Paid Content durch die Hintertüre?

Roland Kreutzer, 29. Jänner 2010 15:42
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    Es gibt nur Gewinner der Diskussion über Paid Content.

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    Roland M. Kreutzer, Tripple Internet.

Bezahlinhalte haben sich im der Bereich "Mobile" bereits durchgesetzt - Ein Ad-Blog über die Chance "Geld gegen Inhalte"

Bezahlinhalte im Internet haben wieder einmal Saison. Ich zähle schon gar nicht mehr, wie oft die NYT auf Paid Content setzt und dann doch wieder zurückrudert. Und die Diskussionen, die Rupert Murdoch mit seinem Vorschlag zur Finanzierung seiner Medien ausgelöst hat, sind auch nicht neu.

Trotzdem glaube ich daran, dass das Geschäft "Geld gegen Inhalte" aktuell eine Chance wie schon lange nicht hat, sich durchzusetzen. Doch das neue Selbstverständnis im Geschäftsmodell könnte andere Ursachen haben, als die Krise und der Finanzierungsdruck bei großen Redaktionen. Und die Änderung dürfte nicht einmal aus dem Web kommen.

Wo sich Bezahlinhalte nämlich bereits durchgesetzt haben, ist der Bereich "Mobile". Sowohl Inhalte des engeren Kreises der Mobilfunk-Anbieter waren von Beginn an nicht kostenfrei, als auch die neuen Inhalte via Apps und mobiler Dienste, die nun über die diversen Stores daherkommen. Es gibt da wenig Berührungsängste der User mit der Bezahlung, die meist über den Betreiber des Handy-Netzes oder Stores abgenommen wird. Von der Zeitung als eBook oder Push-Dienst bis hin zu multimedialem aktuellen Content - hier ist es gelernt, zahlen zu müssen, bevor man kommunizieren kann.

Da tut sich also eine neue Geldquelle auf, die man an den richtigen Stellen zu nutzen wissen wird. Paid Content wird auf diesem Weg eine gerne gesehene Umsatzquelle für die mobilen Angebote der Zeitungen etc. werden. Noch einen Markt zur Gratis-Kultur zu erziehen, wird kaum jemand wagen. Doch was dann?

Konvergenz führt (möglicherweise) zu Kulturwandel

Dass sich die Web-Angebote am Handy und im "richtigen Internet" zueinander bewegen, ist auch offensichtlich. Was zusammen gehört, wird auch wieder zusammen wachsen. Bessere Smartphones und Technologien für Websites, sich an Displays anzupassen reichen aus, um das normale Internet auch am Handy erlebbar zu machen. Spätestens dann muss man seine kostenpflichtigen Handy-Angebote mit einem USP versehen, damit der Preis noch gerechtfertigt bleibt. Exklusive und aktuelle Inhalte werden dann den zahlenden Kunden vorbehalten bleiben, will man weiter Geld von ihnen haben.

Was folgt, ist ein Paid-Content-Modell, das durch die Hintertür eingeführt wurde. Billiger Content wird weiter gratis im Web stehen und zahlende Leser haben den Zugang zu exklusivem Material. Folgerichtig sinken Reichweiten solcher Hybrid-Medien und es kommt zu Verlagerung der Interessen hin zu den neuen Umsatzquellen. Und natürlich auch ein Verlust an Lesern an weiterhin kostenfreie Medien oder welche, die etwa durch Pay-TV quersubventionieren können. Insbesondere freie Medien könnten da freilich auch neue Bedeutung bekommen.

Als Betreiber von Medien könnte mich der neue Trend zu Paid Content, egal wie erfolgreich er diesmal sein mag, durchaus freuen. Als Vermarkter aber auch, selbst wenn es für mich als Vertreter der Onlinewerbung nicht so aussieht. Aber zwei Dinge machen das Thema auch für die Werbung im Internet so interessant: Einerseits sind Inhalte, für die auch bezahlt wird, alleine schon aufgrund des möglichen "Preisschildes" mehr wert. Andererseits wird die Alternative zur Onlinewerbung als Finanzierung freier Inhalte damit erst richtig plastisch für die User: Man könnte auch zahlen, statt Werbung mit Freude zu akzeptieren. Es gibt also ohnehin nur Gewinner der Diskussion, egal wie sie ausgeht ;-) (Roland M. Kreutzer/derStandard.at, 28.1.2010)

Zur Person: Roland M. Kreutzer ist Geschäftsführer von Tripple ad-locator.net.
ad-locator.net
, kreutzer@tripple.at

Kommentar posten
24 Postings
Roland Kreutzer
02.02.2010 18:34
WB

oh je, da hat sich jemand mein posting schnell zu herzen genommen ;-)

http://derstandard.at/126370643... Online-Abo

Fritz de Pomme
01.02.2010 12:43
ja, eh

wird schon den einen oder anderen Euro bringen, dieses PaidContent. Auch und vielleicht noch mehr am Handy.
Nur: weil's irgendwelchen freiberuflichen Programmierern ein paar Netsch bringt, iPhone Apps zu verkaufen, muss das für etablierte Medienunternehmen mit ihren hohen Fixkosten noch lange nicht relevant sein. Ich glaube sogar, dass es für etablierte Medienunternehmen schädlich ist, den Fokus auf dieses Pimperlthema zu legen. Glauben die wirklich, mit PaidContent jenes Geld zu verdienen, das gerade auf nimmerwiedersehen aus der klassischen Werbung rausrinnt? Verzweiflung, Hoffen&Beten ist kein gutes Businessmodel.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01.02.2010 01:16
Ich

werde mich nie, niemals an das bezahlen müssen gewöhnen!
Kostenlos ist nützlicher als umsonst!

sterngucker
 
30.01.2010 17:02
"Es gibt da wenig Berührungsängste der User mit der Bezahlung"

Ins Deutsche übersetzt: man findet dort genug unbedarfte Idioten, die sich für jeden Müll abzocken lassen.

Roland Kreutzer
30.01.2010 17:21

Auch eine Schreibweise. Das gälte dann aber auch für Pay-TV, Zeitungen in der Trafik etc.

Ich meine: Es gibt im Web tatsächlich eine Gratis-Kultur, in der man meint, alles sei kostenlos. Dass Werbung und andere Umweggeschäfte den Inhalt finanzieren, sieht hier niemand. Am Handy hat sich das bisher nicht so entwickelt und User sehen dort noch ein, Geld (nicht nur indirekt) zahlen zu müssen.

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
25.02.2010 23:11

Sie sollten (alle) an der Terminologie arbeiten. Wenn ich was nehme ohne es bezahlen zu müssen und da ist Werbung mit drinnen, dann ist das ganz sicher nicht gratis.

Nicht mal, wenn ich es klau.

sterngucker
 
01.02.2010 12:15
In der Trafik

passiert es mir eigentlich nie, daß mir der Trafikant einen beliebigen Geldbetrag aus der Tasche zieht, sobald ich eine Zeitschrift in die Hand nehme und durchblättere.

Ich meine: es gibt im Telekombereich eine Klau-Kultur, die dem Kunden jede Kontrolle über Leistung und Entgelt nimmt.

0815-Kommentar
31.01.2010 19:16

Auch am Handy zahlt niemand für das Zeitunglesen oder eine Google-Suche. Es funktionieren "Waren"-Angebote wie Klingeltöne, Software (halt App genannt), Dienste wie Navi.

Und noch etwas: Welche Information, die ein Journalist hat, soll 6 Stunden oder von mir aus auch 12 Stunden vorab für eine genügende Anzahl von Menschen so wichtig sein, dass sie dafür extra zahlen?
Für 5 Bezahlabrufe brauche ich das System nicht aufbauen.

Roland Kreutzer
31.01.2010 19:56

Videos im Abo etc. gehören auch in den Bereich Content. Und ob die Headlines einer Zeitung "App" genannt werden, ist auch nur Begrifflichkeit.

Anderes reales Beispiel aus meinem Hobby-Umfeld bekannt: digitalkamera.de macht Kameratests - Kurztext ist frei, ein Abruf des kompletten Tests kostet ein paar Euro (IMHO rund 2 Euro), es gibt auch Pakete und Flat-Abos. Die Tests gibts sicher auch anderswo, in den USA meist sogar weit früher. Durch Reputation und Komfort sind es die Tests aber wert und ich glaube dass nicht wenige die paar Euro ausgeben, bevor sie einen teuren Kauf machen.

fototv.de ist ähnlich gelagert. Hochgerechnet und auf Dauer ergeben Abos schnell gute Einkommenszahlen pro Monat. Und guter Content für die Kunden.

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
25.02.2010 23:15

Das große Problem ist ja nicht, dass die Leute für besonderen Content nicht bezahlen wollen. Das Problem ist, wie versichere ich vorher glaubwürdig, dass das wirklich was besonderes ist. Probefahren geht ja nicht.

Also das Cent-Modell haut nur hin, wo man es mit renommierten und bekannten Autoren zu tun hat.

Und wehe, irgendein Medium (ist ja schon passiert) dreht dem User ein Advertorial als Premium Content an.

Roland Kreutzer
26.02.2010 10:59

Ich kann mir schon gut vorstellen, dass man den Wert feststellbar machen kann. Empfehlungen und Ratings etwa oder eine Geld-zurück-Garantie. Die Geldempfänger werden sich da schon etwas einfallen lassen, es geht schließlich um Umsatz.

Der Ansatz von flattr http://www.tripple.net/contator/... ?nnr=42626 klingt auch spannend. da zahlt man eine "Flatrate" und teilt das Geld dann auf die Angeboten, die man genutzt hat. Nimmt das Risiko von den Kunden, ist halt intransparent für die Websites.

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
27.02.2010 11:34

Ich seh kein Risiko, ich seh nur den Unwillen, für etwas, das man nicht braucht, bzw. dessen Qualität nicht höher ist, als ein freier Inhalt, auch nur einen Cent auszugeben.

Das Internet ist halt ein Ort, wo man erst nachher weiß, was man bekommen hat. Vielleicht führt der Weg über bessere Suchtechnologien und detailliertere Beschreibungen von Inhalten auf der Metaebene.

Oder doch Abos. Denn bei meiner Zeitung akzeptiere ich auch, dass sie mir zu 70% Inhalte liefert, die mir recht egal sind.

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
27.02.2010 01:06

Der Ansatz ist gut aber leider manipulierbar.

Eigentlich kann ich es mir nur so vorstellen:

Ein Artikel, 2000 Zeichen etwa, wo das wichtigste drinn steht. Dann, lieber Leser, jetzt haben wir noch eine ausführliche Reportage oder noch zwei Artikel zu dem Thema und eine Fotostrecke dazu. Aber, wir sagen dir gleich, die grundlegende Erkenntis steht im Gratisartikel drinn.

Diesen anderen Ansatz schau ich mir morgen an.

Roland Kreutzer
27.02.2010 14:45

also wenn die 2000 zeichen alles beinhalten, warum sollte man dann noch zahlen?

ich habe BTW. einmal mit jemandem gesprochen, der erfolgreich eine spenden-variante gemacht hat. alle inhalte sind frei zugänglich, nur am ende stand ein "hats gefallen dann spendier mir einen cafe" mit einem 1-euro-link zu paypal. er hat seinen angaben nach mehr geld mit der kaffeekasse gemacht, als mit seinen büchern. möglicherweise muss man es den lesern nur einfach machen, sich mit geld zu bedanken...

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
27.02.2010 15:24

Mit 2000 Zeichen kriegt man ja nur eine Kurzfassung zusammen mit Einleitung, eventuell Ausblick und den 2, maximal 3 wichtigsten Punkten. Wenn diese Basisinformation immer reichen würde, dann würde es ja gar keine längeren Artikel und schon gar keine Bücher mehr geben. Die besten Buchbesprechungen, die ich gelesen habe, haben immer einen soliden inhaltlichen Überblick vermittelt und die wichtigsten Kernaussagen geliefert. So wie Sie es sagen, wäre es Zeitverschwendung, dass ich die Bücher dann auch lese.

Vorher-nacher spielt sicher eine Rolle und wie einfach es ist im Internet zu zahlen, da stehen wir ja auch erst am Anfang.


Roland Kreutzer
27.02.2010 16:12

OK, dann habe ich das falsch verstanden. Als Kurztext vor dem eigentlichen Inhalt ist es natürlich machbar.

Wo das nicht klappt, wäre bei einer "Meinung" oder typischen Tageszeitungsinhalten. Da wäre mit der Kurzfassung meist mehr Nutzen gestiftet als mit dem Langtext, bei einer Meinung ist das Thema auch schon durch, wenn man die Richtung kennt.

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
27.02.2010 20:06

Meinung wäre gut als Bezahlinhalt geeignet. Was der Faymann nach dem Ministerrat sagte, weniger.

Vielleicht wird das einmal Conentpyramide heißen. Die Spitze, das wichtigste gibt es gratis, und wenn man in die Breite gehen will, dann kostet es.

Das führt uns dann aber zum nächsten Problem: Dann müssen die Redaktionen ausschließlich dem Leser verpflichtet sein, nicht dem Anzeigenkunden, nicht dem Eigentümer.

Schwierig.

rud L
29.01.2010 20:51
was ist USP?

auch glaube ich nicht, dass content an sich (pornografie mal aussen vor) ohne werbung auskommen wird. Es gibt genügend konzepte facebook e.a.), deren modell nur auf genügend aufbaut für das anzeigengeschäft àla google. Dass paid content nicht funktioniert, sieht man schon beim kurier oder tt. relevant ist doch nur wie der CR im Leitartikel tickt, und online verfügbar, übrig bleibt die restfüllmasse der printausgabe. denn morgen sieht die welt schon wieder anders aus, gestern war. Contentgenerierung by user funktioniert auch dann nach dem gossip prinzip- und selbstgemacht! Bezahlinhalte machen nur für Nischenprodukte, Branchenmagazine oder eben Pornografie Sinn.

Roland Kreutzer
29.01.2010 21:29

Und was, wenn zB. Exklusives und Hintergrundberichte (nicht die normalen Nachrichten, das ist richtig) erst 6 Stunden nach dem Premium-Bereich im Gratis-Web landen? Oder Weiterführendes, spezielle Funktionen etc. bezahlt werden müssen? Oder die besondere Präsentation (multimedialer, persönlicher, schneller...) einen bezahlbaren Mehrwert liefert? Da könnte noch etwas kommen (bei den großen Medien...)

Das zahlen aber nur Unternehmen, Old-Media-Konsumenten und Spezialisten eines Bereichs, der web-affine Rest wird Gratismedien nutzen (und für seinen Zweck finden). Darum mein Fazit: Es gibt nur Gewinner dabei.

rud L
29.01.2010 21:49
6 stunden

zeitvorteil müssen sie erst lukrieren können. nun kommt es an welche nachrichten sie verkaufen. wirtschaftsdienste oder janes defense haben ihr bezahlsystem längst etabliert, aber was interessiert das den durchschnittskonsumenten, btw krone ist ja erfolgreich weil der content so reduziert daherkommt inklusive der meinung)). Den mEhrwert muss ich erst einmal ver-wert-en können, nur die Sensationsgeilheit kann ich mit google auch befriedigen. Für Medien mit Abo- System ist es allerdings höchst an der Zeit, ihre User zu "feeden" über applikationen mobil, web. Wobei zu bedenken ist, dass die services branchenspezifisch schon, und auf andererseits wie damit neue kunden aquiririert werden sollen. bankenino 6h später für billa kassierer?jaund?

Roland Kreutzer
29.01.2010 22:06

Wenn der wirtschaftlich wichtige Hintergrundbericht im Branchenteil die relevanten Personen der Branche erst einen halben Tag später erreicht, haben die mit Premium-Zugang einen Vorteil. Da zahlen einige Leute gerne Geld dafür.

Wenn im Kleinanzeigen-Bereich neue Inserate sechs Stunden früher einsehbar werden, zahlen andere Leute gerne Geld dafür.

Wenn ein wichtiges Chart erst in 6 Stunden sichtbar wird, warten wiederum andere nicht so lange und zahlen lieber.

Wenn mir eine Information Zeit spart, ist mir das Geld wert.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Und trotzdem würden die, die ein kostenloses Web wollen, noch eines bekommen. Sogar gleich schnell, vermutlich. Was denen egal sein kann, die trotzdem dran verdienen.

rud L
29.01.2010 22:30

kriegen tu ich das was ich will. Ich kann mich noc an gratisblätter erinnern die an einem bestimmten vorabend im bundle mit tageszeitungen verkauft wurden. erst am nächsten tag gab es die gratis in der trafik und an der haustür. das gibt es heute nicht mehr. warum nur. 6 stunden da müsste ich schon ein ausserordentliches gehalt oder beschäftigungsverhältnis haben (schliesst sich irgendwie aus, oder? ). Und denken sie mal an die Inserenten, wen wollen die ausschliessen, die wollen einen grossen überblick, 6h +- , no way.

yada yada yada
29.01.2010 21:10
Roland Kreutzer
29.01.2010 21:24

lmgtfy.com ist genial, danke für den link ;-)

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