Postulator im Seligsprechungsverfahren veröffentlicht Buch über den Ex-Papst
Rom - Johannes Paul II. wollte im Fall einer permanenten
Amtsunfähigkeit wegen seiner voranschreitenden Parkinsonschen
Krankheit zurücktreten. Dies berichtete der Postulator im
Seligsprechungsverfahren des polnischen Papstes, Slawomir Oder, in
seinem Buch über Johannes Paul II., das am Mittwoch
erscheint. Das neue Buch mit dem Titel "Perché é santo" (Warum er
heilig ist) wird vom Mailänder Verlag Rizzoli veröffentlicht. Oder
berichtet darin, dass der Papst 1989 in einem Schreiben seinen Willen
zum Rücktritt klar ausgedrückt hatte, hätte er wegen seiner Krankheit
nicht mehr in der Lage sein sollen, sein Amt als Pontifex auszuüben.
In dem Schreiben erklärte Johannes Paul II. er wolle jedoch
jeglichen endgültigen Beschluss über seinen Rücktritt einer Gruppe
von Kardinälen überlassen, darunter seinem Nachfolger Josef Ratzinger
und dem ehemaligen Präsidenten der italienischen Bischofskonferenz
Camillo Ruini. Mit Ratzinger, damals Präfekt der
Glaubenskongregation, habe Johannes Paul II. über die Möglichkeit
seines Rücktritts gesprochen, danach habe er jedoch beschlossen,
alles dem Willen Gottes zu überlassen, berichtete Oder.
Wojtyla schlug sich mit Gürtel
Laut dem Postulator unterzog sich Johannes Paul II. regelmäßig
körperlichen Peinigungen. Johannes Paul II. führte vor allem vor
Ostern lange Fastenexerzizien, an denen er nur eine Mahlzeit am Tag
nahm. Oft verbrachte er die Nacht auf dem nackten Boden. Hinzu
geißelte sich der Papst, wie auch seine Mitarbeiter berichteten. "In
seinem Schrank hing ein Hosengürtel, den der Papst als Peitsche
verwendete", berichtete Oder.
Das Seligsprechungsverfahren von Johannes Paul II. ist in die
Endphase getreten. Die Seligsprechung wird nach Medienberichten am
10. Oktober dieses Jahres stattfinden. Obwohl jetzt nur noch die
Anerkennung eines Wunders für die Seligsprechung notwendig ist, das
auf das Wirken von Johannes Paul II. zurückzuführen sei, habe der
Vatikan schon die organisatorische Maschinerie für die
Seligsprechungszeremonie in Bewegung gesetzt, zu der Hunderttausende
Menschen erwartet werden, berichteten italienische Medien dieser
Tage.
"Wunder"
Bei dem Wunder, das anerkannt werden soll, geht es um die Heilung
der französischen Ordensfrau Marie-Simon-Pierre. Sie hatte Symptome
der Parkinsonschen Krankheit gezeigt, an der auch der Papst litt.
Zwei Monate nach dem Tod von Johannes Paul II. waren die Symptome der
Krankheit nach einem Gebet zum verstorbenen Papst auf medizinisch
unerklärliche Weise bei der Nonne verschwunden. Der Vatikan muss nun
urteilen, ob ihr Fall als Wunder bewertet und dem verstorbenen Papst
zugeschrieben werden kann. Eine Kommission aus Ärzten und Theologen
muss den Fall eingehend prüfen.
Das Verfahren zur Seligsprechung für Karol Wojtyla tritt damit in
eine entscheidende Phase. Benedikt XVI. hatte in dessen Fall schon im
Mai 2005 die übliche Frist von fünf Jahren nach dem Tod zur
Einleitung der Prozedur aufgehoben. Er folgte damit Forderungen von
Gläubigen, die nach dem Tod Johannes Pauls am 2. April 2005 auf dem
Petersplatz "santo subito" (sofort heilig) gerufen hatten. Benedikt
XVI. hatte im Dezember formell den "heroischen Tugendgrad" seines
Amtsvorgängers deklariert, was einen wichtigen Schritt in einem
Seligsprechungsprozess darstellt. (APA)