Nachdem der
einzige heimische Veranstalter, der das Kapital und somit die Möglichkeiten
besitzt, das Jazz Fest Wien, ja lieber zum 100. Mal Bobby McFerrin, Omara
Portuondo oder die Rounder Girls präsentiert, wird man ein Konzert von Bobby
Bland, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, hierzulande wohl nie erleben.
Norah Jones sei an dieser Stelle dafür gedankt, dass sie 2004 ihr
zweites Album veröffentlicht hat. Um die Schlafzimmer-Country-Folk-Dame zu
interviewen, flog mich die EMI damals für vier Tage nach New York. Wenig Zeit, andererseits auch nur 20 Minuten tatsächliche Arbeit. Also tat ich, was
jeder tut, der vier Tage in New York ist: Die "Village Voice" kaufen und schauen,
was los - und natürlich shoppen!
In einem Diner während einer Shopping-Pause neben einem Plattenladen sprang mich dann ein winziger Eintrag auf
einer Inseratenseite des B.B. King Blues Club auf der 42. Straße an. Dort, in
dieser No-Go-Gegend für Touristen,
die nicht als solche erkannt werden wollen, sollte am folgenden Tag Bobby Bland
auftreten.
Bistdudeppert! So schnell war ich noch nie an einem Telefon, um mir
Karten zu reservieren. Zur Verwunderung der Telefonistin des Clubs: Ja, es gäbe noch reichlich Tickets, wurde mir gesagt,
reservieren sei eigentlich nicht notwendig, wenn ich pünktlich zur Abendkassa
käme, fände ich einen guten Platz, easily.
Tags darauf, es war ein Sonntag im
Jänner und arschkalt, stand ich als erster vor der Clubtür und saß schließlich an
einem Tisch im ersten Rang, keine sieben Meter vor der Bühne. Das Publikum, vielleicht 250 Leute,
bestand hauptsächlich aus gut im Soul Food stehenden Schwarzen jenseits der 50,
die später, nachdem Bland losgelegt hatte, mit Hendlhaxn im Takt mitwippten. Fonky, Baby, fonky! Ich saß mit
ein paar jungen weißen Gitarrenstrebern an einem Tisch, die sich über Saiten
und was weiß ich unterhielten, aber nur solange Bobby noch nicht auf der Bühne war - wenigstens keine
Touris (wie ich).
Bland war damals 74 und ging schon etwas schwer, aber nachdem
er auf seinem Barhocker Platz genommen und angefangen hatte, waren Alter oder Zeit kein Thema mehr. Mit einer unerwartet scharfen Band spielte er sich
durch ein gepflegtes Best-Of-Set und erfüllte mir dabei unwissentlich
meinen Wunsch, einmal "I Wouldn’t Treat A Dog ..." live-haftig zu hören, eine der lässigsten
Nummern von vielen lässigen dieses Großmeisters der bluesgetränkten Soul.
Die
Club-Auflage mindestens um 10 oder 15$ zu konsumieren, hätte ich dabei fast
vergessen, die Kellner schauten aber eher penetrant darauf, dass das
nicht passieren konnte. In manchen Songs baute er zwei, drei Paare ein, die
unmittelbar vor ihm an der Bühne saßen und machte dabei klar, warum er früher
als Ladies man gegolten hat. Geendet hat das Set passend mit "I’ll Take Care Of
You", auch so eine Weltnummer. Dann hinkte Bland, unterstützt von einem Bühnenarbeiter, zurück in seine
Garderobe.
Ich habe noch überlegt, zu versuchen, ein Gespräch mit ihm zu suchen
und Backstage zu gehen. Hab’s dann nicht gemacht. Man soll sein Glück nicht
überstrapazieren. (Karl Fluch, 27. 1. 2010, DerStandard.at)
Tipps und Warnungen, Beobachtungen, mit Irrtümern und Treffern, erweiterten Berichten von in der Zeitung veröffentlichten Geschichten und, und, und. Nicht täglich, aber regelmäßig. Hart, aber herzlich. Schauen wir mal, was wird. In diesem Sinn: Welcome to the Blog Party!
Ich muss sagen, ich finde diese Kopfhörer-Seite deutlich interessanter als viele der Kritiken hier. Das war ein guter Einfall.
("just one fly in the ointment" - der BB King Blue Club, in der Tat an der West 42. Strasse gelegen, befindet sich nur unweit vom Times Square. Ist also in dem Sinn nicht wirklich eine "No-go-Area" für Touristen)
"Ist also in dem Sinn nicht wirklich eine "No-go-Area" für Touristen"
darum steht da oben ja auch "in dieser No-Go-Gegend für Touristen, die nicht als solche erkannt werden wollen"
... habe in jungen Jahren (Summer of '73) ein tolles Erlebnis gehabt: in der "Preservation Hall" in New Orleans die legendäre Sweet Emma (ca. um die 80J) & Band live gehört. Es war übrigens ein heißer Tag im Juli. Möchten Sie noch mehr erfahren, Herr Fluch?
Warum wird ein Erlebnis, welches 2004 stattfand, dann aber erst 2008 aufgeschrieben wurde, schlussendlich 2010 veröffentlicht ? Nicht, dass es das unbedingt wert ist, aber handelt es sich hierbei um so eine Art Entschleunigungs-Journalismus ?
is net böse gemeint, aber den hucknall als "annäherung" zu sehen ist schon etwas seltsam. auch wenn ich nicht auf der seebühne war, mit hucknall live bin ich vertraut, naja, da vor allem die red sachen oft covers waren und mann/frau die originale gehört hat, wird schon klar, das er zwar nett und bemüht interpretiert, aber das ist es auch. seinen solosachen fehlt deswegen auch die "seele".
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