Norah Jones und ich

KopfHörer, 27. Jänner 2010, 11:42
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    foto: abc dunhill records

    Hot cat Bobby Bland 1974.

Warum ich Norah Jones ewig dankbar sein werde

Nachdem der einzige heimische Veranstalter, der das Kapital und somit die Möglichkeiten besitzt, das Jazz Fest Wien, ja lieber zum 100. Mal Bobby McFerrin, Omara Portuondo oder die Rounder Girls präsentiert, wird man ein Konzert von Bobby Bland, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, hierzulande wohl nie erleben.

Norah Jones sei an dieser Stelle dafür gedankt, dass sie 2004 ihr zweites Album veröffentlicht hat. Um die Schlafzimmer-Country-Folk-Dame zu interviewen, flog mich die EMI damals für vier Tage nach New York. Wenig Zeit, andererseits auch nur 20 Minuten tatsächliche Arbeit. Also tat ich, was jeder tut, der vier Tage in New York ist: Die "Village Voice" kaufen und schauen, was los - und natürlich shoppen!

In einem Diner während einer Shopping-Pause neben einem Plattenladen sprang mich dann ein winziger Eintrag auf einer Inseratenseite des B.B. King Blues Club auf der 42. Straße an. Dort, in dieser No-Go-Gegend für Touristen, die nicht als solche erkannt werden wollen, sollte am folgenden Tag Bobby Bland auftreten.

Bistdudeppert! So schnell war ich noch nie an einem Telefon, um mir Karten zu reservieren. Zur Verwunderung der Telefonistin des Clubs: Ja, es gäbe noch reichlich Tickets, wurde mir gesagt, reservieren sei eigentlich nicht notwendig, wenn ich pünktlich zur Abendkassa käme, fände ich einen guten Platz, easily.

Tags darauf, es war ein Sonntag im Jänner und arschkalt, stand ich als erster vor der Clubtür und saß schließlich an einem Tisch im ersten Rang, keine sieben Meter vor der Bühne. Das Publikum, vielleicht 250 Leute, bestand hauptsächlich aus gut im Soul Food stehenden Schwarzen jenseits der 50, die später, nachdem Bland losgelegt hatte, mit Hendlhaxn im Takt mitwippten. Fonky, Baby, fonky! Ich saß mit ein paar jungen weißen Gitarrenstrebern an einem Tisch, die sich über Saiten und was weiß ich unterhielten, aber nur solange Bobby noch nicht auf der Bühne war - wenigstens keine Touris (wie ich).

Bland war damals 74 und ging schon etwas schwer, aber nachdem er auf seinem Barhocker Platz genommen und angefangen hatte, waren Alter oder Zeit kein Thema mehr. Mit einer unerwartet scharfen Band spielte er sich durch ein gepflegtes Best-Of-Set und erfüllte mir dabei unwissentlich meinen Wunsch, einmal "I Wouldn’t Treat A Dog ..." live-haftig zu hören, eine der lässigsten Nummern von vielen lässigen dieses Großmeisters der bluesgetränkten Soul.

 

Die Club-Auflage mindestens um 10 oder 15$ zu konsumieren, hätte ich dabei fast vergessen, die Kellner schauten aber eher penetrant darauf, dass das nicht passieren konnte. In manchen Songs baute er zwei, drei Paare ein, die unmittelbar vor ihm an der Bühne saßen und machte dabei klar, warum er früher als Ladies man gegolten hat. Geendet hat das Set passend mit "I’ll Take Care Of You", auch so eine Weltnummer. Dann hinkte Bland, unterstützt von einem Bühnenarbeiter, zurück in seine Garderobe.

Ich habe noch überlegt, zu versuchen, ein Gespräch mit ihm zu suchen und Backstage zu gehen. Hab’s dann nicht gemacht. Man soll sein Glück nicht überstrapazieren.
(Karl Fluch, 27. 1. 2010, DerStandard.at)

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12 Postings
Ziemlich leichter Stessa
00
28.1.2010, 17:42

Ich muss sagen, ich finde diese Kopfhörer-Seite deutlich interessanter als viele der Kritiken hier. Das war ein guter Einfall.

("just one fly in the ointment" - der BB King Blue Club, in der Tat an der West 42. Strasse gelegen, befindet sich nur unweit vom Times Square. Ist also in dem Sinn nicht wirklich eine "No-go-Area" für Touristen)

karl fluch
00
29.1.2010, 09:49

"Ist also in dem Sinn nicht wirklich eine "No-go-Area" für Touristen"
darum steht da oben ja auch "in dieser No-Go-Gegend für Touristen, die nicht als solche erkannt werden wollen"

gru
flu

Ziemlich leichter Stessa
00
29.1.2010, 16:09

Ahhhhhh.... jetzt ja

Ziemlich leichter Stessa
00
28.1.2010, 17:58

"BlueS Club" natürlich.

Emmylou Harris
09
27.1.2010, 17:02
Hm.

Das sind die Momente, die das Leben rechtfertigen.
Bin ganz gerührt. Und ziemlich neidisch.

evamacon
60
27.1.2010, 16:07
Auch ich ...

... habe in jungen Jahren (Summer of '73) ein tolles Erlebnis gehabt: in der "Preservation Hall" in New Orleans die legendäre Sweet Emma (ca. um die 80J) & Band live gehört. Es war übrigens ein heißer Tag im Juli. Möchten Sie noch mehr erfahren, Herr Fluch?

fischkopp
00
27.1.2010, 15:58

Warum wird ein Erlebnis, welches 2004 stattfand, dann aber erst 2008 aufgeschrieben wurde, schlussendlich 2010 veröffentlicht ? Nicht, dass es das unbedingt wert ist, aber handelt es sich hierbei um so eine Art Entschleunigungs-Journalismus ?

karl fluch
00
27.1.2010, 16:02

1:0 für den ehrenamtlichen lektor!
ist ausgebessert.
gru
flu

Renreff
50
27.1.2010, 13:52
der mick hucknall

auf der seebühne tulln war als annäherung auch ganz nett.

Kendall Von Tharn
01
28.1.2010, 12:53

vergleichen sie nicht äpfel mit hasenbemmerl

Renreff
00
28.1.2010, 14:13
musste ja sein.

waren sie dort?

Kendall Von Tharn
01
28.1.2010, 15:51

is net böse gemeint, aber den hucknall als "annäherung" zu sehen ist schon etwas seltsam. auch wenn ich nicht auf der seebühne war, mit hucknall live bin ich vertraut, naja, da vor allem die red sachen oft covers waren und mann/frau die originale gehört hat, wird schon klar, das er zwar nett und bemüht interpretiert, aber das ist es auch. seinen solosachen fehlt deswegen auch die "seele".

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