Besser statt mehr - Wachstum im Wandel

31. Jänner 2010, 17:06
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    foto: reuters/aly song

    Das lange gültige Wachstumsparadigma ist inzwischen an seine Grenzen gestoßen.

Wachstum war Fundament des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit - aktuelle Krisen rufen aber lauter denn je nach einem Paradigmenwechsel

Wir leben in einer Wachstumsgesellschaft, die unsere Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und Institutionen prägt. Aktuelle Krisen rufen aber lauter denn je nach einem Paradigmenwechsel: besser statt mehr - Wachstum im Wandel.

Das Wachstumsparadigma war in der Vergangenheit maßgeblich für die steigende Lebensqualität verantwortlich: Wirtschaftswachstum war die erfolgreiche Antwort auf die soziale Krise des 19. Jahrhunderts und die Beschäftigungskrise der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, es war auch das Fundament des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit (Blazejczak, 1998).

In vielen politischen Bekenntnissen, sowohl auf nationaler als auch auf supranationaler Ebene wird nach wie vor auf hohes Wachstum als Grundvoraussetzung für unsere weitere Entwicklung gesetzt. Daraus wird klar ersichtlich, dass Wirtschaftswachstum als zentrale Lösung für soziale, wirtschaftliche aber auch gewisse ökologische Herausforderungen angesehen wird.

Weil aber Wirtschaftswachstum eng an den Verbrauch (knapper werdender) natürlicher Ressourcen gekoppelt ist, was wiederum zu vermehrten Abfällen, Emissionen etc. führt, und so insgesamt zu einer Bedrohung für Mensch und Wirtschaft unumkehrbaren Ausmaßes führt (Klimawandel, Artenverlust, Wüstenbildung, aber auch Erhöhung der Nahrungsmittelpreise, Armut etc.). sollte dringend über Alternativen zu einem rein auf quantitativem Wachstum aufbauenden Wirtschaftssystem nachgedacht werden. Ein anhaltender Wachstumsrückgang als mögliche Konsequenz nachhaltiger Entwicklung ist bislang jedoch noch zu wenig untersucht worden.

Im Monatsthema 01/10  auf Nachhaltigkeit.at wird die Debatte rund um das Thema Wirtschaftswachstum dargestellt und werden Möglichkeiten und Denkansätze einer gesellschaftlichen Entwicklung, die über das reine Wachstumsparadigma hinausgeht, beleuchtet. Wachstumskritik, Ansätze nachhaltigen Wirtschaftens innerhalb des Wachstumsparadigmas sowie Kritiker der Wachstumskritiker kommen in diesem Thema zu Wort. Aktuelle Debatten und Initiativen, insbesondere auf österreichischer Ebene werden dargestellt.

 


Wachstum im Wandel ist das Thema des Monats Jänner 2010 im Internetportal




Logo: Nachhaltigkeit.at




 

AutorInnen: Dr. Friedrich Hinterberger, Mag. Elke Pirgmaier, Sustainable Europe Research Institue (SERI). Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik.

Direkt-Link zum Monatsthema 1/2010
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

Kopf des Monats ist Tim Jackson, der sich zum aktuellen Thema große Verdienste in der theoretischen Aufarbeitung und gesellschaftlichen Diskussion gemacht hat.

Der Dialog des Monats bietet eine Bandbreite an Statements politischer und wirtschaftlicher ExpertInnen zum Thema.

Kommentar posten
23 Postings
iohui
00
jede maßstabsvergrößerung geht auf kosten der qualität.

in der produktion genau so wie in der politik.
das streben nach uniformität, weg vom unikat, ist unweigerlich eine abwärtsbewegung, die nur in einem punkt enden kann. absolut tödlich.

manto bamminger
00
chefsache

natürlich sinds zuviele menschen.

Aber das ist trotzdem chefsache, welche welt hinterlassen wir unseren kindern enkelkindern?

Menschen sind böse, neutralität gibt es nicht

Grantscherben
00
Es san vüh zuvüh Leit auf da Wöd

Ach, dieses ganze "Wir müssen umdenken" ... "Wertewandel" ... bla bla bla ...
Es wird kommen wie es kommen muss. Eine stetig steigende Erdbevölkerung bei gleichzeitig schrumpfenden Ressourcen - da kann sich doch jeder ausmahlen wie es enden wird.

her wig
01

Bei Ansprachen dieser Art sollte man den Realitätsbezug nicht vergessen, und der ist ja durchaus gegeben. Die IT etwa, oder die Medien, gehen eindeutig hin zu diesem "Besser", wenn man dies bemisst als Preis/Materie. Mit einem modernen 3D-Film, der ja ein ziemlich immaterielles Gut ist, kann z.B. sehr viel Geld umgesetzt werden. Die gute neue Welt wird nichts anderes sein als die Ausweitung des bösen Kapitalismus auf noch mehr Lebensbereiche, so nicht Creative Commons und Co. da etwas ausgleichen können...

. spectator
00

Die versenken doch glatt ihre eigene Argumentation in einem Satz:
"Wirtschaftswachstum war die erfolgreiche Antwort auf die soziale Krise des 19. Jahrhunderts und die Beschäftigungskrise der zwanziger Jahre des 20."
Hallo? Geht's noch? Wie war das mit dem Börsenkrach von 1929?

b_UT
02
31.1.2010, 20:12
Tipp

Hier im Online-Standard gabs mal einen Artikel über "Die Grenzen des Wachstums" von Meadows. Sehr empfehlenswert.

Rita Matsuko1
00
31.1.2010, 20:09
Wachstum im Wandel

letzte Woche fand eine international gut besetzte Konferenz zum Thema in Wien statt, auf der auch die Themen Geld und Finanzsystem und die Rolle makroökonomischer Maßnahmen diskutiert wurde,
schade dass derstandard es nicht der mühe wert findet darüber zu berichten. natürlich berichtet die seite des ministeriums nur über inhalte, die ihnen genehm und schön im mainstream sind...
zum weiterlesen:

http://www.neweconomics.org/

phoenixx78
43
31.1.2010, 19:55

warum brauchen wir überhaupt geld.. warum schafft man nicht das geld ab. jeder macht seine arbeit so wie jetzt, aber hat das recht alles zu haben was er möchte. Menschen, die MEHR besitzen (Villen, etc) fallen da dann weg.. alles gerecht aufgeteilt, jeder arbeitet für den anderen und arbeitet nur mehr das was er/sie will...so wie jetzt, nur dass es halt ka geld dafür gibt. und das vertrauen in andere, dass jeder genausoviel für die gesellschaft arbeitet und beiträgt wie einer selbst. klingt utopisch? ist es vielleicht auch. aber so unrealistisch?

Finn McCool
00
"jeder...hat das recht alles zu haben was er möchte"

Scheitert spätestens dann, wenn zwei (oder mehr) "alles Gold der Welt", "das gesamte Erdölvorkommen der Welt", das ganze Landgebiet, die ganze Welt, etc. haben möchten

DaChief
00
guter ansatz!

aber meiner meinu8ng ist geld nicht das problem sondern der umgang damit. vl währe geld mit ablaufdatum ne lösung weil dann kann sich nirgendwo mehr geld in unsummen anhäufen.

ps.möcht wissen welche dep*en da lauter negative bewetungen gegeben ahben.

her wig
00

Das ist ein super Gedankenexperiment um sich klar zu machen wie die Welt ist, wenn das Geld nicht zuoberst ist. Man wird es trotzdem noch brauchen, zum Nachprüfen, um irgendwelche Betrüger aufzudecken etc. Die würden sich nämlich sonst im Paradies befinden...

manto bamminger
00
wtf

geld zum nachprüfen???
als schutz gegen betrüger???
schwachsinn

phoenixx78
00

eine Meldung dazu war

"Wenns nicht für mich ist, dann schieb ich den Erdapfel, den ich schwer griege, wieder in den Boden anstatt ihn rauszuholen. Ist ja eh nicht für mich."

Solange es solche Egoisten gibt, wird sich sowas nicht verwirklichen lassen...

Unsolidarische Minderleistungsgesellschaft, in der wir heute leben...

Mario23
00
Wenns nicht für mich ist,

dann schieb ich den Erdapfel, den ich schwer griege, wieder in den Boden anstatt ihn rauszuholen. Ist ja eh nicht für mich.

der bunte faschist
01
31.1.2010, 23:07

wenn ich mir die gesellschafts- und glaubenssysteme auf der welt ansehe - jepp, sehr unrealistisch.

nur mit brutaler propaganda und viiiiiiiel zeit.

Christian90
01
31.1.2010, 20:50

klingt für mich nicht utopisch, klingt für mich amish ...

phoenixx78
00

... nur dass Amish Fortschritt ablehnen.

denk mal
00
31.1.2010, 19:54
Wenn man sich auf nachhaltigkeit.at so umsieht...

fällt schnell auf: das Finanzsystem selbst, Mutter aller Nichtnachhaltigkeit, bleibt außen vor. Lieber wird fabuliert, wohin nun das neue Wachstum gehen sollte, Aiginger tut wie immer so, als wäre die Fähigkeit zur menschlichen Dienstleistung unerschöpflich, Qualität wird beschworen - kurz, das ewig gleiche Gelaber ohne jeglichen Biss!

Nick Tameer
03
31.1.2010, 21:39
Welchen Biss erwarten Sie?

Diese Leute reden darüber, wie man den Kapitalismus (ohne zu wissen, sich nur dafür zu interessieren, was das eigentlich ist, ohne sogar wirklich zu begreifen, dass sie davon reden, in abstrakt-blumiger Sprache mit Worten wie "Wachstumsparadigma") beherrschen und allerlei löblichen Zwecken nutzbar machen könnte, bis seine reale Gewalt sie ein weiteres Mal mitreißt und ihre Sprechblasen allmählich in Wind und Wetter verblassen.

denk mal
01
31.1.2010, 22:19
Schön gesagt, fürwahr.

Erwarten tu ich ihn mir eh nimmer, den Biss. Aber einfordern sollte man ihn dennoch immer wieder, wenngleich das Posten hier auch nicht grad ein mutiger Akt revolutionärer Gesinnung ist :(

It'tksirkrk
02
31.1.2010, 19:33
Nachhaltigkeit und die neue Bescheidenheit

Diese ganze Nachhaltigkeitsdebatte erscheint mir, so richtig sie auf die Endlichkeit der Ressourcen hinweist, wie der Ruf der Satten an die Hungrigen: "Wir haben genug, jetzt müsst auch ihr genug haben." Das ist reine Arroganz.

Wer von Nachhaltigkeit reden will, darf von Umverteilung nicht schweigen. Erst wenn unser ökologischer Fußabdruck nicht größer ist als der des Durchschnitts der Weltbevölkerung, würden wir das Recht erwerben, den Armen vorzuschreiben wie sie ihre Wirtschaft gestalten sollen.

Wir schaffen ja nicht einmal einen Ausgleich innerhalb unseres eigenen Landes. Zuerst müsste einmal ein ausreichendes Grundeinkommen festgelegt werden, dann das Höchsteinkommen (etwa das 7 bis 9 Fache)., dann die Vermögen umverteilen.

Sophist1
02
31.1.2010, 19:14
Warum denn gleich so hoch gegriffen?

Paradigmenwechsel ist der Wechsel von einer rationalistischen Welt zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise. An der Übersetzung merkt man, wie dämlich der hier verwandte Ausdruck ist. Wer heute schon nicht alle potentiellen Wechselwirkungen und entstehende Abhängigkeiten seines Tuns berücksicht, ist auch ohne Pardadigmenwechsel ein Loser.

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