Ist Fernsehen im Dunkeln schlecht für die Augen?

Regina Philipp
28. Jänner 2010, 17:59
  • Netzhautschaden des Augenhintergrundes, wie er durch den ungeschützten Blick auf die totale Sonnenfinsternis entstehen kann.
    foto: apa/lilly speicher

    Netzhautschaden des Augenhintergrundes, wie er durch den ungeschützten Blick auf die totale Sonnenfinsternis entstehen kann.

Userin Maria K. macht sich Sorgen um die Augen eines Freundes - Der sieht nämlich bevorzugt im abgedunkelten Wohnzimmer fern, gefährdet damit aber nicht seine Netzhaut

„Fernsehen im Dunkeln stellt für das menschliche Auge absolut kein gesundheitliches Risiko dar", beantwortet Peter Heilig, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, kurz und bündig die eingehende Frage. Der Mann weiß wovon er redet, beschäftigt er sich doch schon seit Jahren mit Lichtschäden im Auge. Seine Bemühungen dem hartnäckigen Mythos um die angebliche Gefährlichkeit längerfristiger Betrachtung von Computer- und Fernsehbildschirmen den Garaus zu machen, fruchten allerdings wenig.

Keine Gefahr für die Netzhaut

Unter Verdacht steht seit Jahrzehnten das Blaulicht, das angeblich insbesondere von LCD (liquid crystal display)-Monitoren in größerem Ausmaß abgestrahlt wird. Dieses kurzwellige Licht wird dafür verantwortlich gemacht die menschliche Netzhaut zu schädigen und die Entstehung einer altersbedingten Makuladegeneration zu forcieren.

„Das menschliche Auge hat wenig Freude damit, wenn zu viel und zu lange blaues Licht auf die Netzhaut gelangt", negiert auch Heilig diese Tatsache nicht. Jedoch, und an diesem Punkt herrscht Uneinigkeit unter Experten, ist der Blaulichtanteil von Fernseher, Computer und Co zumindest laut Heilig viel zu gering, um der Netzhaut nachhaltig zu schaden. „Beim Betrachten einer Sonnenfinsternis oder beim Schweißen kann es ohne ausreichenden Lichtschutz zu einem Netzhautschaden kommen, beim Fernsehen passiert genau nichts", weiß der Wiener Augenexperte.

Muntermacher Blaulicht

Warum das Blaulicht primär in der Dunkelheit dem Auge nicht gut tun soll, hat angeblich mit der Chronobiologie des Menschen zu tun. Einer Untersuchung aus dem Jahr 1987 zufolge unterdrückt Blaulicht das Entspannungs- und Dunkelhormon Melatonin. Das macht munter und verschafft dem Fernsehzuschauer im Dunkeln zu späterer Stunde beträchtliche Schlafschwierigkeiten. Ein vermeintlicher Muntermacher-Effekt, dem die Industrie Folge geleistet hat. In Tunnels, Kindergärten, Altersheimen und Fabriken wurde überall blaustichiges Licht installiert, um die Vigilanz von Autofahrern, Kindern, alten Menschen und Arbeitern zu erhöhen.

„Die Untersuchungsergebnisse von damals sind längst widerlegt. Polychromatisches Licht, wie das normale Tageslicht, wirkt sich wesentlicht stärker auf den Melatoninhaushalt aus, als monochromatisches Blaulicht", betont Heilig und betrachtet insbesondere die Verwendung von Blaulichtscheinwerfern im Straßenverkehr als höchst problematisch. „Blaulicht blendet stärker, streut mehr und erzeugt dabei noch unscharfe Bilder, da der Brennpunkt der kurzen Blaulichtwellen nicht auf, sondern vor der Netzhaut liegt", erklärt der Experte und fordert nicht zuletzt deshalb das generelle Verbot der Verwendung von Tagfahrlicht. Entgegen der allgemeinen Meinung, dass das Fahren mit eingeschaltenen Scheinwerfern am Tag die Aufmerksamkeit und damit die Verkehrssicherheit erhöht, betrachtet Heilig diese Maßnahme als besonders gefährlich: „Das menschliche kognitive System wird mit so vielen Lichtreizen nicht fertig und überfordert damit seine visuellen Kurzzeitspeicher".

Mitunter kann dann folgendes passieren: Ein Kind überquert den Zebrastreifen. Der Lenker eines herannahenden Busses wird von Taglichtfahrern unbewusst abgelenkt und vielleicht auch geblendet. Das Kind wird auf der Netzhaut des Busfahrers dennoch scharf abgebildet, in der kognitiven Verarbeitung wird das Bild jedoch ausgelöscht. Der Buschauffeur verursacht einen tödlichen Unfall und schwört, dass auf dem Zebrastreifen kein Kind war. „Der Mann ist möglicherweise unschuldig, wenn sein Gehirn dem Overflow an Lichtstimuli nicht gewachsen war", weiß Heilig und bezeichnet die Kinder als „unschuldige Opfer" des Tagfahrlichtes. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigen auch aktuelle Statistiken: Der Abnahme an Gesamtverkehrsunfällen, steht ein stetiger Anstieg tödlicher Radfahrer- und Kinderunfälle auf Zebrastreifen gegenüber. Die generelle Ausstattung neuer Autos mit Tagfahrleuchten ist für 2011 europaweit trotzdem geplant.

Trockene Augen, keine Fehlsichtigkeit

Doch zurück zum Fernseher und Computer. Neben der drohenden Makuladegeneration, existiert auch die Behauptung, dass stundenlanges Betrachten der LCD-Monitore fehlsichtig macht. Marathonglotzer fürchten sich jedoch zu Unrecht vor einer Hypermetropie (Weitsichtigkeit) oder einem Astigmatismus (Hornhautverkrümmung). Wozu es allerdings immer kommt, erklärt Heilig: „Die Augen werden innerhalb relativ kurzer Zeit trocken. Das verschlechtert die Abbildung massiv, was der Betrachter mit gesteigerter Konzentration kompensiert und dabei gleichzeitig seine Lidschlagfrequenz reduziert". Das alles wäre nur halb so schlimm würden, so Heilig, daraus nicht häufig die falschen Schlüsse gezogen. Das unscharfe Bild, das infolge trockener Augen entsteht, erzeugt vorübergehend ein latentes Schielen. Dieses wird gerne als manifestes Schielen fehlinterpretiert. Der Kunde fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt. Die erworbene Prismabrille löst sein Problem allerdings nicht. (derStandard.at, 28.10.2010)

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und im kino is es hell?

noch bloedere fragestellungen fallen niemandem mehr ein, oder?

wenn

ich mich als autofahrer einem zebrastreifen naehere dann konzentriere ich mich auf ihn und nicht auf eventuell entgegenkommende autofahrer. also geschwindigkeit verringern und auf fussgaenger achten. dann kann das auch nicht passieren das das gehirn ein kind ausblendet.
ist doch nicht so schwer.

jooooo eeehh

und natürlich sehen sie immer und überall di Zebrastreifen schon auf 100m eEntfernung. Vielleicht gibt es aber auch überhaupt keinen und da geht einfach jemand über die Strasse.
Was ich als Motorradfahrer, sie wissen sicherlich schon was jetzt kommt, bezeugen kann ist, daß man öfter übersehen wird. Zum glück ist meine Maschine schön laut, sonst hätt es mich im Stadtverkehr vermutlich schon erwischt.

Mitunter kann dann folgendes passieren

Mitunter kann dann folgendes passieren: man schert als autofahrer auf der landstrasse zum überholen aus und glaubt, dass auto in 300m entfernung bewegt sich ebenfalls in selber fahrtrichtung; sekunden später - dh zu spät- erkennt man, dass das auto in entgegen gesetzter fahrtrichtung ohne tageslicht unterwegs ist und es kommt zu einer kollision da man nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte... wäre der gegenverkehr mit tageslicht unterwegs gewesen, hätte man früher reagieren können... nun, das hr. dr. passiert jedes jahr zig mal... LICHTFAHRER SIND SICHTBARER... UND NUR STADTTROTTELN erkennen den mehrwert des lichtfahrens nicht...

Bitte Führerschein abgeben!

Wenn man mit 100 km/h fährt so benötigt man für 100 m etwas weniger als 4s, d. h in Ihrem Fall sind sie noch immer 100 m von einander entfernt. D.h man kann noch etws zögern, um dann noch die richtige Entscheidung zu treffen. Außerdem sind auf der Straße nicht nur Kraftfahrzeuge unterwegs und es geht um die Gesamtsicherheit!

Jaja... "Verwirren sie mich nicht mit Fakten, ich habe mir meine Meinung schon längst gebildet". Nicht wahr?

Jemand der auf 300m eine Autofront nciht von einem Autoheck unterscheiden kann, der sollte sich aufs Radfahren konzentrieren oder aber das Überholen bleiben lassen.

mein werter Herr besser wisser

Das da im Artikel sagt ein Fachmann, der sich schon einige Zeit mit dem Thema der Wahrnehmung und des Sehens beschäftigt hat und vermutlich an diversen Fallbeispielen seine Ansicht belegen kann. Wo ist ihre Fachkenntnis, außer, daß sie schon mal am Strassenverkehr beteiligt waren?

Ist das ihr ernst? Sie erkennen nicht in welche Richtung sich ein Auto in 300m entfernung bewegt? Entweder sollten Sie sich eine brille zulegen oder das autofahren sein lassen.

Natürlich erhöht Licht in gewissen Situationen die Sicherheit. z.B. in der Nacht, und bei schlechten Sichtverhältnissen (auch das hat sich noch nicht bei allen herumgesprochen).

Da die Aufmerksamkeit jedoch reflexartig zum Licht hin geht, kommt es automatisch zu einer schlechteren Wahrnehmung von unbeleuchteten Verkehrsteilnehmern, wie Fußgängern, Radfahrern und spielenden Kindern.

Aber die haben nach der Auffassung vieler nichts auf oder neben der Straße verloren und sollen sich sonst wohin schleichen, um dem Autofahrer platz zu machen.

ad "tagfahrlicht für PKW":

speziell in der stadt völlig überflüssig.

es würde schon vollkommen ausreichen, wenn nicht gute 5-10% der autofahrer schlicht zu blöd wären, das licht bei einbruch der dunkelheit rechtzeitig (!) einzuschalten - offenbar glauben die, das licht sei nur für sie selbst (und nicht etwa um die besser für andere sichtbar zu machen) und daher erst zu verwenden, wenn man ohne die fahrbahnoberfläche überhaupt nicht mehr sieht....

in der stadt ja..

..am land find ichs super!

hatte noch nie das gefühl geblendet zu werden, aber schon einige mal ein auto früher 'entdeckt' (vor allem silber/graue) bzw. eben gegenteiliges..

das fällt ja auch unter "wissen, wann man mit licht fahren soll bzw. muss" - auf der autobahn und auf kurvenreichen landstraßen fahre ich auch fast immer mit licht.

das schlimme sind die deppen, die nicht mal bei dämmerung, nebel & regen das licht einschalten, weil sie den eigenen scheinwerferkegel (noch) nicht sehen...

vollste zustimmung..

..wenn es alle so handhaben würden, wärs ja kein problem.

haben es eig. so in der fahrschule gelernt.. als erstes licht einschalten (und damals war auch kein tagfahrlicht pflicht) bzw. kann es bei einigen autos gar nicht mehr ausgeschaltet werden.

in der stadt schalte ich es allerdings normalerweise am tag bei schönwetter bewusst aus.

der hausverstand ist leider bei den meisten nicht sehr ausgeprägt, denn auch wenn man's nicht in der fahrschule gelernt hat muss jedem bei dämmerung auffallen, dass man entgegenkommende unbeleuchtete fahrzeuge schlecht sieht, auch wenn die fahrbahn vom eigenen licht (noch) nicht ausgeleuchtet wird.
den meisten ist offenbar vollkommen wurscht, was außerhalb ihres blechkastls (und hirnkastls...) passiert, solange sie selbst nix vom eigenen licht haben... ;o)

klug schei ß er

red net, geh bei dämmerung raus und sperr die augen auf.

bla bla...

jaja, schon gut...

sehr konstruktiv, dein beitrag, danke - das ist *wirklich* zielführend... mein 5-jähriger neffe hat bis vor einem jahr auch zu dieser argumentationslinie geneigt, hat das aber mittlerweile überwunden, im gegensatz zu manch anderem... ;oP

Fernsehen ist schlecht...

...nicht nur für die Augen...sollte es heissen...

mhm

kommt drauf an wie selektiv man sich sein programm aussucht

;-)

bzw. wie ausgesucht man sein Programm selektiert

Den Mythos mit dem Blaulicht kenn ich gar nicht. Mir ist es nur einfach viel zu anstrengend, wenn rundherum alles finster ist und ich nicht permanent auf den Schirm starre, sondern ab und zu auch mal wo anders hin.

Ja, mir geht's genauso...

Wenn der Kottan am Fahrrad

kein Blaulicht gehabt hätte, wär' er ja sonst eingeschlafen.
In Fabriken kenne ich eher Neonröhren, die mir absolut unangenheme Gefühle auslösen.

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