Wirtschaft & Recht

Streit um Bundeshymne - "Töchter" müssen warten

26. Jänner 2010, 18:55
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    foto: apa

    Die Einfügung von "Töchtern" in den Hymnentext wäre ein signifikanter Eingriff, der das Urheberrecht verletzt, sagen Juristen.

Für eine Änderung des Hymnen-Textes müssen sich die Regierung und der Verlag, bei dem die Rechte liegen, einigen

Die ÖVP hat den jüngsten SPÖ-Vorstoß zur Einfügung der "großen Töchter" jedoch abgelehnt.

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Eine Textänderung der österreichischen Bundeshymne ist am Dienstag in weite Ferne gerückt. Das Ansinnen der von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), die Bundeshymne umzutexten, indem man in der Liedzeile "Heimat bist du großer Söhne" die Töchter hinzufügt, im Ministerrat gescheitert. Die ÖVP verweigerte ihre Zustimmung.

Heinisch-Hosek zeigte sich "verwundert" über den Widerstand:Die Änderung wäre aus ihrer Sicht ein "schönes Signal" gewesen, das nichts gekostet hätte.

Laut ÖVP-Familienstaatssekretärin Christine Marek hat es nicht einmal eine Debatte über den Vorschlag gegeben. Auch Heinisch-Hosek will die Sache nun ruhen lassen. Allerdings will die frühere Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP), die schon 2005 eine entsprechende Änderung vorgeschlagen hat, mit einer "überparteiliche Initiative" für eine "gerechte Bundeshymne" kämpfen, auch im ÖVP-Klub.

Stürmer als Auslöser

Ausgelöst wurde die jüngste Debatte durch die Ankündigung des Sessler-Verlages, das Unterrichtsministerium wegen der Verwendung der Hymne mit einem "Töchter"-Zusatz in einer Rock-Interpretation von Christina-Stürmer-Version auf Unterlassung zu klagen. Diese Klage hat durch das Nein des Ministerrates neue Munition erhalten, sagte Sessler-Anwalt Georg Zanger dem Standard. Damit sei klar, dass die Text-Veränderung kein amtlicher Akt sei.

Nach Meinung von Urheberrechtsexperten ist die Regierung gar nicht befugt, den Text der Bundeshymne ohne Zustimmung des Rechteinhabers zu verändern. Die Rechte liegen beim Sessler-Verlag, dem die Erben nach der Textdichterin Paula von Preradović, Fritz Molden und Koschka Hetzer-Molden, 2006 per Verlagsvertrag die Rechte übertragen haben.

Preradović selbst hat der Republik zwar vertraglich das Werknutzungsrecht an ihrem Text eingeräumt, aber kein Bearbeitungsrecht. Signifikante Eingriffe in literarische Texte sind in Österreich nur möglich, wenn dies vom Schöpfer eplizit erlaubt worden ist, sagt Axel Anderl, Urheberrechtsexperte bei Dorda Brugger Jordis (DBJ). "Man kann dies zwar einräumen, aber der OGHsieht das sehr streng, es muss explizit und deutlich sein", sagt er. Das Urheberrecht selbst ist gar nicht übertragbar. Die Einfügung einer Töchter-Passage "kann als Eingriff in das Urheberpersonlichkeitsrecht gewertet werden und ware dann selbst bei grundsatzlicher Zustimmung zur Bearbeitung unzulassig", sagt Anderl.

Zwar bekräftigte Verlagschef Ulrich N. Schulenberg am Dienstag seine Bereitschaft, in Absprache mit den Erben Autoren einzuladen, um den Text an einigen Stellen zeitgemäßer zu gestalten. Neben der Einfügung der Töchter könnte auch die Zeile "Land der Hämmer" verändert werden.

Aber auch ein solcher Schritt wäre nur möglich, wenn die Regierung es wünscht, sagt Zanger: "Die Regierung kann den Text nicht ändern, und der Verlag kann einen veränderten Text nicht zur Hymne machen".

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofes in Sachen Bundeshymne aus dem Jahr 1994 (4 Ob 1105/94), das von Befürwortern einer Textänderung gerne zitiert wird, hat nach Meinung von Juristen keine Bedeutung für den Fall. Damals entschied der OGH, dass der ORFals öffentlich-rechtliche Einrichtung die Bundeshymne zum Sendeschluss abspielen darf, ohne die Rechte der Preradović-Erben zu verletzen. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2010)

Kommentar posten
10 Postings
NoahJoan
00
31.1.2010, 17:48
Ich als männliches Wesen verstehe die Damen sehr gut, die den Text als diskriminierend empfinden...

...doch man(n) darf sich schon fragen, warum man erst im 21.Jahrhundert in erwägung zieht den politisch inkorrekten text zu ändern.

Und was ist mit veralterten Zeilen wie "Heiß umfedet, wild umstritten..." ? Stehen die auch zu Diskussion?

Viele (ältere) Hymnen haben noch textpassagen, die in der heutigen zeit entweder nicht mehr korrekt oder diskriminierend wären.
Meiner Meinung nach sollte man einen veralterten Bundeshymnen-Text umändern dürfen.
In der anglikanisch Hymne "I Vow to Thee My Country" wird so beispielsweiße die zweite Strophe, die sich mit England in Kriegszeiten befasst, nun nicht mehr gesungen.

Aber wenn, dann bitte schnell: Europa im 21.Jahrhundert und wir streiten noch immer über Geschlechtergleichheit (in Hymnen)!

kapellmeister
00
29.1.2010, 14:00
Textvorschlag

Wie wärs damit:
Die Töchter kommen in die nächste Verszeile:

"Heimat bist du großer Söhne,
Töchter hast du auch sehr schöne..."

weil dabei allerdings Frauen wieder nur auf das Äußere reduziert werden, sind um Gendergerechtigkeit herzustellen auch die Männer auf ihr Äußeres zu reduzieren. Also:

"Heimat bist du fescher Söhne,
Töchter hast du auch so schöne...
..immer wieder Österreich"

A Voice
01
27.1.2010, 09:13
Meine Entschuldigung an Rauch-Kallat

Ich hielt das für einen Gag einer ja ansonsten sehr braven Parteisoldatin. Anscheinend ist es ihr aber wirklich ein Anliegen.

Emilio
02
27.1.2010, 07:30
Du glückliches Österreich ...

... haben wir sonst keine Probleme?

A Voice
20
27.1.2010, 09:11
Das sagen interessanterweise die, die auch keine Änderung wollen

Weil?

Ulsto11
00
27.1.2010, 07:21
Oh Du mein Österreich

Klasse Idee - geht nicht mehr aus dem Ohr!!!
Mehr hierzu auf www.stock-macht-den-blog.de oder auf Facebook unter My concerns!!!

schafmeister
00
27.1.2010, 06:01

Mein Textänderungsvorschlag: "Heimat bist du armer Menschen, die ans Steuerzahlen denken"!

the JJ
00
26.1.2010, 22:00

Wieso ändert man das ganze nicht einfach in "Kinder" anstatt "Söhne und Töchter"...kommt auf den selben Sinn hinaus, und kein Geschlecht fühlt sich dadurch diskriminiert...und vor allem, und was auch am wichtigsten wäre, muss nicht die ganze Melodie geändert werden, sondern kann eigentlich beibehalten werden...

PS: eXplizit nicht eplizit, wie im Artikel geschrieben, kommt ja von ex=aus, da es ja ausdrücklich bedeutet...

Lapislazuli
00
Auch Töchter und Söhne gehn sich mit der Melodie aus.

"Hei-mat gro-oßer Töch-ter und Söh-ne". Auf "bist du" müsst man halt verzichten.

A Voice
00
27.1.2010, 09:10
Volk

begnadet für .... die Rinder? Finder?

(Bin prinzipiell voll bei Ihnen)

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