"Widerstand gegen Regierung war gewaltig"

26. Jänner 2010 14:22
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    apa-photo: roland schlager

    Vor zehn Jahren demonstrieren Tausende gegen die schwarz-blaue Regierung, die EU-14 verhängten bilaterale Maßnahmen gegen Österreich: "Im ersten Moment waren alle eurphorisch".

Warum die Sanktionen das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkten und die Kritiker von Schwarz-Blau kaum profitierten

"Die Medien sind vor zehn Jahren ihrer Kontrollinstanz nicht gerecht geworden", findet der Künstler und Autor Martin Strauß. Gemeinsam mit Karl-Heinz Ströhle hat er zum zehnjährigen Jubiläum das Buch "Sanktionen" herausgegeben. Kritisiert wird darin, wie die Journalisten des Landes vor zehn Jahren mit den bilateralen Maßnahmen der 14 EU-Länder umgegangen sind. Sie hätten bei der Berichterstattung den Leitgedanken für die Maßnahmen stärker in den Mittelpunkt stellen sollen, so Strauß. Die Medien haben seiner Meinung nach ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Mit dem Buch will er einen Anstoß zu einer Debatte geben.

Gerechtfertigte Sanktionen

Das Buch wurde am Montagabend im Haus der Europäischen Union in Wien präsentiert, inklusive anschließender Podiumsdiskussion mit prominenter Besetzung. Profil-Chefredakteur Herbert Lackner, Philosophin Isolde Charim, Ex-Standard-Innenpolitik-Ressortleiterin Katharina Krawagna-Pfeifer und die grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek erinnerten sich noch gut an die Zeit vor zehn Jahren. Und sie haben eines gemeinsam: sie alle sind der Meinung, dass die Sanktionen gerechtfertigt waren.

"Der Widerstand gegen die schwarz-blaue Regierung war gewaltig", sagte Herbert Lackner. Die Sanktionen seien eine Art internationale Bestätigung für das gewesen, wogegen viele in Österreich protestiert hätten. Irgendwann jedoch sei es der Regierung und dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gelungen, einen "nationalen Schulterschluss" heraufzubeschwören. Die Stimmung kippte und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Österreicher wuchs. Auch Isolde Charim erinnerte sich daran, wie euphorisch alle im ersten Moment der Sanktionen waren, dass es dann jedoch zur "ideologischen Umdeutung" gekommen sei. 

"Wir sind ja nicht in Nordkorea"

Lackner ist nicht der Meinung, dass alle Medien nur für Österreich und gegen die EU geschrieben hätten. Sein Beweis: Das Profil titelte zum Zeitpunkt der Regierungsangelobung mit "Schande Europas" und Wolfgang Schüssel habe daraufhin "drei Jahre lang nicht mit uns gesprochen". "Wir sind ja nicht in Nordkorea", rechtfertigte er, dass man nicht nur Befürworter der Sanktionen zu Wort kommen habe lassen. 

Krawagna-Pfeifer erinnerte sich an die "psychisch angespannte Atmosphäre" in den Redaktionsstuben und an die Wahrnehmung im Ausland: "In Österreich passiert etwas, was für die restlichen EU-Länder nicht mehr überblickbar war." Es sei ein Tabubruch gewesen, dass Schüssel die Koalition mit Haider eingegangen sei. Etwas, wovon man geglaubt hatte, es würde nie zustande kommen, nämlich dass man mit einer rechten Partei zusammenarbeitet, passierte. Schüssel sei es gelungen, die diplomatischen Maßnahmen in Sanktionen umzuinterpretieren.

Ulrike Lunacek war zur Zeit der Sanktionen relativ neu im Nationalrat. Sie kritisierte, dass Schüssel die FPÖ "salonfähig" machte. Dabei habe es den europäischen Konsens gegeben, sagte sie in Anspielung auf die Nazi-Zeit, es "nie wieder" so weit kommen zu lassen.

Keine Exit-Strategie

Als "Fehler der EU" bezeichneten die Diskussionsteilnehmer, dass die EU-14 keine Exit-Strategie für die Sanktionen vorbereitet hatten. "Das war fatal", so Lunacek. Und es habe auch einige "Blödsinnigkeiten" der EU-14 gegeben, etwa die Aussage, es sei unmoralisch, in Österreich skizufahren. Dinge wie diese hätten es den Medien schwer gemacht, zu kommunizieren, was tatsächlich hinter den bilateralen Maßnahmen steckt, sagte Krawagna-Pfeifer. 

Was ist geblieben von den Sanktionen von vor zehn Jahren? Die "Bändigung" Jörg Haiders und der FPÖ sei nicht geglückt. Darüber herrscht Konsens. Aber es habe nachhaltige Veränderungen gegeben, die teilweise erst heute spürbar werden. So sei gewissermaßen eine "Entsolidarisierung der Gesellschaft" zu spüren und die Wahl eines Martin Graf zum dritten Nationalratspräsidenten sei kaum noch ein Aufreger, meinte etwa Lunacek. 

"Das einzige, was wir hoffen können ist, dass die rechten Parteien auch weiterhin einen Spaltpilz eingebaut haben", sagte Charim, "denn ich sehe momentan keine Partei, die den Rechten entgegentreten kann." (rwh, derStandard.at, 26.1.2010)

Zum Thema: Als Österreich der Buhmann der EU war

"Sanktionen - 10 Jahre danach: Die Maßnahmen der Länder der Europäischen Union gegen die österreichische Regierung im Jahr 2000", herausgegeben von Martin Strauß und Karl-Heinz Ströhle, erschienen im Studienverlag.

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asdf 1234
02.02.2010 18:53
"denn ich sehe momentan keine Partei, die den Rechten entgegentreten kann."

Und wortgleich hätten dies wahrscheinlich etwa 70% der Bevölkerung VOR DER NATIONALRATSWAHL 1999 auch gesagt.
PS: Die FPÖ erreichte bei der NRW 99 ca. 27%

Was lernen wir daraus ?

135
 
02.02.2010 14:58
Haider, Grasser usw echte Kunmpeln, die sich sehen

können.
Danke übrigens Donnerstagmarschierer.

doldi berg
 
01.02.2010 23:42
Verleihung der Goldenen Pfuy


http://www.youtube.com/watch?v=G5cS9NXmhGA

Klassiker in der Hofburg

blabla3001
05.02.2010 02:24
danke!!!

dyeses vydeo suche ych schon seyt fast 10 jahren!!!

derjungeroemer
01.02.2010 20:42
die "entsolidarisierung der gesellschaft"

ist auf schwarz/blau zurückzuführen?

und in den anderen ländern der westlichen welt?
wer ist da an der "entsolidarisierung der gesellschaft" schuld?
bissi nachdenken!

viridisdens
04.02.2010 14:56
man kann tendenzen verstärken oder abschwächen, zweifellos hat schwarz-blau extrem beschleunigt

Urbin
30.01.2010 19:58
"Widerstand gegen Regierung war gewaltig"

"Gewaltig erfolglos" wäre treffender.

Roter Baron
01.02.2010 16:24

wieso erfolglos ?
tschüssel und freunde regieren nicht mehr
(haben ganz nebenbei
nicht mal eine gesamte legislaturperiode geschafft).


roter baron

erinnye
 
31.01.2010 14:42
oder

gewaltig lächerlich

Urbin
30.01.2010 17:54
Propaganda!!!

1. Der Widerstand gegen die Regierung war unglaubwürdig bis lächerlich.
2. Die EU-Sanktionen haben sich selbst ad absurdum geführt.
3. Die Analyse des Hr. Lackner ist nicht nur diesmal recht fragwürdig.
4. Der "Erfolg" der SPÖ gibt Schüssel recht.
5. Den ersten "Tabubruch" mit der FPÖ hat Kreisky begangen.

God_of_the_Wind
30.01.2010 18:35

hihi, hartnäckig hält sich die mär der övp als wahlgewinner

Roter Baron
01.02.2010 16:24

das hat nicht mal
der oberzokker
von sich selbst geglaubt.


roter baron

Urbin
30.01.2010 20:10
Re

Ist der Wahlgewinner etwa die SPÖ?

Kritifaxe
29.01.2010 22:00

Also wenn ich so einen Schmarrn zu dem zeithistorisch wichtigen Thema lese, die die Sanktionen notabene gutgeheißen haben wollen,
dann versteh ich solch indipente Aussagen einer "entsolidarisierten Gesselschaft die den MGraf hin-nimmt" (als Resultat der Sanktionen) nicht

DirtyHarry
29.01.2010 16:52


"gewaltig" - ??? die zeit verklärt viel...

Oschus Mox
29.01.2010 11:25
hat nicht Kreisky und später auch Sinowatz

den "Tabubruch" (zit. Krawagna-Pfeifer) einer Koaltion mit der FPÖ schon viel früher als Schüssel begangen?

war die Kreisky-Peter-Koalition kein Tabubruch aber die Schüssel-Haider-Koalition dann schon?

Kann man ein gebrochenes Tabu noch einmal brechen?

da werfen sich noch mehr Fragen auf! vielleicht zum 20ten wissen wir's dann.

asdf 1234
02.02.2010 19:00
Auch wenn Sie es noch so oft von Ihrer untersten, verstubten

Schublade hervorzaubern wollen, aber:

Bruno Kreisky ist nie eine Koalition eingegangen, auch nicht mit der FPÖ.

Oschus Mox
03.02.2010 10:13

genau genommen stimmt das, Kreisky hat sich nur von der FPÖ unter der damaligen Führung des Ex- SS-Sturmbannführers Peter zum Kanzler wählen lassen und gute politische Geschäfte mit Peter gemacht.

kein Tabubruch?

robinsons freitag
29.01.2010 19:10
@ Oschus Mox


Nicht nur das: zwar entstammt Haider einem bekennenden N*zi Elternhaus und hat bis fast zum Schluss das III Reich schwer verharmlost. Aber er selber war nie, auch nicht ansatzweise N*zi (ZB. wird weltweit bis heute erfolglos nach einem echten anti*emitischen Sager Haiders gesucht. Es gibt scheinbar keinen).

Kreiskys Partner Friedrich Peter dagegen war aktiver SS Sturmbannführer einer "Spezialeinheit" die in Russland "Partisanen und Terroristen" (= wehrlose Juden) in Massen umbrachte.
Mehr noch: Als Austausch gegen die Duldung der SPÖ-Alleinregierung 1970 durch die FPÖ, hat Kreisky den Nationalrat von 165 auf 183 Sitze erweitert, um der FPÖ mehr Nationalratssitze zukommen zu lassen.
So schauts aus!

roland-p
29.01.2010 22:04

Das mit Friedrich Peter will ich auch gar nicht abstreiten, aber: Haiders Untergriffe gegen Ariel Muzicant und diverse Meldungen zum Thema "Ostküste" waren sehr wohl antisemitisch.

hugo görz
29.01.2010 20:07
peter ist zurückgetreten.

davor hat er sich oft und deutlich von der ns-diktatur distanziert und zur demokratie bekannt.
hat immer recht glaubwürdig geklungen.

zwischen kreiskys integrationsbemühungen und schüssels würdelosem "drachentöten" und "zähmen" liegen welten.

shangl
02.02.2010 00:46
also jetzt mach mal halblang...

...sogar der strache beteuert ständig, zur demokratie zu stehn und distanziert sich ständig öffentlich von den nazis...was jemand sagt ist nicht unbedingt das, was er tut

1116er
29.01.2010 10:34
"Die Medien sind vor zehn Jahren ihrer Kontrollinstanz nicht gerecht geworden",

wann, seit gründung der 2. republik, sind denn die medien wenigstens einmal ihrer verantwortung nachgekommen?
medien im engeren sinn gibt es hier nicht, allenfalls unterhaltungsmedien.

ist aber konsequent, denn es gibt auch kaum denkende menschen hier, allenfalls konsumidioten!

lehrerlämpel
29.01.2010 10:17
schwarz-blau wird wieder kommen

damit hoffentlich auch die sanktionen. nur wenn die "jetzt-erst-recht" mentalität der "wen-schert's- gesellschaft" in der kuhfladenrepublik über lange zeit tatsächliche wirtschaftliche nachteile in kauf nehmen muss, wird sich in der nächsten generation vielleicht etwas ändern.

"ich geh jetzt mein schnitzel essen"

more more
29.01.2010 09:54

Das traurigste an der Sache ist folgendes:
Im Wahlkampf 1999 war die SPÖ zum ersten und wohl auch letzten Mal die seriöseste Kraft.
Als einzige haben sie keine teuren Wahlzuckerl verteilt.
Klima hat sich auch klar zur Notwendigkeit der Luftraumüberwachung bekannt.
Einmal seriös und dann verlieren sie den Kanzler.
Dieser negative Lerneffekt hat leider verherrende Langzeitfolgen für die österr. Politik.

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