Warum will Facebook die E-Mail-Adresse meiner Tante?

26. Jänner 2010, 13:03
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Der Datenhunger der Sozialen Netzwerke und die Strategien der Online-Werbung

Ein kleines Software-Update verrät großen Datenhunger: Das aktuelle Facebook-Programm fürs iPhone ermöglicht die Einbindung aller "Freunde" ins Handy-Telefonbuch. Aber Facebook verlangt den Datenaustauch auch in der Gegenrichtung, und dies wirft ein Schlaglicht auf mögliche Strategien in der Branche.

Alle Kontakte von deinem Handy

"Wenn du diese Funktion aktivierst, werden alle Kontakte von deinem Handy (Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer) an Facebook gesendet", heißt es nach dem Update der App auf dem iPhone. Warum will Facebook die E-Mail-Adresse meiner Tante? "Je mehr man über Sie weiß, desto konkreter kann ein Werbeprofil gestaltet werden", antwortet der Medienwissenschafter Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern, der sich seit langem mit Sozialen Netzwerken beschäftigt. "Durch das Einsammeln von Kontakten wird versucht, eine Netzidentität hundertprozentig abzubilden."

Bei den Datenschutzbeauftragten sind bereits Beschwerden gegen die neue Facebook-Anwendung eingegangen - von Personen, die gar nicht bei Facebook angemeldet sind, aber für eine Mitgliedschaft vorgeschlagen wurden. "Das ist eine Entwicklung, die ich für äußerst kritisch halte", sagt der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix der Nachrichtenagentur DAPD. "Da entsteht eine Art Sog in ein Soziales Netzwerk." Jeder Nutzer solle sein Verhalten kritisch prüfen und jede Anwendung ablehnen, die nicht genau angibt, welche Daten wohin übertragen würden.

"In World of Warcraft sind Sie der Goldene Krieger, in Wer-kennt-Wen der Knuddelprinz und auf eBay der Schnäppchenkönig"

Facebook verhalte sich wie ein "blinder Passagier auf dem sozialen Graphen des Nutzers", sagt Speck und meint damit das gesamte vielfältige Gefüge der sozialen Aktivitäten im Netz. Das eigene Ich wird dort vielfältig gebrochen - je nachdem, auf welchen Plattformen man unterwegs ist. "In World of Warcraft sind Sie der Goldene Krieger, in Wer-kennt-Wen der Knuddelprinz und auf eBay der Schnäppchenkönig", erklärt der Professor für Digitale Medien.

"Für die Sozialen Netzwerke ist es spannend, all diese Teilidentitäten zu aggregieren", also zusammenzuführen. "Was früher in getrennten Datensilos war, wird jetzt zusammengezogen." Wer rund um die Uhr über sämtliche Plattformen hinweg die Nutzeraktivitäten verknüpfe, könne Werbekunden exakt die von ihnen gewünschte Zielgruppe bieten. Hinzu kommt die Möglichkeit, dank der GPS-Ortung aktueller Smartphones die Werbung auf den jeweiligen Standort des Nutzers zuzuschneiden.

Die Ursachen der Entwicklung zu immer raffinierteren Werbestrategien sieht Speck darin, dass es in der traditionellen Werbung eine zunehmende Sättigung gibt. Das gilt auch schon für die klassische Banner-Werbung auf Webseiten zur Anzeige im Desktop-Browser, die entweder mit "Ad-Blockern" abgeschaltet oder gewissermaßen mental ausgeblendet wird. Soziale Netzwerke wie Facebook setzen vor allem auf Werbung durch persönliche Empfehlung - wenn jemand zum "Fan" einer Marke wird, soll dies auch die Freunde und Bekannten überzeugen.

Im Wettbewerb um die Online-Werbung der Zukunft agieren Unternehmen auf vier verschiedenen Ebenen:

1) Anbieter von mobilen Endgeräten, z.B. Nokia, Apple

2) Anbieter von Betriebssystemen, z.B. Microsoft, Apple

3) Anbieter von Suchmaschinen, z.B. Google, Microsoft, Yahoo

4) Anbieter von Sozialen Netzwerken, z.B. Facebook, VZ-Gruppe ~

Wer sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig tummeln kann, ist besser aufgestellt als andere. Deswegen hat offenbar ein reiner Geräteanbieter wie Nokia zurzeit relativ schlechte Chancen, in diesem Geschäft mitzuhalten.

Rennen zwischen Apple und Google

Stattdessen findet das Rennen jetzt vor allem zwischen Apple und Google statt, ergänzt um Microsoft, das sich immerhin an Facebook beteiligt hat. Mit seiner streng reglementierten Plattform vertritt Apple gewissermaßen eine katholische Mentalität, wie der Schriftsteller und Kulturwissenschafter Umberto Eco schon vor Jahren festgestellt hat. Speck ergänzt: "Dann wäre Google die protestantische Richtung, die Open Source und Marktöffnung als Hebel benutzt."

Beide feilen an mobilen Betriebssystemen, die - wie das iPhone-App zeigt - immer enger mit Sozialen Netzwerken integriert werden. Wer das Betriebssystem kontrolliere, könne dann auch bestimmen, wer die Werbung auf das mobile Gerät transportieren könne, erklärt Speck.

Bedenkenlos

Wer sich allzu bedenkenlos auf alle Angebote der Online-Plattformen einlässt, geht das Risiko ein, dass sehr persönliche Daten auf Jahrzehnte hinaus gespeichert und in der Hand eines Privatunternehmens sind. Die Datenschutzbeauftragten in Deutschland haben daher schon 2008 die "datenschutzkonforme Gestaltung sozialer Netzwerke" verlangt.

Speck gibt außerdem zu bedenken, dass vor allem jüngere Nutzer kein Adressbuch auf Papier mehr führten, sondern sich ganz auf Facebook oder StudiVZ verließen. "Die Repräsentation ihres sozialen Lebens findet in der Online-Kommunikation und in den Sozialen Netzwerken statt, sie haben kein physisches Backup mehr." Wenn aber das Unternehmen die Mitgliedschaft kündige oder es aus einem anderen Grund keine Verbindung mehr gebe, breche mit einem Schlag ein großer Teil des sozialen Beziehungsnetzes weg.

"Wir brauchen ein völlig neues Datenschutzmodell."

Der Wissenschafter fordert daher klare gesetzliche Rahmenbedingungen für Online-Plattformen: "Wir brauchen ein völlig neues Datenschutzmodell." Datenschutzbeauftragter Dix stimmt zu: "Es ist hochnotwendig, über eine neue Konzeption des Datenschutzes nachzudenken."

Allerdings ist Speck skeptisch, ob die dafür erforderliche Medienkompetenz bei politischen und juristischen Entscheidungsträgern ausreicht: "Es besteht die Gefahr, dass die Systemträgheit wesentlich größer ist als die Zeit, die wir für Entscheidungen haben, um die gesellschaft-technische Entwicklung nach den Grundsätzen einer demokratischen Gesellschaft zu gestalten." (Von Peter Zschunke/apn)

 

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Lego12
02
27.1.2010, 15:17
mittlerweile rennt doch auch diese lotteriewerbung im fernsehn

"mache einen freund zum millionär"....nur seine handynr an 0900xxxxxx senden.

->funzt auf die selbe schiene: man ermutigt leichtgläubige daten anderer leute weiterzugebn. is das nicht strafbar bzw eine sehr graue grauzone?

die lemminge freun sich über alle tollen features "was soll denn passieren? die machen ja eh nix damit..."

Super-Zyniker
00
29.1.2010, 22:09

@Lego12

> "mache einen freund zum millionär"
> ->funzt auf die selbe schiene: ...
> .... is
> das nicht strafbar bzw eine sehr graue grauzone?

Das ist eine Grauzone und grenzlegal.
Der Trick dahinter ist folgender:
Da nicht du selbst, sondern nur der von dir angegebene "Freund" (theoretisch) gewinnen kann, fällt das Geschäftsmodell nicht unter konzessionspflichtiges Glücksspiel.
Außerdem sind die € 0,70 Kosten der Mehrwert-SMS (wie bei den meisten anderen Anbietern der Nutzlosbranche auch) taktischerweise gerade an der Grenze der ausdrücklichen Informationspflicht.
Somit erfolgt beim SMS-Versand keine vorherige Rückmeldung über die Kosten, die mit JA zu bestätigen wäre.
Die Kosten sind jedoch in den Inseraten lesbar angegeben.

do the evolution
01
27.1.2010, 15:21
strafbar wenn dann für den, der die daten von dritten unberechtigt weitergibt. sprich für den freund

unwissenheit schützt vor strafe nicht... außer natürlich man ist regierungsmitglied einer bundes- oder landesregierung!

Peter Tastenwähler
00
27.1.2010, 14:48

Nachdem ich 2009 aus der Kirche ausgetreten bin, ist jetzt der nächste penetrante Verein dran.

Steven Biko
00
27.1.2010, 14:07
Können Sie haben......

Meine_Tante@Meine_Familie.at

Christ Kind
00
27.1.2010, 14:45
bitte

die stimmt aber nicht.

do the evolution
08
27.1.2010, 13:30
vor ein paar monaten war ich beim leiner um mir einen bürosessel zu kaufen

der "verkäufer" wollte dafür doch tatsächlich ein von mir ausgefülltes formular mit namen, adresse, emailadresse und handynummer.

klar war ich entsetzt, aber noch entsetzter war ich, als meine frau ohne zögern sofort damit begonnen hat alles auszufüllen.

natürlich hab ich ihr dann gesagt, dass sie das lassen soll und den verkäufer gefragt, wofür er diese daten denn brauche.
darauf wusste er keine antwort außer "das nehmen wir halt immer auf"

selbstverständlich hat er gar nichts bekommen, aber wie all diese daten in umlauf kommen, wundert mich bei uns nicht im geringsten.

Super-Zyniker
00
29.1.2010, 22:16

@do the evolution

> vor ein paar monaten war ich beim leiner um mir
> einen bürosessel zu kaufen
> der "verkäufer" wollte dafür doch tatsächlich
> ... namen, adresse, emailadresse und
> handynummer.

Naja, das ist SO nicht ganz eindeutig:
Wenn es sich um einen Mitnahmeartikel gehandelt hat, sind die Daten sicher nicht notwendig.
Wenn dein Sessel allerdings nicht in der Filiale vorrätig war, sondern erst bestellt werden mußte, dann wird es wohl auch in deinem Interesse sein, daß dich der Leiner informiert, wenn der Sessel da ist und von dir abgeholt werden kann.
Und daß dabei zu einer Bestellung auch Name + Adresse gehören, sollte auch klar sein.
Sonst könnte ja jeder Dussel etwas bestellen und dann eben NICHT abholen und bezahlen.

do the evolution
00
30.1.2010, 00:02
falsch

den sessel gabs in der einen filiale nicht, also musste ich ihn für einen anderen tag in einer anderen filiale reservieren.

dafür wurde nichts als mein name gebraucht.

in der zweiten filiale war ich 5 minuten.
rein - sessel im karton abholen - raus

und dazwischen hätte man gern noch meinen halben lebenslauf aufgenommen

eklaTANT
00
28.1.2010, 13:56
AKH Wien auch nicht besser

Wenn sie im Ambulatorium zB zum Röntgen gehen, muss man ein Anmeldeformular ausfüllen auf welchem man auch den Familienstand angeben muss. Wenn man nachfragt erhält man ebenfalls die Antwort "das nehmen wir halt immer auf".

do the evolution
00
28.1.2010, 13:58
naja... einem krankenhaus gewisse daten zu geben, damit es mit den entsprechenden versicherungen abrechnen kann (da spielt der familienstand zb eine rolle)

ist jetzt nicht grad mit einem möbelhaus zu vergleichen, das meine daten dafür will, dass ich einen bürosessel raustrage

eklaTANT
00
28.1.2010, 14:03

Wird die Leistung wird demnach an Hand des Familienstands berechnet und verrechnet?

do the evolution
01
28.1.2010, 14:37
in der sozialversicherung kann der familienstand je nach krankenversicherungsträger schon eine rolle spielen

gerade zum beispiel, wenn man als ehefrau mitversichert ist

eklaTANT
00
29.1.2010, 11:32

Das mag schon stimmen, nur was geht das dem Ambulatorium an? In einer Röntgenpraxis ist diese Information auch nicht notwendig.

do the evolution
00
29.1.2010, 13:14
die daten sind auf ihrer ecard enthalten und werden somit auch in der röntgenpraxis verwendet

eklaTANT
00
30.1.2010, 20:53
Familienstand doch nicht auf der e-card?

behauptet zumindest http://bit.ly/aWPTrp

eklaTANT
00
29.1.2010, 13:48

oarg

Da Chigurh Toni
01
28.1.2010, 12:26
gut!

ich geb auch nie meine daten her. sollten eigentlich alle tun. ist oft auch ziemlich witzig, wenn man die rausgabe verweigert.

ein beispiel: die tanten an der supermarktkasse, die immer nach der PLZ fragen, sind immer völlig verblüfft bzw. fast sogar schockiert, dass sich da einer weigert. da sieht man, wie normal des für die geworden ist, dass man persönliche daten bereitwillig herausrückt.

ICH HABE EIN RECHT DARAUF, IN RUHE GELASSEN ZU WERDEN!

Mazzesinsulaner
 
00

dann sagst halt an der Kasse bei der Postleitzahlfrage "2345". Vielleicht bekommt Brunn am Gebirge mehr Käufer als Einwohner.

Super-Zyniker
00
29.1.2010, 22:25

@Da Chigurh Toni

> die tanten an der supermarktkasse, die immer nach
> der PLZ fragen, sind immer völlig verblüfft bzw.
> fast sogar schockiert

Naja, eine PLZ ist aber nur eine sehr allgemeine Angabe und läßt allein sicher keinerlei Rückschluß auf dich zu.
Wenn ein Supermarkt oder eine Handelskette ein Interesse daran hat, das grobe Einzugsgebiet ihrer Kunden festzustellen, kann man dies als legitim betrachten.
Etwas Anderes wäre es, wenn du Name + Adresse etc. angeben müßtest - das geht aber heute viel besser und freiwillig über die diversen Kundenkartenprogramme. :-))

Außerdem kannst du auch einfach eine falsche PLZ angeben, wenn dich die Frage datenschutzmäßig so bedrückt.

Da Chigurh Toni
00
30.1.2010, 20:44
keine sorge, mich bedrückt sie nicht

da gehts ums prinzip

Lego12
02
27.1.2010, 15:18
frau aufgeklärt?

oder schon geschieden?

frei raum
63
27.1.2010, 11:29
Wollma sie mal reinlossa...

wer facebook wirklich mit allen funktionen nutzt, andererseits aber an seiner wohnungstür ein sicherheitsschloss anbringt, der hat wirklich nichts begriffen...

do the evolution
22
27.1.2010, 15:02
so ein schmarren

wer facebook nutzt gibt freiwillig nur die daten bekannt, die er auch bekannt geben möchte.

mit einer wohnung und einem einbruch hat das nicht das geringste zu tun.

wenn dann können sie es mit jemandem vergleichen, der ein sicherheitsschloss an seiner tür anbringt, fernseher und laptop allerdings ins stiegenhaus stellt, und sich wundert, wenn jemand ihn benutzt.

frei raum
01
27.1.2010, 23:01

..., der hat wirklich nichts verstanden...

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