Zehn Jahre Schwarz-Blau

"Österreich wird dafür teuer bezahlen"

29. Jänner 2010, 17:57
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    "Ich habe das auch bedauert, ich hätte das gerne gesehen, wenn Jörg Haider uns in der Regierung angeführt hätte", sagt Scheibner.

  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    Khol: "Ich bin stolz auf diese Zeit. Wir haben wirklich reformiert."

  • Artikelbild
    foto: apa

    Die erste Verhandlungsrunde zur kleinen Koalition. Von links: Andreas Khol, hinter ihm versteckt Susanne Riess-Passer, Herbert Scheibner, Jörg Haider, hinter ihm versteckt Thomas Prinzhorn, Wolfgang Schüssel und ganz rechts im Bild Peter Westenthaler.

Khol und Scheibner haben Schwarz-Blau mitverhandelt und berichten von einer eindringlichen Warnung und Klestils Vorschlag einer SPÖ-FPÖ-Regierung

Standard: Herr Scheibner, in welcher Verfassung war die FPÖ vor zehn Jahren? Wäre sie um jeden Preis in eine Koalition mit der ÖVP gegangen?

Scheibner: Nein. Aber Jörg Haider hat schon Jahre zuvor gesagt, dass man sich nicht in der Opposition totsiegen soll und darf. Eine politische Kraft muss auch bereit sein zu regieren, aber natürlich nicht um jeden Preis. 1999 war für uns ein wirkliches Wendejahr. Es war der Wunsch von Jörg Haider, dass wir das Verhältnis zu den anderen Parteien verbessern. Im Sommer 1999 hat Haider zwei Wahlziele ausgeben: Zweitstärkste zu werden und einen Regierungseintritt als möglich zu erachten.

Standard: Hatte sich die ÖVP auf diese Koalition vorbereitet?

Khol: Vorbereitet waren wir nicht, aber Jörg Haider hat in den Jahren 1998 und 99 systematisch die Vorbereitungen getroffen, um in den Verfassungsbogen zurück zu kommen. Er hat die Deutschtümelei beendet, er hat die dritte Republik abgesagt. Am 2. November 1999 hatten wir das erste große Sondierungsgespräch, Zukunftsgespräch haben wir das genannt, mit der FPÖ. Da ist das erste Mal die Möglichkeit einer Koalition aufgeblitzt. Haider hat erklärt, er akzeptiert den Vertrag von Maastricht, den Euro, die EU-Erweiterung. Da steht es.

Standard: Sind das Ihre damaligen Mitschriften?

Khol: Ja, da steht das drinnen. Wir waren total erstaunt. Ich habe die kleine Koalition immer wollen, schon im 97er Jahr, als es mit den Roten nicht mehr gegangen ist, aber wir konnten nicht. Am 2. November erschien das das erste Mal möglich. Als die Verhandlungen mit den Sozialdemokraten gescheitert sind, das war am 21. Jänner um vier Uhr in der Früh, da hat mich drei Stunden später Schüssel angerufen und hat gesagt, "Andreas, jetzt musst du den Klubobmann Scheibner anrufen: "Sind Sie bereit zum Verhandeln?" Er war bereit. Am 24. hat Schüssel noch einmal Klima die Koalition angeboten mit "Nürnberger muss unterschreiben" und "neutraler Finanzminister" - das hat Klima abgelehnt, er konnte nicht. Dann haben wir mit der FPÖ verhandelt. Das war eine wilde Woche.

Scheibner: Man hatte damals schon gesehen, dass die Ausgrenzung der Freiheitlichen erfolglos ist, wir waren ja zweitstärkste Fraktion und nach den Wahlen, als diese Regierungsverhandlungen begonnen haben, hat es Meinungsumfragen gegeben, wo wir stärkste Fraktion gewesen sind...

Khol: 33 Prozent!

Scheibner:Die große Koalition war am Ende. Wenn es da eine Neuauflage gegeben hätte und nach ein paar Monaten vielleicht Neuwahlen, dann wäre offen gewesen, wer Nummer eins wird.
Standard: Wie haben Sie damals das Risiko eingeschätzt? Wenn der Dritte mit dem Zweiten gegen den Ersten eine Koalition macht, ist die Gefahr, dass dieses Experiment schief geht, durchaus hoch.
Khol: Wir haben alle gewusst, dass das eine Kulturrevolution darstellt, dass die Sozialdemokraten unterstützt vom Bundespräsidenten und von weiten Teilen der veröffentlichten Meinung dagegen Sturm laufen werden. Aber wir haben an die Kraft der Demokratie geglaubt und gesagt, wir haben die Mehrheit und daher wird das gehen.

Standard: Die erste Folge waren die Sanktionen. War diese Reaktion in Europa für Sie absehbar?

Scheibner: Wir haben es befürchtet, sag ich einmal. Aber naja, in Wahrheit hat‘s dieser Regierung geholfen. Die Leute haben das als ungerecht angesehen und haben deshalb diese neue Regierung unterstützt. Aber letztlich ist es schon ärgerlich gewesen. Ob mir jetzt ein Botschafter oder ein Minister die Hand gibt, ist egal. Problematisch war, dass diese Länder, und das sind EU-Partner gewesen, das bis in die Ebenen des Persönlichen auch in der Bevölkerung hineingetragen haben. Da sind Schüleraustausch-Programme gestrichen worden...

Khol: Skiwochen wurden gestrichen!

Scheibner: Bei uns im Verteidigungsressort sind Ausbildungskooperationen gestrichen worden, das ging bis ganz hinunter, wo Leute nicht mehr miteinander reden durften. Das war natürlich schon sehr bedrückend.

Standard: Gusenbauer erzählt, dass Schüssel sehr wohl vorgewarnt war.

Khol: Nein. Also das kann ich sehr authentisch sagen, ich hab eh gerade meine Notiz gesucht. Am 26.1. haben wir den ersten Hinweis bekommen. Da hat mich um acht Uhr in der Früh der französische Botschafter angerufen und gefragt, ob Jacques Chirac mit mir um halb zehn telefonieren kann. Ich hab das Telefonat mitgeschnitten. Chirac hat das so eingeleitet: Sein Ministerpräsident Jospin hat ihm von der Shoah-Konferenz in Stockholm berichtet, dort war die österreichische Regierungsbildung ein Thema, und dass die Sozialdemokraten um Hilfe gebeten haben. Jacques Chirac hat dann wirklich versucht zu bestimmen, dass wir eine sozialistische Minderheitsregierung mittragen und ein Budget beschließen müssen, er hat faktisch regierungsverhandelt.

So konkret war das, ja. Ich habe ihm gesagt, das geht nicht aus verscheidenen Gründen, und die Freiheitlichen sind in der Meinungsforschung schon bei 33 Prozent. Wenn wir jetzt eine Koalition dieser Katastrophal-Verlierer SPÖ und ÖVP machen, dann ist der nächste Kanzler Haider. Und da hat er gesagt, "on va vous isoler", man wird euch isolieren, und "l'Autriche le payera cher", Österreich wird dafür teuer bezahlen. Ich hab‘ das natürlich sofort Wolfgang Schüssel berichtet und da hat es uns gedämmert, dass da irgendwas im Gange ist. Um das abzuwehren, hat Schüssel mit Haider die Präambel mit einem Bekenntnis zu den europäischen Werten vereinbart. Das haben wir dann Thomas Klestil vorgeschlagen. Klestil hat das dann aber so dargestellt, als ob er das von der Regierung verlangt hätte. Die Maßnahmen hätten zuerst gar nicht veröffentlicht werden sollen, sind dann aber bekannt geworden, weil der Druck aus Österreich so groß war. Das war eine fatale Fehleinschätzung, da hat man geglaubt, die ÖVP wird noch in die Knie gehen. 

Standard: Wer hat denn Ihrer Meinung nach dieser Druck ausgeübt?

Khol: Die Sozialdemokraten und die Hofburg, glaube ich.

Standard: Wer konkret? Viktor Klima selbst?

Khol: Nein.

Scheibner: Das war Gusenbauer.

Standard: Aber Gusenbauer war damals gar nicht in der Position.

Khol:Nein, aber er war der Verbindungsmann der Sozialistischen Internationale. 

Standard: Aber letztendlich hat die Regierung von den Sanktionen profitiert.

Khol: Ja sicher. Es ging nicht mehr links gegen rechts, sondern Patrioten gegen vaterlandslose Gesellen.

Scheibner: Das war die falsche Lage-Beurteilung, man hat geglaubt, Österreich will überall beliebt und anerkannt sein....

Khol: ...und geht in die Knie.

Scheibner: ...und sagt "na um Gottes Willen, wir wollen mit dieser Regierung nix zu tun haben". Das Gegenteil war der Fall. Es hat uns natürlich auch geholfen, dass die große Koalition als damals einzige Alternative absolut am Boden war, die Menschen wollten ganz einfach etwas Neues.

Khol: Und der große Seismograph Kronen Zeitung hat ausgeschlagen. Bis zu den Sanktionen hat die Krone ja aus allen Rohren gegen die kleine Koalition geschossen. Ab den Sanktionen hat sie die Regierung unterstützt, eine gewisse Zeit lang.

Standard: Thomas Klestil hat sich ja mit allen Mitteln gegen diese Regierung gesträubt.

Khol: Wir haben am 13. 1. einen Uralt-Freund, einen österreichweit anerkannten Ehrenmann, zu Bundespräsident Klestil geschickt, um seine Absichten zu erfragen. Da hat Klestil sich vehement gegen Schüssel als Kanzler in einer kleinen Koalition ausgesprochen und hat die Möglichkeit einer Regierung Schlögl - Scheibner ventiliert. Ich habe das hier aufgeschrieben. Da steht‘s. Wenn Parlament nicht die große Koalition macht, gibt‘s Neuwahlen. Er hat da erwogen das Parlament aufzulösen. Er will allenfalls eine Regierung Schlögl - Scheibner.

Standard: Gab es konkrete Verhandlungen?

Scheibner: Es gab ja die Zukunftsgespräche mit allen Parteien, auch mit der SPÖ, wobei wir dort schon den Eindruck hatten, die SPÖ nimmt das nicht wirklich ernst. Die SPÖ hat ausgelotet hat, ob wir bereit wären, eine Minderheitsregierung zu unterstützen. Nach einer gewissen Zeit könnte es Neuwahlen geben und nach einer erfolgten Imagekorrektur der FPÖ könnte man dann auch ganz offen in eine Koalition gehen. Das haben wir abgelehnt. Wir sind doch keine Schulbuben, die man da aus der Ecke holen muss, sondern wir waren damals zweitstärkste Partei.

Khol: Ich habe mir aufgeschrieben, 21. 1. Kontakt Scheibner und am 22. Angebot Kostelka - Scheibner Minderheitsregierung. Hat das gestimmt?

Scheibner: Es gab natürlich Gespräche, aber mit mehreren Persönlichkeiten der SPÖ, wo diese Möglichkeiten ausgelotet worden sind.

Standard: Aber es ging um die Unterstützung einer Minderheitsregierung, nie um eine Koalition?

Scheibner: Das stimmt. Die SPÖ hat gemeint "Jetzt können wir nicht, da würden wir das Gesicht verlieren, aber wir bieten euch an ein Jahr..."

Khol: Verlobung, spätere Heirat möglich.

Standard: Was war der Grund, dass Jörg Haider nicht in der Regierung war? War das eine Bedingung der ÖVP? Oder waren die drohenden Sanktionen der Grund dafür?

Scheibner: Wir hätten uns das nicht vorschreiben lassen, klarerweise. Ich habe das auch bedauert, ich hätte das gerne gesehen, wenn Jörg Haider uns in der Regierung angeführt hätte. Aber er hat selbst gesagt, er ist den Kärntnern im Wort. Natürlich wusste er , dass das die internationale Diskussion noch verschärft hätte, das hat er schon gesehen. Ich weiß, dass ihm dieser Verzicht schwergefallen ist. Er hat all die Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet.

Standard: Hat die ÖVP Druck ausgeübt in diese Richtung?

Khol: Nein. Das war ja nicht notwendig, denn Haider hat ja auch die Fähigkeit gehabt mit dem Kopf des anderen zu denken. Für uns wäre es sicherlich nicht möglich gewesen, einen Abschluss durch den Parteivorstand zu bringen, bei dem die ÖVP nicht den Bundeskanzler stellt.

Standard: Haider hätte auch Vizekanzler sein können.

Khol: Das wurde eigentlich nie besprochen. Aber ehrlich gesagt, wir waren froh, dass Haider nicht in der Regierung war. Es war klar, dass er sich nie in eine Kabinettsdisziplin einordnen wird. Er hat ja jede Woche eine Idee über den Semmering nach Wien geschickt, immer wieder und zwar immer wieder schwierigste Dinge.

Scheibner: Aber nicht immer die schlechtesten.

Khol: Schwierig, sehr schwierig, sehr fantasievoll.

Standard: Schüssel wird ja zugeschrieben die FPÖ kleingehalten beziehungsweise zerstört zu haben. Wie weit gab es da ein strategisches Kalkül?

Khol: Das stand nie zur Debatte. Das sind immer solche Strategeme, die von außen hineingelegt werden, Hans Rauscher ist da ein Meister solche Dinge zu erfinden. Schüssel war ein Teamspieler. Und es war ihm ein Anliegen, das hat er uns hundert Mal eingeschärft, der FPÖ auf gleicher Ebene zu begegnen. Das war ein echtes Team. Und der Wolfgang Schüssel hat ganz genau gewusst, das Experiment ist, wie Jörg Haider gesagt hat, auf zwei Gesetzgebungsperioden angelegt. Das kann nur fortgesetzt werden, wenn die FPÖ eine 20 Prozent Partei bleibt.

Scheibner: Ich bin stolz auf diese Zeit.

Khol: Ich bin auch stolz. Wir haben wirklich reformiert. (Michael Völker, Der Standard, Printausgabe, 30.01.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 218
1 2 3 4 5
Woyt'sa Vadshn?
 
41
Glatte Lüge!!!

Schüssel wollte sich als Wahlverlierer verabschieden und nicht in Haiders Mastdarm kriechen, um BK zu werden. Das war glatter Betrug am Wähler!

DAS hat der Wähler gewollt - somit kann von einer demokratischen Legitimation NIE UND NIMMER gesprochen werden!

Peter Hammer 06
33
Zwei Märchenonkeln tun was sie am besten können,...

...sie erzählen MÄRCHEN.

Kontrahent1
33
Da Sie persönlich dabei waren,

können Sie das auch beurteilen.

Peter Hammer 06
10
Als "homo politicus" erlaube ich mir das! .....

...Noch darf man es, sicher zu Ihrem Missvergnügen.

Dr.mumunator
14
Schönes und ehrliches Interview

das die wahren Politikverräter wieder einmal gut aufzeigt.

jean val jean
11

wie sie sich aufgeblasen haben
um größer zu wirken, als sie waren
groß war nur das unglück, das sie über die arbeitnehmer und die staatsbetriebe brachten

Jo H
00

nach waldheim und klestil die nächste katastrophe.
zum glück ist der kohl nicht mehr geworden.

Rauscher der Hundefreund
32
Der Khol ist noch fieser als fies

Dem Klestil jetzt Dinge zu unterstellen, die der wahrscheinlich nie gesagt hat, vereinbart sich mit seinem aufrechten scheinheiligen Katholizismus.

Vibrisse
01
der Klestil ist untadelig


fragen's seine Frau....

Vater von Lisa
00
Klestil war Präsident - doch er wäre viel lieber Kaiser gewesen.

Gott hab ihn seelig.

Kontrahent1
11
Der hat noch viel mehr gesagt,

und vor allem getan.- Empfehle E.Hofbauer 'Der Verrat'. Einen mieseren BP hatte Österreich niemals.

jean val jean
01

sein motto war schon immer: die wahrheit ist eine schwester der zeit!

Bello Ragazzo
00
31.1.2010, 23:55

Was is jetzt dran an den Gerüchten vom Herbert als Brecher des präsidialen Herzens?

Bello Ragazzo
02
31.1.2010, 23:48
Ich verrat euch ein Geheimnis:

"Morall und Anstand" waren niemals und zu keiner Zeit "politische Größen".

Des Wahnsinns knusprige Beute
36
31.1.2010, 22:14
Ein entscheidender Punkt wird bei der Bewertung immer wieder vergessen: Die Legitmation der Schwarz-Blau-Verfechter lautet, dass die Regierungsbildung angeblich DEMOKRATISCH gewesen wäre.

Genau das war sie nämlich NICHT, es war einfach BETRUG.

Schüssel hatte diese Koalitionsvariante vor der Wahl AUSGESCHLOSSEN. Dies war Wissensstand des Wählers bei der Stimmabgabe und Grundlage des Ergebnisses.

DEMOKRATISCH wäre einzig sein RÜCKTRITT gewesen. Er hatte im Sinne der demokratischen Möglichkeiten - Wahlergebnis, Koalitionsverhandlungen - versagt.

Die Sanktionen von aussen waren bekannt zu einem Zeitpunkt an dem die Regierung, noch nicht konstituiert war. Bleibt als retrospektives Resumée: Um dieses Land auszuplündern haben es schwarz-blau zuvor unter Applaus der Bevölkerung in Geiselhaft genommen.

Demokratieverständnis auf österreichisch ist das dann wohl. Zum Genieren für einen demokratischen Patrioten, eigentlich.

Voronwe
00
Wer einem Politiker glaubt, sollte gleich ungültig wählen...

Hier jetzt das Opfer zu spielen und mit "Aber ich hab dir doch vertraut" zu kommen, grenzt ja Naivität. Politker lügen nunmal, egal welcher Farbe, und ohne Populismus kommt man nicht so weit nach oben, schon gar nicht in Österreich. Es bleibt dem mündigen Bürger vorbehalten, übliches Blabla zu durchschauen, und dementsprechend sein Kreuzerl zu setzen...

Und: Ob die Wahl sehr viel anders ausgefallen wäre, wenn Schüssel Blau-Schwarz nicht ausgeschlossen hätte, wage ich zu bezweifeln.

Des Wahnsinns knusprige Beute
00

Noch was:

Aus den Analysen der Wahl 99 ging ziemlich deutlich hervor, dass die FP-Zuwächse im Wesentlichen von Protest gegen rot/schwarz motiviert waren und nicht, weil die Wähler die FP in der Regierung sehen wollten: Die offene Ansage der Möglichkeit einer schwarz-blauen Koalition hätte da durchaus Potential zu gewichtigen Verschiebungen gehabt.
Auch den Ausgang der Wahl 2002 lässt Schlüsse in diese Richtung zu.

Des Wahnsinns knusprige Beute
00
Bitte?! Von welchen "mündigen Bürgern" reden Sie da?

Der "mündige Bürger" hat es also hinzunehmen, dass ihn Politiker verschei55ern, belügen und aussackeln?
Der "mündige Bürger" hat darüber seine G0schn zu halten und sein Kreuzerl zu machen?

Erstaunlich, mit welchen abstrusen Konstrukten sich manche diese Truppe immer noch schönsaufen wollen.

Übrigens - das einzige "Opfer", das ich hier sehe sind Sie: Ein Opfer ihrer eigenen Polemik.

Voronwe
01
Na von Ihnen sicher nicht...

Von hinnehmen war keine Rede; von erkennen sehr wohl. Das Bild eines ehrlichen Politkers ist reinste Utopie, was nicht heißt, dass man das so akzeptieren muss. Sie können sich so viel aufregen, wie Sie wollen, aber mit großen Augen und einer rosaroten Brillen werden sie nicht Bundeskanzler. In jedem Wahlkampf fallen zig Sprüche, von denen von vorherein klar ist, dass sie so nicht gehalten werden können, aber so funktioniert Demokratie eben: Man sagt, was die Menge hören will.

Opfer ist hier nur, wer das nicht wahrhaben will, alle anderen denken halt bei der Stimmabgabe ein wenig nach. Und das hat nichts mit dem "schönsaufen" einer "Truppe" zu gemein, das gilt generell und international...

Des Wahnsinns knusprige Beute
01
Die sinnerfassende Lektüre meines Eingangspostings

sollte Sie eigentlich dahingehend erhellen, dass es nicht um ein naives Idealbild eines ehrlichen Politkers geht, sondern darum, dass sich ethisch-moralische Standards und ein Selbstverständnis der Politik in Ö etabliert haben, dass es einer Sau graust. Ein Unterschied, den mancher wohl gern klavierspielen können wollte.

In diesem Rahmen ist es zB. hierzulande seit Schüssel/Haider möglich, dass - wie auch Sie das tun - mit dem wort "demokratisch" Sauereien aller Art nicht nur für das breite Publikum legitimiert werden, sondern auch Kritik daran als illegitim dargestellt wird.

Das darf hoffentlich als höchst beunruhigende Entwicklung erkannt werden. Zumindest für jemanden, der sich nicht auf eine Rolle als Stimmvieh reduzieren lassen will.

Voronwe
00
Die sinnerfassende Lektüre Ihres Eingangspostings

kann einen bestenfalls dahingehend erhellen, dass die derzeitige Situation etwas Neues darzustellen vermag. Dem ist aber nicht der Fall.

Egal um welche Regierungsform es sich handelt(e), und egal welche Legitimation Regierende für sich beanspruch(t)en: Man stolpert nicht über Lügen, Korruption und Heuchlerei, nein, man stolpert über Wahrheit, Redlichkeit und Ehrlichkeit. Politik, speziell in einer Demokratie, IST eben so, und Empörung wird daran nichts ändern.

Das mag bestimmt nicht das Optimum darstellen, aber stellen Sie sich mal die Alternativen vor. Oder, um Churchill zu zitieren: "Democracy is the worst form of government except for all those others that have been tried."

Des Wahnsinns knusprige Beute
00
Es sind halt auch schon Hausherren gestorben, (zb. Schüssel 06) -

nicht zuletzt an jener Attitüde, die Sie hier zelebrieren, fast so genüsslich wie Khol himself: Macchiavelli mit Zitaten behübscht - und jeder Kritik Legitimität oder Sinn abzusprechen. Großes, naja - mittelprächtiges, Kino - und es funktioniert sogar eine Zeit lang.

Demokratie umfasst halt auch öffentliche Meinung, Diskussion, Empörung, Protest - die ethische Richtlinien im politischen Gefüge mitbestimmen, und Rechtfertigungsdruck auf die Herrschenden ausüben.
Und das ist ein dynamischer Prozess. QED.

Weise Herrschende wissen die Funktionen dieser Korrektive übringens auch zu schätzen.
"You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, fool but you can't fool all the people all the time." (Lincoln)

Voronwe
00
Quod errat demonstrator

Öffentliche Meinung, Diskussionen, Empörung & Protest mögen Teil einer Demokratie sein - wobei, ich möchte hier weiter gehen und sagen: Dies sind Bestandteile jeder Herrschaftsform, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung - doch so wichtig diese Elemente sein mögen, so heuchlerisch ist ihr Anspruch auf Veränderung. Es kommt nichts besseres nach.

Im Angesicht von Macht und Geld fallen alle Prinzipien, alle Vorsätze, jegliche Moral. Man kann sich darüber empören, aber dabei verschließt man seine Augen nur vor der Wahrheit. Es ist ein dynamischer Prozess, ja, aber er fängt immer und immer wieder von vorne an. Und dies muss einem bewusst werden.

Des Wahnsinns knusprige Beute
00
Sie haben schon recht: Wie heuchlerisch der Anspruch auf Veränderung sein kann -

welches Beispiel dokumentiert das besser, als die Rechtfertigungen der schwarz-braunen Bande rund um die Regierungsbildung 2000, die sie hier zu lesen bekommen? Aber keine Frage, es gibt jede Menge davon.

Und die Wahrheit? Welche? DIE Wahrheit, Ihre, meine, die Wahrheit des Lesers?

Keine Wahrheit - aber Fakt: Jahrtausende der Zivilisationsgeschichte zeigen, dass Korruption in jeder Herrschaftsform no-na-ned-part-of-the-game ist. Ja, und wer hat das je bestritten?

Aber das Spektrum zwischen Diktaturen und nicht zuletzt auf Werthaltungen - nicht "Wahrheiten" - von Menschen basierender Errungen-schaften wie Demokratie und erlauben Handlungsspielräume.

Und ob das, was nachkommt besser ist, wer kann das vorher mit Bestimmtheit sagen?

jean val jean
01

schüssel: ein kleiner, der auch einmal groß sein wollte

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 218
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.