Auch Budgetwahrheit ist zumutbar

26. Jänner 2010, 18:56

Jetzt müssten die Karten für die Haushaltssanierung auf den Tisch gelegt werden

Manchmal bestehen die wichtigsten Botschaften aus dem, was nicht gesagt wird. Bei der Regierung hat diese Form der Kommunikation System. Der Kanzler und sein Vize halten gerne Reden an die Nation, in denen viel Programmatik, aber wenig Programm transportiert wird. Beim Budget verhält es sich nicht anders: Mit dem neuen Pfad für die Staatsfinanzen kommt Wien gerade den Brüsseler Richtlinien zur Einhaltung der Euro-Vorgaben nach. Über den Weg dorthin - also das konkrete Programm - schweigen sich Faymann und Pröll aus.

Man darf davon ausgehen, dass vor den herbstlichen Landtagswahlen in Wien wenig durchsickern wird. Zu sehr fürchtet sich der SP-Chef vor dem Verlust der Absoluten in der Bundeshauptstadt. Doch ein Konsolidierungsziel von sechs Milliarden Euro festzulegen, ohne den Weg dorthin zu beschreiben, kann von Verbrauchern und Betrieben bestenfalls als Nebelgranate empfunden werden. Dabei wäre der klare Blick auf die Fakten durchaus zumutbar. Dass schmerzhafte Einsparungen notwendig sind, um vom historischen Schuldenstand wieder herunterzukommen, ist wohl den wenigsten - und auch nicht den Wiener Wählern - verborgen geblieben.

Allein das Argument des explodierenden Schuldendienstes sollte jedem zugänglich sein. Ohne Gegensteuern springt der staatliche Zinsaufwand bis 2013 von elf auf mehr als 15 Prozent der Budgeteinnahmen. In absoluten Zahlen sind das elf Milliarden Euro an Ausgaben, denen keinerlei Nutzen gegenübersteht.

Die Konzepte für Einsparungen sind sattsam bekannt, jetzt ist Führungsstärke und kein Slalom um Wahltermine gefragt. Ein Vergleich mit dem Sparpaket von 1996 zeigt, dass eine Konsolidierung des jetzt erforderlichen Ausmaßes schwierig, aber keinesfalls unmöglich ist. Zentral erscheinen im Lichte dieser Erfahrung die ausgewogene Verteilung der Lasten auf vielen Schultern und die Priorität ausgabenseitiger Maßnahmen. Um Steuererhöhungen wird man zwar nicht umhinkommen, sie können sogar - beispielsweise im Energiebereich - positive Effekte bringen; auch eine Belastung von Vermögenszuwächsen stünde dem Land aus Gründen der Verteilungsgerechtigkeit nicht schlecht an. Doch angesichts der überdurchschnittlich hohen Abgabenquote ist ein kräftiges Drehen an der Steuerschraube nicht ratsam.

Ausgabenseitig lohnt vor allem ein Blick auf das Pensionssystem. Die steigende Lebenserwartung verschlechtert das Verhältnis der Beitragszahler zu den Pensionsbeziehern ständig, die verheerenden Beschlüsse vor den Wahlen 2008 haben die Dynamik verschärft. Die Erhöhung des faktischen Pensionsalters um zwei Jahre samt Auslaufen der Hacklerregelung würde schon einmal an die drei Milliarden bringen (und Österreich läge immer noch zwei Jahre unter dem EU-Schnitt). In den Doppelgleisigkeiten der Verwaltung und im Gesundheitsbereich - und da vornehmlich bei den Spitälern - schlummert ein ähnlich großes Potenzial.

Mit dem Abbau von Subventionen und Effizienzsteigerungen im öffentlichen Dienst hätte man das notwendige Geld zusammengekratzt, ohne dass das Land am sozialen Abgrund stünde. Voraussetzung dafür ist entschiedenes Handeln. Davon ist weit und breit nichts zu sehen.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2010)

Kommentar posten
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1 2 3 4
lessismore
02
27.1.2010, 20:33

Meinungsmache in Vorbereitung auf Obamas Rede:

"Liebe Mitbürger! Damit Goldman Sachs auch morgen noch genauso hohe Prämien auszahlen kann wie heute, dafür müßt Ihr jetzt leider ein bißchen hungern und frieren. I feel your pain!"

Werbeblock.

desillusionierend
00
27.1.2010, 22:35
desillusionierend
00
27.1.2010, 20:18
die wahrheit soll man "uns" zumuten,

damit "wir" dann im rahmen der öffentlichen debatte verhandeln können, wo die meisten späne fallen sollten.

jeder darf sich dazu eine meinung bilden, davor etwas abwägen. sich selber was einfallen lassen, mal gegen kleine postler hetzen oder gegen "teure gleichstellung", für mehr "leistungsgerechtigkeit" plädieren - vor allem aber: einsehen, dass es nicht anders geht.
ganz prinzipiell: weh tun muss es. diese "wahrheit" ist "uns" schon zumutbar! und in der öffentlichen debatte wird diese haltung dann brav eingeübt.

und dann passiert: wieder das, was die regierung sowieso gemacht hätte.

aber man darf sie dann ja wählen!

S. Enfspender
00
27.1.2010, 18:57
Konjunkturzyklus.

In der Ära Grasser und später Molterer wurde immer von der Budgetsanierung bzw. der Reduktion der Neuverschuldung "über den Konjunkturzyklus" gesprochen. Dieser dürfte sich nun auf einen sehr, sehr langen Zeitraum gedehnt haben, so dass davon realistischer Weise keine Rede mehr ist. Ausgabenseitige Sparmaßnahmen werden wohl im Hinblick auf diverse anstehende Wahlen auch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Also wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die eine oder andere Steuer erhöht oder neu eingeführt werden.

Fred Fido
00
Und das völlig zu recht.

Ausgabenseitig lässt sich die kosten für das 100 milliarden Eurobankenpaket sicher nicht einsparen.

Bertel Mann
01
27.1.2010, 17:02
Auch Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungsteuern sind zumutbar

sotho talker
 
01
27.1.2010, 16:23
was spricht eigentlich gegen eine erhöhung der mehrwertsteuer auf 25% für die nächsten 5 jahre?

im grunde nichts... (ausnahmeregelungen für grundnahrungsmittel vorausgesetzt)

steuer für die dummheit und gier anderer. bezahlen für diejenigen die, durch keinerlei "leistung" und "verantwortung" gerechtfertigt, ihre schäfchen ins trockene gebracht haben. bezahlen für die schwelgenden asozialen und schmarotzer im nadelstreif.

die rechnung für deren fantasiegebilde und scheinwissenschaft begleichen werden eben:
der kleine gewerbetreibende, der handwerker, die angestellte, der arbeiter, der rentner.

das ist ungerecht aber diese echten leistungs und verantwortungsträger werden zumindest versuchen das wieder hinzubiegen.

warum? weil sie es (im gegensatz zu den dampfplauderern) tatsächlich können!

Samthand Schuh
014
27.1.2010, 15:26
Anwendung der Quantenphysik auf die Koalition

1. ÖVP und SPÖ sind zwei verschränkte Quantenteilchen. Fragt man das eine Teilchen, was es ist, dann sagt das andere das selbe, auch wenn es Lichtjahre davon entfernt ist.
2. Kennt man den Ort eines Teilchens, so weiß man nicht in welche Richtung es geht. Kennt man die Richtung, weiß man nicht, wo sich die Partei befindet. (die Katze könnte tot sein)
3. Jede der Parteien befindet sich in Superposition. Das heißt es gibt keinen fixen Punkt, an dem sie steht, sondern sie befinden sich gleichzeitig überall ein bisschen.
4. Solange sie Quantenteilchen sind, interagieren sie nicht mit "normaler" Marterie (die der klassischen Physik unterliegt). Deshalb reagieren auch die Parteiteilchen nicht darauf, was in der Welt draußen vorgeht.

Helmut-S
00
27.1.2010, 17:50
Wahrhaft brilliant

Lost In Contemplation
01
27.1.2010, 16:29
Danke!

Selten wurde österreichische Politik physikalischer erklärt!

also dann ...
23
27.1.2010, 13:35
naja ... wieder einmal eine "milchmädchenrechnung" der marke schnauder ...

ad. zinsen
diese betrugen per 2008 7,3 mrd (07 : 7,8 mrd)
ein anstieg auf 11 mrd (lt. schnauder) würde bei einer 4 %igen verzinsung (eher hoch) einen schuldenzuwachs von 92,5 mrd ( ? ) bis 2013 heissen, was nicht realistisch ist.

ad. budget - sanierungsbeitrag von 6 mrd :
nichts leichter als das ...
1.) erhöhung der vermög.bez.steuern auf eu-niveua
= 4,2 mrd - OHNE konjunturelle abschwächung !
2.) streichung von 10 % der subventionen (9 mrd)
= 0,9 mrd
3.) einsparung verwaltung + gesundheit zusammen
= 2 mrd (wenig)
- - - - - -
7,1 mrd
- - - - - -
die differenz von 1,1 mrd würde zu einer reduzierung der lohnsteuer v.5 % führen.
. . . eine längst überfällige massnahme !

dagegen spricht nur 1 : klientel-politik d. ÖVP...

Poldi Prettljausn
73
27.1.2010, 13:45
Das ist eine Milchmädchenrechnung

1. eine Erhöhung der Vermögenssteuer geht nur bei gleichzeitiger Senkung der Lohnsteuer: daher ist das ein Nullsummenspiel = 0

2. Senkung der Subentionen um 10 % muss erst durchgesetzt werden, ist nicht so einfach: = 0

3. Einsparung Verwaltung + Gesundheitswesen, daran hat sich noch jede Regierung die Zähne ausgebissen, auch die ÖVP ist da dafür = 0.

Also was soll der Unsinn, dass die ÖVP Klientelpolitik betreibt?

Alkolix
01
27.1.2010, 15:21

wieso sollte man nicht vermögenssteuern ohne lohnsteuersenkung einführen können?

einsparungen an sozialausgaben und verwaltung oder pensionen hätten direkte auswirkungen auf den konsum - also eher eine blöde idee



Helmut-S
01
27.1.2010, 17:51
Weil damit das gleiche Geld...

...doppelt besteuert wird, und Sparer, Häuslbauer etc. bestraft würden, die mit dem erarbeiteten Geld dann sinnvoll wirtschaften.

Alkolix
02
27.1.2010, 20:32
das gleiche geld

wird im laufe seines lebens 100te male besteuert

wenn sie geld nur einmal besteuern wollen müssten sie steuern abschaffen

Poldi Prettljausn
23
27.1.2010, 13:22
Weder am Pensionssystem noch an der Verwaltung kann man sparen.

Beim Pensionssystem hat sich die SPÖ eingegraben und ein Rütteln an der Hacklerregelungh bis 2013 ausgeschlossen, nur, das Sparziel muss bis 2013 erreicht sein, geht also nicht.

Bei der Verwaltungsreform hören wir schon seit Jahrzehnten, dass sich da was tun muss, es wollen zwar alle, allein, es scheitert an der mächtigen Beamtengewerkschaft. Fällt also auch aus.

Auch eine Erhöhung der Treffsicherheit im Sozialsystem, wo viel zu holen wäre, geht nicht, wegen dem Nein der SPÖ zum Transferkonto.

Da niemand nachgeben will, wird es halt zu höheren Allgemeinsteuern kommen: Mehrwertsteuer auf 25 %.

scala2
00
27.1.2010, 15:03

Das würde dann noch mehr Arme bedeuten und auch die Grundsicherungsempfänger sehr stark treffen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die SPÖ dem zustimmt.

50plus
 
00
28.1.2010, 00:04
Ich mir schon, die SPÖ ist die letzten 6 Jahre noch immer 100%ig verlässlich vor der ÖVP eingeknickt und umgefallen

L.B.
11
27.1.2010, 13:15

>Die Erhöhung des faktischen Pensionsalters
>um zwei Jahre samt Auslaufen der Hacklerregelung >würde schon einmal an die drei Milliarden bringen

Milchmädchenrechnung. Wir haben keine Vollbeschäftigung. Die Alten finden entweder keinen Job, oder bleiben im alten Job, wodurch keine Jungen nachrücken können. So oder so entsteht Arbeitslosigkeit. Die kostet finanziell wahrscheinlich fast genauso viel, und sozial - vor allem bei Jugendarbeitslosigkeit - sogar viel mehr.

Martin Margulies
55
27.1.2010, 12:46
Sollen doch die Armen die Krise bezahlen

Darauf läuft die Politik der Bundesregierung doch hinaus.

mehr dazu unter martins linksblog

http://tinyurl.com/lhjp8c

Martin Margulies (Landtagsabg. der Wr. Grünen)

dölerich hirnfidler
00
27.1.2010, 13:54

na gööö, lieber poster-gemeinde, jetzt habt's ihn aufgweckt ....

Poldi Prettljausn
22
27.1.2010, 13:38
Außer Unterstellungen und Anschüttungen ist da nichts.

Der ÖVP, BZÖ und FPÖ wird kollektiv unterstellt, dass sie sich darauf geeinigt haben, dass "die Armen die Krise bezahlen sollen", dieser Satz war zwar noch nirgends zu hören, aber Hauptsache der Grüne schreibt den Satz in seinen Blog hinein, freilich ohne irgendeinen Anhaltspunkt für seine dumme Unterstellung. Das geht natürlich nicht ohne gleichzeitig mit "rechter Politschickeria" zu verunglimpfen.

Und so geht der Text weiter, zu vergessen...

Stern von Brokot
00
27.1.2010, 15:49
Das versteht aber schon jeder "Depp", sorry

Poldi ...

bernhard gayregger
15
27.1.2010, 12:44
Länger Arbeiten wegen längerer Lebenserwartung

wie oft müssen wir uns diesen blödsinn noch anhören. klingt ja auf den ersten blick plausibel, aber die realität sieht anders aus. die wirtschaft ist redlich bemüht alle AN über 50 möglichst rasch los zu werden. in meinem unternehmen werden fast allen AN über 50 ein abfindungsanbot unterbreitet, damit sie endlich in pension gehen. eine erhöhung des pensionsantrittsalters würde lediglich höher arbeitslosenzahlen bringen. wo bleibt dann die ersparnis für den staat?

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