AVATAR

Techno-Kitsch

Alois Pumhösel, 27. Jänner 2010 18:31

Über das neue Verhältnis zwischen Blockbuster-Filmen und Videospielen

Ja, schon gut: „Erfolgreichster Film." Wahrscheinlich sind alle wegen der unglaublich vielschichtigen, wahnsinnig originellen, behutsam nuancierten und besonders stimmigen Handlung so hysterisch.

"Avatar" spiegelt zumindest Gegenwartsdiskurse über Technik, Virtualität und „Going Green". Wobei die Technik (3D-Inauguration, Animation auf neuem Niveau) nebst hohem Marketingbudget die Hauptverantwortlichen für den Erfolg sind. Das Umwelt-Thema wird nur auf allerprimitivster Ebene verhandelt.

Interessant ist der Film als bisher herausragendster Beleg einer gegenseitigen Beeinflussung von Filmen und Videospielen. In Ästhetik und Qualität, Technik sowieso. Das Videospiel-Konzept mittels virtueller Persönlichkeit in eine andere Welt abseits der Real-Life-Probleme einzutauchen wurde klug für die solches praktizierende Zielgruppe adaptiert. „Avatar" kopiert das escapistische Angebot der Spiele, und lässt die Hauptfigur in einer neuen Heldenrolle, in einer neuen Welt traumwandeln.

Abseits dieses Aspekts basiert die Blockbuster-Filmästhetik diesmal weniger auf filmisch, literarisch oder historisch vorgeprägten Stoffen (wie "Star Wars", "Lord of the Rings", "Titantic") sondern bedient sich einer Fantasy-Anmutung, die in Videospielen vorgeprägt wurde. Dabei scheint sich die erzählerische Qualität zwischen Games- und Film-Mainstream anzupassen. Viele Spiele, die auf breite Rezeption abzielen, bieten Handlung nur als schmückendes Beiwerk an, weil die Interaktion, das Handeln des Spielers, im Vordergrund steht. Die Handlung in „Avatar" zieht sich ebenfalls auf schablonenhaftes Beiwerk zurück, um der visuellen Attraktion Platz zu geben. Natürlich geht ein derartiges Handlungskonzept auch in die üblichen Fallen, die der Kritik Stoff geben.

Denkt man sich das 3D-Spektakel weg und betrachtet man den Film nach konventionellen Kriterien, wird die farbenprächtige Ethno-Kitschorgie zur langweiligen, schlecht erzählten Filmödnis.

"Jack, hast Du die Handlung gesehen?"

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roflcopter
23.04.2010 10:54

"wird die farbenprächtige Ethno-Kitschorgie zur langweiligen, schlecht erzählten Filmödnis"...
das einzige, was hier langweilig und schlecht erzählt ist, ist dieser Artikel. Avatar ist nicht nur technisch gut, sondern auch gut erzählt.

mkt
31.01.2010 23:36
Ich möchte einmal in einer Kritik zu einer Komödie lesen...

"Denkt man sich die ganzen Gags weg, bleibt nur noch eine langweilige, schlecht erzählte Filmödnis"

Ringweltler
03.02.2010 08:51
Vergleich passt nicht ganz

Eine Komödie ist deshalb eine Komödie, weil es Gags gibt und es lustig sein soll. Avatar ist ein Sci-Fi-Film und sollte auch ohne 3D keine Filmödnis sein.

Hellroc
02.09.2010 13:24

ich hab ihn mir sowohl in 3d als auch in digital angesehn...
beide male ein sehr guter film
(obwohl 3d natürlich noch besser ist ;) )

Minderheit
28.01.2010 18:20
erzählen oder meditieren

Bisher war ich der Meinung, Filme sind ein Medium um Geschichten zu erzählen. Nun erfahre ich in den Postings, das sie zum entspannen, »hirnausschalten« und nicht denken gemacht sein können. Avatar ist unter dieser Annahme natürlich ein Erfolg auf der ganzen Linie. Aber um nicht zu denken, kann man auch gleich meditieren.

Ringweltler
03.02.2010 08:51

oder schlafen ;-)

Ausgeflippter Lodenfreak
28.01.2010 14:30

"Denkt man sich das 3D-Spektakel weg und betrachtet man den Film nach konventionellen Kriterien" - konventionelle Kriterien beinhalten aber immer die Optik (Effekte, Ausstattung, Kamera, usw.). Wenn man die wegdenkt bleibt bei den meisten Filmen nicht viel über. Die Story ist dei Gleiche wie bei last Samurai und Der mit dem Wolf tanzt, die sich wieder litherarischen Vorlagen bedient haben.
Der Film ist von Story und Handlung nicht schlechter als das Meiste im Mainstream aber optisch oberstes Level und ein wichtiger Meilenstein in der 3D-Technik.

Coleman Silk
28.01.2010 16:05

ps: filme wie last samurai und der mit dem wolf tanzt werden - völlig zurecht - von kritikerseite als handlungsarm und -schwach bezeichnet. nach konventionellen kriterien also schlechte (sogar sehr schlechte) filme. und ja: bei den meisten filmen bleibt nicht viel übrig - ergo es gibt viele schlechte filme, bei avatar bleibt auch fast nichts übrig. . . . !? inwiefern diese argumention also für avatar sprechen sollte ist mir schleierhaft . (womit wir wieder bei der realitätsverweigerung wären.)

Erich_1
28.01.2010 17:39

Also wenn "der mit dem wolf tanzt " handlungsarm ist,
dann ist euch echt nicht mehr zu helfen.

Welch reduzierte Wahrnehmung muss man haben, um diesen Film handlungsarm zu bezeichnen?

Coleman Silk
28.01.2010 16:00

wunschdenken oder besser und genauer: (fortgeschrittene?)realitätsverweigerung.

"fortgeschritten?" deshalb da avatar wirklich sehr sehr sehr eindeutig auf titytainment gemacht ist und man/frau schon sehr unkritisch sein muß um dass nicht zu bemerken.

ein guter freund von mir ist 3d-animateur und fährt -zwangsläufig - sehr auf oberfläche ab. wir reden über formate wie avatar seit mindestens 10 jahren, diskutieren die möglichkeiten, vor und nachteile. natürlich waren wir aufgeregt als der erste film der tatsächlich computerspiel charakter hat in die kinos kam. mein 3d-an. freund, immer eher auf der pro animationsseite (na no na net;)) war entsetzter als ich - zitat: wie wenn die einen spielenachmittag bei mir zuhause gefilmt hätten.

The Sicilian
30.01.2010 03:12
Tja, dann hat er halt leider keine Ahnung.

In Punkto Rendering und Animation ist Avatar ein Meilenstein. Ich arbeite (und forsche) in diesem Fachgebiet, und bin dahingehend mit allen meinen Kollegen einer Meinung. Falls es ihr Freund, der Möchtegern-Spezialist, nicht gemerkt hat: Alles in diesem Film, bis auf die wenigen menschlichen Schauspieler, ist CGI.

Empire CPSIII
09.03.2010 13:09
...ICH würde empfehlen genauer zu lesen.

Die Kritik des Kollegen hat nichts mit der technischen Seite zu tun.


Abseits dessen würde ICH(ja ich komm auch aus dem Fach) Avatar nicht als Meilenstein bezeichnen, da wohl in dem Zusammenhang noch eher Final Fantasy the spirits within.

bad user
31.01.2010 12:08
... dann würde ich empfehlen:

Fleissig weiter forschen!

Und Bücher lesen!
Dabei kann man Handlungen lernen und nicht nur die Aneinanderkettung von SFX's.

Was an Avatar ein Meilenstein sein soll, ist mir nicht bekannt.
Aber vielleicht meinen Sie ja, die SFX's sind ein Meilenstein. Was dann auch wieder nicht stimmt ...

Alter Knochen
28.01.2010 13:30

Danke, das musste mal geschrieben werden. Die Lobpreisungen auf den zwar schönen aber dämlichen Film sind ja nicht mehr auszuhalten.

freezingbreath
28.01.2010 11:35
3d schaß

'Denkt man sich das 3D-Spektakel weg und betrachtet man den Film nach konventionellen Kriterien, wird die farbenprächtige Ethno-Kitschorgie zur langweiligen, schlecht erzählten Filmödnis.'

Also mir ging der 3D Scheiß gewaltig am S***, würde ich mir nicht mehr antun...

Der Film selber hat mir allerdings sehr gut gefalln, da hat sich das Kino gehen seit langem wieder mal gelohnt, da der zuhause wohl nicht so gut rüberkommen wär - und ich mein jetzt nicht wegen 3D sondern weils einfach besser kommt auf ner großen Leinwand

Ringweltler
03.02.2010 08:54

oh mal Jemand, der nicht auf den 3D-Zug aufgesprungen ist bzw. aufspringen will????

Sehe ich übrigends auch so. Für 3D ist es einfach noch zu früh bzw. Technik noch nicht ausgereift.

Johanna Orleans
07.02.2010 08:49
3D,haha...

gab´s schon in den 60er Jahren und mit einer ganz ähnlichen Brille.
ich finde:Filme sollten wie gute Bücher zuerst einmal gute Geschichten erzählen.
Wenn dann auch die Schauspieler und die Regiekunst stimmen, dann ist der Film einen Besuch wert.
Ich glaube, Avatar soll man lieber am Computer spielen.

Ringweltler
07.02.2010 22:48

ja nur gibt es heute bluray und die müssen noch stärker verkauft werden (mit 3D) da sie sich nicht soooo super die DVD verdrängt.

hannestz
28.01.2010 11:11
so ein ungustl...

El Clandestino ****
28.01.2010 11:25
Nix für Ungut

seid net gemein he; da Pumhösl hats sicher schwer genug ;)

Teraniel
28.01.2010 10:52
Nau, sama leicht a bisserl frsutriert?

Also wenn Filme wie Transformers 1 und 2 ungeschoren über die Leinwände huschen dürfen kann sich Avatar dass alle male erlauben.

Nicht jeder Film muss gezwungener weise eine ungleublich übertriebene Story haben.
Lieber eine durchschnittliche Story und die dafür gut umgesetzt so dass das Franchise auch längere Zeit überleben kann.
Dass die breite Masse mit herausragender Story und Handlung nichts anfangen kann ist den meisten so oder so klar, als beispiel zb Firefly oder The Fountain, genaile Story und total untergegangen.

Ach ja und der Charakter heist Jake nicht Jack...

Erich_1
28.01.2010 10:42

"Denkt man sich das 3D-Spektakel weg und betrachtet man den Film nach konventionellen Kriterien, wird die farbenprächtige Ethno-Kitschorgie zur langweiligen, schlecht erzählten Filmödnis"

Was soll das denn heißen? Wenn man vom Bier den Hopfen wegläßt isses auch ungenießbar.

Mir gehn inzwischen die Leute auf den Nerv, die sich über eine schlechte Story in einem guten Film aufregen, nur weil sie nicht in der Lage sind, die Schönheit dahinter zu sehen.

Nicht mit "uns" ist etwas nicht in Ordnung, die nicht auf eine intellektuell fordernde Handlung bestehen, sondern mit "euch", denn "ihr" seid es, die das Leben und die Schönheit auf Intelligenz reduziert und den Rest anscheinend nicht mehr wahrnehmen könnt und wo "ihr" nur könnt abwertet!

zeitton
 
02.02.2010 00:15

Wenn die Story "schlecht" ist, wie kann dann der Film "gut" sein?
Sofern man sein Gehirn nicht an der Gadarobe abgeben um sich in frühkindlicher Freude über schöne Bilder zu verlieren sind solche Filme wirklich unbefriedigend.
Wenn man sie dann auch noch unkritisiert die Zuschauer verblöden lassen würde hätte man intellektuell anspruchsvolleren Filmen ein Grab geschaufelt.
Ich für meinen Teil habe keine Lust anspruchsvolle Handlungen gegen durchgerenderte Bildchen auszutauschen.
Deshalb auch ein Dankeschön an den Autoren für die Lanze welche er durchdachte Filmkunst bricht.

Coleman Silk
28.01.2010 16:28

lernen zu differnzieren - dass um und auf im leben.

sie argumentieren sich in ein ziemliches chaos, bloß weil ihnen entgangen ist (entgehen wollte?) dass eine gute handlung keinesfalls auf intelligenz zu reduzieren ist.

kennen sie"To have and have not"?hemingway verfilmung mit Humphrey Bogart, toller film. ganz sicher kein intellektuellen kino, aber ne gute story, gute schaupieler, tolle sets, schöne frauen, action, etc etc.
das leben lebenswert zu finden, geniesen zu können, erfahrungen -verschiedenster natur- machen zu können, alles da und doch in keinster weise so dumm und platt wie avatar.

tja, es ist nämlich nicht die fehlende lust der intelligenzia am leben sondern ihr mangel an blödheit der sie filme wie avatar kritisieren läßt.

Erich_1
28.01.2010 18:33

Nein.
Wenn man Avatar als dumm und platt bezeichnet,
dann fehlt die Wahrnehmung für das Wesentliche.

Ich habe explizit die Intelligenz herausgepickt,
denn die ist es, auf die emotional verkrüppelte Leute (sehr oft Akademiker) so stolz sind - sie haben ja oft nichts anderes.

Und da diese Leute "das andere" nicht wahrnehmen können, muss der Film als dumm und platt abgestempelt werden.

Dabei ist es umgekehrt: Diese Leute sind emotional dumm und platt, denn sie sind nicht in der Lage, das für so vielen Sichtbare in Avatar zu sehen.

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