Weinbaugebiete

Die zwei Wahrheiten des steirischen Weins

26. Jänner 2010 10:19
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    Foto: luzia schrampf

    Ein Unterschied: Horizontale Rebzeilen in Stajerska,

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    Foto: josef kirchengast

    vertikale Rebzeilen in der Steiermark.

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    grafik: der standard

Zwischen der österreichischen Steiermark und der slowenischen Stajerska verläuft die Grenze zwischen zwei Weinbaugebieten, die denselben Namen tragen und doch nicht ganz spannungsfrei verbunden sind

In der Sprache der "stajerci", der Menschen, die dort lebten, war die Bezeichnung Stajerska immer gang und gäbe. Den Gästen serviert man "kibelflajs" unterm "klopotec", der durch sein Klappern Vögel aus den Weingärten vertreibt und auch in steirischen Weingärten zu bewundern ist. Auf slowenischer Seite finden sich Nachnamen wie jener des Winzers Danilo Steyer, der ein Familienweingut unweit der steirisch-slowenischen Grenze mit der Spezialität Gewürztraminer führt, eine Sorte, die sich auch in der Südoststeiermark gut macht.

"Stajerska slovenija" heißt der Weinbaubezirk jenseits der Grenze offiziell erst seit 2006. Er und Prekmurje, nordöstlicher gelegen, bilden die kleineren geografischen Einheiten (eben Weinbaubezirke) der Weinbauregion Podravje, einer von insgesamt dreien in Slowenien.

Die Umbenennung sei notwendig geworden, da das slowenische Weingesetz nach dem EU-Beitritt des Landes 2004 an EU-Recht angepasst werden musste, erklärt Dujan Brejc von Vinska druzba Slovenije d.o.o, der trotz des offiziell klingenden Namens "Weinverband Sloweniens" eine von zwei Privatorganisationen von Weinproduzenten ist, die sich auch als Lobbyisten für slowenischen Wein starkmachen, da eine für alle Winzer sprechende Marketingorganisation wie in Österreich fehlt. Da laut Brejc das slowenische Weinrecht höherwertige Qualitätsweine nur aus kleineren geografischen Einheiten (Bezirken) zulässt, habe man sich auf den historischen Namen geeinigt, der "immer schon" für die Region benutzt wurde.

Zu einem "leichten Diskurs", wie es Klaus Luttenberger, Direktor des steirischen Weinbauverbandes, vorsichtig-elegant bezeichnet, kam es, als die Umbenennungspläne Sloweniens unter steirischen Winzern ruchbar wurden. Nördlich der Grenze keimte der Verdacht, dass die Slowenen ein Image nutzen wollten, das die Steirer über Jahrzehnte aufgebaut hatten. Dass der Weinbaubezirk Stajerska dabei 9700 der 11.000 Hektar der Podravje-Region umfasst, wurde in Österreich als weitere Finte interpretiert.

Die Bedenken waren angesichts der Konkurrenzsituation logisch, auch wenn sich Weinstile und Rebsorten nicht großflächig decken. Doch auch die Verflechtungen sind stark. Stajerksa bezeichnet in Slowenien ein positives Lebensgefühl, dessen Wurzeln auf die gemeinsame Geschichte als Untersteiermark zurückgingen, egal, welcher politische Wind im Land sonst wehte. Das gab der Debatte eine zusätzliche emotionale Dimension. "Die Leute hier sind stolz, aus der Stajerska zu sein", erzählt Alois Gross, steirischer Spitzenwinzer, der gemeinsam mit einem österreichischen Partner auch eine Weinkooperation in Slowenien führt.

Einige steirische Winzer haben Interessen in Slowenien, da sie erfolgreiche Kooperationen aufgebaut haben. Zu den Ersten zählten die Brüder Polz am Grassnitzberg bei Spielfeld, die mit Miro Munda in Kog bei Jeruzalem zusammenarbeiten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg Jugoslawien entstand, wurden zahlreiche österreichische Besitztümer verstaatlicht, die den ursprünglichen Eigentümern respektive ihren in Graz oder auch Wien lebenden Nachfahren inzwischen wieder zurückgegeben wurden. Dveri Pax in Jarenina ist ein erfolgreiches "stajerskisches" Weingut, das den Benediktinern des Stiftes Admont gehört, und symptomatisch für mehrere Restitutionsfälle steht.

Auch Gross selbst war "als steirischem Winzer die Umbenennung zu Beginn nicht sehr recht". Die Unterscheidung sei zwar in Deutsch und Slowenisch klar, im Englischen beispielsweise näherten sich Styria und Styria Slovenia an. Großbritannien ist ein wichtiger Wein-Importmarkt, auf dem sich Sloweniens Weinwirtschaft sehr gut etablieren konnte. Auch Österreich schlägt sich dort gut, wenn es sich auch nicht ganz leichtfüßig bewegt. Alois Gross hofft vor allem "auf einen korrekten Umgang mit den Namen".

Ein Luttenberger

Auch Klaus Luttenbergers Familie kam, wie's scheint, irgendwann in der Geschichte im heutigen Ljutomer, seinerzeit Luttenberg, vorbei, wie er selbst ironisch anmerkt. Aber heute habe er vor allem darauf zu achten, dass steirischer Wein aus der Steiermark kommt. Der Streit um die Bezeichnung kam übrigens vor die Europäische Kommission, die ihn salomonisch beilegte: Da es ein Weinbaugebiet im Sinne der Herkunft nur einmal geben könne und die jeweilige Landessprache verwendet werden muss, einigte man sich auf eine Lösung, die auch bei der Mosel gegriffen hat - Mosel auf deutscher Seite und "Moselle Luxembourgeoise" in Luxemburg. (Luzia Schrampf, DER STANDARD, Printausgabe, 26.01.2010)

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21 Postings
Grdi Janezi
28.01.2010 14:47

Das Problem außerhalb Sloweniens ist tatsächlich die Vermarktung im Ausland. Während Weine aus der Region Goriska Brda (Movia, Simcic, Bjana) Selbstläufer sind und (zu) hohe Preise erzielen sind andere Winzer in der Stajerska Slovenija noch zu unbekannt trotz Spitzenqualitäten (Kogl, Kupljen, Verus, Pullus, usw.). Gleiches gilt für die kaum bekannten Winzer aus dem Vipava-Tal (Wippach) wie Guerila, Sutor, Krapez, Tilia usw.
Weinfreunde sollten einfach probieren und sich nicht von Namen irritieren lassen...

Em sembla que ara em toca a mi.
27.01.2010 18:09
Vielleich könnte man das Südburgenland als Stajerorszag

auch noch zum steiermärkischen Weinanbaugebiet erklären. 1938 - 1945 war es übrigens Teil des Reichsgaus Steiermark.

Heast
27.01.2010 09:15
Es singt der Steirer:

Hoch vom Dachstein an, wo der Aar noch haust,
bis ins Wentenland wohl an der Save ...
... diese schöne Land ist mein Steirerland ...

das ist die aktuelle Landshymne

Blanca Hohn
28.01.2010 12:26
und?

ich kenn einen Bauer, der ist Professor. und einen Fleischhacker, der ist Arzt.

müssen die sich jetzt alle umbenennen??

Chi-Quadrat
28.01.2010 12:57

Ein Herr Arzt, der Fleischhacker ist, klingt fast besser als ein Herr Doktor, der Fleischhacker ist.

sosigenes
27.01.2010 10:23

... bis zum Wendenland am Bett der Sav' ...


Und was in Texten anderer Hymnen drin steht, siehe Frankreich oder Italen ...

tramezzino
26.01.2010 14:03
die untersteiermark

gehört halt seit fast 90 jahren zu slowenien, aber sie ist trotzdem noch die untersteiermark.

sosigenes
26.01.2010 22:25
SHS-Staat

Die Untersteier kam vor 91 Jahren an das serbisch dominierte Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen unter serbischer Königsdynastie, 1941 ans Deutsche Reich unter Hitler und 1945 an Tito-Jugoslawien, von dem sich Slowenien 1991 abspaltete. Heute gehört das seinerzeitige Gebiet des ganzen Herzogtums Steiermark zur EU und "Euroland".

Heast
26.01.2010 13:38
Sterz

auf beiden seiten

sosigenes
26.01.2010 22:15

Heiden oder Türken?

Heast
27.01.2010 00:35
Dem Steirer

ist alles Sterz

Grdi Janezi
28.01.2010 14:15

Zganci (Sterz), zaseka (Verhackertes), bucno olje (Kernöl), ocvirki (Grammeln), meso iz tunke (Kübelfleisch)...

Blanca Hohn
28.01.2010 16:47

...krumpirn (sp?) = grundbirnen = erdäpfel.

Zinnmo
 
26.01.2010 10:53
Leider noch kaum Qualitätswein auf sowenischer Seite

Ja, es gibt die positiven Ausnamen. Aber das sind sie leider immer noch: Ausnamen. In Altjugoslavischer Zeit hatte Wein vor allem zweierlei zu sein: Süss und billig. So wird immer noch produziert: Auf Masse, nicht auf Qualität. Dass die Kunden das noch immer so wollen, verschärft die Situation. Es gibt einfach kaum innerslowenischen Markt für slowenischen Qualitätswein.

Die guten Lagen wären da, die Ausbildung und der Anspruch der Winzer, sowie die Ansprüche der Konsumenten sind es nicht. Man fühlt sich in die unseligen Zeiten vor dem Weinskandal zurückversetzt, als die steirischen Weine ähnlich schmeckten wie jetzt die aus der Stajerska.

Man kann hier nur auf einen Generationenwechsel hoffen. Bei Winzern wie bei Kunden.

Grdi Janezi
28.01.2010 14:31

Wie bitte? Wie gut kennen slowenischen Wein? Mir scheint nicht all zu gut...
Gehen Sie in Vinotheken oder Supermärkte und probieren die Weine, dann würden Sie nicht so ein Urteil fällen. Kleine Produzenten die Ihren Wein offen oder in kleinen Mengen verkaufen haben meist zwei Linien - eine trockene Variante und eine mit Restsüsse.
Qualitätsweine gibt mittlerweile in allen Weinanbaugebieten. Die Qualitäten stehen jenen in Österreich kaum nach, nein übertreffen Sie teilweise sogar, wenn man das Preis Leistung Verhältnis mit ein paar völlig überteuerten Gewächsen (Polz, Sattler oder Gross) vergleicht.
Hier spricht die Angst vor der stärker werdenden Konkurrenz aus Ihren Sätzen...

lilly munster1
27.01.2010 15:44

Anscheinend ist schon sehr lange her, dass Sie einen Wein aus Slowenien bzw. Stajerska getrunken haben...

Grdi Janezi
28.01.2010 14:32
Meine Worte. Danke!

sosigenes
26.01.2010 22:15

Trinken Sie einen Riesling aus Lasko!
Dort gibt es nicht nur gutes Bier.

Em sembla que ara em toca a mi.
27.01.2010 18:00

Gibts beides dort im Supermarkt.
Bier und "Riesling".

Chi-Quadrat
28.01.2010 09:48

Lasko pivo & laski rizling getrunken und für gut befunden.

Kernseife
26.01.2010 22:45
laski rizling?

slowenisch für welschriesing, nur zur info.

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