EU-Parlament lehnt SWIFT-Abkommen ab

28. Jänner 2010, 13:10

EVP-Fraktion: "Breite Mehrheit gegen Übergangsabkommen"

Brüssel - Das EU-Parlament wird aller Voraussicht nach am 10. Februar in Straßburg das umstrittene Bankdatenabkommen mit den USA (SWIFT) mit deutlicher Mehrheit ablehnen. Der deutsche CDU-Abgeordnete Werner Langen und der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber erklärten am Donnerstag in Brüssel, das Parlament werde dem Abkommen nicht zustimmen. Nach Ansicht von Langen, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion im EU-Parlament, kann im Gegensatz zu bisherigen Annahmen das SWIFT-Interimsabkommen auch nicht am 1. Februar vorläufig in Kraft treten. 

SPÖ erfreut über EVP-Haltung

 

Die SPÖ-Abgeordneten im EU-Parlament sehen die von dem deutschen CDU-Europaabgeordneten Werner Langen angekündigte Ablehnung des umstrittenen Bankdatenabkommens mit den USA  als "positiv". Der SPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, Jörg Leichtfried, erklärte am Donnerstag, ebenso wie in der EVP werde es auch bei den Sozialdemokraten eine "breite Ablehnung" geben. Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Ernst Strasser, wiederholte zwar, dass dem nun vorliegenden Text des Interimsabkommens "einige Zähne" gezogen worden seien, doch "gibt es erhebliche Zweifel, ob wir dem zustimmen. Ich habe meine endgültige Meinung noch nicht getroffen".

Nachdem die beiden größten Fraktionen im EU-Parlament - EVP und Sozialdemokraten - mit breiter Mehrheit dem SWIFT-Übergangsabkommen nicht zustimmen werden, und die Liberalen und die Grünen ebenfalls ihre Ablehnung bekundeten, ist die Bankdaten-Vereinbarung mit den USA damit spätestens nach der Abstimmung am 10. Februar gefallen. Fraglich ist lediglich, ob das Abkommen wie geplant mit 1. Februar in Kraft tritt, um dann nach einigen Tagen am 10. Februar wieder außer Kraft gesetzt zu werden. Langen erklärte, es hätten "alle drei Rechtsdienste von Kommission, Parlament und Rat übereinstimmend" die Meinung vertreten, dass "ohne Zustimmung des Parlaments auch die vorläufige Fassung bis Ende Oktober nicht rechtswirksam werden kann". Langen: "Völkerrechtlich kann das Abkommen nicht in Kraft treten, bevor das Parlament nicht zugestimmt hat."

Die Grüne EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger zeigte sich über die Entwicklung bei der EVP ebenfalls erfreut. "Ich bin sehr zufrieden". Immerhin könnte mit dem Abkommen der europäische Datenschutz in den USA überhaupt nicht aktiviert werden, außerdem bestünde die Gefahr des Missbrauchs von Daten sowie auch der Wirtschaftsspionage.

Leichtfried meinte, im Gegensatz zu Strasser seien dem Abkommen keineswegs Giftzähne gezogen worden. "Die Datenschutzprobleme sind weiterhin da, das geht weiterhin an Drittstaaten. Das Parlament wurde nicht vollständig informiert. Das bedeutet, dass das Parlament, wenn es seine Aufgabe ernst nimmt, nicht zustimmen kann." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
1 2 3 4
galiontariaho
02
ein vertreter der österreichischen bevölkerung sagt dazu also:

"Ich habe meine endgültige Meinung noch nicht getroffen"

soll das ein scherz sein?

Memorex
00
29.1.2010, 12:13
"...im Gegensatz zu Strasser

seien dem Abkommen keineswegs Giftzähne gezogen worden" - Strasser hatte Giftzähne?? Der Arme!

hismaster
14
29.1.2010, 09:43

Hab mehr Vertrauen in Eu-Politiker als in ihre Österreichischen Kollegen.

binGeladen
00
28.1.2010, 18:14
wo ist der trick jetzt?

Mostbluzer
00
28.1.2010, 18:09
heisst das dann,

dass die daten wieder illegal rübergeschoben werden, wie vorm auffliegen des skandals?.

also irgendwie landen die daten wieder drüben - ob mit oder ohne parlament.

Christoph ************
02
28.1.2010, 19:29

Ja - nur dass man SWIFT dann dafür verklagen kann.

Der Tourist
00
Swift hat nie etwas weitergegeben

Warum soll SWIFT verklagt werden?

SWIFT hat wegen rechtlicher Probleme die Entscheidung getroffen, bis zur EU-Parlamentsentscheidung keine Kontobewegung an die USA melden.

Wennso Weitergeht...
02
28.1.2010, 18:03
Jetzt bitte nimmer umfallen

zum Glück sitzen dort nicht nur Österreicher

estewe
00
28.1.2010, 17:58
Danke!

Bluestone
60
28.1.2010, 17:41

Also was jetzt?

Am 30.11. hat das EU Parlament (leider) noch zugestimmt und jetzt rudern sie zurück (Gott sei Dank) ?

http://derstandard.at/125928081... abgesegnet


Christoph ************
07
28.1.2010, 17:58

Das war nicht das EU Parlament, dass da zugestimmt hat sondern der Rat. Das Parlament hat darüber noch gar nicht abgestimmt.

Bluestone
20
31.1.2010, 06:58

sch...-egal, wer abgestimmt hat-es ist in Kraft, was gar nicht sein dürfte.

galiontariaho
00
eben nicht schei**-egal...

denn auch wenn der rat zustimmt, das parlament wird in 10 tagen ein nein abliefern.

aber richtig ist, dass volksvertreter gegen das volk agiert haben, als sie im rat dafür gestimmt haben.

skip it
00
29.1.2010, 12:25
es ist halt alles sehr kompliziert...

saoTan
15
28.1.2010, 17:06
Bravo!!

Demokratische Kontrolle in Europa - dass wir das tatsächlich erleben, unglaublich! Danke!

qe1
34
28.1.2010, 16:50
einfach nur

danke!

Dreistein
 
14
28.1.2010, 16:32

Dieser Vertrag wurde nicht zufällig genau einen Tag vor Inkrafttreten des Lissabonvertrages noch rasch über die Bühne gebracht und ratifiziert. Damit gilt dieser Vertrag auch und das EU Parlament hat darauf keine Einflussmöglichkeit mehr. Denn wenn dies nicht so wäre, könnte das EU Parlament ja sämtliche Richtlinien und Verträge kippen, die vor Inkrafttreten des Lissabonvertrages

Christoph ************
02
28.1.2010, 17:30

Das ist nicht korrekt. Auch vor dem Lissabonvertrag hatte das Parlament, seine Zustimmung zu so einem Vertrag abzugeben. Es konnte aber nicht an der Erarbeitung mitwirken, sondern nur zustimmen oder ablehnen. Das ist hier nicht anders.

Fehlt diese Zustimmung ist dieser Vertrag klar rechtswidrig, sollte er davor in Kraft treten.

Dreistein
 
00
28.1.2010, 17:49
Die normative Kraft des Faktischen

Mag ja sein, dass die Sozialdemokraten und hier besonders der Herr Leichtfried an die Macht des EU Parlaments glauben, er vergisst aber die normative Kraft des Faktischen. Daher sehe ich den Vorstoß der Christdemokraten als reine Spiegelfechterei, um hier irgendwie gut da zu stehen. Da ist der Strasser - dem das Normative ja nicht unbekannt ist, sei's als Innenminister oder als ÖVP Spitzenkandidat gegen Karas für das EU Parlament - schon "ehrlicher", wenn er abwiegelt und von gezogenen Giftzähnen schwafelt, um später sagen zu können, dass ja eh alles nicht so schlimm ist.

Jörg Leichtfried
00
28.1.2010, 23:44
werte(r) Dreistein

ich denke man sollte das Europäische Parlament nicht unterschätzen. Wenn wir eine Mehrheit für die Ablehnung bekommen, was noch nicht sicher so sein muß, ist das gut für Europa und gut für die europäische Demokratie - und, wenn die normative Kraft des Faktischen ausgehebelt werden kann, dann durch demokratische Prozesse.

Wenn man das nicht für möglich hält sollte man nicht Europaabgeordneter sein, ich halte es aber definitiv für möglich .

derfalke
113
28.1.2010, 17:04
Diese ganze EU ist ein Witz.

Sie schadet den steuerzahlenden Bürgern der Nettozahler-Mitgliedsstaaten viel mehr, als sie nützt.

Warum waren wir Österreicher nicht so klug wie die Schweizer oder Norweger, die diesen teuren und bürokratischen Irrsinn nicht mitmachen?

galiontariaho
00
böse eu....

auch eine dieser bösen organisation, die des falken korruptes land finanziert.

wenn wir mal öl finden wie die norweger, dann machen wir das wie der kluge falke es sich ausgedacht hat ;)

auf jeden fall ein weiterer "kluger" beitrag des falken.. vielen dank

skip it
01
29.1.2010, 12:42
foromat, die2.: ueberlassen sie bitte diese beurteilung jenen,...

...die tatsaechlich steuern zahlen.

die braunwaehler gehoeren mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit bestenfalls im infinitesimalbereich zu dieser bevoelkerungs-schicht.

skip it
03
29.1.2010, 12:35
die schweizer haengen voll mit drin...

...aber duerfen ganz fest die gosch'n halten.

ein wahrlich erstrebenswerter zustand.

und des mit den "nettozahlern" kann ich grad von an oesterreicher bald nimmer hoeren.

des land zahlt NETTO max. 600-800 mio€/jahr, aber dafuer riskieren die wie immer ignoranten braunen des grosse spendierhosen-lipperl.

ausserdem wuerd mich grad von den braunen waehlern interessieren, wieviel die wirklich so alle an steuern zahlen.

nahezu nix, wenn man den statistiken glauben darf. also halten s' bitte die luft an: die TATSAECHLICH STEUERN zahlenden san naemlich auf ihren schas nix neugierig.

Peter W1
 
11

Die Schweiz kann EU-Bestimmungen nachvollziehen, muss es aber nicht. Österreich hingegen wird bei jeder Abstimmung mit qualifizierter Mehrheit wie jeder Kleinstaat regelmäßig überstimmt, weil diese alleine von den Großstaaten bestimmt werden.

Was soll also die naive Rederei von Mitbestimmung?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.