Ungestüm ins Nichts

28. Jänner 2010, 16:44
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    foto: warner

    Erschienen bei Warner, Region 2

Seth Rogen als Mall-Cop in der US-Komödie "Shopping-Center King"

Das Revier ist überschaubar, und genaugenommen ist es gar kein richtiges Revier. Ronnie Barnhardt (Seth Rogen) nimmt seinen Job als Security in einer Shoppingmall dennoch übergenau. Er gehört zu jenen Menschen, die einer aus lächerlichen Routinen zusammengesetzten Tätigkeit mit persönlichem Einsatz Bedeutung zuzuführen versuchen. Den Gratiskaffee genießt er wie eine Ehrenrunde. Doch der Umstand, dass er manisch-depressiv veranlagt ist und gelegentlich zu Gewaltausbrüchen neigt, lässt ihn als Autoritätsfigur nicht überzeugender erscheinen.

Jody Hills Film Shopping-Center King (Observe and Report) entstammt dem erweiterten Umfeld der Judd-Apatow-Truppe, die der US-Komödie seit ein paar Jahren mit ungewöhnlichen Gesichtern und veränderten Problemstellungen neuen Elan zuführt. In diesem Fall liegt die Qualität in einer besonderen Sensibilität für die sinnfreieren Momente eines Arbeitsalltags - für jene Peinlichkeiten und Kalamitäten, die vor allem in ganz banalen Abläufen lauern. Das erinnert ein wenig an den Vérité-Stil von TV-Serien wie The Office, geht darüber aber hinaus, weil den Charakteren hier eigentlich jede Form von kritischer Selbstwahrnehmung fehlt.

Für erzählerischen Schwung sorgt nicht von ungefähr ein Exhibitionist, der auf dem Parkplatz Frauen mit unflätigen Aussprüchen entgegentritt. Er funktioniert wie eine Alternative zu Ronnie, der immer noch bei seiner (alkoholkranken) Mutter (Celia Weston) lebt und sich mit der Jagd des "Perverslings" nun seinerseits erhofft, Manneskraft demonstrieren zu können. Im direkten Vergleich mit dem richtigen Detective (Ray Liotta), dem der Fall unterstellt wird, macht der Möchtegern-Cop allerdings eine ähnlich schlechte Figur wie in der Verführung der Parfumverkäuferin Brandi (Anna Faris): direkt und ungestüm ins Nichts.

Jody Hill trifft in Shopping-Center King wiederholt so schräge Tonlagen, dass es schwerfällt, noch von einer Komödie zu sprechen. In seinen wahnhaftesten Momenten wirkt der gedemütigte Ronnie, der davon träumt, endlich mit Schusswaffeneinsatz aufzuräumen, wie ein übergewichtiger Wiedergänger von Racheengeln wie Travis Bickle aus Taxi Driver: Ein Riesenbaby, das Recht sprechen will. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD; Printausgabe, 29.1.2010)

 

Wickinger
01
28.1.2010, 18:25
straight-to-dvd-release?!?

war dieser film überhaupt im kino? kann mich gar nicht an ihn erinnern. wir wissen ja was von straight-to-dvd-releases zu halten ist. klingt fast wie ein sequel zu paul blart mall cop, und das war ja auch so ein film von dem man sich gewünscht hätte, er wäre nie gedreht worden...

Alter Störenfried
00
29.1.2010, 00:20
Ja, DVD

Hierzulande erscheint der Film volley auf DVD. Was aber nicht bedeutet, er sei schlecht.

Ich habe zwar diesen Film noch nicht gesehen, die Vorschau wirkt aber wie das komplette Gegenteil von "Paul Blart": http://www.youtube.com/watch?v=0-6FxYuldUU

Generell sind DVD-Release nicht immer schlechte Filme. Beispielsweise erschien vor ein paar Tagen "Durst" von Park Chan-wook ("Oldboy") bei uns auf DVD: http://www.youtube.com/watch?v=kG4AV6kLrKY
Weitere Beispiele? "The Hurt Locker", "The Illusionist", "The Painted Veil"...

DVD-Release ist nicht gleich schlechter Film.

Hythlodeus
00
29.1.2010, 00:19

war in den USA recht erfolgreich im kino, bei uns aber nicht.

der artikel ist generell eine zeitreise, der DVD release war bereits vor monaten, das filmchen steht seit november bei mir daheim.

Alter Störenfried
00
29.1.2010, 00:21
Eben nicht.

Von Erfolg kann man bei dem Film wahrlich nicht sprechen: http://www.imdb.com/title/tt1... 8/business

23 Millionen Einspielergebnis und durchschnittliche Rezensionen. Ein Kassenschlager - wie etwa "Pineapple Express" (auch nur auf DVD erschienen) - war der nicht.

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