Spindelegger: "Keine Berührungsängste mit Kuba"

27. Jänner 2010, 20:11

Außenminister für stärkere Lateinamerika-Beziehungen

Wien - Lateinamerika werde für Österreich wirtschaftlich immer wichtiger. Obwohl auch in dieser Weltregion die Wirtschaft zuletzt geschrumpft sei, werde sie sich rascher erholen als die europäische und 2010 im Schnitt wieder ein fünfprozentiges Wachstum aufweisen. Dies sagte Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) am Dienstag bei der Jahresversammlung des Österreichischen Lateinamerikainstituts (LAI) in Wien.

Im eigenen Interesse und mehr als manche anderen EU-Staaten stehe Österreich deshalb hinter den Plänen der spanischen Präsidentschaft, die am 17. und 18. Mai in Madrid einen EU-Lateinamerika-Gipfel (EULAC) ausrichtet. Weil heuer etliche lateinamerikanische Länder 200 Jahre Unabhängigkeit von Spanien feiern, ist zu erwarten, dass es viel Kritik an der kolonialen Vergangenheit geben wird. Nach vorn schauend, wollen die Spanier die Beziehungen zwischen den Gipfeltreffen durch eine permanente "EULAC-Stiftung" intensivieren.

"Wir sollen keine Berührungsängste haben, auch nicht zu Kuba" , sagte Spindelegger. "Die Menschenrechtsstandards müssen aber berücksichtigt werden."

Als aktuellsten Problemfall der Region bezeichnete der Minister Honduras, wo am Mittwoch der in umstrittenen Wahlen siegreiche Porfirio Lobo die Präsidentschaft übernahm. Die Wahlen seien von der EU als wichtiger Schritt gelobt worden, sagte Spindelegger, der es bedauerte, dass die vereinbarte Respektierung der Rechte des in einem Putsch abgesetzten früheren Präsidenten Manuel Zelaya nicht zustande kam. "Die Zeit der Diktaturen ist vorbei," sagte Spindelegger, der hoffte, dass dieser die Region entzweiende Konflikt nicht die Assoziierungsverhandlungen der EU mit ganz Zentralamerika beeinträchtigen werde. Begonnen hatten diese Gesprä-che beim EU-Lateinamerika-Gipfel 2006 in Wien.

Für die erste Jahreshälfte 2010 kündigte Spindelegger an, mit einer umfangreichen Wirtschaftsdelegation nach Brasilien reisen zu wollen. Zum Thema Katastrophenhilfe sagte er, dass die Bundesregierung für die Opfer des Erdbebens in Haiti 3,3 Millionen Euro aufgewendet habe.

Brennpunkt Kolumbien

Zur Lage in Kolumbien, wo im Mai gewählt wird, hatte das LAI am Montag ein Symposium in Wien mitveranstaltet, das das österreichische Institut für internationale Politik (OIIP) organisierte. Die Verhältnisse in dem für Österreich wirtschaftlich zunehmend interessanten Land wurden von Experten durchwegs als instabil bezeichnet. Es wird erwartet, dass der konservative Präsident Álvaro Uribe per Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit anstrebt. Zu der von Uribe behaupteten Verbesserung der Menschenrechtslage wurden Zweifel angemeldet. Der interne Konflikt mit der Farc-Guerilla verschärfe auch die Beziehungen Kolumbiens zu den Nachbarn Venezuela und Ecuador, sagte der Politologe Wolf Grabendorff, der auf eine Vermittlung Brasiliens hoffte. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2010)

 

Kommentar posten
14 Postings
Student der Magie
12
Persönliche Einschätzung:

solange keine wirkliche Rechtsstaatlichkeit in Honduras hergestellt ist sollte dieser Staat aus allen Verhandlungen ausgeschlossen werden.
Leider tun dies weder die EU und schon gar nicht die USA.

Ansonsten sind Annäherungen an südamerikanische Länder, oder gerade mit aufstrebenden Staaten wie Brasilien sicherlich positive Aspekte.

Dies wird aber nur gehen, wenn man faire Politik betreibt, was bisher leider zumeist ausgeblieben ist (siehe Schuldenpolitik, die den südam. Ländern aufgelegt wurden: Brasilien musste für die Freiheit sämtliche Schulden Portugals an England begleichen, und zahlte Jahrzehnte alleine dafür 50 Mrd. € Zinsen pro Jahr an Europa.

Nur noch ausbeuten lassen sich die Südamerikaner nicht mehr so leicht...

En Sabah Nur - Apocalypse
00

Tun Ö einen Gefallen und fahrens einfach mal nach Lateinamerika, unsere Industrie und Mittelstand braucht Aufträge, und die gibts nicht wenn immer nur in Wien sitzen.

Nicolas Castillo
52
28.1.2010, 14:58
wieder bezeichnend ...

der interne Konflikt in Kolumbien verschärfe die Beziehungen zu Venezuela und Ecuador ...

Man stelle sich vor, Österreich hätte früher die RAF in Deutschland unterstützt, ich befürchte die Beziehungen hätten sich auch verschärft, oder?

Ausserdem entspannen sich die Beziehungen zu Ecuador gerade merklich, Correa hat wohl mitbekommen, dass es ohne kolumbianische Energielieferungen leider sehr dunkel in Quito wird. Da helfen auch ein paar Sparlampen aus Miraflores herzlich wenig.

Josef Rohaczek
00
28.1.2010, 09:03
KOLUMBIEN: Allein gegen alle Bedrohungen?

Das Symposium im Festsaal der Diplomatischen Akademie Wien am 25.01.2010, widmete sich den internationalen Beziehungen Kolumbiens, der Bilanz von acht Jahren demokratischer Sicherheit sowie den Präsidentschaftswahlen 2010.
Dr. Robert Lessmann (Freier Autor, Wien) referierte zu dem Thema: Der Drogenkonflikt und die kolumbianische Demokratie.
Dazu wurde ein Auszug vom Drug Report 2009 der UNO verteilt:
Potential Manufakture of cocaine on Metrric Tons 2008:
Bolivia 113
Colombia 430
Peru 302
Total: 845 Tons
Wie viele Menschen mussten wegen dem "stillen Drogenkrieg" dafür in den letzten Jahren sterben.
Da kümmerst sich niemand um die Menschenrechtsstandards und die Umweltzerstörung.

Der Neue Mensch
61
28.1.2010, 13:04

Immerhin ist in Kolumbien Anbau und Produktion von Koka(in) stark rückläufig, in den beiden anderen genannten Ländern steigend.

In dem einen Land macht sich der aktuelle Präsident und ehemalige Gewerkschaftsführer der Coca-Bauern sogar noch offen für eine Ausweitung des Coca-Anbaus stark.

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
12
28.1.2010, 13:37

Und dessen legaler Nutzung (sei dazugesagt). Wenn man den Kokaanbau unterbindet, dann entzieht man dort vielen Menschen ihre Lebensgrundlage. Es müssen andere Wege gefunden werden (Kulturwechsel, legale Nutzung, usw.).

Der Neue Mensch
21
28.1.2010, 14:25

Für soviel angebautes Coca gibt es (derzeit) keine legale Nutzung, deshalb, und auch der besseren Gewinnspanne wegen, wird daraus doch Kokain gemacht. Und irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, Herr Morales hat trotz seiner gegenteiligen Sonntagsreden gar nicht soviel dagegen ...

Malkaye
01
es gäbe sehr wohl einen legalen nutzen, wenn es international nichtmehr geächtet würde.

nur die synthetisierung von wirkstoffen der blätter macht sie zur droge kokain.
die blätter kann man sogar als tee trinken. und bei morales sozialen ansprüchen würden sich unsere weltläden und fairtrade-firmen um z.B. koka-tee reißen.

nAK
26
28.1.2010, 00:56
"Die Menschenrechtsstandards müssen aber berücksichtigt werden."

zum Glück gilt dies nicht für die Folterregime USA und GB, zu denen beste politische, wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen gepflegt werden.

Oder ist waterboarding und Folter neuerdings Standard geworden?

diamant
30
28.1.2010, 11:30
Solange in Oesterreich selbst gefoltert wird geht das schon in Ordnung!

*space
21
28.1.2010, 09:56

Sie könnten zu diesem wichtigen Thema mal was anderes sagen, als immer nur die gleichen Postings zu schreiben. Genickstarre?

nAK
45
29.1.2010, 02:18
Wenn kuba gebetsmühlenhaft Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden,

dann nehme ich mir schon das Recht heraus, darauf hinzuweisen, wer die Weltmeister in Menschenrechtsverletzungen sind: Nämlich die, die Kuba Menschenrechtsverletzungen vorwerfen.

Nur sind die Menschenrechtsverletzungen in kuba Maulwurfshügel, verglichen mit den Gebirgsmassiv von Ländern wie USA und GB.

Mag sein, dass Sie das langweilt. Anscheinend langweilt Sie es nicht, wenn dies stereotyp Kuba vorgeworfen wird, einem Land in dem weder Menschen verschwinden, noch gefoltert werden.

*space
10

Sie können sich so oft wiederholen wie Sie wollen, ich rate Ihnen nur nicht Unrecht mit Unrecht zu vergleichen. Als Linker ziemt sich das nicht ...

So gesehen haben Sie recht, aber deshalb sollte man nicht den klaren Blick verlieren. Und wenn Sie so gut Bescheid wissen, dann können Sie uns allen zweifelsfrei erklären was mit den politischen Gefangenen ist. Außer das diese Gefangenen im Dienste einer fremden Macht die kub. Regierung stürzen wollten. Wie sehen Sie das? Beruft sich die Regierung auf einen Gummiparagrafen? In der Schweiz bekommt man 10 Jahre Haft, in den USA lebenslang.

*space
00

Es ist hier immer wieder das Gleiche, genau jetzt kommt natürlich keine Erklärung!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.