nicht ausgerechnet im Bereich der Altstadt!

Bislang war das Rathaus das mit Abstand breiteste Gebäude der Straße - und jetzt ein modernes Einkaufszentrum. Besonders sensibel in Bezug auf die Umgebung war man da auch nicht...

Das ist aber typisch Innsbruck; so wird man nicht Weltstadt sondern eher Allerweltsstadt...

frunzi002
06.02.2010 11:38
Aha

also nur weil das alte Ding den Weltkrieg überstand ist es schützenswert, oder wie?? Ich bin überzeugt, dass seinerzeit beim Bau dieses Hauses genug Jammerer wie Sie zu finden waren die darin den Haus gewordenen Teufel orteten - und ähnlich argumentierten wie Sie heute.

ad: IBK Weltstadt: genau...:o)

fischkopp
02.02.2010 14:03

Sie glauben, Innsbruck hätte das Zeug zu einer "Weltstadt" ? Ist das nur die typisch österreichische Selbstüberschätzung oder nur Blödheit ?

Chien de Pique
01.02.2010 15:56

Zustimmung, aber es ist eigentlich die historische Neustadt.

bb47
01.02.2010 15:42
Ach

Es wollen ja nicht einmal die Innsbrucker selbst, daß Innsbruck eine Weltstadt wird. Um Gottes Willen - all die Fremden, die dann plötzlich nach Innsbruck kommen (Zitat)

Cynika
31.01.2010 01:34
zach

mir sein weltstadt und so !

wieso auch nicht
30.01.2010 18:10

Dass das Kaufhaus Tyrol (ehemals Bauer&Schwarz) arisiert wurde, wäre auch noch zu erwähnen. Eine ordentliche Entschädigung gab es nie! Und jetzt hat man noch dieses Monstrum in die Innenstadt gesetzt.

17+4
31.01.2010 19:06
Blödsinn, da gab es nie ein Kaufhaus

und wenn es das ehemalige Kino gewesen sein soll, dann ist das Neue mindestens 50 mal größer.

Chien de Pique
01.02.2010 12:45

Was meinen Sie mit: "gab es nie ein Kaufhaus"?
Das war Bauer & Schwarz:

http://www.kaufhaus-tyrol.at/index.php?id=11

Und hier steht etwas zur Zwangsarisierung und Umbenennung:

http://www.kaufhaus-tyrol.at/index.php?id=10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.