SVP geht auf deutsche Zuwanderer los

26. Jänner 2010 11:07

Rechtspartei wirft Professoren und Ärzten aus dem Nachbarland vor, den "deutschen Filz" in die Schweiz zu exportieren

Zürich - Nach dem Überraschungserfolg des Minarettverbots nimmt die national-konservative Schweizerische Volkspartei (SVP) neue Ausländergruppen ins Visier. Nach den Muslimen sind jetzt die deutschen Zuwanderer Zielscheibe ihrer fremdenfeindlichen Attacken. Für großen Wirbel sorgt auch das Ansinnen der USA, zwei ehemalige Guantanamo-Häftlinge in der Schweiz aufzunehmen.

In der zweiten Hälfte der laufenden Legislaturperiode, die Ende 2011 zu Ende geht, will die SVP das Ausländerthema in den Vordergrund ihres Wahlkampfes stellen. "Nein zur unkontrollierten Zuwanderung und gegen einen schleichenden EU-Beitritt" lauten die Parolen. Die Wirtschaftskrise, die auch an der Schweiz nicht spurlos vorbeigegangen ist, kommt den Rechtspopulisten dabei zur Hilfe. Viele Menschen zittern um ihren Arbeitsplatz.

"Deutscher Filz"

Die Zürcher SVP löste vor einigen Wochen eine Dauer-Polemik mit einem aggressiven Inserat aus, in dem sie den Universitätsprofessoren und Ärzten aus dem nördlichen Nachbarland vorwarf, den "deutschen Filz" in die Schweiz zu exportieren. Die Professoren schanzten Kollegen aus Deutschland zum Nachteil der Schweizer Posten an der Uni Zürich zu, lautet der Vorwurf. Rund 200 Mitglieder des Lehrkörpers setzten sich unverzüglich zur Wehr und hielten der Partei öffentlich "fremdenfeindliche und rassistische Rhetorik, Ideologie und Politik" vor, mit der die "Ausbildung der Jugend torpediert" und das gesellschaftliche Klima vergiftet werde.

Auf diese etwas überrissenen Formulierungen konterte die SVP mit beißendem Spott: "Wir Gewöhnlichen wussten gar nicht, dass die Deutschen eine Rasse sind." Aber es seien ja schon "damals" (vor dem Zweiten Weltkrieg, Anm.) die "hohen Professoren" gewesen, "die den Rassen-Aberglauben in die Welt gesetzt haben." Mit viel Gespür für die derzeitige schlechte Stimmung im Land hat die Partei damit wieder eine heiße Kartoffel angepackt und die in der Schweiz unterschwellig stets präsente Angst vor Überfremdung erneut thematisiert.

Konkurrenz am Arbeitsplatz

Die Deutschen werden als Konkurrenz am Arbeitsplatz gesehen, obwohl sie in Wirklichkeit gerufen wurden, weil der schweizerische wissenschaftliche und medizinische Nachwuchs nicht ausreicht. Vorgehalten wird ihnen überdies, die ohnehin schon teueren Mieten in den großen Städten noch weiter nach oben zu treiben.

Tatsache ist, dass sowohl an der renommierten ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) wie auch der Universität Zürich ausländisches Lehrpersonal etwa ein Drittel ausmacht. Prominent sind die Deutschen vor allem an der philosophischen Fakultät vertreten, wo sie rund 50 Prozent des Lehrkörpers stellen. Auch in den Spitälern in Zürich, Bern oder St. Gallen macht das aus dem nördlichen Nachbarland stammende Gesundheitspersonal rund ein Drittel aus.

Allerdings ging die Zuwanderung aus Deutschland ebenso wie aus anderen Nachbarstaaten 2009 im Zuge der Wirtschaftskrise zurück. Auch die schweizerischen Sozialwerke werden weniger durch arbeitslos gewordene hoch qualifizierte Arbeitnehmer aus diesem Raum belastet, als vielmehr von Arbeitskräften aus Ex-Jugoslawien.

SVP will keine Guantanamo-Häftlinge

Sturm laufen SVP-Vertreter auch gegen Pläne der Berner Bundesregierung, zwei Uiguren aus Guantanamo aufzunehmen. China hat der Schweiz bereits mit handelspolitischen Sanktionen gedroht, sollte den beiden Brüdern aus dem rebellischen Nordwesten des Riesenreiches in der Schweiz eine neue Heimat geboten werden. Auf der Kippe könnte das angestrebte Freihandelsabkommen mit China stehen, befürchten die bürgerlichen Parteien.

Für Peking sind die beiden Uiguren schlicht "Terroristen", die vor ein chinesisches Gericht gestellt werden müssten. Für die Amerikaner gelten sie hingegen als unschuldig. Die beiden Uiguren waren zwar in Afghanistan gefangen genommen worden, nachweisen konnte man ihnen aber keine Verbindungen zur Al-Kaida. Bei der SVP wird die Ansicht vertreten, dass die USA die Suppe, die sie sich mit Guantanamo eingebrockt haben, selber auslöffeln müssten.

Die Befürworter erinnern dagegen an die langjährige humanitäre Tradition der Eidgenossenschaft. Auch will man es sich mit den USA wegen des noch immer schwelenden Streits um die Herausgabe der Daten von mehr als 4.000 US-amerikanischen UBS-Kunden, denen Steuerbetrug, bezw. Steuerhinterziehung angelastet wird, nicht noch mehr verderben.

Fremdenfeindliche Reflexe haben in der Schweiz eine lange Tradition. Hatte das Land in Zeiten der Hochkonjunktur in den 50er und 60er Jahren zahlreiche Italiener geholt, so griffen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre Überfremdungsängste um sich. Die sogenannten Schwarzenbach-Initiativen für einen Einwanderungsstopp scheiterten damals nur knapp. 1992 war es vor allem die geharnischte Anti-EU-Kampagne der SVP, die den EWR-Beitritt der Schweiz verhinderte.

Auch in diesem Fall wurde vor allem das Schreckgespenst einer unkontrollierbaren Zuwanderung heraufbeschworen. Das Thema kam allerdings mit den bilateralen Verträgen durch die Hintertüre zurück. Das Freizügigkeitsabkommen mit der EU verpflichtet die Eidgenossenschaft, die Grenzen für EU-Bürger zu öffnen. Mit rund 20 Prozent hat die Schweiz einen der höchsten Ausländerprozentsätze in Europa. Die Zuwanderung dürfte damit ein Dauerbrenner bleiben. (APA)

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AntiFa201
16.05.2010 13:56
verdaaammmt lustige sache...

Fritz Wunderlich
15.02.2010 11:23

der deutsche professorenfilz ist dank der förderung durch die schwarzblauen auch an den wiener unis institutionalisiert worden

Nathan der Heiße
 
02.02.2010 15:27
...

"Vorgehalten wird ihnen überdies, die ohnehin schon teueren Mieten in den großen Städten noch weiter nach oben zu treiben."

Eine Moschee mit Minarett in die jeweiligen Stadtteile gebaut, und das Problem ist gelöst, liebe Schweizer!

Hehe...

Unzeit-gemäß
01.02.2010 13:54
Renaissance nationaler/regionaler Identitäten?

Täusche ich mich oder war man in Europa nicht schon mal weiter? Gab es da nicht mal eine Zeit - so zwischen den 60ern und den 90ern -, in der man sich zumindest in Westeuropa einfach als "Europäer" oder als "Westler" gefühlt hat, und in der die kleinräumigeren Identitäten für die Tourismus-Folklore eine Rolle spielten.

Heute lassen Zukunftsangst und Arbeitsplatzkonkurrenz die Leute wieder in Stammesdenken zurückfallen.

db73
31.01.2010 09:37

Man stelle sich nur mal vor wenn zb. in Schottland verlangt würde nicht nur Englisch, sondern auch noch den lokalen Dialekt zu spechen , oder in den US Südstaaten zb ............ lächerlich.
Vielleicht haben die Schweizer ja bei Migranten aus dem Orient mehr Glück mit dem Verlangen nach Switzerdütsch *lach*

rinius ante portas
30.01.2010 20:47

Für die Schweizer kommt´s noch dicker:

http://www.ftd.de/politik/d... 67581.html

Und die Schweizer Regierung agiert schon:

http://www.tagesschau.de/inland/st... er104.html

Wer, wie die Schweizer, einen Teil seines Wohlstandes nicht nur mit dem Geld von deutschen Steuerhinterziehern verdient, sondern auch mit Geldwäschern und Mafiosis aller Herren Länder, also mit Kriminellen aller Art, sollte sich besser ruhig verhalten.

Bin gespannt, ob der Blocher wieder davon schwadroniert, das "DIE Deutschen nur das sauer verdiente Geld der Schweizer" kassieren wollen.

Waxolunist
17.02.2010 08:00

Nun, die Schweizer erwirtschafteten dieses Jahr einen Budgetüberschuss, trotz Wirtschaftskrise.
Wann hat das zuletzt Deutschland (oder Österreich) geschafft?
Obwohl die Abgaben in der Schweiz weit geringer sind, erwirtschaftet der Bund Überschüsse.
Durch die Steuer-CD hat man nun auch einen bequemen Schuldigen für die Schulden im eigenen Land.

DirtyHarry
29.01.2010 16:56
Deutschland


Rassismus kann man der SVP somit nicht vorwerfen.

Paolo Rossi
28.01.2010 15:17
Nationale Autonomie und EU

Die Schweizer haben durch den unterbliebenen EU-Beitritt zumindest noch theoretisch die Möglichkeit gegenzuwirken. Österreich ist da in einer schlechteren Situation.

Ich könnte mir übrigens gut vorstellen, dass die Schweiz bald auch wieder den Schengen-Vertrag aufkündigen wird.

Jürgen Rembremerding
 
28.01.2010 21:31
Wäre schlecht:

"Die Teilnahme an den Forschungsrahmenprogrammen der EU, die von Brüssel aus verwaltet werden, gehört zu den wichtigsten Prioritäten der schweizerischen Wissenschaftspolitik. Schweizer Forschende aus den Hochschulen und der Privatwirtschaft beteiligen sich seit 1987 an den Rahmenprogrammen. Seither hat sich das Feld der Teilnehmer laufend erweitert: während des 3. FRP (1990-1994) wurden 500 Schweizer Projektteilnehmer mit insgesamt 127 Mio. CHF unterstützt, im 6. FRP (2003-2006) dagegen waren es bereits 1900 Teilnehmer und eine Fördersumme in der Höhe von 793 Mio. CHF."

Gelle!

http://www.sbf.admin.ch/htm/theme... rp_de.html

Der Zwersch
28.01.2010 19:04

Es geht halt nix gegen blühende Fantasie

Julian m. aus c.
15.02.2010 12:45

...ÜBER blühende Fantasie, nicht gegen blühende Fantasie.

Thomas Wetschnig
28.01.2010 17:54
Da würden sie sich aber ein Eigentor schießen ............

............ weil dann die vielen neureichen Inder und Chinesen auf einen Schweiz Besuch verzichten werden, wenn sie nicht nur ein separates Visum, sondern auch noch ein Mehrfachvisum für die Schengenzone benötigen. Und die sind die letzten, die noch nicht wissen, daß man anderswo für weniger Geld mehr Qualität geboten bekommt als in den vielen veralteten heruntergekommenen Schweizer Absteigen, wo einem mehr Geld aus der Tasche gezogen wird wie anderswo in einem 5* Hotel.

i.CH
30.01.2010 11:01

ihre Sorgen um Schweizer Eigentore in aller Ehre, es kommt mir bloss so geheuchelt vor. :-)

Leo Mittersiel
28.01.2010 13:01
Südtiroler und Kärntner vs. Deutsche

Deutsche sind in der Regel unangenehm, wenn sie gerade frisch ankommen. Da schreien sie herum (insb. in der Bibliothek!) und machen auf die großen Herren, die den Ösis zeigen wo's langgeht. Nach einiger Zeit integrieren sie sich allerdings und sehen ein, dass ein miteinander notwendig ist (sofern sie nicht - wie so viele! - nach ein bis zwei Semestern aufgeben und abreisen).

Die Südtiroler und Kärntner hingegen sind ruhiger im Auftreten, integrieren sich allerdings auch nach Jahren und Jahrzehnten kaum. Sie hängen immer nur in ihren Zirkeln herum und wollen mit den "Öschterreichern" und "Wianern" nichts zu tun haben.

Ehrlich gesagt ist mir ein geläuterter Deutscher lieber als ein dahinsumpernder Südtiroler oder Kärntner.

Nicolas Castillo
10.02.2010 10:57
na Sie sind ja ein völlig vorurteilsfreier Mensch ... Herzlichen Glückwunsch!

Nathaniel Winerib
28.01.2010 11:29
Mehr Empirie, weniger Emotion

Die Diskussion scheint mir ein wenig überemotionalisiert zu sein. Wieviele Lehrstühle werden in der Schweiz von Deutschen geleitet? Wieviele Assistenten kommen aus Deutschland? Und umgekehrt: Wieviele Schweizer Ordinarien wirken in Deutschland? Wieviele Assistenten haben sie mitgebracht?

Gleiches könnte/sollte man für Österreich berechnen und dann in Relation zur Bevölkerungszahl setzen.

Dass es Netzwerke gibt, ist klar. Es gibt ja auch ein Österreicher-Netzwerk in deutschen Medien. Ein Besuch in Köln reicht aus um dies abends in einschlägigen Lokalitäten zu studieren.

Insofern lehne ich sowohl die hysterische Haltung von Bleicek, als auch die aggressive von Rembremerding ab.

Karlgaard
28.01.2010 12:37

ich weiß auch nicht, woher diese aggression kommt. dieser rembremerdingsbums ist jedenfalls kein repräsentatives beispiel für deutsche. da muss ich meine zahlreichen deutschen freunde (in und außerhalb wiens) in schutz nehmen.

Jürgen Rembremerding
 
28.01.2010 12:17
Mein Ton mag zum Schluss etwas scharf gewesen sein,

aber in der Sache bleibe ich dabei, dass es unangemessen ist, das Thema mit offenkundig erfundenen Zitaten zu behandeln.

Das ist die Strategie jener wie der SVP, die ein komplexes Thema auf Schlagworte reduzieren, um es zu emotionalisieren, um daraus Kapital zu schlagen!

Oder nimm jenes Posting http://derstandard.at/plink/126... id15463627 , in dem "deutschnationale Einfalt" der Wiener Germanistik beklagt wird und schau Dir dann mal auf der HP die Viten und Publikationen der damit Kritisierten an!
Was ist z.B. hier deutschnational?
http://germanistik.univie.ac.at/personen/... ikationen/
http://germanistik.univie.ac.at/personen/... -annegret/

Leo Mittersiel
28.01.2010 13:04

Sie haben offenkundig den ironischen Ton des Postings nicht verstanden ;-) Das ist (leider?) halt auch eine österreichische Eigenheit, dass vieles anders gemeint ist, als es am ersten Blick für outsider erscheint. Das führt dann häufig zu einem veritablen Kulturschock :-)

Petra Bleicek
28.01.2010 11:20
Kulturimperialismus

Die USA betreiben Kulturimperialismus weltweit, die Bundesrepublik Deutschland vor allem in Europa, speziell in Nachbarländern. Wer das auch nur auszusprechen wagt, bekommt die volle Wucht bundesdeutscher Solidarität zu spüren. Manche nennen das dann eben Filz.

Jürgen Rembremerding
 
28.01.2010 12:21
he he he!

Hat man Dich gezwungen die neue Ruhrhymne von Grönemeyer zu singen und dabei die Schalke04-Fahne mit der Hand an der Mütze salutierend zu grüßen:

http://www.youtube.com/watch?v=afWZfnsQyR8

Widrigenfalls ab ins Lager nach Wanne-Eickel!

Du Arme!

Karlgaard
28.01.2010 12:34

Gut, dass nicht alle Deutschen so sind wie Sie!

Jürgen Rembremerding
 
28.01.2010 13:36
Im Vertrauen:

Ich bin ja gar kein Schalker!

binGeladen
28.01.2010 23:20
:-))

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