Unterwegs auf weichen Sohlen

27. Jänner 2010 19:13
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    Foto: Benton et al.

    Zwei Läufer aus Kenia, die an der Studie teilnahmen: Der Schwerpunkt lag bei Schuhträgern hinten.

Wer geübt barfuß läuft, schützt automatisch seine Knochen gegen die harten Auftrittskräfte

London - Laufschuhe sind seit dem Ende der 1970er-Jahre populär. Aus gutem Grund, heißt es, denn schließlich leiden Läufer, egal ob Sportprofis oder Wochenend-Jogger, notorisch oft unter Blessuren. Schuld sei die chronische Überlastung der Knochen der Läufer, meinen viele Mediziner. Und dagegen helfen gute Laufschuhe mit gepolsterten Sohlen und Spezialabsätzen zum Auffangen der Stoßenergie, die beim Auftritt freigesetzt wird. Sagt man.

Aber wie haben unsere Vorfahren das Problem gelöst? Die Urmenschen waren begnadete Dauerläufer, und diese Fähigkeit könnte bei der Evolution sogar eine wichtige Rolle gespielt haben. Möglicherweise diente das Langstreckenlaufen unserer savannenbewohnenden Urahnen dazu, tote Tiere schneller zu erreichen als die vierbeinige Konkurrenz, und sicherte ihnen so eine protein- und fettreiche Ernährung (vgl. "Nature", Bd. 432, S. 345). In Ermangelung von Laufschuhen hätte die natürliche Selektion allerdings schon damals jede Form von Knochenschwäche gnadenlos auslesen müssen. Warum also ist das Gebein heutiger Läufer so schadensanfällig?

Der Humanbiologe Daniel Lieberman von der Harvard University ist dieser Frage nachgegangen und hat dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Er und ein internationales Forscherteam verglichen Laufstil und Energetik von insgesamt 73 erwachsenen und jugendlichen Läufern aus Kenia und den USA miteinander. Ein Teil der Testpersonen lief gewohnheitsmäßig barfuß, der Rest trug Laufschuhe.

Von den Ersteren hatten sich die US-Amerikaner bewusst das Barfußlaufen angewöhnt, die kenianischen Jugendlichen aus dem bitterarmen Distrikt South Nandi dagegen hatten niemals in ihrem Leben Schuhe besessen. Den Barfüßigen standen Schuhträger sowohl aus den USA wie auch aus Kenia gegenüber, wobei unter Letzteren wiederum einige Sportler waren, die erst seit ein paar Jahren mit Laufschuhen an den Füßen trainierten.

Lieberman und Kollegen machten Videoaufnahmen von ihren Testläufern in Aktion und werteten dieses Material anschließend akribisch aus. Die US-Amerikaner ließen sie zudem über eine speziell konstruierte Messplatte laufen. So wurden deren Auftrittskräfte aufgezeichnet. Die in der aktuellen "Nature"-Ausgabe (Bd. 463, S. 531) publizierten Ergebnisse zeigen: Wer geübt barfuß läuft, tritt meistens mit dem Vorderfuß zuerst auf, und nicht mit der Ferse, so wie dies Schuhläufer allgemein tun.

Laut der Kräftemessungen dürfte der Vorderauftritt auch auf hartem Untergrund eine einfache, aber wirkungsvolle Entlastungsstrategie sein. Beim Fersenauftritt ist die schockartige vertikale Stoßkraft etwa dreimal so hoch, ergo: mehr Belastung für die Knochen. Dagegen richtet auch eine dicke Schuhsohle offenbar nicht viel aus. Beim Vorderauftritt scheint zumindest ein wichtiger Teil der Kräfte durch Drehbewegungen im Fußgelenk absorbiert zu werden.

Schuhtragen, glaubt Daniel Lieberman, verführt Menschen dazu, ihre natürliche, vorne auftretende Laufweise aufzugeben. "In Schuhen ist der Fersenauftritt einfach und bequem", erklärt der Forscher gegenüber dem STANDARD . Füßen und Knochen bekommt das aber nicht unbedingt. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 1. 2010)

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Posting 1 bis 25 von 66
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leaping frog
03.02.2010 08:45
noch ein grund warum barfussläufer anders laufen.

es tut halt weniger weh wenn man fast flach auftritt.

man verteilt die last von der ferse auf dem ganzen fuss.

wurzen sepp
 
01.02.2010 12:38
2.versuch: wie muss ich formulieren, dass:

die abgebildeten studienteilnehmer, die wahrscheinlich den früheren bewohnern der savanne mehr ähneln als wir und dadurch aufgrund ihres geringen körpergewichtes eine geringere belastung ihrer gelenke erleiden als der mitteleuropäische durchschnittshobbyläufer -------- damit es durch standardantirassismuszensur geht?
2.versuch

werwolfi
25.04.2010 01:06

"absolut" vs. "relativ":

natürlich ist ein höheres körpergewicht belastender - absolut.

besser ist der vorfußauftritt aber offenbar immer - relativ.

alles klar?

spoiled ballot
01.02.2010 19:53
wenn man auf der ferse

aufkommt ist die belastung im knie und knochen höher als beim aufkommen mit dem vorfuß, weil beim vorfußlauf wade und fuß die stoßspitzen abfangen.

das ist immer so, egal wie schwer.


wurzen sepp
 
01.02.2010 21:59
Schon auch wahr

Ich bezog mich mehr auf die Frage, warum ist das Gebein heutiger Läufer so anfällig?

weshalbauchimmer
01.02.2010 13:31
wurzen sepp sie haben es vollkommen RICHTIG erkannt.


Zwei Läufer aus Kenia,

die an der Studie teilnahmen

das sind zwei Gazellen

und daher ist diese Studie für uns in Europa völlig fürn HUGO.

werwolfi
25.04.2010 01:05

du solltest dir den unterschied zwischen "absolut" und "relativ" aneignen ,o)

Ludwig - Vogelstrauß
08.02.2010 14:24

Während ein fetter Kenianer sich wohl auf seine Abstammung und damit auf den Gazellenstatus berufen kann, selbstverständlich. Oder ist er dann doch schon Europäer?

wurzen sepp
 
01.02.2010 09:50
bitte die

körperkonstitution der abgebildeten läufer zu beachten.

die wiegen etwa die hälfte des durchschnittlichen europäischen hobbyläufers, und belasten allein damit ihre gelenke um 1/4.

werwolfi
25.04.2010 01:07

siehe oben - "absolut" vs. "relativ"!

es ist nicht so schwer...

leaping frog
03.02.2010 08:43
richtig

ABER, wenn sie die grafik AUCH anschauen würden sehen sie, dass der aufstoss trotzdem eine andere ist.

das extra gewicht der europäer macht das problem nur grösser.

erich1963
29.01.2010 07:45
In unseren Breiten wird ..

...eine Kombination aus Vor- und Fersenlauf am günstigsten sein. In etwa so, wie der Arzt und Läufer Dr. Matthias Marquardt in seiner "Laufbibel" beschreibt. (Klar ist der umstritten.) Ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht.
Ich habe zwar ein halbes Jahr an meiner Technik herumgedoktert, aber etliche Wadenmuskelkater später war die Umstellung automatisiert, und heute möchte ich das gute Gefühl nicht mehr missen.

dermartino
28.01.2010 19:05

kleine anekdote am rande:
Hab mal spontan auf einer Feier am einem Nacktlauf teilgenommen, hehe... ganz spontan, intuitiv bin ich auf dem harten asphalt auf vorderfußlauf umgestiegen und hatte danach eine Woche lang einen wirklich unfassbaren Muskelkater in den Waden!! (und nur dort)

Paul Scheibenpflug
28.01.2010 18:19

Im Augenblick liegt der Hundekot unter einer zwanzig Zentimeter Schneeschicht im Wienerwald... ein guter Zeitpunkt um wieder mit Barfußlauf zu beginnen... Was soll das ??

Im Ernst; Vorfußlauf wäre auch mit Schuhen zur Zeit auf eisigen Wegen ratsam, weil da der Schwerpunkt direkter über den Fuß verlagert werden kann: man rutscht auf diese Weise auch weniger, als wenn man großen Schrittes gehen würde.

Mein Kompromiß: Barfußlauf als Laufschule auf einer Wiese. An den Gedanken auch auf der Strasse besser barfuß zu laufen zu können, werde ich wohl nicht schnell gewöhnen.

hack in den sack
 
28.01.2010 16:23
Yeah! Die Rückkehr des Strunz Syndroms.

wompata
29.01.2010 14:23
was erlaube strunz?

kamelchen kriegt heute eine pudelmuetze
28.01.2010 13:18

genau. und die ganze hundeschei$$e auf den fusssohlen und zw. den zehen ist balsam fuer die haut.

hagane
28.01.2010 14:27

google mal nach five fingers...

kamelchen kriegt eine schoene, gelbe pudelmuetze
28.01.2010 14:35

danke dir. schaut ja echt ganz sinnvoll aus.
muesste auf waldboden laessig sein.

ein Pixel kommt selten allein
30.01.2010 01:05

Die fivefingers sehen zwar wunderlich aus, aber fürs Wandern & Co sind sie absolut genial (beim Laufen wahrscheinlich auch, aber ich kann dieser Sportart absolut nichts abgewinnen).

Ich bin damit letztes Jahr im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein gegangen und bin schwerst begeistert. Auch Nässe macht den "Schuhen" nichts aus (fühlt sich auch nicht unangenehm an!) und besseres Trittgefühl selbst auf lockerem Gerölluntergrund gibt es auch noch dazu. Am Waldboden sind sie übrigens wirklich ein Traum, kann sie nur empfehlen!

weshalbauchimmer
28.01.2010 14:10

hundeschei$$e auf den Fusssohlen bringt doch GLÜCK, aber bitte nicht Kindern weitererzählen, sonst steigens nur mehr in hundeschei….

ravenna
28.01.2010 12:42
Als ehemaligem 400m-Läufer...

...wurde mir anfangs von meiner Trainerin auch für's "Dauerlaufen" Vorfußlaufen antrainiert. Ist eigentlich nicht viel dabei und wohl auch wesentlich Knieschonender.

mosaic9
28.01.2010 15:05
Vorfußlaufen

da mich dieses thema als hobbyläufer auch etwas interessiert, wüsste ich gerne, wie lange das "umtrainieren" dauert.

auf diese publikation hin werden sich sicher einige umtrainieren wollen für die kommenden frühjahrs-läufe.

Yojimbo
28.01.2010 11:21
Wir da jetzt das Winterloch gefüllt?

Dass der Auftritt beim Laufen auf dem Fussballen gelenkschonender ist weiss man schon seit jahren. Das Fussgelenk mit Achillessehne und der Wadenmuskulatur fungiert hierbei als zusätzliches Dämpfung.
Das Problem ist, dass dur die Gewohnheit in Schuhen, meist mit Absätzen, zu gehen die Achillessehne verkürzt ist und die Wadenmuskulatur die Belastund nicht gewohnt ist.
Sehr viele Laufsportler - auch einige wenige Marathonläufer - laufen Vorfuss. Der Umstieg ist aber eine sehr langwierige Sache und sollte äusserst vorsichtig vollzogen werden. Und um sich an längere Distanzen (> 10km) zu wagen sollte man schon einige Zeit nach der Umstellung trainiert haben .

Aber das ist doch alles schon Schnee von gestern.

wakman
28.01.2010 11:15
Amateure.

Die wahren Experten sehen Sie hier:
http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w

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