Salzburg: "Verdacht auf Misswirtschaft"

Der Technik-Direktor der Festspiele habe ungerechtfertigte Honorare vom Oster-Festival erhalten

Salzburg - Immer wieder hatte Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Klaus Kretschmer, seit zwei Jahrzehnten technischer Direktor, über die Maßen gelobt. Weil es ihm unter anderem gelungen war, einen wahnwitzigen Plan des damaligen Intendanten Peter Ruzicka umzusetzen: Binnen zweier Monate wurden 2006 alle szenische Werke von Mozart aufgeführt. Dennoch wurde Kretschmer, der alles zu ermöglichen verstand, vor wenigen Tagen fristlos entlassen.

Im Gespräch mit dem Standard erklärt Helga Rabl-Stadler die Hintergründe: "Bei uns gibt es genaue Bestimmungen, wer was nebenbei tun darf. Klaus Kretschmer hatte ein Nebenbeschäftigungsverbot. Dennoch arbeitete er, was wir nicht wussten, für die Osterfestspiele." Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) drückt sich etwas klarer aus:"Nach meinem Wissensstand hat Kretschmer bei den Osterfestspielen mitverdient."

Der technische Direktor - es gilt die Unschuldsvermutung - soll ungerechtfertigte Beraterhonorare kassiert haben. Und zwar für Leistungen, die von den Osterfestspielen, die über keine Struktur für Opernproduktionen verfügen, bei den Sommerfestspielen bestellt und auch bezahlt hatten. Sprich: Die Osterfestspiele zahlen zweimal. Einmal offiziell an die Sommerfestspiele - und ein zweites Mal an Kretschmer. Gerüchteweise soll dieser das Geld - man spricht von über einer halben Million Euro - geteilt haben. Dieses Gerücht zu verifizieren, gelang nicht: der Standard erreichte lediglich Kretschmers Lebensgefährtin. Sie beteuerte, keine Ahnung zu haben.

Offenbar geworden war der Fall bei einer Prüfung der Osterfestspiele. Wie berichtet, hatte das Festival, das von den Berliner Philharmonikern bestritten wird, eine massive Erhöhung der Subventionen verlangt. Im Zuge der Verhandlungen bestand Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, seit ihrem Amtsantritt 2004 auch geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiel-Stiftung, darauf, dass die Kostenstruktur, besonders die extrem hohen Verwaltungskosten, eingehend geprüft werden.

Im Sommer 2009 wurde ein Finanzausschuss, bestehend aus Vertretern des Landes und der Stadt Salzburg, der Osterfestspiele und der Berliner Philharmoniker, gebildet. Eine Reihe von Fragen blieb aber unbeantwortet. Burgstaller veranlasste daher Anfang Dezember 2009 eine Sonderprüfung durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungskanzlei, deren Endergebnis nächste Woche vorliegen soll. Bereits in einem frühen Stadium der Prüfung gab es, so eine Presseaussendung von Burgstaller, "Hinweise auf Unregelmäßigkeiten seitens der Geschäftsführung, was die sofortige fristlose Entlassung des bisherigen Geschäftsführers Michael Dewitte und die unverzügliche Bestellung einer interimistischen Geschäftsführung nach sich zog" .

Die Sonderprüfung soll bis 2002 zurückreichen. Derzeit werde untersucht, "ob und in welchem Rahmen es zu ungerechtfertigten Zahlungen der Osterfestspiele an einzelne Personen gekommen sei" und "ob darüber hinaus in strafrechtlich relevanter Weise Taten gesetzt wurden" . Zwischenergebnisse, am Mittwoch vorgelegt, hätten "den Verdacht auf Misswirtschaft weiter verstärkt" . Burgstaller habe daher die interimistische Geschäftsführung beauftragt, eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft vorzubereiten. Gleichzeitig wurde Rabl-Stadler über die Zahlungen an Klaus Kretschmer informiert. Dieser hätte, so die Präsidentin, nicht dementiert.

Alle Seiten sprechen sich für eine lückenlose Aufklärung aus. Schaden verlangt eine Sondersitzung des Festspielkuratoriums. Und Rabl-Stadler will die Bilanzen von einem externen Unternehmen prüfen lassen: "Ich möchte nicht, dass Verdachtsmomente bestehen bleiben." (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.2010)

Kommentar: Der zerbrochene Krug - Eine Salzburger Festspielaffäre

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