Davos als Spiegel des Versagens

Alexandra Föderl-Schmid, 29. Jänner 2010, 18:02

Politiker, Banker und Manager haben keine Lehren aus der Finanzkrise gezogen

Das Schlimmste scheint überstanden. Aber welche Konsequenzen aus der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zu ziehen sind, darüber gehen beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Meinungen auseinander. Das alljährliche Treffen in den Schweizer Bergen liefert durch das geballte Aufeinandertreffen von 2500 Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft auf engstem Raum ein Stimmungsbild dessen, was heuer ganz oben auf der Agenda steht: Bankenregulierung und Griechenland.

Die Topmanager der Geldinstitute, die heuer wieder recht zahlreich nach Davos geströmt sind, waren vor allem in einem Punkt einig: Sie lehnten jede Form von Bankenbesteuerung ab und machten massiv Stimmung gegen die Pläne von US-Präsident Barack Obama, der die Größe und Geschäftsfelder von Banken beschneiden will.

Aber nicht nur Obama scheint bereit, sich offen gegen die Wall Street zu stellen. Auch immer mehr europäische Politiker erkennen, dass es nach der globalen Rettungsaktion der Banken an der Zeit ist, diese auch zur Kasse zu bitten. Denn schließlich kam das Geld von den Steuerzahlern, die mit Recht auch auf eine Beteiligung der Geldinstitute bestehen können. Zumal wieder üppige Bonuszahlungen an viele Banker ausgeschüttet werden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geißelte in seiner Eröffnungsrede die "Entartung des Kapitalismus" und hielt allen einen Spiegel vor, dass man dies nicht verhindert habe. Er bekam dafür Beifall - nur nicht von Bankern. Sarkozy wies darauf hin, dass es keinen Sinn mache, angloamerikanische und kontinentaleuropäische Politiker gegeneinander auszuspielen. Alle zögen an einem Strang.

Aber nicht einmal die Europäer haben es bisher geschafft, sich darüber zu verständigen, welches Modell sie eigentlich wollen: Seit Monaten wird über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer auf EU-Ebene diskutiert, passiert ist nichts. In Österreich scheint Bundeskanzler Werner Faymann eine Bankensteuer zu favorisieren, die sich auf die Bilanzsumme insgesamt bezieht. Außenminister Michael Spindelegger prescht nun mit einem Vorschlag vor, nur den spekulativen Geschäftsbereich zu besteuern. In Großbritannien will man sich auf die Besteuerung von Boni beschränken. Noch nicht ganz klar ist, wen Obama mit seinen Bankenzerschlagungsplänen treffen will. Alleingänge machen wenig Sinn, es muss eine international koordinierte Aktion geben, das ist eine der Lehren aus der Krise.

Gleiches gilt für die Währungsunion. Ob der Staatsbankrott Griechenlands noch abgewendet werden kann, ist noch nicht klar. Aber alle EU-Staaten müssen zittern. Denn Griechenland ist Sprengstoff für die Eurozone und die EU insgesamt.

Weil sich die bisherigen Schutzmechanismen wie die Aufnahmekriterien und der Stabilitätspakt als wenig wirkungsvoll erwiesen haben, müssen Konsequenzen gezogen werden. Auf ein Desaster wie das griechische war man nicht vorbereitet. Ein Hilfsfonds könnte eine Zukunftsvorsorge sein.

Am sinnvollsten wäre es, Politiker, Notenbanker und Vertreter der Finanzbranche würden sich zusammensetzen, Fehlentwicklungen analysieren und als Konsequenz daraus ein gemeinsames Regelwerk erarbeiten: Das gilt für die Währungsunion ebenso wie für die Bankenregulierung. Denn eine "Entartung des Kapitalismus" muss in Zukunft verhindert werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.1.2010)

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anton b
00
31.1.2010, 17:45
Davos - Scheinheiligkeit hat einen Namen.

unnerum
00
31.1.2010, 15:06
Während Politiker und Banker

den Luxus in Davos genossen und im Endeffekt nichts verursacht haben, außer einer riesen Menge Kosten natürlich, hat das Ehepaar Gates 10 Mrd. Dollar für die Impfung von Kindern zur Verfügung gestellt.

sitting bull
01
31.1.2010, 14:24
die moral von der geschicht.

Wir brauchen europaweit organisierte und parlamentsfähige parteien für kleine-leute-steuerzahler. Solange es die nicht gibt, wird es niemanden geben, der den große-köpfe-steuerhinterzieher-packel-parteien ihr schmutziges handwerk legt. Solange es keine kleineleutefreudliche Wirtschafts- und Steuerpartei gibt, die einen demokatischem wählerauftrag zum diskutieren und verabschieden kleinerleutefreundlicher nationaler und europäischer gesetze hat, werden die merkels aller länder die ackermänner aller länder auf kosten der kleinen leute aller länder zu ihren fressorgien einladen und sich einen dreck um das wohlergehen der kleinen leute scheren. das ist die moral von der geschicht.

Alkolix
18
31.1.2010, 02:21
privaten banken

die geldschöpfung verbieten - staatsbanken einführen, welche geldschöpfung (kreditvergabe) durchführen dürfen, aber keine einlagen halten

eine maximale staatsverschuldung per EU verfassung erlauben und durch geldschöpfung finanzieren

es wäre ja nicht so schwer ein paar sinnvolle regelungen zu finden die ohne revolution einzuführen wären - es besteht nur kein interesse daran

momentan wird nur nach lösungen gesucht, welche den bankgewinnen nicht im weg stehen aber die bevölkerung ein bisschen besänftigen

EU-Austretter
00
31.1.2010, 19:25
volle Zustimmung - totale Ablehnung

Privaten Banken die Geldschöpfung verbieten:

Volle Zustimmung, aber private Banken soll es schon weiterhin geben, in einem richtig reformierten Geldsystem, und dazu gehört auch eine Reform der Zentralbank hin zur Monetative und damit auch eine kreditlose Geldschöpfung, außerdem eine Umlaufgebühr auf Geld zur Lösung der Zinsproblematik, hätten sie längst nicht mehr die gleiche Stellung in der Gesellschaft wie jetzt.

Gäbe es nur Staatsbanken, bestünde folgende Gefahr:

Wie, Sie wollen einen Kredit? Sind Sie nicht in dieser aufmüpfigen, regierungsfeindlichen Bürgerinitiative? Und überhaupt, sind Sie überhaupt Parteimitglied? Sorry, kein Kredit für Sie!

t-bonesteak
00
eine Umlaufgebühr auf Geld zur Lösung der Zinsproblematik

d.h. wir nennen das ganze umlaufgebühr und schon haben wir die zinsproblematik gelöst?

da spricht der fachmann.

EU-Austretter
00

Ja, zusammen mit einer Reform der Geldschöpfung, spricht VWL-Prof. Bernd Senf:

http://www.youtube.com/watch?v=GnEqS4TwCfE

Alkolix
00
31.1.2010, 20:23
ja

so in etwa hätte ich mir das vorgestellt :)

Porqué no te callas?
00
31.1.2010, 13:05

wir haben schon eine staatsbank. die hypo alpe dings...

eine reicht.

Alkolix
00
31.1.2010, 17:14
das ist keine staatsbank

das ist eine ganze normale geschäftsbank in staatsbesitz...

her wig
00
31.1.2010, 08:04

Staatsbanken? Wenn ich an Hypo Alpe Adria denke, nur als ein Beispiel für, wie sich Banken im Einfluss von Politikern verhalten können, dann finde ich diese Idee nicht so gut.

Aber eine Trennung zwischen Geldschöpfungsinstituten und Einlagen(=Investitions)banken ist schon überlegenswert.

Alkolix
00
31.1.2010, 13:11
naja geldschöpfung ist

diebstahl an der allgemeinheit

damit darf ein privater keinen profit machen

eine staatsbank dürfte natürlich nur in österreich geld nach fix vorgeschriebenen schemata kredite vergeben

die hypo war ja eher so ne mischform hat von beiden welten die negativen eigenschaften verkörpert

her wig
00
31.1.2010, 16:57

Geldschöpfung ist kein Diebstahl sondern eine Dienstleistung. Dass dazu strenge Kriterien angewendet werden sollen ist klar. Ob die durch private Konkurrenz oder politische Begehrlichkeiten korrumpiert werden ist effektiv gleich übel.

EU-Austretter
00
31.1.2010, 19:27

Kredit und zins-behaftete Geldschöpfung durch private Banken ist schon Diebstahl, siehe dazu auch folgende aufschlussreiche Antwort von Pröll zu entsprechender Frage:

"...Die Seignorage der Geschäftsbanken ist für die BRD laut Joseph Huber in den letzten Jahren bei ca. 80 Milliarden € per anno gelegen. Warum diese Geschenke an die Banken?..."

http://www.meinparlament.at/dipl_ing_... ml#q241983

t-bonesteak
00
Kredit und zins-behaftete Geldschöpfung durch private Banken ist schon Diebstahl,

wir können natürlich auch zum tauschhandel zurückkehren - wird vielleicht ein wenig kompliziert, wenn sie z.b. ein auto kaufen wollen (wieviele schweinderln oder kuhlimuhs tauschen sie da ein? und woher nehmen, wenn sie kein viehzüchter sind?).

jemandem geld zu leihen - ob als privater, ob als privates oder staatliches unternehmen - ist ein normales geschäft. sie gehen als darlehens-/kreditgeber ein risiko ein und wollen auch völlig legitimerweise daran etwas verdienen. schaffen sie den zins ab und niemand wird einem anderen geld leihen.

EU-Austretter
00

Punkt eins: Kein Tauschhandel, sondern kreditlose Geldschöpfung.

Mit der Umlaufgebühr wird nur der Anteil im Zins, der Geld durch sich selber mehr werden lässt (der Urzins, oder nach Keynes die materielle Liquiditätsprämie) im Laufe der Jahre gegen Null geführt (Kraft der Marktwirtschaft, nicht etwa durch Zinssatzverordnungen).

Der Anteil zur Risikoabdeckung bleibt also im Kreditzins und die Bank bleibt (auch) als Risikotransformator bestehen, einzelne Sparer haben also kein Kreditausfallsrisiko. Und Geld durch sich selbst mehr werden zu lassen ist weder ein Verdienst noch legitim. Und ein Zinsverbot würde tatsächlich den Kreditmarkt abwürgen, aber nicht die Umlaufgebühr:
(Seite 3 unter „Freigeld als mögliche Lösung“)

t-bonesteak
00
bizarr

EU-Austretter
00

Höchstens schlecht erklärt

her wig
00

Solange die Geldschöpfung über normale Kreditvergabe geht ist das ein Handel, sonst nix. Wenn die Banken allerdings die Geldschöpfung mit "Luft" besichern, mit irgendwelchen Kurssteigerungen die sie dabei auch noch selber provozieren, dann ist das sehr übel.

EU-Austretter
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Die geldschöpfenden Geschäftsbanken haben das womit sie handeln vor dem Handel gar nicht, und sie hätten es auch ohne ihn nicht, da Kreditvergabe und Geldschöpfung im selben Zug geschehen. Seltsamer Handel!

Alkolix
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geldschöpfung

ist geld drucken - das ist kein handel, bei einem handel wird etwas getauscht

her wig
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Geld gegen Kreditbesicherung. Sie vergessen die Hälfte und beschweren sich dann dass die Hälfte fehlt!!!

Alkolix
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das ist doch ideotie

d.h. je mehr sachen ich mir kaufe, desto mehr kredit kann ich besichern, desto mehr kann ich also ausgeben?

überleg dir das doch mal der einfachheithalber im direkt tauschhandel

Alkolix
00
31.1.2010, 17:13
nein es ist und bleibt diebstahl

sie nehmen ungefragt geld das sie nicht besitzen borgen es her bekommen dafür zinsen und geben es dann wieder zurück

so als würde ein taxifahrer jeden tag ein auto fladern damit leute herumfahren und am ende des tages wieder zurückstellen

eine staatsbank im sinne eines amtes wäre 1. gesetzlich nicht in der lage horrende gehälter zu bezahlen, 2. durch korruptionsgesetze eher an diesen freunderlgeschäften gehindert werden und 3. gewinne wenn durch einspeisung in den staatshaushalt wieder der allgemeinheit zurückgeben

her wig
00

Das mit der Schöpfung geht anders: der Kreditnehmer tauscht etwas das er besitzt gegen das neue Geld. Der Trick dabei ist, dass der Kreditnehmer das was er besitzt (die Sicherheit) behalten darf, bis er entweder das Geld zurückzahlt oder eben die Sicherheit auch tatsächlich hergeben muss. Und die mit Kredit belasteten Sachen gehören dann "dem Geld", stellvertretend der Bank, die das dann an Leute mit Geld verkauft.

Der Dienst sollte darin liegen, diese Schöpfung fachgerecht durchzuführen, also insbesondere ohne dabei in Wucher oder Dumping zu verfallen...

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