Kindersitz-Vorschrift - ein Ärgernis

KrisenFrey, 29. Jänner 2010, 17:18
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    foto: apa

Sie bringen kaum mehr Sicherheit, aber hohe Kosten für Eltern

Ich kann mich noch gut an meinen Ärger erinnern, als bei der Einführung des Führerschein-Vormerksystems 2005 auch die Nicht-Verwendung eines Kindersitzes bei unter 14-Jährigen zu einem besonders schweren Delikt erklärt wurde, das zum Verlust des Führerscheins führen kann.

Ich hatte damals Kinder im entsprechenden Alter und selbstverständlich auch geprüfte Kindersitze im Auto. Aber immer wieder gab es Situationen, in der etwa Großeltern oder Freunde eines meiner Kinder mitnehmen wollten, ohne über einen entsprechenden Sitz zu verfügen. Und gelegentlich nahmen wir auch in unserem Auto ein drittes Kind mit, für das wir dann keinen Sitz hatten.   

War das wirklich ein Vergehen, das mit Fahren über die Kreuzung bei Rot oder Trunkenheit am Steuer vergleichbar ist, fragte ich mich? Wie wenig Bezug zur Realität des Elternlebens hatten die Verfasser dieses Gesetzestextes?

Mit meinen Bedenken stieß ich unter Freunden und Bekannten (vor allem denen ohne Kinder) auf wenig Verständnis. Was gibt es denn Schlimmeres, als Leben und Gesundheit seines Kindes aufs Spiel zu setzen, hörte ich oft als Antwort. 

Nun wurden Anfang 2010 die Vorschriften noch weiter verschärft. Wer ohne Kindersitz erwischt wird, kriegt nicht nur schwarze Punkte (das ist der Grund für den Großteil aller Vormerkungen), sondern muss sich auch ein Seminar über Kindersicherung anhören.

Dort könnte man neben den üblichen Standpauken auch die Erkenntnisse des US-Ökonomen Steven Levitt  diskutieren, die dieser in seinem neuen Buch „Super-Freakonomics“, dem aktuellen Nachfolger zu seinem Bestseller „Freakonomics“, präsentiert.

Levitt ist schon vor Jahren beim Studium der entsprechenden Daten und eigenen Crash-Versuchen zum Schluss gekommen, dass ein Kindersitz gegenüber normalen Sitzgurten bei Kindern über zwei Jahren praktisch keinen Zugewinn an Sicherheit bringt.

Bei Todesfällen und Schwerstverletzungen zeigen die Daten praktisch keinen Unterschied. Bloß bei leichten Verletzungen scheinen Kinder im Kindersitz besser geschützt als jene mit Sitzgurt. Aber dies, behauptet Levitt, könnte auch an falschen Angaben der Eltern liegen. Wer sein Kind nicht angeschnallt hat, kann nach einem leichten Unfall problemlos behaupten, es habe den normalen Sitzgurt angehabt. Einen nicht vorhandenen Kindersitz zu erfinden ist viel schwieriger.

Was Levitt ebenso wie andere Studien und der gesunde Menschenverstand aufzeigen ist einfach: Kindersitze für ältere Kinder haben vor allem einen psychologischen Wert zur Beruhigung des schlechten Gewissens und sind ein – ziemlich teures - Luxusgut für eine Gesellschaft, die gerade bei Kindern überhaupt kein Risiko eingehen will. Aber weil sie so wenig bewirken, sind sie keine moralische Verpflichtung und dürften auch keine gesetzliche sein.

Die Kindersitzpflicht ist für Eltern nämlich eine bedeutende finanzielle Belastung. Sie müssen nicht nur die teuren (oft überteuerten) Sitze kaufen, sondern brauchen schon bei zwei Kindern ein entsprechend größeres Auto, das auch mehr CO2-Ausstoß verursacht. Für all diese persönlichen und gesellschaftlichen Kosten erhalten sie und ihre Kinder viel Unbequemlichkeit statt mehr Sicherheit.

Und jetzt will Verkehrsministerin Doris Bures auch noch Eltern verbieten, ältere Kindersitze weiterzuverkaufen. Sei seien nicht sicher genug, erklärt sie selbstgerecht. Die Kindersitzhersteller und der größte Kindersitzverkäufer, nämlich der ÖAMTC, haben sich wieder einmal durchgesetzt.

Für den Kinderschutz würde es ausreichen, wenn der Staat Angurten am Rücksitz  verlangt (selbst das ist nicht so wichtig wie am viel gefährlicheren Vordersitz, sonst wäre meine, als Kinder stets ungegurtete, Generation gar nicht mehr am Leben) und den Gebrauch von Kindersitzen allgemein empfiehlt.

Alles, was darüber hinaus geht, ist falsch verstandener Paternalismus, sinnlose Panikmache, Geschäftemacherei für eine einflussreiche Industrie und eine wirkungsvolle Methode, das Leben mit Kindern noch etwas schwerer machen.

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Posting 1 bis 25 von 44
1 2
Ohr O Pax
01
16.2.2010, 17:52
Schließe mich ....

... als Vater von 4 Kindern vollinhaltlich diesem Artikel an. Danke!

ASatt
02
Guter Artikel

So wichtig die Sicherheit der Kinder uns allen ist, die Regulierungswut hat hier (leider nicht nur hier) wieder weit über das Ziel hinausgeschossen.

Das Beste daran ist, dass sich diese selbsternannten Besserwisser ohne echte demokratische Legitimation in alle Ecken unseres Lebens einmischen, uns Vorschriften bis ins Detail machen und dann noch dafür von uns fürstlich belohnt werden.

HoJo
11
und das

in einer Zeit, in der Klimaanlage, Zentralverriegelung, ABS und ich weiß nicht was zum angeblich unverzichtbaren Luxus gehören. Wer regt sich den über die Sachen auf, die ich mitr dem Auto mitbezahle, einfach weil es gerade so modern ist?
Lieber ein paar Euro beim Auto sparen und dafür einen Kindersitz kaufen.

AlliGator
00
27.2.2010, 21:54

ABS ist kein Luxus, sondern rettet Leben - von Autofahrern, aber auch mal von Radfahrern und Fußgängern.

Der Sicherheitsgurt hat mir schon bei zwei Unfällen das Leben gerettet - so ein Plastik-Kindersitz hingegen mindert eher mein Vertrauen in die Sicherheit. Ich kann dem Artikel nur zustimmen.

Poldi Fesch
00
ich habe

keine Klimaanlage, den Rest bekommst du aufgedraengt. Nur einen Kindersitz ins Auto, nur weil Neffe u. Nichte einmal kurz irgendwohin muessen, geht zu weit

Ingrid Goeschl1
32
Selbst wenn ein Kindersitz auch nur eine ganz geringe Verbesserung der Sicherheit meiner Kinder böte,

wäre mir das das Geld allemal wert.

Wenn einem die geringen Kosten für die Sicherheit der eigenen Kinder zu teuer sind, empfehle ich die Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln, die ist nämlich wirklich viel billiger als ein Auto.

Poldi Fesch
00
das wird viele

Mutter freuen, wenn sie vom Schwager ein freundliches "Leck mich am Arsch" hoeren, statt die Kinder von A nach B verbracht zu wissen. Als ich Sportonkel war, gabs diese Bloedheiten nicht, haette es sie gegeben haetten Neffe u. Nichte deutlich weniger Sport betrieben

Henry Flower
11
die daten, hr. frey, her mit den daten!

behaupten kann jeder was.

Ich weiß von nichts, mein Name ist Scheuch
00
Zitat der Quelle ist zumindest im Beitrag angegeben...

... ist also eh ausgewiesen. Schauen Sie also mal dort nach.

spoiled ballot
01
31.1.2010, 23:49
1. die zahlen für die studie sind von 1975-2003

2. der normale gurtverlauf ist für bei kleinkinder einfach ungünstig, und jeder der sein kind so anschnallt hat sie nicht alle.

Poldi Fesch
00
man kann auch

das anschnallen sein lassen

Para Dox
21
31.1.2010, 23:30
Naja,

"Untersuchungen" von einem Typen ausgraben, der noch dazu Ökonom also fachfremd ist, erinnert ein wenig an die Verschwörungstheoretiker, die irgendwelchen obskuren Typen glauben und das was die absolute Mehrheit der Wissenschaftler sagt ablehnt.

Glaubt der Hr. Frey auch, dass die Amerikaner die Mondlandung inszeniert haben?

Anchel Kingsman
00
11.2.2010, 23:25
keine untersuchung, sondern datenexploration

was der Levitt vermutlich macht (ich habe das buch nicht gelesen) ist eine einfache varianzanalyse (oder auch kovarianzanalyse) um den einfluss von kindersitz/nicht kindersitz auf die sterbewahrscheinlichkeit zu messen.

ob er ökonom oder bäcker ist, ist irrelevant, solange er mit statistik-werkzeug umgehen kann.

Da Tattara
14
31.1.2010, 23:23
Angesichts der Regulierungswut

mancher Politiker und ihrer »Experten« fragt man sich immer wieder wie die Menschheit so lange überleben konnte. »Eigenverantwortung« ist offenbar für viele ein Fremdwort geworden. - Noch mehr aber erstaunt wie schnell manche in diesem Forum selbst bei einem so harmlosen Thema wie diesem gleich Schaum vor dem Mund haben.

OttotheBusdriver
22
31.1.2010, 22:03
KAnn denn keiner auch nur eiiiiiinmal an die Kiiiiiinder denken!

Ihr wolltet Kinder,
ihr wolltet Schwellen auf den Straßen,
ihr wollt 30er Zonen (wegen der Kiiiinder),
....

jetzt kauft auch diese Sitze

is ja für die Kinder, da darf man nicht sparsam sein;-)

luke skywalker
01
Man tut alles für die Kinder


Und für meine Kinder habe ich Sitze !!!!!

Nur darum gehts nicht. Es gibt eben Ausnahmesituationen:

Ein Kind 3km mit der Oma mitzuschicken, die halt keinen Kindersitz dabei hat.
Oder: man nimmt ein 3. Kind mit, hat aber keinen dritten Sitz.
Wurde auch so im Artikel erwähnt.
......
Und das kann ich auch verantworten.

Nur es geht in unserer zu tode regulierten Gesellschaft jegliches Maß und Ziel verloren !!!!

KTHXBYE
01
31.1.2010, 13:51
"Wie wenig Bezug zur Realität des Elternlebens hatten die Verfasser dieses Gesetzestextes"

Genausowenig Bezug wie zum Rest des Autofahrerlebens. Sonst wird ja auch immer wegen der Sicherheit der Kinder gejammert. Außer es kostet den Eltern was.

vintage
01
31.1.2010, 12:53
anstatt des Alters sollte

ganz einfach die Körpergrösse entscheidend sein. Autofahrerclubs bitte aufwachen und diese Überegulierunge beenden!

Dunkelgrau
02
30.1.2010, 22:06
Wiederverkaufsrecht!

Das Wiederverkaufsverbot von Kindersitzen hält niemals einer rechtlichen Klage stand! Was wird dann 2011 verboten?

Als nächstes dürfen keine "unsicheren" Gebrauchtwagen mehr an Familien mit Kindern verkauft werden??

1 Wolfgang 1
87
30.1.2010, 14:38

Was soll der Schwachsinn? Ein Argument ist blöder als das andere! Nur zum Beispiel: warum braucht man bei 2 Kindersitzen ein größeres Auto? Wenn das Auto 4 Plätze hat, kann man auch 2 Kindersitze hinten reinhängen, egal wie groß oder klein das Auto ist.

Am lachhaftesten ist aber Kostenargument.

Poldi Fesch
00
nein, aber auf

einer Hinterbank kannst du ohne die depperten Sitze 5 u. mehr Kinder verstauen

GOTT (himself)
211
31.1.2010, 20:31
Wenn sie aber 3 Kinder haben

ist es sehr wohl ein Argument, da kein normaler PKW Platz für 3 Kindersitze hat.
Da MÜSSEN sie entweder einen SUV oder VAN kaufen - ob ihnen (oder der Umwelt) das gefällt oder nicht.

Darüber hinaus ist das Argument an sich völliger Schwachsinn. Meine Kinder sind 11 und 12 Jahre alt, und 158 und 161cm groß mit rund 55kg Lebendgewicht.

Solche Kinder sollen sich in Kindersitze zwängen müssen, während es unzählige Erwachsene (vor allem Frauen) gibt, die nicht mal 155cm groß sind aber sogar Auto fahren dürfen?

Die Schwester meiner Frau war mit 13 Jahren 175cm groß - welchen Kindersitz würden sie empfehlen?

Dieses Gesetz ist Schwachsinn - nichts anderes.

1 Wolfgang 1
02

Mit dem Van haben Sie recht, aber wenn man das Straßenbild so betrachtet, haben die meisten Familien mit 2 oder mehr Kindern einen Van. Ihre Größen- Gewichtsspielereien gehen doch völlig ins Leere! Ich kenn das Gesetz jetzt nicht im Detail, aber Kindersitze sind bis 12 Jahre und/oder Körpergröße (ich glaube 140 cm) vorgeschrieben. Außerdem braucht man ab einem einem gewissen Alter nur mehr die erhöhte Sitzauflage und von denen passen wiederum in jedes halbwegs große Auto 3 auf die Rückbank.

Ich finde das Gesetz überhaupt nicht Schwachsinn (über den "Punkt" bei Nichteinhaltung kann man diskutieren, ohne den wäre die Einhaltung aber vermutlich schlechter), schwachsinnig sind Leute, die ihre Kinder im Auto frei herumkugeln lassen.

GOTT (himself)
00
Sehen sie, ich kenne das Gesetz auch nicht im Detail.

Aber im Artikel steht: "auch die Nicht-Verwendung eines Kindersitzes bei unter 14-Jährigen zu einem besonders schweren Delikt erklärt wurde, das zum Verlust des Führerscheins führen kann."

Daraus schließe ich, das die Verwendung eines Kindersitzes bis zum 14. Lebensjahr verpflichtend ist - ansonsten wäre der ganze Artikel ohne jede Grundlage und somit hinfällig.

Und dann hat das sehr wohl schwerwiegende Konsequenzen und der Gesetzestext ist Schwachsinn, weil er an der Lebensrealität und auch an den technischen Möglichkeiten vorbei geht.

Mit dem Schwachsinn meinte ich NICHT, das Kinder prinzipiell gesichert sein müssen/sollen. Das ändert sich aber auch nicht mit dem 14. Geburtstag, oder?!

1 Wolfgang 1
01

hab's mittlerweile gegoogelt - bis 14 stimmt, aber auch Körpergröße unter 150 cm, dh sobald das Kind größer ist, braucht es auch keinen Kindersitz mehr. Auch das Sitzpolster ab einem gewissen Alter ist erwähnt. Also, alles nicht so schlimm. Ich denke, die schwerwiegenden Konsequenzen hat man eingeführt, weil es bis vor ein paar Jahren noch recht üblich war, Kinder völlig ungesichert im Auto herumturnen zu lassen (hab ich sehr oft beobachtet und auch in Autos wo der Preis des Kindersitzes nicht einmal 1 Promille des Autopreises oder eine halbe Tankfüllung ausgemacht hätte).

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