STANDARD-Montagsgespräch

Von Volkszorn und Bankernöten

26. Jänner 2010 17:48
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    Foto: newald

    SP-Politiker Schieder fordert eine Bankenab-gabe und will die Transaktionssteuer notfalls auch nur in Österreich einführen. Minister Mitterlehner lehnt ab. Mit am Podium: Bankerin Prehofer und Ökonom Schulmeister.

Banken gehören besteuert, auch um die Wut der Menschen zu dämpfen, so SPÖ-Politiker Andreas Schieder. Dafür erntete er viel Widerspruch

Kritik auf dem Podium, Kritik aus dem Publikum: Die Bawag-Bankerin Regina Prehofer hatte es an diesem Abend wahrlich nicht leicht. Zunächst nutzten die Gäste beim Standard-Montagsgespräch zum Thema "Krise - ist ein Ende in Sicht?" die Diskussionsplattform im Wiener Haus der Musik, um ihren Frust über Banken (fehlende Anbindung an die Realwirtschaft, zu viel Spekulation) loszuwerden.

Einer der Zuhörer nutzte die Gelegenheit, Prehofer sein persönliches Bankproblem zu schildern. Ein Überziehungsrahmen von 3000 Euro sei ihm über Nacht von der Bawag gestrichen worden, beklagte der Unternehmer. Alle Proteste hätten nichts genutzt, in der Folge habe er Schwierigkeiten gehabt, die Steuervorauszahlung zu berappen.

Wohin die reservierte Bankenpolitik führe, wurde davor schon von Prehofer mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Finanzstaatssekretär Andreas Schieder und Ökonom Stephan Schulmeister diskutiert.

Wobei die hitzigsten Debatten sich natürlich darum drehten, wer dieZeche für die Krise bezahlen soll. Die steigende Staatsverschuldung werde Europa hart treffen, da waren sich noch alle einig. Mitterlehner warnte sogar davor, dass den Staaten das Geld für neueHilfspakete fehle: "Sollten wir nochmal einen wirtschaftlichen Rückfall erleben, wird der Staat nicht nachwässern können."

Der Streit flammte beim Thema Bankensteuer auf. Staatssekretär Schieder forderte eine "Solidarabgabe" für Banken allein schon aus gesellschaftspolitischen Überlegungen. "Wenn die Arbeitslosigkeit steigt und die Banken mehr verdienen, entsteht in den Köpfen der Menschen eine kognitive Dissonanz, die sich in Wut entlädt."

Mitterlehner und Prehofer blockten ab. Prehofer: "Die Banken in Österreich haben für die Staatshilfe gezahlt." Eine Abgabe würde nur die Bilanzen der Banken belasten und daher am Ende auf die Kunden abgewälzt werden, sagte Mitterlehner. Auf Nachfrage von Moderator und Standard-Kolumnist Gerfried Sperl ("Wird nicht jede Steuer auf den Kunden abgewälzt?") sprach er davon, die Abgabe prüfen zu wollen. Und dann gabs auch noch Lob für die Reformpläne Obamas: "Seine Vorschläge sind eine Chance, vielleicht die letzte, international etwas weiterzubringen."

Dem Ökonomen Schulmeister gehen die Obama-Pläne nicht weit genug. "In der Politik, der Wissenschaft und in den Medien wird die Doktrin, wonach freie Märkte nicht irren können, nicht in Frage gestellt." Das System belohne Unproduktivität, so würden derzeit jene Banken, die große Profite machen, besonders weit weg von der Realwirtschaft agieren. "Die Wurzel der Krise ist der Versuch, allein mit Geld noch mehr Geld zu machen."

Im Eilverfahren an die Börse

Die Anmerkung von Prehofer, Österreichs Banken würden im Gegensatz zu ihrer US-Konkurrenz konservativer agieren und weniger spekulieren, wies Schulmeister zurück. Im Devisenhandel setzen österreichische Banken das Fünfzehnfache des heimischen Bruttoinlandsproduktes um.

Schulmeister kritisierte auch Tendenzen, zu schnell und risikoreich Geld machen zu wollen. "Wenn 2000 Mittelschullehrer zu Kursen in die Pyramide bei der Shopping City stürmen, um zu lernen, wie man ein richtiger Broker wird, halte ich das für wenig erfolgversprechend."

Mit der wenig erfolgversprechenden Lage vieler Unternehmen begründete Bawag-Bankerin Prehofer schließlich, dass manchen Firmen der Zugang zu Krediten verwehrt werde: "In der Krise hat sich das Rating von 70 bis 80 Prozent der Unternehmen verschlechtert." Im Falle des Zusehers, dem der Überziehungsrahmen gestrichen wurde, versprach sie eine genaue Prüfung. Gleich in der Öffentlichkeit könne man den Fall natürlich nicht lösen. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2020)

Kommentar posten
21 Postings
also dann ...
27.01.2010 15:03
anzumerken ist, dass das ösi-bankenrettungspaket das d ü m m s t e...

der eu ist,
denn hätte der staat echtes eigenkapital statt des paritzuipationskapitals zugeführt, so könnte er
- die unfähigen manager/spekulten einfach feuern
- diegeschäftspolitik (mit)bestimmen
- und auch an einer entsprechenden wertentwikclung mitprofitieren.

dass sich die s p ö
...die zu einer intellektuellen wüste verkommen ist...
dieses paket aufs aug drucken lies, o h n e auch nur 1 massnahme (vermög.bez.steuern !) zu paktieren, zeigt auf, dass sie ein fach für eine politik FÜR menschen nicht mehr fähig ist.

ihre meinungsumfragen liegen bei 29 % - und dies freut sie auch noch ?!

wenn auch nur 1 halbwegser politiker ausscheert, so bekäme eine neue LINKE locker 10-15 % der stimmen.

Ava Tar
27.01.2010 17:54
der Staat hat alle Hände voll damti zu tun gehabt

den Großteil dieser unfähigen Manager im Vorfeld zu installieren

und nun soll er sie feuern?

Wen soll er denn stattdessen hinsetzen ?

Den Matzenetter, den Hendlbauer und Wickie und Ilvy ?

Die, die dort sitzen, sind immer noch die besten die wir haben.

also dann ...
27.01.2010 20:29
die besten die wir haben ? sehe ich nicht so, denn

von 2004-08 stieg die bilanzsumme durch die ost-strategie von 30 auf ca. 300 mrd - und

- keiner hat gemerkt welches risiko sie gehen
(das BIZ meinte, eine 10-15 %igen AfA ist das mindeste - d.h. das eigenkapital ist futsch...)
- die toxischen papierln (1. österr. ca. 17 mrd) sind kaum abgeschrieben - wahrscheinlich haben sie auch, so wie die fin.agentur o h n e überhaupt die produkte zu verstehen, "veranlagt"...
- durch gründung von töchtern in st.oasen (zypern, malta usw) trieben sie ihre casino-spiele voran
usw
usw.

nein - die 1. ebene muss man feuern
die 2. oder 3. an die kandare nehmen, dann können sie es (ohne casino-mentalität) ungleich besser.

kein mensch weint
den treichls, stepic`s usw. eine träne nach.

somit verbleiben wir...
27.01.2010 15:24

der staat bestimmt die geschäftspolitik mit - na da kann die bank gleich zusperren. wieviele staatsbeteiebe müssen noch pleite gehen, bis man kapiert, dass der staat keine unternehmen leiten sollte?

also dann ...
27.01.2010 15:37
geh bitte ... die ca. 7 mrd (bis dato) die an verlorenen subventionen, kapital usw.

zur verfügung gestellt wurden, hätten (gscheite) beamte nicht mal in 50 jahren "erwirtschaftet" ...

und die fin.krise haben wir bekanntlich PRIVATEN bank_S_tern... zu verdanken.

sleepyc
27.01.2010 13:11
mitterlehner hat den kern des pudels

getroffen: es ist kein geld mehr da.
es wird kein geld zur rettung auch nur der kleinsten privatbank mehr da sein, wenn die nächsten, sich bereits wieder bildenden blasen platzen.

und dann: pfiat god!

was denken sich die banker auf der ganzen welt dazu: hinter mir die sintflut.

iohui
27.01.2010 12:15
die wut ist mehr als berechtigt.

auch wenn banken für die staatshilfen zahlen,
sie zahlen an den staat und nicht an die steuerzahler,
sie zahlen nicht an die, die wegen der finanzkrise ihre altersvorsorge oder ihren job verloren haben.

das mindeste wäre, genau JETZT etwas für alle zu tun.
ohne privatkonto kann man heutzutage weder wohnen noch arbeiten.
die abzocke mit den kontokosten wird aber immer unerträglicher.

JETZT ist der richtige zeitpunkt, jedem österreicher
ein völlig kostenfreies privatkonto
zur verfügung zu stellen.
keine kosten für kontoführung, buchungszeilen, daueraufträge, ... was auch immer.

die banken beziehen ihre einnahmen ohnehin aus wildesten spekulationsgeschäften, dazu der geldverleih.
das sollte doch wohl reichen.

somit verbleiben wir...
27.01.2010 15:27

wovon redest du da?

das kostenlose privatkonto gibts eh schon (guckst du bspw hier: http://www.easybank.at/easybankv... nav.html), wieso muss das irgendein staat zur verfügung stellen? sind "die leute" zu faul, sich selbst zu erkundigen? dafür will ich als steuerzahler nicht aufkommen.

iohui
28.01.2010 01:06

wieso der staat?
der staat soll ALLEN Ö. BANKEN vorschreiben, dass jedem ö. staatsbürger ein kostenfreies privatkonto zur verfügung zu stellen ist, incl. kostenloser bankomatkarte und e-banking, kostenfreie buchungen.
mit mindestzinssatz und limit für max. überziehungszinsen.

das ist ein dienst für alle steuerzahler, keine belastung.

naihoit
27.01.2010 11:58
Banken sind kein herrenloses Gut, sie gehören jemandem.

Die EigentümerInnen lukrieren -zu Recht- die Gewinne.
Sie haben aber auch die Kosten zu tragen, wenn es einmal nicht nach Wunsch läuft.
Und wenn der Weiterbestand einer Bank volkswirtschaftlich notwendig ist, die Kosten für eine Reparatur aber so hoch sind, daß die EigentümerInnen diese nicht übernehmen können, soll die Allgemeinheit aushelfen.
Diese Hilfe hat aber einen Wert, der von Ökonomen durchaus als Betrag definiert werden kann, und den sollten die Geretteten der Allgemeinheit zumindest refundieren.
Alles andere ist Abzocke derer, die sich nicht wehren können.

immofuchs
27.01.2010 08:44

Unternehmer sollen/müssen einen Teil ihres Erfolges mit der Öffentlichkeit teilen. Banken tun das regelmäßig nur dann, wenn der Erfolg ein Negativer ist.
Insofern ist eine Bankensteuer, die sich am "Umsatz" (Transaktionsvolumen, ...) orientiert sinnvoll, weil Banken Gewinnsteuern offenbar effizient umgehen.
Ein Argument Steuer wegen Volkszorn ist ein kommunistisches Neidargument und sollte einem (finanz-)Politiker nicht auskommen.

somit verbleiben wir...
27.01.2010 15:29

"Unternehmer sollen/müssen einen Teil ihres Erfolges mit der Öffentlichkeit teilen." wieso? wieso soll dies ein unternehmer tun und andere nicht?

immofuchs
27.01.2010 15:38

steht in meinem post etwas was die anderen sollen/müssen?
Natürlich s/m auch andere Steuern zahlen, nur geht es hier um Banken und das sind nun mal Unternehmen.

ibinswieda
27.01.2010 13:36

Argument wg. Volkszorn. Hat nichts mit Kommunismus zu tun, sondern mit verantwortlicher Gesellschaftspolitik, wenn man den inneren Frieden bewahren möchte. Sonst zerreissts die Gesellschaft mal und wir aben einen Bürgerkrieg, oder Unruhen, oder Privatarmeen der Reichen etc.

somit verbleiben wir...
27.01.2010 15:30

bleib mal am teppich...

Menschen gegen Menschen
27.01.2010 01:46

Sagen wir es einmal volkstümlich: ich brunze sie an, die Banken und ihre Funktionäre, die nicht und nie funktioniert haben.

Mahab
26.01.2010 23:16
Tja

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungs-system nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh.“ (Henry Ford, 1863-1947)

Besen Ding
 
27.01.2010 10:40
Dieses Zitat unterstreicht das Ihre:

"Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht."

Mayer Amschel Rothschild (1744-1812), Gründer der Rothschild Banken Dynastie.

WAKU
26.01.2010 21:45
Bankernöte...

--- sind die Erklärungsnöte weshalb der Sparer, Kreditnehmer oder Steuerzahler für die Fehlentscheidungen und Überheblichkeit der Banken aufkommen soll.

Keyser
26.01.2010 18:44

Warum wird mit den verantwortlichen der Banken diskutiert? Ich bin der Meinung - alles was den Banken wehtut, und genau da wo sie am lautesten schreien, soll an,- v.a. aber umgesetzt werden.

Die Banken streifen sich die Verantwortung ab, wie ein Leichentuch, nach der Widergeburt - und wollen weitermachen als sei nichts gewesen.

Allein, wenn die Politik keinen Weg findet, so werden eben die - in Prospekten als wertvolle Kunden bezeichneten - Geldkühe den Banken einbläuen dass es so nicht weitergeht.

Und es ist sogar egal, ob, und wie man es dreht - am Ende zahlen wir die Rechnung sowieso alle, auf die eine oder andere Weise. Das die Banken auch endlich Beiträge leisten, darf deshalb wohl erwartet werden ...

Minimonk
26.01.2010 22:36

ich würde sogar sagen: wurden wir eigentlich gefragt, die milliarden für die banken zu übernehmen?

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