Ein Rekordmeister im Kombinieren

26. Jänner 2010, 17:15
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    foto: warner

    Geteiltes Leid, doppeltes Stirnrunzeln: Sherlock Holmes (Robert Downey Jr., li.) und sein treuer Partner Watson (Jude Law) in Guy Ritchies Neudeutung des Detektivs als Actionheld.

Mit "Sherlock Holmes" kehrt der smarteste Detektiv der Welt als launiger Superheld zurück

Den comichaften Würgegriff von Regisseur Guy Ritchie übersteht jedoch nur Robert Downey Jr. unbeschadet.

***

Wien - Kombinatorische Fähigkeiten werfen für neuere High-Concept-Filme zu wenig Schauwerte ab. Das bedeutet nicht, dass in Sherlock Holmes, der Rückkehr des weltberühmten Detektivs ins Kino, auf das Schaustück des Geistes ganz verzichtet wurde. Doch immer dann, wenn ihm ein paar Äußerlichkeiten genügen, um die rätselhaften Hintergründe einer Situation oder einer Person zu lösen, geschieht das in einer Geschwindigkeit, als gelte es, einen neuen Rekord aufzustellen.

Die Marotte ist symptomatisch für einen Relaunch, der aus Sir Arthur Conan Doyles genialem Detektiv des 19. Jahrhunderts einen modernen Superhelden macht. Basil Rathbone, der Holmes in den 1940er-Jahren gleich in 14 Abenteuern spielte, prägte die Rolle mit klassisch britischem Understatement. Wo dieser darum bemüht war, seine vielseitigen Fähigkeiten schmallippig zu verbergen, fällt der neue Holmes ständig durch seine Angebereien auf: Selbst wenn er jemanden verprügelt, klärt er uns hernach in Zeitlupenwiederholung wie ein Fußballkommentator auf, welche Hiebe er an welche Körperstelle mit welchem Effekt setzte.

Ironisierte Gewaltszenen wie diese kommen dem Briten Guy Ritchie durchaus entgegen, einem Regisseur, der sich mit der markigen, kraftmeierischen Aneignung von Gangsterfilmen allmählich in ein Eck gespielt hat, aus dem ihn nur der Gossip um seine Scheidung von Madonna wieder befreien konnte. Im Eiltempo hetzt er nun Holmes und seinen Partner Watson (Jude Law) durch ein neu geschriebenes hanebüchenes Szenario, in dem die Verbrechensfantasien eines James-Bond- auf den Hokuspokus eines Harry-Potter-Films treffen.

Wahnsinn und Vernunft

Holmes' Gegenspieler ist Lord Blackwood (Mark Strong), ein schwergewichtiger Bösewicht, der sich der schwarzen Magie verschworen hat und selbst von den Toten zurückzukehren vermag, um seine Weltbeherrschungspläne umzusetzen. Er bedient sich dabei eines komplizierten Verfahrens, verrätselt wie in The Da Vinci Code. Und nebenbei verfolgt er die Absicht, Holmes, den empirischen Wissenschafter, mit unerklärlichen Phänomenen in den Wahnsinn zu treiben.

Vernunft und ihre dunkle Gegenseite liegen bei ihm ohnehin nah beisammen: ein Verdienst von Robert Downey Jr., der sich in den letzten Jahren mit Zodiac, Tropic Thunder und in der Blockbuster-Abteilung mit der Comic-Adaption Iron Man (Teil zwei folgt noch dieses Jahr) zu einem Darsteller mit ähnlich unverwechselbarem Profil wie Johnnie Depp entwickelt hat. An die Eigenbrötler, die Letzterer vor allem unter Tim Burton gespielt hat, lehnt Downey Jr. nun auch seinen Detektiv an: immer am Experimentieren mit neuen Erfindungen, aber auch immer nah am jähen Absturz in die Depression. Wie er sich leicht tänzelnd, nie um ein Bonmot verlegen - er genießt es sichtlich, in gestelztem Britisch zu parlieren - und mit albernen Tricks hantierend durch den Plot bewegt, hat etwas von einer Vaudeville-Attraktion. Eine, die den ganzen Film zu tragen vermag.

Die verspielte Annäherung an ein in der Populärkultur längst verankertes Duo gelingt Ritchie im Vergleich mit der belanglosen zentralen Konfrontation recht gut. Jude Laws Watson steht zu seinem launenhaften Freund in inniger Beziehung, er pflegt ihn, wenn er sich wieder einmal gehen lässt und zu wenig wäscht - aber so nahe, wie manch einer im Vorfeld vermutet bzw. befürchtet hat, kommen sich die beiden nicht.

Wenig gäbe es gegen eine comichafte Überhöhung der Helden zu sagen, hätte man auch ihrer Welt und Fabel mehr Sorgfalt gewidmet. Wenn Holmes auf der noch unvollendeten Tower-Bridge auf ein digital animiertes historisches London blickt, sieht er aber bloß Attrappen, zu denen er keine Beziehung hat. Die schnöden Antriebe seiner Schöpfer würde er allerdings wohl ganz schnell durchschauen. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 27.01.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
alte frau
11
27.1.2010, 17:32

jude law in einer rolle, die zu ihm passt. einer nebenrolle.

do the evolution
12
27.1.2010, 17:07
"der aus Sir Arthur Conan Doyles genialem Detektiv des 19. Jahrhunderts einen modernen Superhelden macht. Basil Rathbone, der Holmes in den 1940er-Jahren gleich in 14 Abenteuern spielte, prägte die Rolle mit klassisch britischem Understatement"

das ist schlicht und ergreifend falsch, ich geh davon aus, dass der kritiker noch kein holmes buch von innen gesehen hat.

es handelt sich hier nicht um eine neuauflage der alten verfilmungen sondern um eine verfilmung der bücher.

und in doyles büchern, WAR holmes bereits dieser sogenannte "moderne superheld"
doyle streicht immer wieder heraus, dass holmes ein meister des damals sehr modernen Bartitsu, einer brutalen mischung aus ringen, boxen und jiu jitsu, war, der sich durch so manche situation geschlägert hat.

seine fähigkeiten im kampf mit dem spazierstock haben sogar zu einem boom und der entwicklung eines sehr populären kampfstils, speziell für regenschirme und wanderstöcke, durch Pierre Vigny um die jahrhundertwende geführt.

do the evolution
12
27.1.2010, 17:24
das wichtigste hab ich vergessen:

damit man mich nicht missversteht:
den film fand ich dennoch sehr, sehr schwach...

downey jr. ist nicht schlecht aber die handlung und der ganze, zu lösende fall ist einfach schwach.

gut für ein bisschen, wirklich seichte unterhaltung, aber mehr auch schon nicht.

im übrigen gibt es KEINE zeitlupenwiederholungen von kampfszenen, sonder lediglich die einsicht in holmes gedanken.
es wird also lediglich in bildern dargestellt, welche schläge holmes plant BEVOR er sie tatsächlich anbringt.

major grubert
00
29.1.2010, 09:14
ja leider

die schauspieler geben sich ja ganze muehe aber die handlung ist einfach fad. einer der schwaechsten ritchie filme

Dr. Fu
02
28.1.2010, 12:56

des öfteren finde ich etwas übertrieben. es gibt 60 SH Stories: es wird erwähnt:

stockkampf: in zwei geschichten
schwert: nie
boxen: SH wird als sehr guter Boxer beschrieben und kommt hin und wieder zum Einsatz
martial arts: in zwei Geschichten

karl knall
00
27.1.2010, 16:30

These are the most intelligent horses in the world, and they have been trained TO KILL!

qwert
03
27.1.2010, 16:29
Zu Robert Downey Jr...

...fällt mir nur das ein
MARGE
Look! There's Robert Downey Jr. in a shoot-out with the police.
BART
That's funny, I don't see any cameras.

clementinchen
00
27.1.2010, 15:24

die boxszenen fand ich eigentlich recht gelungen- 1:1 von snatch übernommen. der film ist auch unterhaltsam, allerdings bleiben die meisten charaktere sehr farblos. um die kulisse ists wirklich schade, die schauspieler bewegen sich darin ohne dem zuschauer die möglichkeit zur orintierung zu geben- vielleicht liegts auch am schnitt aber die szenen wirken dadurch ziemlich zusammengestoppelt. robert downey jr. spielt seinen holmes amüsant, dass seine vorbilder aber offensichtlich durch die bank johnny depp- charaktere sind (pirates of the carribean, from hell, sleepy hollow) ist schon auffällig.

alles in allem ein netter film mit viel raum zur verbesserung im (wharscheinlich folgenden) zweiten teil.

Rittmeister Kopetzký
02
27.1.2010, 15:19

Der Film ist ein Käse, die Animationen und dergleichen sind zwar imposant, die Handlung hingegen einer der typischen Blockbusterseichtheiten! Publikum 12-17 Jahre!

Jeremy Brett und Burke sind gegen die Typen in diesem Film reinste Genies, gleicher Unterschied wie zwischen David Suchet und Ustinov. Leider, so glaube ich, sind bei uns die Poirots mit Suchet und der Sherlock mit Brett nie gesendet worden! (obwohl mans eh nur im E-Oton anschauen sollte!)

Krieg schon einen Gusto auf einen Latakia aus der gediegenen Peterson!

Schubiak
00
27.1.2010, 14:29
Das könnte doch durchaus lustig werden

nicht so lustig wie "Sherlock Holmes Cleverer Bruder" mit Gene Wilder und Marty Feldmann wahrscheinlich aber mal gucken.

Klopf Klopf
"Sind Sie Mr. Holmes"
"JA"
"Haben sie einen Bruder namens Sherlock"
"NEIN"
"Haben Sie einen Bruder"
"JA"
"Wie ist denn sein Name"
"S C H E I (zensur) L O C H"

chiwato
01
27.1.2010, 13:49
habe

den film (noch) nicht gesehen.
glaube aber, dass die meisten poster hier die bücher und erzählungen (noch?) nicht gelesen haben.
holmes ist ein durchaus ambivalenter charakter mit hang zur arroganz und in den büchern "wimmelt" es von "action"-szenen.
nur so nebenbei.

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
21
27.1.2010, 14:50

Habe dein posting (noch) nicht gelesen.
Glaube aber du hast (noch) nicht gedacht beim schreiben.

do the evolution
00
27.1.2010, 17:00
können sie das auch begründen?

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
01
27.1.2010, 17:23

nur so nebenbei

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
01
27.1.2010, 17:22

(Noch) nicht

do the evolution
11
27.1.2010, 17:25
dann wartens damit am besten, bis sie auch mal ein holmes buch gelesen haben

Beiddenker
31
27.1.2010, 14:19
Anscheinend habe ich die "falschen" Bücher, den ...

... bei meinen Büchern prügelt sich Holmes nicht durch die Geschichten.

do the evolution
12
27.1.2010, 16:53
entweder sie haben "ihre" bücher nicht gelesen, oder sie haben tatsächlich die kinderversion gekauft

doyle beschreibt sherlock holmes (der damaligen mode entsprechend) ganz klar als einen Bartitsu meister (eine mischung aus boxen, ringen und jui jitsu), einer damals in england sehr populären, brutalen kampfkunst.

so selten schlägert er sich dabei wirklich nicht durch die eine oder andere szene.

ich erinnere sie nur an den legendären kampf gegen Moriarty mit dem abschließenden sturz in die reichebachfälle.


auch, dass holmes ein meister im stockkampf nach pierre vigny war, der um die jahrhundertwende als SAVATE Meister einen einzigartigen kampfstil für spazierstöcke und regenschirme erfunden hat, wird in mehreren teilen erwähnt.

aber vielleicht haben sie das einfach vergessen ;-)

Beiddenker
01
28.1.2010, 22:03
Das haben Sie schön von orf.at abgeschrieben ...

... Tatsache bleibt, dass Holmes seine Fälle im Original nicht durch Schlägern löst. Und die von Ihnen angesprochene Szene in The final problem war das damalige Ende der Serie und entsprechend dramatisch ausgestaltet.

In jedem Fall ist die jetztige amerikanische Version weit, weit weg vom Original. Und ich bleib dabei, die beste Verfilmung kam von Billy Wilder mit "The private life of sherlock holmes".

chiwato
01
27.1.2010, 14:58
dann

borg ich ihnen meine.

Michael Aires
14
27.1.2010, 12:54
Vorschlag: Demnächst Gandhi Neuverfilmung

Auch mit Explosionen, Prügeleien etc. - gratuliere zur völligen Verblödung des Publikums. Oder ist das schon so blöde... Henne oder Ei ... eigentlich egal.

do the evolution
21
27.1.2010, 16:59
der unterschied ist nur der: gandhi hatte mit gewalt nichts am hut

sherlock holmes, auf der anderen seite, schlägert sich in doyles romanen des öfteren durch brenzlige situationen.

doyle streicht immer wieder heraus, dass holmes ein meister des Bartitsu (eine mischung aus boxen, ringen und jiu jitsu) und extrem tödlich mit seinem spazierstock war.

nicht zuletzt durch sherlock holmes "action szenen" kam der stockkampf in england um die jahrhundertwende zu neuer bedeutung.
zum beispiel durch pierry vigny, ein SAVATE meister, der damals einen einzigartigen kampfstil speziell für regenschirme und spazierstöcke kreiert hat.

ich hoffe sie verstehen also, weswegen ihr vergleich hinkt.
holmes war ein arroganter, gewaltbereiter mensch. auch wenn manche unwissende hier das gegenteil behaupten.

Teemeister
02
27.1.2010, 16:49

Gandhi II - jetzt hat er genug vom gewaltlosen Widerstand!

Herrlicher Fake-Trailer von Weird Al Yankovic

Bad Monkey
 
00
27.1.2010, 10:23

feines popcorn kino!

mir hats gefallen!

Michael Aires
02
27.1.2010, 12:57
"Popcorn" ist ein gutes Stichwort - genaus inhaltsleer

aufgeblasen wie dieses Machwerk. Tschinbumm Prack und auf Wiederschaun.

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